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Wirkung und Wahrnehmung eines Historikers im 19. und 20. Jahrhundert
Wie groß kann der Einfluss eines Historikers des 19. auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts sein?
Bis heute gilt Heinrich von Treitschke (1834-1896) als einer der umstrittensten deutschen Historiker und Publizisten, als eine Symbolfigur für rechte politische Ideologien. Das Urteil der Forschung: Treitschke hatte eine immense Wirkung auf das politische Denken der nachfolgenden Generationen. Erstmals zeichnet Thomas Gerhards die Rezeptionsmöglichkeiten und -wege nach. Die Analyse zeigt dabei Erstaunliches: Konservative Nationalisten konnten Treitschke verachten, jüdische Exilanten wohlwollend erinnern; Nationalsozialisten missbilligten seinen »liberalistischen« Antisemitismus, Sozialisten bewunderten seine politische Kämpfernatur. Sein tatsächlicher politischer Einfluss auf die nachfolgenden Generationen muss daher neu bewertet werden.
Probleme - Projekte - Perspektiven. Festschrift für Bernhard R. Kroener zum 65. Geburtstag
Die Militärgeschichte ist in den letzten 20 Jahren zu einer impulsgebenden Disziplin der Geschichtswissenschaft geworden. Der Band gibt Einblick in die Bandbreite der aktuellen Militärgeschichtsforschung. In 24 Aufsätzen diskutieren Autorinnen und Autoren verschiedener Generationen grundlegende Probleme, stellen die Ergebnisse von Forschungsprojekten vor und zeigen Perspektiven für die künftige Arbeit auf. Bewährte politik-, organisations- und operationsgeschichtliche Zugriffe stehen so neben innovativen bildungs-, mentalitäts- und kulturgeschichtlichen wie auch wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Ansätzen. Insgesamt zeigen sie, was Militärgeschichte heute in Deutschland ist und was sie zu leisten vermag.
Entstehung und kulturelle Dynamik
Author: Egon Flaig
Welche Bedeutung hat die Mehrheitsentscheidung für uns und woher kommt sie?
Diese einzigartige Gesamtdarstellung der Geschichte des grundlegenden demokratischen Entscheidungsinstrumentes blickt erstmals über den europäischen Horizont hinaus. Entstehung und Entwicklung der Mehrheitsentscheidung werden kultur- und epochenübergreifend von der Antike bis in die Neuzeit betrachtet. Historisch, politisch und anthropologisch befragt der Autor u.a. die Gesellschaften Griechen-lands, Roms, Indiens, Israels, Islands danach, welche Rolle Mehrheitsentscheidungen in ihnen spielten, wie sie sich als Form der Beschlussfassung konstituierten und nach welchen Regularien sie vollzogen wurden.

Der durch ebenso fundierte wie pointierte Beiträge, z. B. in der FAZ, bekannte Historiker Egon Flaig zeigt, dass die Entwicklung kultureller Errungenschaften wie der Befähigung zur logischen Argumentation oder zur kontroversen Debatte nur aus ihrer Bedeutung für die Erzielung von Mehrheitsentscheidungen erklärt werden kann.
Vor diesem Hintergrund stellt sich angesichts des Schwindens der Bedeutung von Mehrheitsentscheidungen in heutiger Zeit die Frage nach den Verlusten, die unserer Gesellschaft drohen - und somit nach unserem politischen Schicksal schlechthin.
Asymmetrische Kriege von der Antike bis heute
Author: Beatrice Heuser
Wenn es um Afghanistan oder den Irak geht, ist oft die Rede von den »neuen Kriegen«. Asymmetrische Kriege zwischen Aufständischen und regulären Streitkräften gibt es jedoch seit der Antike, lange bevor der Begriff »Guerilla« geprägt wurde. Beatrice Heuser schildert diese Geschichte sachkundig und frei von Romantisierungen.
Die Autorin zeigt, dass solche »kleinen« Kriege alten Mustern folgen und oft Teil »großer« Kriege sind. Sie erklärt, wie die Strategen beider Seiten - der schwächeren und der stärkeren Partei - empfohlen haben, asymmetrische Konflikte auszufechten. Die Leser erfahren, welche Rolle die Zivilbevölkerung in diesen Überlegungen spielt, welche Mittel angewandt wurden und ob sie erfolgreich waren. Aber auch die moralischen Dilemmata, die sich in solchen Einsätzen stellen, werden diskutiert.
