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Die drei wissenschaftlichen Klassen und die Klasse der Künste der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste führen einmal im Jahr eine gemeinsame Veranstaltung (Plenum) durch, bei der jede Klasse zu einem übergreifenden Thema aus eigener Perspektive vorträgt. Die Vorträge werden anschließend kritisch und transdisziplinär diskutiert. Die Beiträge zu den Plenen werden in dieser Reihe zusammengefasst und publiziert.
Ernest Renan und die Geschichte der ersten Islamdebatte 1883
AutorIn: Birgit Schäbler
Im März 1883 hielt der Religionswissenschaftler Ernest Renan in Paris einen Vortrag über »den Islam und die Wissenschaft«. Darin äußerte er sich negativ über die Geschichtsfähigkeit des Islam und behauptete, Islam und Moderne stünden im Widerspruch. Die Muslime kennzeichne unter anderem »der Hass der Wissenschaft«. In Istanbul, Kairo, St. Petersburg, Persien und Indien griffen muslimische Intellektuelle zur Feder, um die Thesen Renans zurückzuweisen. Die Sprengkraft dieser ersten Islamdebatte, die transkulturell geführt wurde, war so groß, dass ihre Spuren bis heute nachwirken. Birgit Schäbler erzählt die Geschichte der Debatte und verfolgt ihre Entwicklungslinien bis in die Gegenwart. Darüber hinaus präsentiert das Buch erstmals die drei wichtigsten Kontrahenten Renans und ihre Texte. Die Autorin zeigt, wie Renan und andere europäische Gelehrte durch ihre »Islamisierung« des Islam und des Orients zur Verschärfung der Auseinandersetzung beigetragen haben – und wie umgekehrt muslimische Intellektuelle dies selbst aufgriffen. Am Ende steht die Erkenntnis, dass die Streitenden vieles gemeinsam hatten. Sie alle versuchten, die Religion mit der Moderne in Einklang zu bringen und ihre Gesellschaften zu reformieren. Alle waren sie »Apostel der Moderne«.
Stadtführer
Ein anderes Berlin entdecken – das kann man mit dem Stadtführer »Polnisches Berlin«. Denn die heute fast 100.000 Menschen umfassende polnischsprachige Gemeinschaft des heutigen Berlin trägt mit ihren Arbeitskräften, Unternehmern, Forscherinnen und Kulturschaffenden Einiges zur Lebendigkeit der deutschen Hauptstadt bei. Dennoch sind viele Spuren in der langen deutsch-polnischen Geschichte Berlins in Vergessenheit geraten.
Dieses Buch bietet als alternativer Stadtführer Wege zu den Orten des einstigen und des heutigen polnischen Berlin: vom Reichstag, dem das Palais des Grafen Raczynski weichen musste, über die Wohnstätten des Kupferstechers Daniel Chodowiecki bis hin zu polnischen Restaurants, dem »Club der Polnischen Versager« oder der deutsch-polnischen Buchhandlung »Buchbund«. Über 150 Berliner Orte stellen die Autorinnen und Autoren vor und regen auf informative und überraschende Weise an, die Stadt abseits der üblichen touristischen Magnete neu kennenzulernen.
HerausgeberInnen: Ulrich Breuer und Nikolaus Wegmann
Athenäum – das ist die berühmte Zeitschrift der Brüder Schlegel. Der Name war zugleich Titel für ein Forschung- und Bildungsprogramm mit höchsten Ansprüchen. Insbesondere mit den philologischen, kritischen und philosophischen Arbeiten Friedrich Schlegels hat das Athenäum die Romantik begründet.
