Materialschlacht in Nordafrika
Die Schlacht bei El Alamein im Herbst 1942 beendete den Siegesmarsch des „Wüstenfuchses“ Erwin Rommel und damit jede Hoffnung der Achsenmächte, in den Besitz des Suezkanals zu gelangen. Den englischen Kriegsbemühungen hatte so ein entscheidender Schlag versetzt werden sollen. Während das populäre Bild des Wüstenkrieges bis heute von der Vorstellung blitzartiger Vorstöße deutscher Panzer geprägt ist, handelte es sich bei El Alamein jedoch eher um eine Material- und Abnutzungsschlacht. Die Achsenmächte waren von Beginn an unterlegen. Alexander Querengässer korrigiert in seinem Buch manche verbreiteten Vorstellungen vom Krieg in Nordafrika. Hatten die Deutschen bis dahin ihren Gegnern eine bewegliche Kriegsführung aufzwingen können, so war es der britischen 8. Armee bei El Alamein gelungen, Rommels Vormarsch zum Stehen zu bringen, die Front zu festigen und später mit großer materieller Überlegenheit einen Gegenschlag zu führen. Alexander Querengässer betrachtet die gemeinhin als Erste und Zweite Schlacht von El Alamein bezeichneten Ereignisse in ihrem Zusammenhang. Er beleuchtet die Bedingungen und konkreten Umstände der Auseinandersetzung im Rahmen der Kriegslage und zeigt die operationsgeschichtlichen Besonderheiten auf. Aber auch die unmittelbaren Konsequenzen für den Kriegsverlauf kommen zur Sprache. Ein eigenes Kapitel ist dem Fortleben der Schlacht in den Erinnerungskulturen der ehemaligen Kriegsgegner gewidmet.
Dutch Shoah, 1933/45 and beyond
AutorIn: Hans Derks
How was it possible that, in a rather peaceful and, to all intents and purposes, not particularly antisemitic Dutch society, more than 75% of the Jewish population were arrested, deported or murdered in concentration camps during the Shoah? Can all of this be blamed on the Nazi occupiers?

The eminent historian, Hans Derks, explains this mystery for the first time by looking closely at the social and religious characteristics of Dutch society. He also unveils the extensive collaboration of the country’s state-bureaucracy with the German authorities. This uniquely perpetratororiented book about the Dutch Shoah offers shocking conclusions about the persistent contribution of Dutch scholars to racist ideologies and eugenic measures aimed at creating a new, racially pure Dutch society under an authoritarian leadership.
The Cultural Impact of the First World War
The battles of the First World War created a fundamentally new impression of war. Total warfare, the use of propaganda, chemical weapons, and every possible other measure to ensure victory defined the event that should later be known as the »Great War«, because it caused so many deaths and much suffering. The catastrophe also had an impact on the humanities, which inevitably had to deal with the processing of an event that seemed to be too big to be clearly understood by the human mind. The present volume covers several interdisciplinary perspectives by dealing with the impact of the war on the humanities during and after the conflict that deeply influenced the mindset of the 20th century.
Die Wehrmachtgeneralität im Nürnberger Prozess 1945/46. Zur Entstehung einer Legende
AutorIn: Jens Brüggemann
"Brüggemanns „Männer von Ehre?“ wird auf jeden Fall für lange Zeit ein Standardwerk zum Thema bleiben." (Historische Zeitschrift, Bd. 310/2020, S. 255)

Der Mythos, die Wehrmacht sei an Kriegs- und NS-Verbrechen nicht beteiligt gewesen, wurde zu einem der wohl einflussreichsten historischen Narrative der Nachkriegszeit. Entscheidenden Anteil daran hatten Spitzenoffiziere der Wehrmacht selbst. Durch die politische Situation begünstigt, konnten diese in den 1950er Jahren geschichtspolitische Forderungen durchsetzen, die zu ihrer Rehabilitierung und Integration in die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft maßgeblich beitrugen.

Jens Brüggemann geht mit dem Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess erstmals an den Ausgangspunkt dieser Entwicklung. Er zeigt auf breiter Quellenbasis, wie es den in Nürnberg anwesenden Spitzenvertretern der Wehrmacht und ihren Anwälten gelang, eine Argumentation zu entwickeln, die zur Grundlage ihrer Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit wurde. Ein Verlauf, der keinesfalls vorhersehbar war. Aufgrund alter und neuer Konflikte stand die Zusammenarbeit der Offiziere vor einer immensen Belastung, die fast zum Auseinanderbrechen einer gemeinsamen Front vor Gericht geführt hätte.