Piraterie, Korsarentum und maritime Gewalt von der Antike bis zur Neuzeit
Über Jahrtausende gehörte der Seeraub zu den prägenden Faktoren der Geschichte des Mittelmeerraums. Die Akteure wurden als Bedrohung wahrgenommen, bewirkten aber auch vielfältige Verbindungen über das Mittelmeer hinweg. Die Bekämpfung maritimer Gewalt diente antiken Imperien und mittelalterlichen Seerepubliken als Legitimationsgrundlage. Überfälle auf Küsten, Sklaverei und Freikaufgeschäfte spielten eine wichtige Rolle in den Konfrontationen zwischen islamischer und christlicher Welt. Der Band vereinigt Studien zu diesem Themenfeld erstmals in epochenübergreifender Perspektive.
Das auf fünf Bände angelegte Nachschlagewerk erfasst alle Angehörigen des höheren Auswärtigen Dienstes zwischen 1871 und 1945. Es bietet Informationen, die in keinem anderen Nachschlagewerk verfügbar sind.
Auf der Basis der erstmals vollständig ausgewerteten Personalunterlagen der Behörde und zahlreicher weiterer Quellen bietet es in standardisierter Form Informationen zu Lebensdaten, Herkunft, Familie, Konfession, Ausbildungsgang, Parteizugehörigkeit, zu den einzelnen Stationen der Laufbahn innerhalb und außerhalb des Dienstes. Die Artikel enthalten neben Fotos bibliographische Hinweise und Angaben zum Verbleib des Nachlasses.
Aufgenommen sind neben den Außenministern alle Beamten und Angestellten des höheren Dienstes – in der Berliner Zentrale vom »Wissenschaftlichen Hilfsarbeiter« und Referenten bis zum Staatssekretär, in den Auslandsmissionen Diplomaten und Konsuln ebenso wie Dolmetscher und Sachverständige für Handel und Wirtschaft, Kultur und Presse.
Von der Antike bis zur Gegenwart
Sic semper tyrannis! - So ergeht es den Tyrannen immer! Politischer Mord gehört zur Geschichte, ob in der Antike oder in der Gegenwart. Oft gewinnen die Taten als Mythos ein dauerhaftes Eigenleben. Aber Mord ist nicht gleich Mord.
Zwölf spannende Fälle politischen Mordens werden in ihren historischen und gesellschaftlichen Rahmen eingeordnet, auch mit Blick auf die unterschiedliche Wahrnehmung durch Zeitgenossen und Nachwelt. Motive und Muster ändern sich, doch ist das persönliche Charisma der Opfer vielfach eine treibende Kraft. Die politische Gewalt in Gestalt des Mordes manifestiert sich dabei in zwei Richtungen, denn nicht nur Herrscher und Politiker als Repräsentanten der Macht werden zum Ziel, sondern auch die Staatsmacht bedient sich des Mordes an Einzelnen oder an Personengruppen.
Gerade die jüngsten blutigen Ereignisse um Osama Bin Laden und Muammar al-Ghaddafi zeigen die Aktualität des Themas politischer Mord. Heldentaten oder Verbrechen? Die Antwort scheint je nach Standpunkt klar. Doch lässt sich immer so einfach Gut und Böse unterscheiden?
Die politische Biographie eines Alldeutschen
Author: Johannes Leicht
Als »Diktator im Geheimen« wurde er von Zeitgenossen charakterisiert: Heinrich Claß. Über 30 Jahre war er Vorsitzender des Alldeutschen Verbandes. Er galt bereits zu seinen Lebzeiten als einer der wichtigsten Exponenten im Netzwerk rechtsnationaler Verbände und völkischer Vereine. Ihm sagte man im ausgehenden Kaiserreich, während des 1. Weltkrieges und in der Weimarer Republik einen großen Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger nach.
Johannes Leicht fragt auf umfangreicher Quellenbasis nach den von Claß selbst für möglich gehaltenen, den ihm zugeschriebenen und seinen tatsächlichen Wirkmöglichkeiten. Als ein Grundmuster seines politischen Lebens wird die zunehmende Desillusionierung mit der Politik der Staatsführung herausgearbeitet. Claß reagierte schließlich mit einer weltanschaulichen wie rhetorischen Radikalisierung seiner nationalistischen Forderungen.
