Welche Folgen hatte die Verbürgerlichung der deutschen Juden im 19. Jahrhundert auf das Geschlechterverhältnis? Inwiefern waren Einbindung, Erfahrung und Verarbeitung dieses Prozesses unterschiedlich für jüdische Männer und Frauen? Diesen für das Verständnis der deutsch-jüdischen Geschichte zentralen Fragen wird in dem Band ebenso nachgegangen wie den Auswirkungen, die Verfolgung, Vertreibung und Massenmord im 20. Jahrhundert auf die Geschlechterbilder und -rollen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft hatten und inwiefern sich deren langfristige Spuren bis in die Gegenwart nachweisen lassen. Ein konsequent geschlechtergeschichtlicher Blick trägt dazu bei, vermeintliche Gewissheiten, etablierte Periodisierungen und verbreitete Interpretationen zu überprüfen - und eröffnet so auch für die deutsch-jüdische Geschichte eine ganze Reihe neuer Perspektiven und Chancen.
»Das gründlich recherchierte und beispielhaft gestaltete und ausgestattete Handbuch wird sich sehr schnell zu einem unerlässlichen Hilfsmittel der historischen Forschung (...) entwickeln« (Politische Studien)
Das mit diesem Band abgeschlossene Werk erfasst alle Angehörigen des höheren Auswärtigen Dienstes zwischen 1871 und 1945. Auf Basis der Personalunterlagen und weiterer Quellen unterrichtet es über Lebensdaten, Herkunft, Familie, Konfession, Ausbildung, Parteizugehörigkeit und Stationen der Laufbahn innerhalb und außerhalb des Dienstes. Die Artikel enthalten Fotos, bibliographische Hinweise und Angaben zum Verbleib des Nachlasses. Aufgenommen sind neben den Außenministern alle Beamten und Angestellten des höheren Dienstes.
Seit im 19. Jahrhundert durch die Emanzipationsgesetzgebung die rechtlichen Rahmenbedingungen dazu geschaffen worden waren, wurden die Juden immer stärker zu einem aktiven Teil des politischen Systems in Deutschland.
Das Buch zeigt, wie die Veränderungen eine solche Teilnahme ermöglichten, wie Juden und Jüdinnen diese nutzten und wie sie sich politisch organisierten. Zugleich wird deutlich, dass sich der entstehende moderne Antisemitismus gerade gegen das politische Engagement von Juden richtete – bis hin zum Nationalsozialismus, der vor der physischen Vernichtung der Juden ihre politischen Handlungsmöglichkeiten radikal beschnitt. In der deutschen Nachkriegsgesellschaft spielten die überlebenden Juden erneut eine politische Rolle, und unsere multiethnische und -religiöse Gegenwartskultur wirft auf neue Weise die Frage nach den Chancen und Grenzen jüdischer Politik auf.
Neue Perspektiven auf Geschichte in der Öffentlichkeit
In diesem Essayband sind Überlegungen zu den Formen von Geschichte in der Öffentlichkeit versammelt, um zu einer Standortbestimmung der Angewandten Geschichte zu gelangen: Von der Unternehmensgeschichte bis zur zivilgesellschaftlichen Aushandlung von Geschichtswahrnehmungen wird die Landschaft der unterschiedlichen Zugänge zu Angewandter Geschichte umrissen. Was sind ihre Hinter grün de, Spezifika und Grenzen? Wo ist Angewandte Geschichte in einer immer vielfältigeren Geschichtskultur zu verorten? Welche Potentiale bietet Angewandte Geschichte für eine Erneuerung der Historischen Wissenschaften? Mit Beiträgen von Gangolf Hübinger, Gerhard Obermüller, Thomas Prüfer, Jörn Rüsen, Robert Traba, Marcus Ventzke, Irmgard Zündorf und den Herausgeberinnen.
Band 2: Geteilt /Gemeinsam
130 Autoren, vier Bände auf Polnisch und fünf Bände auf Deutsch: Das größte gemeinsame deutsch-polnische Projekt im Bereich der Geisteswissenschaften wirft einen neuen Blick auf die nachbarschaftliche Beziehungsgeschichte beider Länder.
Was verbindet Napoleon, Rosa Luxemburg, Flucht und Vertreibung, das Jahr 1989, Solidarnos´c´ und Kreisau? Oder Preußen, die Oder-Neiße-Grenze und Russland? Es handelt sich um (einige) deutsch-polnische Erinnerungsorte.
Erinnerungsorte sind keine topographischen Orte, sondern historische Bezugspunkte der kulturellen Identität einer Gesellschaft. Dies können Personen, Ereignisse oder historische Phänomene sein. Der hier erstmals angewandte bilaterale Ansatz der Erinnerungsforschung hinter-fragt nationale Vorstellungen und entwickelt neue vergleichende Perspektiven.
