Studien zum Paradoxieproblem in der Pädagogik
AutorIn: Michael Wimmer
Die bisher ungelöste Paradoxie der Erziehung lässt Erzie-hungswissenschaftlern und Pädagogen, aber auch Philosophen und Lehrkräften im pädagogischen Diskurs der Moder-ne keine Ruhe. Statt sie nur als Theorieproblem zu bewerten, muss gezeigt werden, inwiefern diese Paradoxie den Kern des Pädagogischen ausmacht und zugleich einen praktischen Sinn erfüllt, der durch Lösungsmodelle verstellt wird.
Gefragt wird daher, ob die mit der Alterität und Fremdheit der Adressaten zusammenhängende Paradoxie der Erziehung nicht gerade das »Wesen« des pädagogischen Denkens und Handelns ausmacht, weil sich in ihr die Differenz zwischen dem Technischen und dem Pädagogischen manifestiert. Mit dem Einsatz der Dekonstruktion wird dabei ein Verständnis des Paradoxieproblems ins Spiel gebracht, das es ermöglicht, sowohl das Pädagogische anders zu denken, als auch jenseits technischer Handlungsrationalität der ethischen Dimension der pädagogischen Aufgabe wieder gerecht zu werden. Hierbei wird die Allgemeine Erziehungswissenschaft als Ort einer unverzichtbaren und nicht abschließbaren Problematisierung des Pädagogischen ausgewiesen.
Der Berliner Ansatz zur Konstruktion und Erhebung ethisch-moralischer Kompetenzniveaus im öffentlichen Erziehungs- und Bildungssystem mit einem Ausblick auf Projekte zur ETiK-International
HerausgeberInnen: Dietrich Benner und Roumiana Nikolova
Ethisch-moralische Kompetenz ist ein unverzichtbarer Bestandteil öffentlicher Bildung und als solcher auf eine Thematisierung im öffentlichen Erziehungssystem angewiesen. Ein international validiertes Testinstrument erlaubt es, ethisch-moralische Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern am Ende der Sekundarstufe I sowie in der gymnasialen Oberstufe in den Teilkompetenzen ethisch-moralische Grundkenntnisse, Urteils- und Handlungsentwurfskompetenz zu messen. Ausführlich wird über pädagogische und bildungswissenschaftliche Grundlagen des Ansatzes, die Entwicklung von Testaufgaben, Pilotierungs- und Validierungsstudien und die Herausarbeitung von Anforderungsniveaus und Kompetenzstufen berichtet. Der Band präsentiert da- rüber hinaus Studien zur internen Schulevaluation und zur Internationalisierung des Ansatzes. Er wendet sich an Studierende sowie Lehrende des Faches Ethik oder vergleichbarer Fächer, an Fachdidaktiker für Philosophie und Ethik, an Forscher im moralisch-evaluativen Bereich, Schulbuchautoren, Landesinstitute und öffentliche Bildungsverwaltungen.
Band 3: Neuzeit. Teilband 2: Klassik und Romantik
Mit diesem vierbändigen Werk zur Geschichte der Ästhetischen Bildung wird eine schmerzliche Lücke in der Geschichte der Bildung und der Pädagogik geschlossen.
Die Beschäftigung mit Kunst, Schönheit, Spiel und Form hatte in allen Epochen der europäischen Geschichte zentrale Bedeutung für die Bildung des Menschen. Ästhetische Bildung war und ist dabei immer eng mit künstlerischer Produktion und ästhetischer Rezeption sowie mit Nachahmung und Kreativität verbunden. In diesem Werk werden zentrale Theorien bzw. Ideen Ästhetischer Bildung im Grundriss dargestellt. Der zweite Teilband des dritten Bandes widmet sich der Klassik und Romantik und behandelt die Ideen und Theorien Ästhetischer Bildung u.a. von Goethe, Moritz, Humboldt, Herbart, Fröbel und Nietzsche.