Energieversorgung, Haushaltstechnik und Massenkultur am Beispiel nordenglischer und westfälischer Städte 1880-1939
Author: Karl Ditt
In den beiden letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts setzte mit der Entstehung der Elektro-, Chemie- und Automobilindustrie eine neue, zweite Phase der Industrialisierung ein. Die vergleichend angelegte Studie fragt danach, inwieweit Deutschland den Vorsprung Großbritanniens in der industriellen Produktion und im Konsumniveau bis zum Zweiten Weltkrieg aufholen konnte. Über diese klassische Frage nach dem Verhältnis von Pionier und Nachzügler hinaus behandelt der Band soziale Nivellierungsprozesse zwischen Mittel- und Unterschichten in beiden Ländern. Vor dem Hintergrund einer breiten Darstellung der Industrialisierung untersucht der Autor auf nationaler und lokaler Ebene - am Beispiel von Leeds und York, Dortmund und Münster - zentrale Elemente des materiellen und kulturellen Konsumverhaltens: die Energieversorgung, die Nutzung von Haushaltstechnik und die Wahrnehmung populärer Kulturangebote aus den Bereichen Sport, Film, und Rundfunk. Im Ergebnis zeigt sich, dass das Deutsche Reich bis zur Jahrhundertwende den industriellen Vorsprung Großbritanniens wettmachen konnte, den britischen Konsumstandard jedoch bis zum Zweiten Weltkrieg nicht erreichte. In beiden Ländern hielten sich Differenzen zwischen den sozialen Schichten im Erwerb von materiellen Konsumgütern, während sich die Teilhabe an der Massenkultur anglich. Generell bildete die Stärkung des materiellen und kulturellen Konsums in den 1930er Jahren die Voraussetzung dafür, dass der Lebensstandard in Großbritannien und Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg ein ähnliches Niveau erreichte und die soziale Integration zunahm.
Band 3: Parallelen
130 Autoren, neun Bände in zwei Sprachen: Der Band Parallelen ist die erste Veröffentlichung im Rahmen des größten gemeinsamen deutsch-polnischen Projekts im Bereich der Geisteswissenschaften. Die Herausgeber und Autoren der Deutsch-Polnischen Erinnerungsorte/Polsko-niemieckie miejsca pamieci werfen einen neuen Blick auf die nachbarschaftliche Beziehungsgeschichte beider Länder. Erinnerungsorte sind keine topographischen Orte, sondern historische Bezugspunkte der kulturellen Identität einer Gesellschaft. Dies können Personen, Ereignis se oder historische Phänomene sein. Der hier erstmals angewandte bilaterale Ansatz der Erinnerungsforschung hinterfragt nationale Vorstellungen und entwickelt neue vergleichende Perspektiven. Die zahlreichen Überschneidungen zwischen der deutschen und der polnischen Geschichte ließen viele Orte in Mitteleuropa zu gemeinsamen Erinnerungsorten werden. Auch wenn die Erinnerungen meistens nicht identisch sind, geben sie Anlass zu intensiven Dialogen, die Menschen über alle politischen Grenzen hinweg mit einander verbinden. […] Das Projekt des Zentrums für Historische Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Berlin verdient hohe Anerkennung. Es ist ein herausragendes interdisziplinäres Forschungsvorhaben in den europäischen Geisteswissenschaften. Man wünscht ihm viele Leser. Prof. Dr. Rudolf von Thadden Alle Bände der Deutsch-Polnischen Erinnerungsorte orientieren sich an Max Webers universaler Definition von Kultur: »Kultur ist ein vom Standpunkt des Menschen aus mit Sinn und Bedeutung bedachter endlicher Ausschnitt aus der sinnlosen Unendlichkeit des Weltgeschehens«. Genauso verhält es sich mit der vorliegenden Publikation. Sie verfolgt und analysiert die Mechanismen der Transformation vergangener politischer Ereignisse, der Biographien historischer Personen sowie kultureller Phänomene in Erinnerungsorte, d.h. in Sinne und Zeichen, die von den beiden nationalen Kulturen angewendet wurden. Prof. Dr. Hubert Orlowski