Die Konstruktion einer deutschamerikanischen Ethnizität 1848–1914
AutorIn: Heike Bungert
Deutsche Migranten in den USA feierten viel und gern. In den verschiedenen Festen konstruierten sie eine deutschamerikanische Ethnizität und ein eigenständiges ethnisches Gedächtnis. Die Studie erstellt anhand umfangreicher Archivalien und Zeitungen aus den USA und Deutschland die bislang vollständigste Übersicht über die großen deutsch-amerikanischen Feste – von Sänger-, Turn-, Schützen-, Volks- und Arbeiterfesten über Schiller-Feiern zu regionalen Jubiläen und Deutschen Tagen. Sie zeigt erstmals, wie sich über Feste und transnationale Erinnerung eine deutschamerikanische Ethnizität bildete. Zugleich analysiert die Autorin, wie sich das Gedächtnis der Migrantinnen und Migranten im Laufe der Zeit wandelte, wie man mit der Auffächerung der Interessen umging und welchen Einfluss Konflikte wie der amerikanische Bürgerkrieg und der Deutsch-Französische Krieg, aber auch der wachsende US-amerikanische Patriotismus und die neue Wilhelminische ›Weltpolitik‹ des deutschen Kaiserreiches hatten. Schließlich verdeutlicht das Buch, wie sich aus verschiedenen ethnischen ›Spezialgedächtnissen‹ ein ethnisches Gesamtgedächtnis bildete.
Ein früher Gegner Hitlers und des Nationalsozialismus
AutorIn: Rudolf Morsey
Hitler und die NSDAP zählten Fritz Gerlich, den Chefredakteur der Wochenzeitung »Der gerade Weg« in München, zu ihren schärfsten Gegnern. Er wurde bereits am 9. März 1933 verhaftet und am 1. Juli 1934 im KZ Dachau ermordet. Fritz Gerlich gehörte zu den frühen Stimmen der Weimarer Republik, die vor Hitler und dem Nationalsozialismus warnten. Lange Zeit in Vergessenheit geraten, erfährt der streitbare und meinungsstarke Publizist nun durch den Historiker Rudolf Morsey auf der Grundlage von Gerlichs Nachlass eine umfassende Würdigung. Dabei verlief Gerlichs Weg gegen den »Hitlerbolschewismus« keineswegs so gradlinig, wie es der Titel seiner Zeitung »Der gerade Weg« suggeriert: Als Hauptschriftleiter der »Münchner Neuesten Nachrichten« (1920-1928) unterstützte er kurzzeitig die NSDAP. 1927 veränderten Begegnungen mit der Mystikerin Therese Neumann in Konnersreuth sein Leben. Sie gipfelten in der Konversion des Calvinisten zum überzeugten Katholiken. 1930 wurde Fritz Gerlich zum entschiedenen Gegner Hitlers, was ihn bereits 1934 das Leben kostete.
Freundschaft und Geschichtspolitik im Zeichen der Weltkriege
AutorIn: Dieter Krüger
Der Autor nimmt den Leser mit auf eine spannende Zeitreise. Sie beginnt im Ersten Weltkrieg und endet in den frühen achtziger Jahren.Die Lebensfreundschaft des intellektuellen Generals Hans Speidel und des militanten Intellektuellen Ernst Jünger, die sich erstmals 1941 in Paris begegnen, kreiste nicht zuletzt um die Frage der Verantwortung des konservativen Bürger-tums und der deutschen Soldaten für den Nationalsozialis-mus. Beide trugen auf ihre Weise zur Integration der nationalkonservativen Eliten in die Bonner Demokratie bei. Die Nachlässe bieten einen reichen Quellenfundus an bislang kaum beachtetem Material, das überraschend neue Einblicke in die politische und Geistesgeschichte der frühen Bundes-republik liefert.
