Lebendige Vergangenheit im Spiegel der "Friedrichsruher Beiträge" 1996-2016
HerausgeberIn: Ulrich Lappenküper
Die seit 1998 erschienenen 47 Hefte der »Friedrichsruher Beiträge« der Otto-von-Bismarck-Stiftung sind hier erstmals in einer kompakten Gesamtausgabe greifbar. Die Jahrhundertgestalt Bismarck wird kritisch im Kontext ihrer Zeit betrachtet.
Wissenschaftlich fundiert und zugleich an eine breite historisch interessierte Leserschaft gerichtet, bilden die Beiträge sieben thematische Schwerpunkte: Wegmarken preußisch-deutscher Geschichte im »langen« 19. Jahrhundert; das internationale Staatensystem und Bismarcks Außenpolitik; Entstehung, Verfasstheit und Entwicklung des deutschen Kaiserreiches; biografische Annäherungen an Bismarck und bedeutende Zeitgenossen; das Erbe der Bismarckschen Politik und seines Regierungsverständnisses; das Bismarckbild in der Öffentlichkeit und der Geschichtsschreibung sowie Selbstreflexionen der Otto-von-Bismarck-Stiftung. Der Band liefert spannende Einblicke in eine wechselvolle Geschichte und spiegelt anschaulich das Wirken der Stiftung.
Kaum eine Woche vergeht, in der nicht über einen neuen »Kulturkampf« oder Religionskrieg berichtet wird. Die mediale Präsenz des Themas belegt, wie aktuell das Problem ist.
Doch bereits im 19. und 20. Jahrhundert kam es in Europa zu »Kulturkampf« genannten Konflikten zwischen Staat und Kirche, die keineswegs auf Preußen und die 1870er/80er Jahre beschränkt waren. Sie begannen vielmehr im deutschen Vormärz und reichten in einigen europäischen Ländern bis weit ins 20. Jahrhundert. Ob das »Zeitalter der europäischen Kulturkämpfe« (Manuel Borutta) tatsächlich beendet ist, erscheint angesichts der jüngsten Weltanschauungskonflikte als eine offene Frage. Der Band untersucht die Auseinandersetzungen zwischen Staat und Religionsgemeinschaften während des 19. und 20. Jahrhunderts in Deutschland, Italien, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz.
Eine Schlacht, die die Welt veränderte?
AutorIn: Holger H. Herwig
Die Schlacht an der Marne Anfang September 1914 war die größte und blutigste des Ersten Weltkrieges. Sie gehört zugleich zu den interessantesten und umstrittensten Schlachten der Neuzeit. Der Vormarsch der fünf deutschen Armeen des rechten Heeresflügels verlief planmäßig bis zum 5. September, wurde dann aber durch eine überraschende Gegenoffensive der Briten und Franzosen an der Marne gestoppt und endete in einem deutschen Rückzug an die Aisne. Holger Herwig analysiert die Marneschlacht und ihre Vorläufer in den Vogesen auf Basis der bis 1990 nicht zugänglichen Archivalien der sächsischen 3. Armee sowie anhand des Archivguts des französischen Heeresarchivs in Vincennes. Das Buch ist eine Übersetzung des bei Random House, New York, 2009 erschienenen Beststellers »The Marne, 1914«.
Wehrpflicht und moderne Staatlichkeit im Osmanischen Reich 1869-1910
AutorIn: Elke Hartmann
Die Studie beschäftigt sich am Fallbeispiel der schrittweisen Durchsetzung und Ausweitung der Wehrpflicht im Osmanischen Reich mit den Funktionsweisen des modernen Staates sowie den Bedingungen und Schwierigkeiten seiner Errichtung und Stabilisierung, wie sie uns in der gesamten Region des Mittleren Ostens bis heute beschäftigen.
