AutorIn: Helmuth Peukert
HerausgeberInnen: Ottmar John und Norbert Mette
Contributor: Dietrich Benner
Angesichts krisenhafter Entwicklungen im globalen Ausmaß nimmt Helmut Peukert eine Neubestimmung des Bildungsbegriffs vor, die sich von der Sorge um eine lebenswerte Zukunft für alle Menschen leiten lässt.
Jede nachwachsende Generation steht vor der Frage, ob die bestehende Lebensform für sie zukunftsfähig ist. Diese Frage hat sich aufgrund der Auflösung bisheriger Deutungs- und Orientierungsmuster infolge der sich ständig beschleunigenden Modernisierung zugespitzt. Daher bedarf es dringlich der intergenerationellen Suche nach neuen Weisen des Zusammenlebens und eines nachhaltigen Umgangs mit der Mitwelt. Nicht zuletzt Erziehung und Bildung stehen vor der Herausforderung, zu einem dafür notwendigen Bewusstseinswandel beizutragen. Als grundlegende Leitorientierung dafür kristallisiert sich eine »Ethik intersubjektiver Kreativität im Horizont universaler Solidarität« heraus.
Theorien und Konzepte moralischer Erziehung und Bildung und ihre Beziehungen zu Ethik und Politik
Welche Bedeutung haben positive und negative Moralität für die Erziehung im Spannungsfeld von Bildung, Moral und Politik tatsächlich?
Abstimmungsprobleme zwischen pädagogischen, moralischen und politischen Handlungskonzepten gibt es auch noch in neuzeitlichen und modernen Diskursen über Bildung, Moral und Politik. Thema sind dort theorie- und problemgeschichtliche Grundlagenfragen einer Ausdi-ferenzierung moralischer Kompetenz in die Teilkompetenzen moralischer Grundkenntnisse, Urteils- und Handlungsentwurfskompetenz. Das Ziel ist ein Modell und Instrument für die Beschreibung und Erfassung moralischer Kompetenzen von Jugendlichen, die den Ethik-Unterricht oder andere Unterricht-fächer des moralisch-evaluativen Bereichs besuchen.
Einführung mit pädagogischen Texten
AutorIn: Birgitta Fuchs
Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher war Philosoph, protestantischer Theologe, Altphilologe, Publizist, Kulturwissenschaftler, Kirchenpolitiker, Staatstheoretiker und last but not least Pädagoge. Gerade aufgrund seiner Vielseitigkeit gehört er zu den einflussreichsten Köpfen seiner Zeit. Doch nicht nur seine philosophischen und theologischen Schriften verschafften ihm bis in die Gegenwart andauernde Wirkung. Neben Johann Friedrich Herbart gehört er zu den Begründern der Pädagogik als Wissenschaft. Seine hermeneutisch-dialektische Denkweise prägt die geisteswissenschaftliche Pädagogik nachhaltig bis heute und stellt aktuell einen wichtigen Gegenpol zu einer rein empirisch-technologischen Erziehungswissenschaft dar. Schleiermachers Bedeutung für die Pädagogik wird in dem vorliegenden Band Rechnung getragen. Eine verständlich geschriebene Einführung und die völlig neu konzipierte Textauswahl machen heutige Leser mit der Pädagogik Schleiermachers gründlich vertraut und orientieren auch über deren ethische Grundlagen und ihren dialogischen Charakter.
Das Bildungsjahr an der Hermann-Lietz-Schule Schloss Bieberstein
Lernen jenseits des üblichen schulischen Alltags – das Bildungsjahr an der Hermann-Lietz-Schule Schloss Bieberstein eröffnet Jugendlichen die Möglichkeit, sich im globalen Horizont zu »bilden«: durch Reisen in ferne Länder, Begegnungen mit Verschiedenheit und ökologischem Engagement. Damit gehört dieses Konzept zu den interessantesten reformpädagogischen Projekten der Gegenwart. Ein Jahr lang widmen sich Schüler jenseits der üblichen schulischen Spielregeln von Leistungsmessung und Leistungsvergleich dem Prozess der »Bildung« im ursprünglichen Sinne – als Reflexion und Verarbeitung ihrer Weltwahrnehmung und als Annäherung an individuelle Verantwortung und Mündigkeit. Mit dieser Konzeption globaler Bildung werden Motive kritisch weiterentwickelt, die der Schulgründer Hermann Lietz vor über 100 Jahren in seinem Programm sozialer Erziehung formuliert hatte. Der Band eröffnet in unterschiedlichen Zugängen einen kleinen Einblick in diese spannende Praxis und deren theoretische Grundlagen.
Diskurse – Auswirkungen – Perspektiven
Nicht erst seit Pisa wird von allen pädagogischen Institutionen Bildungsqualität erwartet. Zu fragen ist aber, ob unter den gegebenen Bedingungen die empirische Wende in Theorie und Praxis die erhoffte Wirkung zeigt? Zehn Jahre nach Einsetzen der groß angelegten Bildungsoffensive in Deutschland ist es an der Zeit, ein Zwischenfazit zu ziehen und kritisch nachzufragen, welche Entwicklungen sich in den verschiedenen Diskursen und pädagogischen Handlungsfeldern ausmachen lassen. Ausgehend von einer bildungspolitischen und -theoretischen Rahmung werden die Auswirkungen dieser Reformanstrengungen in unterschiedlichen pädagogischen Institutionen wie Elementarbereich, Schulsystem und Schulaufsicht bilanziert und kritisch reflektiert. Mit Blick auf die einschlägige Praxis wird anschließend die humane Dimension Partizipation als grundlegende Bedingung erfolgreicher Entwicklung und Sicherung von Bildungsqualität fokussiert.