Zum Verhältnis von Musik und Geschichtsschreibung
HerausgeberInnen: Andreas Linsenmann und Thorsten Hindrichs
Sein Name steht für brillante Begriffsprägungen und scharfe Analysen: Der 2012 im Alter von 95 Jahren verstorbene Universalhistoriker Eric J. Hobsbawm war zweifellos einer der anerkanntesten Historiker des von ihm als „Zeitalter der Extreme“ beschriebenen 20. Jahrhunderts. Weit weniger bekannt ist, dass sich Hobsbawm zeitlebens mit Jazz beschäftigte – und zwar sowohl als ästhetisches wie auch als politisches und geschichtliches Phänomen. Bereits 1959 hatte Hobsbawm ein Buch zum Thema publiziert: „The Jazz Scene“. Die bis heute frappierend aktuell wirkende Studie veröffentlichte Hobsbawm unter dem Pseudonym Francis Newton. Der Band nimmt diesen Teil von Hobsbawms Werk in den Blick und diskutiert: Warum beschäftigte sich Hobsbawm so vertieft mit dem Thema Jazz? In welcher Beziehung steht Hobsbawms Nachdenken über Jazzmusik zu seiner geschichtswissenschaftlichen Arbeit? Inwiefern versteht Hobsbawm Jazz als emanzipatorisches oder gar revolutionäres Phänomen? Hobsbawm sah Jazz auch als Subkultur. Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang Aspekte wie „race“, „class“ und „gender“? Die Beiträge fragen jedoch auch nach der Aktualität von „The Jazz Scene“ und loten aus, inwiefern Hobsbawms Ansätze nach wie vor erkenntnisfördernd sind. Mit einem Exklusivbeitrag von Peter Burke.
Die Geschichte der ermländischen Katharinenschwestern (1914-1962)
Das gemeinschaftliche religiöse Leben und Arbeiten in Frauenkongregationen übte bis weit ins 20. Jahrhundert eine große Anziehungskraft auf Katholikinnen in ganz Europa aus. In Krankenhäusern, Schulen, sozialen Einrichtungen und im öffentlichen Leben waren die Schwestern nicht nur in Europa, sondern auch in Übersee präsent.
Die Kongregation der Schwestern von der hl. Katharina ist eine dieser Gemeinschaften. In der Zeit vom Ersten Weltkrieg bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil entfaltete sie ein breites Tätigkeitsfeld und erreichte die höchste Mitgliederzahl ihrer Geschichte. Das Buch gewährt Einblicke in das religiöse Innenleben und berichtet von den Aufgaben der transnationalen Gemeinschaft. Es zeigt auch, wie das Leben der Schwestern von politischen Verhältnissen beeinflusst wurde. Flucht und Vertreibung von über 400 Schwestern aus Ostpreußen als Folge des Zweiten Weltkriegs waren der gravierendste Einschnitt in der langen Geschichte der Gemeinschaft. In beiden Teilen Deutschlands, in Polen, Kanada und Italien fand sie neue Betätigungsfelder.
Europapolitik und -vorstellungen europäischer kommunistischer Parteien im Kalten Krieg
Die erste Zusammenschau der Europabilder und -vorstellungen der kommunistischen Parteien diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs.
Der nach dem Zweiten Weltkrieg vollzogenen Teilung des Alten Kontinents in zwei Zonen mit unterschiedlichen Gesellschaftssystemen mussten die kommunistischen Parteien West- wie Osteuropas Rechnung tragen. Der Balanceakt zwischen Respektierung des Führungsanspruchs der UdSSR und der Erschließung eigener Handlungsspielräume erforderte einen intellektuellen und pragmatischen Spagat. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Volksaufstände in der DDR und in Ungarn sowie des »Prager Frühlings« differenzierten sich jedoch die Europavorstellungen und -politik der Kommunistischen Parteien.