In ihrer Darstellung der gesetzlichen Regelungen zum Rekrutierungsverfahren und der beteiligten Verwaltungsorgane beschreibt Elke Hartmann die Reform als Professionalisierung und Ausdifferenzierung von Recht, Bürokratie und Fachsprache. Sie zeigt auch, mit welchen Mitteln ein ursprünglich schwacher Zentralstaat die Neuerungen gegen Widerstände durchsetzen konnte. Wichtiges politisches Gestaltungsmittel war dabei eine Fülle von Ausnahmeregelungen, die die sozialen Gegebenheiten und regionalen Besonderheiten widerspiegelten. Der Umgang mit Verweigerern und Deserteuren indessen lässt die harten Bedingungen des Militärdienstes und die oft unzureichende Versorgung der Soldaten erahnen.
Begegnungen zwischen Asiaten und Europäern 1880–1914
AutorIn: Andreas Weiß
Asiaten beteiligten sich im 19. Jahrhundert in vielen Bereichen an innereuropäischen Debatten über Moderne und Dekadenz, ausgetragen auf so unterschiedlichen Feldern wie den Wissenschaften, aber auch in Kunst und Religion.
Schon vor dem Ersten Weltkrieg war die Verunsicherung der Europäer mit Händen zu greifen, Debatten um die Dekadenz der westlichen Kultur nahmen zu. Das Buch fragt danach, welche Rolle Asiaten in diesem Prozess spielten und an welchen kulturellen und wissenschaftlichen Debatten sie sich beteiligten. Es untersucht beispielsweise, was sie sie zur künstlerischen Moderne (wie dem Impressionismus) betrugen, aber auch, welche Rolle der zunehmende Rassismus für sie spielte. Die untersuchten Beiträge reichen dabei von Club-Gesprächen über Zeitungsartikel hin zu Fachartikeln.
Österreich-Ungarn und das europäische Mächtesystem 1866/67–1914
AutorIn: Konrad Canis
Als ausgewiesener Kenner der Politik der europäischen Großmächte weist Konrad Canis erstmals umfassend nach, wie begrenzt die Handlungsspielräume waren, die Österreich-Ungarn zwischen der Schlacht von Königgrätz und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs zur Verfügung standen. Mehr als jede andere Großmacht war die Doppelmonarchie inneren und äußeren Zwängen ausgesetzt. Ihre Politik verfolgte eine defensive Strategie, zielte nur begrenzt auf Eroberung; auf dem Balkan ging es um die Aufrechterhaltung einer Dominanz im Hintergrund. Die nationalen Gegensätze innen und außen sollten kleingehalten werden. Innere Instabilität, die wirtschaftliche und militärische Zweitrangigkeit, aber auch das Vormachtstreben Deutschlands im Bündnis und die Abstinenz Englands hemmten Österreich-Ungarn. Nutznießer war der Hauptrivale Rußland. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs sollte Österreich nach den Plänen der russischbritisch- französischen Entente im Falle eines großen Konfliktes einem fatalen Doppelkrieg gegen Rußland und Serbien ausgesetzt werden. Als 1914 überraschend die Möglichkeit aufschien, Österreich könnte dem großen Krieg durch einen allein gegen Serbien entgehen, erwies sich Wien jedoch als unfähig, diese – freilich geringe – Chance zu nutzen.
Wege ins Unbekannte
Die Frage, ob der Erste Weltkrieg letztlich vermeidbar gewesen wäre oder ob die Welt unaufhaltsam in die Katastrophe trieb, ist fast so alt wie dieser Krieg selbst.
Der Band widmet sich schlaglichtartig Fragen nach der Einstellung der herrschenden Eliten zum Krieg, der öffentlichen Meinung von Männern und Frauen sowie den kollektiven Mentalitäten in den kriegführenden Nationen. Eine vergleichende Zusammenschau der gesellschaftlichen Erwartungen, Hoffnungen, Ängste sowie die Selbst- und Fremdwahrnehmungen soll außerdem dazu beitragen, den Blick auf die Umstände und Folgen des Kriegsausbruchs in Europa zu lenken. Zugleich bietet er eine Analyse der neuesten Forschungsergebnisse zur Geschichte des Ersten Weltkriegs und bettet sie kulturhistorisch in die Umstände des Jubiläumsjahres 2014 ein.