Der Autor leistet einen erhellenden Beitrag zu den Biographien einiger der hochrangigsten Wehrmachtoffiziere nach 1945, blickt aber auch immer wieder auf die Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs zurück. Während bisherige Veröffentlichungen zum Nürnberger Prozess maßgeblich auf gedruckten Quellen basieren, fußt die Studie fast ausschließlich auf zeitgenössischen Primärquellen, hierunter auch bisher nicht genutzte Tondokumente. So können einige etablierte Darstellungen des Prozesses in Frage gestellt, andere mit weiteren Details gestützt werden. Über das Verfahren hinaus wird aber auch verfolgt, welchen Einfluss die dort entstandenen Erzählungen auf das Geschichtsbild in der Nachkriegszeit hatten, die frühe Forschung zu NS-Zeit und Zweitem Weltkrieg prägten und teils noch auf die heutige Literatur wirken.
HerausgeberIn: Bernd Lemke
Die baltischen Staaten sind in den letzten Jahren immer stärker in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Dies hat mit der krisenhaften Entwicklung in Osteuropa zu tun, in deren Zentrum die Konflikte zwischen Russland und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion stehen, vor allem der Bürgerkrieg in der Ostukraine und die völkerrechtswidrige Besetzung der Krim 2014. Estland, Lettland und Litauen, die seit 2004 Mitglieder in der NATO und der EU sind, waren militärisch von diesen Entwicklungen zwar nicht betroffen, haben aber die politischen Auswirkungen deutlich zu spüren bekommen. Auch die drei Bündnispartner gehörten, wie die Ukraine, zum Staatsgebiet der UdSSR. Die Befürchtungen sind groß, dass Moskau langfristig eine Revision der Verhältnisse anstrebt. Die NATO hat beschlossen, Truppenverbände in das Baltikum und nach Polen zu schicken, um die Region zu stabilisieren und Bündnissolidarität zu zeigen. Vier Kontingente sind daher seit Mitte 2017 in diesem Teil Europas stationiert. Außerdem wurde 2015 eine Schnelle Eingreiftruppe (Very High Readiness Joint Task Force) aufgestellt, die bei Bedarf rasch in die Region verlegt werden kann. Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften fügt vor diesem Hintergrund den bereits für zahlreiche Länder und Regionen vorliegenden Bänden der Reihe »Wegweiser zur Geschichte« eine weitere Publikation hinzu. Dieses Buch versammelt zahlreiche Beiträge von renommierten Experten aus verschiedenen wissenschaftlichen Fachdisziplinen. Die Beiträge sind übersichtlich und allgemeinverständlich formuliert und mit Bildern, Grafiken und Karten sowie einem umfassenden Anhang ausgestattet.
Frauen im ukrainischen nationalistischen Untergrund 1944-1954
AutorIn: Olena Petrenko
Über viele Jahre war einer der langwierigsten und blutigsten Aufstände in der Geschichte Osteuropas ein weißer Fleck in der historischen Forschung: der Untergrundkampf der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) zur Errichtung eines unabhängigen ukrainischen Staates. Er fand bis in die 1950er Jahre hinein nicht nur in der UdSSR, sondern unter anderem auch auf polnischem Gebiet statt.
Petrenko nimmt die Bedeutung von Frauen im ukrainischen nationalistischen Untergrund in den Blick. Rollenklischees gleicht sie mit tatsächlichen Befunden ab. Themen, die in der ukrainischen Geschichtsschreibung bislang kaum thematisiert wurden, ergeben ein neues Bild vom nationalistischen Untergrundkampf: Die Autorin berichtet über Agententätigkeiten von Frauen, Sexualität als Machtinstrument, Gewalterfahrung und -ausübung. Dabei zeigt sich, wie stark die historische Betrachtung der Betätigung von Frauen im nationalistischen Untergrund von den jeweils konkurrierenden Geschichtsbildern geprägt wurde und wird – in der UdSSR, bei Exil-Ukrainern, in der postsowjetischen Ukraine sowie in Russland.
