Briefwechsel 1871 - 1894
AutorInnen: Winfried Baumgart und James Stone
HerausgeberInnen: James Stone und Winfried Baumgart
Der Briefwechsel des Prinzen Heinrich VII. Reuß, einem der Starbotschafter der Bismarckzeit und der frühen wilhelminischen Epoche, bietet einen intimen Einblick in die deutsche Außenpolitik nach der Reichsgründung 1871 bis 1894. Reuß war einer der prominentesten deutschen Botschafter seiner Zeit. Der größte Teil des in Schlesien lagernden Nachlasses wurde von den polnischen Behörden gerettet und neu geordnet. In deutschen Archiven haben sich zusätzlich Privatbriefe des Prinzen gefunden. Sie werden nun in einer wissenschaftlichen Edition vorgelegt. Die Korrespondenz gibt aufschlussreiche Einblicke in die deutsche Außenpolitik von 1871 bis 1894 aus der Warte des Prinzen, der in dieser Zeit das Deutsche Reich in Petersburg, Konstantinopel und Wien vertrat.
Konfessionalisierung – Aufklärung – Pluralisierung
AutorIn: Andreas Holzem
Der Konflikt der Konfessionen prägte die europäische Neuzeit entscheidend. Doch evangelische Christen waren nicht einfach evangelisch, Katholiken nicht einfach katholisch. Sie wurden es – in einem Projekt und Prozess, den die Forschung als »Konfessionalisierung« beschreibt.
Nicht nur unter Historikerinnen und Historikern, sondern auch in der Öffentlichkeit ist zutiefst umstritten, ob das religiöse Wissen und die christliche Praxis einen Beitrag zur Entstehung der Moderne leisteten. Ebenso analytisch wie anschaulich beschreibt der Band den programmatischen Wandel der Kirchen und Konfessionen, ihre Verflechtung mit der politischen Macht, ihre Lebensformen und Überzeugungen, schließlich die Konflikte zwischen den religiösen Experten und den einfachen Christinnen und Christen in Deutschland zwischen dem Augsburger Religionsfrieden und dem Zeitalter der Revolutionen. Über den Krieg und die Hexenverfolgungen ist ebenso zu reden wie über Universitäten und Landschulen, fromme Lesekultur und Laienprophetie.
Wer eine Wirkungsgeschichte der »Konfessionalisierung« umreißen will, muss über ihre Kernzeit hinausgehen. Auch der Pietismus und die Aufklärung, die Französische Revolution und ihre Folgen für die Deutschen, die Pluralisierung der Religion im 19. Jahrhundert und die Revolution von 1848 wurden von den Entwicklungen des 16. und 17. Jahrhunderts dauerhaft mitgeprägt.
Damit vertritt das Buch auch eine These: Wer die Moderne auf ihre naturwissenschaftlich-technischen Errungenschaften, ihre säkulare Kultur und ihre politischen Verfahren reduziert, übersieht Entscheidendes. Religion ist kein retardierender Faktor. Auf dem Weg, den Deutschland von der Vormoderne in die Moderne ging, ist das Christentum eine eminent dynamische gesellschaftliche Kraft gewesen.
AutorIn: Konrad Repgen
HerausgeberInnen: Christoph Kampmann und Franz Bosbach
Der Westfälische Friede von 1648 war ein Meisterwerk der europäischen Diplomatie. Er beendete den Dreißigjährigen Krieg und stellte die politischen, konfessionellen, rechtlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland und weiten Teilen Europas auf dauerhaft wirksame Grundlagen. Konrad Repgen bietet in diesem beeindruckenden Band einen umfassenden Überblick zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges und des Westfälischen Friedens. Darüber hinaus zeigt er die Entwicklungslinien von der Welt des 17. Jahrhunderts bis zu den politischen Herausforderungen der neuesten Geschichte auf.
Herbert von Bismarck, von 1871 zwei Jahrzehnte lang engster Mitarbeiter seines Vaters, hat nach seiner Entlassung längere Aufzeichnungen über Kaiser Wilhelm II. und große Themen der deutschen Außenpolitik der 1880er Jahre verfasst. Er wollte sie für ein Erinnerungswerk verwerten, das er durch seinen frühen Tod nur für die Jahre 1871 bis 1886 fertigstellen konnte. Diese Erinnerungen und die Aufzeichnungen werden hier zusammengefügt veröffentlicht.