HerausgeberInnen: Hans Günter Hockerts und Günther Schulz
Die Debatte über die Spielarten des Kapitalismus ist so aktuell wie nie zuvor. Daher wirft der Band einen prüfenden Blick auf die »koordinierte Marktwirtschaft« in den Gründerjahren der Bundesrepublik Deutschland. Als Charakteristikum des »Rheinischen Kapitalismus« gilt ein hoher Grad der Institutionalisierung widerstreitender Interessen mit dem Ziel von Konsens und Kooperation. Doch inwieweit waren diese Merkmale in der Ära Adenauer tatsächlich ausgeprägt? Welche Traditionen der deutschen Geschichte wurden dabei fortgeführt und was war neu? Welche Eigentümlichkeiten sind den besonderen Bedingungen der Nachkriegszeit, des »Wirtschaftswunders« und des Kalten Krieges zuzurechnen, gehören also unwiederbringlich der Vergangenheit an? Worin lagen die Schattenseiten? Und andererseits: Welche Regeln und Erfahrungen der Adenauerzeit sind in der Orientierungskrise unserer Gegenwart anschlussfähig, vielleicht sogar vorbildlich?
Westdeutsche Korrespondenten im Kalten Krieg
AutorIn: Julia Metger
Wie war das eigentlich, als die ersten westdeutschen Korrespondenten begannen, aus der Sowjetunion zu berichten? Erst ein Jahrzehnt nach Kriegsende konnten sie ihre Tätigkeit in Moskau aufnehmen. Wie gelang die Berichterstattung unter den Bedingungen des Ost-West-Konflikts?
Westdeutsche Auslandskorrespondenten prägten während des Ost-West-Konflikts maßgeblich unser Wissen über die Sowjetunion. Julia Metger beleuchtet ihren Arbeitsalltag, ihre Handlungsspielräume und das gesellschaftliche Klima in Moskau. Sie analysiert, wie die politischen Rahmenbedingungen ihren Zugang zu Informationen beeinflussten und sie in ihrer Veröffentlichung einschränkten. So zeigt sie, in welchem Kontext Berichte und Reportagen über die Sowjetunion entstanden und welche Rolle die Auslandskorrespondenten als nicht-traditionelle politische Akteure während des Kalten Krieges spielten.
Die mediale Konstruktion europäischer Identität durch Europafilme
HerausgeberIn: Gabriele Clemens
Wie kann eine kollektive Identität der europäischen Bürger/innen geschaffen werden? Mit dieser Frage befassen sich Geschichts- und Filmwissenschaftler anhand der in den 1950er und 1960er Jahren produzierten Werbefilme für Europa.
Der europäische Integrationsprozess wurde von Beginn an von einer breit angelegten, politisch motivierten und gesteuerten Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Ziel war es, die europäischen Bürger über die neu geschaffenen Institutionen zu informieren und ihre Identifikation mit dem Projekt Europa zu erreichen. Aufgrund seiner hohen Suggestivkraft spielte der Film dabei eine zentrale Rolle. Mit den von transatlantischen, supranationalen und nationalen Akteuren produzierten Werbefilmen wurde seit dem Ende der 1940er Jahre eine großangelegte mediale Mobilisierung der europäischen Bürger in Gang gesetzt. Mit welchen Bildern versucht wurde, Europa als gemeinsamen Erfahrungs- und Identifikationsraum zu konstituieren und ein europäisches »Wir-Gefühl« zu erzeugen, wird anhand dieser erstmals umfassend recherchierten »Europafilme« untersucht.
Chilenische Flüchtlinge und die Ausländerpolitik der SED
AutorIn: Sebastian Koch
Schon lange vor der aktuellen Flüchtlingskrise gab es globale Emigrationsbewegungen. So wurde in den 1970er Jahren der klassische Exilkontinent Lateinamerika – beginnend mit Chile – zu einer Auswanderungsregion.
Über 2000 Chilenen flohen nach dem Pinochet-Putsch gegen die sozialistische Regierung in die DDR und wurden durch ihre relative Aktions- und Bewegungsfreiheit zu Zeitzeugen besonderer Qualität. Sebastian Koch untersucht das politische und alltägliche Leben dieser meist intellektuellen Fremden in einem normierten Staat. Er fragt nach der Integrationsfähigkeit »realsozialistischer« Staaten, beschreibt die Instrumentalisierung der Chilenen für den Antifaschismus-Mythos der DDR und diskutiert anhand der Ergebnisse den Charakter der DDR als Unrechtsstaat.