Heydorns Bildungsphilosophie im Spannungsfeld von Subjekt, Arbeit und Beruf
AutorInnen: Frank Ragutt und Franz Kaiser
HerausgeberInnen: Frank Ragutt und Franz Kaiser
Ungeschminkt thematisierte Heydorn die gesellschaftlichen Probleme und die Möglichkeit der Menschwerdung in der kapitalistischen Moderne. Lässt sich daran anschließend Humanismus und Subjektwerdung in allgemeiner und beruflicher Bildungstheorie weiter entfalten?
Als Erziehungswissenschaftler, Lyriker und politischer Intellektueller hinterließ Heinz-Joachim Heydorn (1916-1974) ein Werk, das sich der widersprüchlichen Entwicklung von Bildung und Erziehung in der bürgerlich-sozialantagonistischen Gesellschaft zuwendete. Seine Studien zur Sozial-, Politik- und Emanzipationsgeschichte tragen zur Schärfung der Urteilsfähigkeit bei und bieten Wege in humane Bildungs-, Arbeits- und Wirtschaftsformen. Sie werden im Band im Hinblick auf Subjektwerdung, Arbeit und Beruf aktualisiert.
Über die pädagogische Bedeutung von Krisen, Konflikten und Katastrophen
HerausgeberIn: Andreas Lischewski
Pädagogische Prozesse sollen möglichst reibungslos funktionieren, damit Kinder effektiv lernen – nur droht die humane Bildung dabei auf der Strecke zu bleiben …
Es ist die durchgängige Überzeugung der in dem vorliegenden Band abgedruckten Beiträge, dass Krisen, Konflikte und Katastrophen einen nicht zu unterschätzenden Bildungsimpuls zu setzen vermögen. Sie mit didaktisch-technischer Präzision schnell und gründlich vermeiden zu wollen, wäre dann nicht immer von Vorteil.
Sind es nicht gerade die krisenhaften Situationen des Zweifelns und der Irritation, die uns für neue Lernerfahrungen öffnen? Und zeigen sich neue Lebensperspektiven zumeist nicht erst dann, wenn Konflikte in unseren gewohnten Alltag einbrechen? In welchem Maße aber dürfen wir dann umgekehrt auch Momente von ›Negativität‹ zulassen – oder gar bewusst herbeiführen? Es sind solche und ähnliche Fragen, die dazu einladen, sich – im besten Sinne des Wortes – irritieren zu lassen.
Theorie für die Praxis
AutorIn: Thomas Mikhail
Ist alles, was den Umgang mit Kindern und Jugendlichen betrifft bzw. in Familie und Schule geschieht, bereits pädagogisch? Wohl kaum! Aber woher weiß man, ob man pädagogisch handelt? Oder woran erkennt man, ob in einer Situation pädagogisch gehandelt wird? Wie lässt sich pädagogisches von anderem Handeln unterscheiden und abgrenzen?
Die vorliegende Untersuchung gibt Antwort auf diese Fragen – nicht nur für Eltern, Erzieher und Lehrer, sondern auch für die Bildungsforschung. Schließlich ist diese stets neu mit der Frage konfrontiert, ob ihr Untersuchungsgegenstand überhaupt mit Pädagogik zu tun hat. Der Autor sieht Pädagogik als eine Handlungswissenschaft an, die sich um die theoretische Analyse und Aufklärung pädagogischer Praxis bemüht. Sie muss sagen können, was pädagogische Praxis ist, und dies begründen. Und vor allem muss sie orientierende Grundsätze für pädagogisches Handeln in Familie und Schule formulieren. Neben der Bestimmung der Maßgaben und Kriterien für pädagogisches Handeln kommt es insbesondere auf deren Legitimation an, auf deren Grundlage eine Handlung zu Recht pädagogisch zu nennen ist.
HerausgeberInnen: Karsten Kenklies und Annika Blichmann
Das Judentum ist als pädagogisch wirkender Kulturzusammenhang anzusehen, der global und interkulturell zu betrachten ist. In drei Etappen – von der Binnenperspektive zu transkulturellen Aneignungen – stellt der Band die Frage nach dem Zusammenhang von Bildung und Kultur neu.