Schlegels Theorie der modernen Poesie und sein Konzept der literarischen Kritik sind noch immer aktuell. Das neue Athenäum macht Schlegels bahnbrechende Neuerungen für die aktuelle Forschung in Philologie und Medienkulturwissenschaft produktiv. Zugleich rückt von Friedrich Schlegel aus die ganze Romantik in den Blick: Literatur, Sprache, Kunst, Musik, Recht und Staat, Philosophie, Religion und Natur. Das Jahrbuch ist also interdisziplinär und übernational, offen für Sachwissen, Selbstreflexion und Irritation. Es enthält neben dem Editorial, das sich aktuellen Themen widmet und sie auf Überlegungen Friedrich Schlegels bezieht, neue Beiträge zur Schlegel- und zur Romantikforschung, die zuvor ein Peer-Review-Verfahren passiert haben müssen. Zudem bietet es in unregelmäßiger Folge neue Funde, Diskussionen, Interviews, Features, Berichte und Experimente sowie einen Rezensionsteil.
Herausgegeben wird das Athenäum seit 2008 von Ulrich Breuer (Mainz) und Nikolaus Wegmann (Princeton).
Epistolarität und Interkulturalität
AutorIn: Jochen Strobel
HerausgeberIn: Jochen Strobel
Als Philologe, Literaturhistoriker, Übersetzer, Kritiker und Indologe war der lange Zeit unterschätzte August Wilhelm Schlegel der wichtigste Kommunikator der deutschsprachigen Romantik.
Der Band bietet eine Bestandsaufnahme der aktuellen Forschungsaktivitäten zu dem älteren Schlegel-Bruder. Bei unterschiedlicher Schwerpunktsetzung kristallisieren sich Vorlesung, Übersetzung, Kritik und Brief als zentrale Kommunikationsmedien heraus, ob es um die Aushandlung ästhetischer und wissenschaftlicher Positionen im Kreis der Romantiker und darüber hinaus geht, um den sozialen Zusammenhalt oder um die Diskursivierung von Emotionen. Neben intertextuell und interkulturell interessierten Studien treten wissenspoetologische, wissenssoziologische und praxeologische Überlegungen.
Schlegel erweist sich als Kommunikator im Dialog mit seiner Familie, mit Mentoren, Freunden und Gegnern sowie mit der altindischen und den europäischen Kulturen von der Antike bis zu seiner Gegenwart.
am Beispiel der Slavischen Philologie in deutschsprachigen Ländern
AutorIn: Hans Rothe
Die großen Begründer der Slavischen Philologie waren Slaven aus der Habsburgischen Monarchie: ein Tscheche, zwei Solvenen und ein Kroate; hinzukommt, als vielleicht bedeutendster, ein Deutscher. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde auch Literaturforschung einbezogen. Dann brachten zwei neue Schulen eine Enthistorisierung der Wissenschaft: die Vorlesungen über „linguistiqúe générale“ von F. de Saussure vor 1918 und die sog. "formale Schule" in Russland nach 1912. Alles danach war eine Folge dieser Enthistorisierung.
Ein Beitrag zur Intellektuellengeschichte
AutorIn: Isabelle Faul
Friedrich Schlegel entwirft in der Fragmentsammlung Ideen (1800) ein anspruchsvolles, synkretistisches Konzept des ›Künstlers‹ als eines kulturstiftenden und kulturkritischen ›Intellektuellen‹. Die Wesensmerkmale des von Schlegel konzipierten ‹Künstlers‹ sind Wortmächtigkeit, analytische und kritische Kompetenz, Reflexionsvermögen, Neigung zum Querdenken und Polemik. Dabei reflektiert er auch Möglichkeiten elitärer intellektueller Sozietäten als transitorische Organisationsformen zur Generierung neuer ›Künstler‹ und als Gegenentwurf zur als defizitär empfundenen Wirklichkeit des literarischen Feldes um 1800. Schlegel greift damit zeitgenössische Modelle des ästhetischen Diskurses der 1790er-Jahre und des Neuhumanismus ebenso wie traditionelle Topoi auf und verbindet diese mit formal und medial avantgardistischen Ansätzen.
seine Gültigkeit und seinen Verfall in slavischen Literaturen und anderswo
AutorIn: Hans Rothe
Geschmacksdenken scheint heute einerseits ungültig geworden, anderseits der Geschmacksbegriff dennoch unentbehrlich geblieben zu sein. Der Vortrag fragt nach den Gründen. Er belegt zunächst die Übertragung des Begriffs auf andere Erscheinungen des Lebens im 19. Jahrhundert, besonders im politischen Denken. Er zeigt sodann die Wurzeln für die neue Zeit in Frankreich im 16. und 17. Jh., die weitere Ausbildung in England und Deutschland vor 1800, behandelt dann seine Entwicklung in der Slavia allgemein, sodann besonders bei Tschechen, Polen und Russen, jeweils von der Aufklärung im 18. Jh. bis zur Moderne im 20. Jh.