Deutsche und Polen teilen viele Erinnerungen, die jedoch unterschiedlichen Identitätsbedürfnissen in beiden Gesellschaften entsprechen. Die hier vorliegenden Essays über gemeinsame und geteilte deutsch-polnische Erinnerungsorte erlauben analytische Einblicke in die Erinnerungskulturen beider Länder, in ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Die deutsch-polnische Nachbarschaft bringt es mit sich, dass sich ohne die Kenntnis der polnischen Geschichte die deutsche und umgekehrt ohne die Kenntnis der deutschen die polnische Geschichte nur unvollkommen verstehen lassen.
Ehre und Pflichterfüllung waren und sind aufs Engste mit dem Militär verknüpfte Konzepte: Sie gelten als Codes für Tugenden wie Tapferkeit, Mut, Kampfbereitschaft, Gehorsam, Vaterlandsliebe, Ehrlichkeit, Treue.
Aber so selbstverständlich eine derartige Verortung erscheint - hinter Ehre und Pflichterfüllung verbergen sich in historischer Perspektive Konglomerate ganz unterschiedlicher Vorstellungen. Der Band schlägt eine erste Schneise in dieses Themenfeld. Dafür werden Ergebnisse aus aktuellen Forschungen zusammengeführt, die in einem zeitlich und räumlich weiten Zugriff Konstanten und Unterschiede von Ehre und Pflichterfüllung präsentieren.
Die Wirklichkeit der Schlacht ist nicht zu fassen. Kein Mensch kann diese Eruption tausendfacher Gewaltaktionen überschauen, jeder Zeuge erlebt sie anders. Für die Historikerzunft ist das eine bislang unterschätzte Herausforderung.
Die traditionelle Militärgeschichte schaute durch die Brille des Generalstabs, aber das Hin und Her der namenlosen Truppen war auch nur Abstraktion. Die Quellen berichten viel mehr als das. Aus ganz verschiedenen Perspektiven unterscheiden sie zwischen dem Gewöhnlichen und dem Heroischen, dem Legitimen und dem Unerhörten, dem Sagbaren und dem Unaussprechlichen. In den Beiträgen dieses Bandes wird die Vielfalt, in der Menschen dem Geschehen der Schlacht Ausdruck verliehen, als Reflex der Realität ernst genommen. Beispiele von der Antike bis zur Gegenwart verdeutlichen, wie den Schlachten erst durch die individuelle Brechung Bedeutung und Gestalt verliehen wurde.
Seit der Antike gilt Zwangsarbeit als wichtige Kriegsressource. Der Sammelband wagt den Vergleich sowohl von vormodernen und modernen als auch von europäischen und ostasiatischen Zwangsarbeitsregimen.
Untersucht werden kulturspezifische Organisationsstrukturen und Gewaltformen, Legimitationsmuster und Effizienzkriterien sowie die spätere juristische Aufarbeitung und Erinnerung.
Thematisiert wird die Beziehungsgeschichte zwischen Krieg und Zwangsarbeit in diachroner und synchroner Perspektive. Der Blick richtet sich auf Profiteure und Akteure, aber stets auch auf die Opfer. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob sich Kernfaktoren bestimmen lassen, die es epochen- und kontinentübergreifend erlauben, Zwangsarbeit begrifflich und analytisch zu fassen.
Kolonialismus, Söldnertum, Gewalt 1831 - 1962
AutorIn: Christian Koller
Memoiren, Romane, Filme und Propagandaschriften haben den Ruf der Fremdenlegion als Sammelbecken von Kriminellen und Aussteigern, als sadistisch-militaristische Hölle oder als exotische Lebenswelt romantischer Helden verbreitet. Christian Kollers faszinierendes Buch liefert die erste auf aktuellen sozial- und kulturgeschichtlichen Zugängen basierende Beschreibung dieser Söldnertruppe. Gestützt auf Selbstzeugnisse, Archivalien und Quellen zu den politischen und medialen Diskussionen über die Legion, beschreibt er deren Rolle als Instrument des Kolonialimperialismus, ihre nationale und soziale Zusammensetzung, ihre Darstellung und Mythisierung in Politik, Medien und Kultur. Auch die Identitätspolitik der Fremdenlegion, der eigene Blick der Legionäre auf Hierarchie, Disziplin, Kameradschaft, den mysteriösen »Cafard«, Alkohol, Prostitution und Homosexualität werden eingehend behandelt. Darüber hinaus findet das Verhältnis der Legionäre zu den kolonisierten Bevölkerungen eingehend Berücksichtigung – von kriegerischen Aufeinandertreffen bis zu mehr oder weniger gewaltgeprägten sexuellen Beziehungen.
Menschen verschiedener Herkunft, Religion und Funktion traten an den islamischen und christlichen Höfen des Mittelmeerraums miteinander in Kontakt: Gesandte, Gelehrte, Künstler und Kaufleute begegneten Verwaltungsbeamten, Vertrauten des Herrschers, Dolmetschern, Religions- und Rechtsexperten.
Die Beiträge nehmen die Akteure des Religions- und Kulturtransfers u.a. an den Höfen der Abbasiden, den Höfen von Byzanz, Aragon, Rhodos, Zypern, dem Papsthof und dem Hof Friedrichs II. in den Blick. Dabei geht es vor allem um die Rolle, die Religion bei diesen Kontakten spielte.