Erkenntnisstreben und Entgrenzung
Die Laufbahn des Göttinger Flugmediziners Hermann Rein (1898–1953) steht stellvertretend für die Karrieren einer Forscherelite zwischen dem Kaiserreich und der jungen Bundesrepublik. Die deutschen Flugmediziner jener Zeit, meist selbst Piloten seit dem Ersten Weltkrieg, bauten in den Universitäten, im Militär und in der Luftfahrtforschung ein stabiles Netzwerk auf. Getrieben von einem Erkenntnisstreben, das in Entgrenzung umschlug, beteiligten sie sich auch an Menschenversuchen.
Katharina Trittel zeichnet ein Porträt Hermann Reins. Sie zeigt, wie sein Selbstverständnis als Angehöriger einer opferbereiten Elite, die Behauptung einer „reinen“ Wissenschaft und der Mythos der „sauberen“ Wehrmacht das Selbstverständnis der Flugmediziner seiner Generation prägte. Durch ihr Handeln stabilisierten diese Forscher nicht nur das NS-Unrechtssystem. Ihre Rechtfertigungen und ihr Selbstbild wirkten deutlich über die Zeit zwischen 1933 und 1945 hinaus.
Akteure im Umfeld der Lager Bergen-Belsen, Esterwegen und Moringen 1933–1960
AutorIn: Bianca Roitsch
Die Autorin vergleicht die Handlungsmöglichkeiten und Sprechweisen im ländlich geprägten Umfeld der drei Konzentrationslager Bergen-Belsen, Esterwegen und Moringen. Im Fokus steht das Verhältnis zwischen Personal, Insassen und Anwohnern.
Dass die Lager nicht abgeschottet, sondern Teil der NS-Gesellschaft waren, verdeutlicht die Analyse der ökonomi-schen Beziehungen, der physischen Gewalt, der Konfliktpotentiale und Gewöhnungseffekte sowie ihrer gezielten Zurschaustellung für die Öffentlichkeit. Dabei bewegten sich die lokalen Akteure zwischen Zustimmung und Mit-machen, Distanzierung und Verweigerung. Die Studie hebt außerdem die Bedeutung des Lokalen für die erinnerungspolitischen Debatten nach 1945 hervor.
Technikwissenschaft in Breslau 1900–1945
AutorIn: Kai Kranich
Eine Geschichte über Hochschulpolitik und Konkurrenzkampf im Zeichen des Nationalsozialismus.
Die Technische Hochschule Breslau nimmt unter den deutschen Hochschulen eine Sonderstellung ein. Sie war die letzte Neugründung Preußens und die erste in unmittelbarer Nähe zu einer etablierten Universität. Anfang der 1930er Jahre sollte die TH an die Universität angegliedert werden. Mit der NS-Machtübernahme konnte die Umsetzung dieser Planung zunächst aufgeschoben werden. Forschung und wissenschaftliches Personal wurden dem NS-Regime angepasst. Doch auch die Neuausrichtung half nicht. Der Reichserziehungsminister griff die Idee der Zusammenlegung wieder auf, was für Aufregung sorgte. Wie unter einer Lupe lässt sich die Konkurrenz der beiden Hochschulen nachzeichnen. Beide Institutionen traten in zunehmenden Wettbewerb um Ressourcen, Studenten und Spezialisten.
Eine Ideengeschichte der Zivilisierung von Kriegsgewalt 1864–1945
Transnationale Debatten unter Juristen haben das humanitäre Völkerrecht entscheidend geformt. Die Zivilisierung von Kriegsgewalt stand seit der Mitte des 19. Jahrhunderts im Zentrum und gipfelte im Konzept von „Crimes against Humanity“, das im Internationalen Militärtribunal von Nürnberg erstmals zum Tatbestand erhoben wurde.
Kerstin von Lingen zeichnet diesen Weg nach – von den frühen völkerrechtlichen Debatten unter Juristen über die Haager Friedenskonferenzen und die Verhandlungen von Versailles nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Angesichts immer höherer Opferzahlen und ansteigender Massengewalt gegen Zivilisten wirkte der Zweite Weltkrieg wie ein Katalysator: Das Konzept „Crimes against Humanity“ wurde in London in Gremien geschärft, deren Akten für dieses Buch erstmals ausgewertet wurden. „Crimes against Humanity“ wurde nach 1945 neben dem Genozid-Vorwurf zum wichtigsten juristischen Werkzeug unserer Zeit, um Massengewalt gegen Zivilisten zu ahnden.