Zur Pathogenese der Moderne
AutorIn: Manfred Frank
Literarische Schiffreisen erreichen in der Antike ihr Ziel umwegig (Odyssee), modernen ist es weggebrochen, und ihre Fahrt verendet in einer ‚schlechten Unendlichkeit’ (Hegel). Es gibt keinen heimatlichen Hafen mehr, der zu erreichen wäre; es herrscht ‚transzendentale Obdachlosigkeit’ (Lukács); „Gott ist tot“ (Nietzsche). Die Schiffe – seit dem Fliegenden Holländer, der übersinnliche Werte im Geist des neu erwachten kopernikanischen Paradigmas als normative Orientierungspunkte ablehnt – irren und fahren sie mit dem „Wind, der in den untersten Regionen des Todes weht“ (Kafka). D. h., das trotzig abgewiesene Sinnangebot der übersinnlichen Welt behält negativ seine Kraft: Es hindert die Lebensreise des modernen Menschen, hienieden ans Ziel zu kommen. Die Unendlichkeit, zu der menschliches Streben fortan verurteilt ist, wird als Strafe erlebt für die Auflehnung gegen eine robustere Gestalt von Absolutheit, die von Stund an als unwiederbringlich abgegolten erlebt wird. Mittlerweile in ihrer 3., erweiterten Auflage präsentiert Manfred Frank die Geschichte des Motivs vom Fliegenden Holländer, dem Ewigen Juden bis zu Rimbauds Trunkenem Schiff und zu Kafkas Jäger Gracchus. Neben den verwandten Motiven des ‚kommenden Gottes’ (der ‚neuen Mythologie’) und der in Kälte erstarrenden Herzen gehört es zu denen, die am sprechendsten von den Pathologien der Moderne Zeugnis ablegen.
Kulturgeschichte der Jagd im 19. Jahrhundert
HerausgeberIn: Carl Alexander Krethlow
Wer heute auf die Pirsch geht, steht in lebendiger Verbindung zum 19. Jahrhundert – mit seinen Waffen, seiner Kleidung, seiner Jagdtaktik, aber auch mit den Rechten, die er als Jäger und Heger beanspruchen kann. Dieses reich bebilderte Kompendium lädt ein zur Reise in jene faszinierend vielfältige Epoche, in der das Weidwerk, wie wir es kennen, entstand.
Carl Alexander Krethlow und sein Autorenteam berichten von der höfischen Prunkjagd und dem Ende der adligen Jagdprivilegien in den Revolutionen von 1789 und 1848. Auch die bäuerliche Schlingenjagd im alten Europa und ihr Fortbestehen nach 1800 werden anschaulich beschrieben. Die Leser lernen die unterschiedlichen Formen kennen, die Weidwerk und Jagd in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Russland annahmen. Besonderes Augenmerk gilt Jägertypen der Zeit – von den Kaisern Franz Joseph und Wilhelm II. über Zar Nikolaus II. hin zur zwiespältigen Figur des Wilderers. Auch die Rolle der Frau als Jägerin wird beleuchtet. Über den Beginn der Hege auf Grundlage forstwirtschaftlicher und biologischer Erkenntnisse wissen die Autoren gleichfalls kundig zu erzählen. Die Einflüsse der Jagd auf das militärische Scharfschützenwesen, auf die Mode und den Sport kommen ebenso zur Sprache wie ihre Darstel-lung in der uns heute oft erheiternden Trivialliteratur der Zeit.