Im ersten Teil werden pädagogische Strukturen des kulturell institutionalisierten Judentums aus einer Binnenperspektive historisch begründet. Dabei geraten ihre Einflüsse von Moderne und Aufklärung ebenso in den Blick wie ihre Ursprünge in der Thorah. Der zweite Teil widmet sich verschiedenen Denkansätzen von Pädagogen jüdischer Herkunft und deren zentraler Rolle für die allgemeine, über eine spezifisch jüdische Kultur hinausweisende pädagogische Kultur. Der dritte Teil schließlich folgt den transkulturellen Spuren, wobei sich eine – nur scheinbar – nicht-jüdische Moderne als vom Hebräischen Paradigma geprägt erweisen wird.
Zur Wirksamkeit von Erziehung
AutorIn: Winfried Böhm
So wie ein Placebo lediglich eine »Scheinarznei« ist, die an sich nur aus wirkungslosen Substanzen besteht, ist auch die Erziehung ein Scheinheilmittel, das verabreicht wird, obgleich Ihre Wirkung nicht nachweisbar ist. Der Erfolg der Erziehung hängt oft nur von dem Glauben an die unterstellte Wertigkeit von Institutionen und von in Mode stehenden Lehrmethoden ab.
Die Friedenserziehung erzeugt keine Friedensapostel und die christliche Erziehung nicht unbedingt gute Christen! In zwölf geistvollen und brillant geschriebenen Essays überträgt der international renommierte Erziehungswissenschaftler den Gedanken des »Scheinheilmittels« auf traditionelle wie aber auch höchst aktuelle Themen: vom Theater als Bildungsanstalt über das kindliche Spiel, die »Erziehung zum Fortschritt« bis zur vorgeburtlichen Erziehung.
Das Verhältnis des Pädagogischen und des Politischen gehört zu den zentralen topoi in der Geschichte der Erziehungs- und Bildungsphilosophie. Der Band setzt sich mit seiner gegenwärtigen Konfiguration auseinander.
In der Antike gilt Erziehung als Grundlage eines funktionierenden Staates, Bildung als Bedingung für seine Regierung. Die neuzeitlichen Bemühungen um die Selbstbestimmung der Pädagogik umfassen ihren Bezug zum Politischen. War in der Antike die Erziehung dem Staat untergeordnet, so wird der Staat in der Moderne vom Individuum aus gedacht. Wie konfiguriert sich das gegenwärtige Verhältnis zwischen Pädagogischem und Politischem? Stellt die derzeitige gesellschaftliche Lage im Vergleich sowohl zur antiken als auch modernen Konstellation von Staat, Erziehung und Bildung eine Zäsur oder eine Kontinuität dar?
Literarische Bildung und Transversale Vernunft
AutorInnen: Peggy Gehrmann und Peggy Fiebich
sere nationalen Bildungsstandards setzen auf Kompetenzen, d.h. auf inhaltlich übertragbare, messbare kognitive Problemlösefähigkeiten. Hier wird ein alternatives Bildungskonzept vorgeschlagen und am Beispiel der literarischen Bildung konkretisiert.
Die mündige Teilhabe des Einzelnen am komplexen, dynamischen und instabilen soziokulturellen System verhindert fatale Rückzugsbewegungen in die Verantwortungslosigkeit. Pluralität darf nicht durch Vereinseitigung oder Gleichgültigkeit negiert werden. Daher müssen Heranwachsende befähigt werden, die mannigfaltigen kulturellen Denkmuster, Werte und Rollen aufeinander zu beziehen, um ein Ganzes zu entwerfen, Alternativen zu erwägen, Konflikte zu bearbeiten und auszuhalten.
Dem Umgang mit Literatur kommt ein besonderer Bildungswert zu. Literaturunterricht ermöglicht den Heranwachsenden reflektierte Erfahrungen im Umgang mit radikaler Pluralität.