Kriegsknechte um 1500
AutorIn: Stefan Xenakis
Kriegerische Gewalt vernichtet Gemeinschaften – doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die Tätergruppen führt sie zusammen. Welche Funktionen hat sie für deren Verband? Welche Wege führen in einen »Tunnel der Gewalt«, welche hinaus? Der Band untersucht diese Fragen für das frühe 16. Jahrhundert, die erste Hochphase der europäischen Söldnerheere. »... liebe Herren, ein unerhörter Krieg ist das«, schreibt der Ulmer Ratsherr Matthäus Neithardt im Jahr 1504 aus dem Landshuter Erbfolgekrieg nach Hause. Meutereien sind an der Tagesordnung, wildes Plündern gang und gäbe. Die angeworbenen Kriegsknechte machen, wo sie können, ihre Gewalt zu Geld. Doch zugleich kämpfen sie diszipliniert und sterben zu Hunderten im verheerendsten Krieg, den das Reich bisher gesehen hat. Gewalt hält sie zusammen, und Gewaltsprengt ihre Gruppe. Der Band erschließt Zeugenberichte und Korrespondenzen aus den Jahren 1499 bis 1526 mit Methoden der Mikrohistorie und der neueren Gewaltforschung. Dies ermöglicht einen beinahe persönlichen und erschreckend aktuellen Blick auf die Blütezeit des privaten Kriegsunternehmertums.
Geisterglauben und die Entstehung des Spiritismus in Deutschland 1770-1900. 2. Auflage
AutorIn: Diethard Sawicki
»Deutscher Geist« und »Reich der Geister«: Das war im 19 Jahrhundert beileibe kein Widerspruch. Beides gehörte zusammen, in einer Zeit, die immer noch als Ära des naturwissenschaftlich-technischen Fortschritts und der Entzauberung unserer Welt gilt. Der Autor weist nach, daß Geisterglauben und Spiritismus keineswegs als bloße Überreste alten Volksaberglaubens gelten können. Vielmehr boten die Gedankengebäude der spekulativen deutschen Philosophie und regionale Traditionen schwärmerischen Christentums zahlreiche Ansatzpunkte für spiritistische Ideen, von denen auch und gerade die Gebildeten fasziniert waren. Das Buch schildert erstmals die Weltbilder, Kulte und magischen Praktiken, die sich in Deutschland vom ausgehenden achtzehnten Jahrhundert bis zum Beginn des zwanzigsten mit dem Glauben an Geistererscheinungen und an die Kraft von Totenbeschwörungen verbanden. Es führt den Leser in jene Regionen und an jene Orte, wo Menschen aller Bevölkerungsschichten damals Geister riefen und an Geister glaubten. So entsteht ein farbiges Panorama, das die Zeit und einige ihrer berühmten Köpfe wie Friedrich Schlegel, Bettina von Arnim oder auch Karl May in einem bisher nicht bekannten Licht erscheinen lässt. Für die Neuauflage wurde der Band durchgesehen und um ein Nachwort ergänzt.
Balance of Power im internationalen System der Neuzeit
Die Bewahrung bzw. Austarierung des Gleichgewichts der Mächte erscheint uns bis heute als ein zentrales Problem der Staatskunst. Können Gleichgewichtskonstruktionen das internationale System tatsächlich stabilisieren und den Frieden befördern?
Worum geht es bei der Rede von Balance of Power? Die Beiträge dieses Bandes untersuchen Begriff, Theorie und politische Praxis des Mächtegleichgewichts aus unterschiedlichen Perspektiven im historischen Längsschnitt. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob und in welchem Maße Gleichgewichtskonstruktionen das internationale System stabilisiert und den Frieden befördert haben – oder ob sie doch eher Kartenhäusern glichen, die zusammenbrechen, wenn sich nur ein Sperling auf ihnen niederlässt, wie es Kant formulierte.
Schlaf, Somnambulismus und Hellsehen im frühen 19. Jahrhundert
AutorIn: Philipp Osten
Der Schlaf fesselte im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts die Aufmerksamkeit von Philosophen, Ärzten, Staatsbeamten und Theologen.