Prolog zum Zeitalter der Weltkriege
Gustav Stresemann erklärte 1917, die Polenfrage werde der Auslöser eines zweiten Weltkriegs sein. Auf den Spuren der Grundlagen für diese Prognose schildert Hans-Erich Volkmann die preußisch-deutsche Politik gegenüber den Polen im Reich und hinsichtlich eines wieder unabhängigen polnischen Staates. Dabei werden die Widerständigkeit und die Initiativen der Polen in ihrem Kampf um Selbstbehauptung in die Betrachtung einbezogen.
Erstmals wird den widersprüchlichen polenpolitischen Plänen der Mittelmächte, den abweichenden Vorstellungen der deutschen Militärs und der Reichsleitung gebührend Aufmerksamkeit geschenkt. Sie trugen dazu bei, dass sich im Verlaufe des Krieges die polnischen Fraktionen im Parlament gegenüber dem Reich entfremdeten – bis hin zur Aufkündigung der Loyalität. Das Fazit des Autors: Die Versuche zur Germanisierung der preußischen Polen mussten ebenso scheitern wie der Plan, einen abhängigen polnischen Staat auf dem im Ersten Weltkrieg besetzten russischen Territorium zu schaffen. Neue Konflikte und Krisen waren absehbar.
Die militärische Debatte über den Krieg der Zukunft 1880–1914
AutorIn: Stig Förster
HerausgeberIn: Stig Förster
In diesem Band verfolgen namhafte Historiker zum ersten Mal systematisch die Debatte über den Krieg der Zukunft anhand der Militärzeitschriften des Deutschen Reichs, Frankreichs und Großbritanniens zwischen 1880 und 1914.
Schon lange vor 1914 diskutierten Fachleute über den Charakter eines zukünftigen großen Kriegs. Ihre Voraussagen waren oft falsch, manchmal hingegen erstaunlich weitsichtig, generell aber von Unsicherheit geprägt. Ein wichtiges Medium dieser Debatte waren die militärischen Fachzeitschriften, die die Forschung bislang nur selektiv ausgewertet hat. Der vorliegende Band holt das nun mit systematischen Analysen von Militärzeitschriften des Deutschen Reichs, Frankreichs und Großbritanniens nach. Dabei zeigt sich genauer als je zuvor, mit welchen Vorstellungen die Militärs der genannten Länder im August 1914 in den Krieg zogen und dabei eine Katastrophe anrichteten.
Ein deutsches, europäisches und globales Ereignis
Über Ursachen und Verlauf des deutsch-dänischen Krieges sind wir gut unterrichtet. Der Frieden von Wien, der das militärische Ringen beendete, indem er die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg der gemeinsamen Verwaltung Preußens und Österreichs unterstellte, ist fast vergessen.
Im Mittelpunkt des Bandes steht die Perzeptionsgeschichte des Friedens. Dabei wird der deutsch-dänische Krieg nicht mehr nur als lokaler Konflikt im Ostseeraum, sondern als ein Ereignis begriffen, dessen Verlauf und Beendigung über Dänemark und die deutschen Staaten hinaus auch in den europäischen, ja außereuropäischen Machtzentren Aufmerksamkeit erzeugte. Wie wurde der Wiener Frieden im Deut-schen Bund aufgenommen, wie von den europäischen Groß- und Mittelmächten, wie in den USA, in Japan oder Lateinamerika? Durch die Untersuchung der deutschen, europäischen und globalen Perzeption werden bisher vernachlässigte Aspekte der weltweiten Verflechtung in der Mitte des 19. Jahrhunderts aufgezeigt.