Ausgerechnet ein Zustand der Bewusstlosigkeit sollte die bestehende Gesellschaftsordnung stützen und Erkenntnisse über »das Absolute« liefern. War es möglich, im »magnetischen« Schlaf des »Somnambulismus« in den eigenen Körper, in die Zukunft oder gar das Jenseits zu schauen? Dieses Buch schildert die Umstände, unter denen der Schlaf nach 1800 zum Objekt wissenschaftlichen Interesses und zum Faszinosum der Literaten wurde. Bei seinen Recherchen stieß der Autor auf bislang unveröffentlichte Quellen der obersten Medizinalbehörde des Königreichs Württembergs, die über medizinische Untersuchungen und Experimente an sogenannten Somnambulen berichten, denen zum Teil hellseherische Fähigkeiten zugeschrieben wurden. Das Selbstzeugnis einer 17-jährigen Probandin offenbart, welche Nähe die wissenschaftlichen Deutungen der Hofärzte zu tief im Volksglauben verankerten Vorstellungen aufwiesen. Darüber hinaus geht Philipp Osten der Frage nach, inwiefern die Alltagskultur des frühen 19. Jahrhunderts von den damaligen medizinischen Schlaftheorien und von der Vorstellung einer Analogie von Schlaf und Tod geprägt war. Und er führt seine Leser an jene wissenschafts- und mentalitätsgeschichtliche Epochengrenze, hinter der an die Stelle philosophischer Theorien über die Seele und ihre verschiedenen Zustände disziplinierende Regeln traten, die darauf zielten, den Schlaf vor allem als Mittel zum Erhalt der Leistungs- und Arbeitsfähigkeit anzusehen.
Raum und Körper im Ersten Weltkrieg
AutorIn: Christoph Nübel
Erstmals wird hier die Geschichte des Ersten Weltkriegs aus der Perspektive des Frontraums im Stellungskrieg dargestellt. Sie zeigt, dass das Frontgebiet eben nicht statisch, sondern eine sich ständig verändernde Zone war, an die sich die Soldaten mühevoll anpassen mussten.
Die Bilder der zerstörten Landschaften des Ersten Weltkriegs ziehen auch heutige Betrachter in ihren Bann. Sie stehen für die Gewalt und den Schrecken des Stellungskrieges. In seiner eindringlichen, auf eindrucksvollen, bislang kaum beachteten Quellen beruhenden Studie fragt Christoph Nübel, wie es möglich war, den harten, blutigen und schmutzigen Soldatenalltag an der Westfront zu überstehen.
Im Mittelpunkt des Buches stehen die Räume des Krieges und die unmittelbare Körperlichkeit der Kriegserfahrungen – das Bewegen, Kämpfen und Ausruhen im Grabenkrieg. So erschließen sich dem Leser ganz konkret die Belastungen des Kriegseinsatzes: Techniken des Grabenbaus, Taktiken und Landschaftsbilder wandelten sich ständig; die totalisierte Kriegsführung erschwerte eine Anpassung an die stets in Veränderung begriffene Front.
Der Erste Weltkrieg erweist sich als ein Akt alltäglicher Raumbewältigung. Wegen dieser extremen Lebensbedingungen wurde die Gestalt des Frontsoldaten schon während des Krieges, erst recht aber danach zum Mythos und zum Symbol sozialer Erneuerungsbestrebungen.
Feindbilder und der Amerikanische Bürgerkrieg 1830-1865
Die Untersuchung von Feindbildern zwischen Nord- und Südstaaten bietet einen völlig neuen Blick auf die Entstehungsgeschichte des Amerikanischen Bürgerkriegs.
Als freie Staaten und Sklavenstaaten zur Mitte des 19. Jahrhunderts über die Vorherrschaft in der amerikanischen Union stritten, heizten intersektionale Feindbilder die Lage zusätzlich auf. Im Süden wurden vermutete Eigenschaften der »Yankees«, etwa materielle Gier sowie eine Neigung zu Heuchelei und Fanatismus, als Bedrohung für die eigene Sicherheit wahrgenommen. Nordstaatler hetzten wiederum gegen Sklavenhalter, die sie für brutale, faule und zutiefst unamerikanische Aristokraten hielten. Diese Feindbilder untergruben das gegenseitige Vertrauen und führten das Land in einen blutigen Bürgerkrieg.