Gegenspielerin Maria Montessoris und Begründerin einer femininen Pädagogik
Diese erste systematische Arbeit über die Kindergartenpädagogik der Italienerin Giuseppina Pizzigoni (18701947) betritt 80 Jahre nach der Erstveröffentlichung ihres grundlegenden Werkes »Mein Kindergarten« pädagogisches Neuland. Pizzigoni benutzt nicht ein starres didaktisches Material wie ihre Kollegin und große Konkurrentin Maria Montessori, sondern legt Gewicht auf die permanente Erneuerung in einer im wahrsten Sinne »progressiven Schule«, in der man experimentiert und arbeitet, wie sie sowohl John Dewey als auch Jerome Bruner gefallen hätte. Diese neue Schule hat die bestmöglichen Lernbedingungen zu schaffen, um das Comenianische Prinzip, »allen alles auf alle Weise zu lehren« Wirklichkeit werden zu lassen. Das Kind wird als Person gesehen, die sich am Aufbau einer besseren Welt beteiligen will und deshalb verdient, dass man ihr mit Respekt begegnet und sie jene kreativen Möglichkeiten verwirklichen lässt, von der alle Erneuerung lebt. Diese Methode wurde geradezu als Alternative zur sog. Montessori-Methode angesehen.
Wege zum Wissen
AutorIn: Lutz Koch
Das Buch handelt vom Lehren. Es geht aus von der Überzeugung, dass der beste Lehrer nichts bewirkt, wenn seine Schüler nicht lernen. Daher bedeutet Lehren: Veranlassung des Lernens. Dieser Begriff des Lehrens wird entwickelt zu einer elementaren Theorie des Lehrens, die auf Unterricht und Lehre an Schulen und Universitäten gleichermaßen zutrifft. Lehren und Lernen werden in dieser Theorie, die selbst eine »Lehre« ist, als Wege zum Wissen aufgefasst. Es handelt sich um die Wege, die der Lehrer einschlägt, wenn er die Lernenden zum Wissen führt. Vom Wissen ist in umfassendem Sinne die Rede, nicht nur in Einschränkung auf das instrumentelle Problemlösungswissen. Enthalten ist auch das Wissen um unsere wichtigsten Absichten und Zwecke. Die Wege (»Methoden«) zum Wissen sind in der didaktisch-philosophischen Überlieferung zwar vielfach angesprochen, aber auch versteckt worden. Sie werden hier in der Absicht freigelegt, die in ihnen liegenden Chancen und Möglichkeiten aufzuspüren, nicht nur zu »belehren«, sondern auch zu »interessieren«, d.h. das Lernen zu veranlassen.
Mit dem Leistungsprinzip ist die Hoffnung auf eine gerechte Verteilung materieller und sozialer Güter verbunden. Was aber, wenn die Voraussetzungen und Realisierungen dieses Prinzips mit unauflösbaren Problemen verbunden sind? Die Vorstellung, dass individuelle Leistung und Leistungsfähigkeit über Amt, Ansehen und Auskommen entscheiden sollen, bildet das Credo moderner Gesellschaften. Die Hoffnung auf eine gerechte Verteilung gesellschaftlicher Ressourcen wird jedoch erschüttert, wenn die Schule als Ort, an dem Leistungsfähigkeit allererst erworben werden soll, bereits ein Ort der Selektion ist. Wie lassen sich die ungleichen Bedingungen, die jede Leistungsmessung und jedes Ranking kennzeichnen, berücksichtigen? Diese Fragen verschärfen sich mit der Entgrenzung des Leistungsprinzips und der Allgegenwart einer Optimierung des Selbst.
Theorie – Empirie – Kultur
Der pädagogische Takt gilt oftmals als ein pädagogisches Allheilmittel, das die Kluft zwischen erziehungswissenschaftlicher Theorie und pädagogischer Praxis zu schließen imstande ist, das den Forderungen nach Nähe und Distanz des Erziehers gleichermaßen Genüge tut und das schließlich auch die Grundparadoxie moderner Pädagogik, die »Kultivierung bei dem Zwange« lösen kann. Er ist dabei fast ausnahmslos aus der Sicht des Pädagogen diskutiert worden. Für die Aktualisierung von Fragestellungen ist das mit diesem Begriff artikulierte Erfordernis eines selbstreflexiven Regulativs pädagogischen Handelns relevant. Die Kategorie des pädagogischen Takts verknüpft Fragen nach der Steuerbarkeit und den Grenzen pädagogischen Handelns. Sie ist damit sowohl in professionstheoretischer als auch in pädagogisch-ethischer Hinsicht von unverzichtbarer Aktualität für pädagogische Reflexionen. Aus unterschiedlichen Perspektiven werden deswegen in den Beiträgen dieses Bandes die theoretische Spannweite, die Möglichkeiten einer empirischen Erforschung, die Geschichte und die Frage nach der Verletzlichkeit des pädagogischen Takts erörtert. In Bezug auf unterschiedliche Handlungsfelder (Kindheit, Familie, Sozialpädagogik, Schule, Erwachsenenbildung) werden Formen und Probleme eines taktvollen pädagogischen Handelns herausgearbeitet. Im Vergleich mit pädagogischen Arrangements in Japan zeigt sich, dass taktvolle pädagogische Verhältnisse ganz unterschiedlich strukturiert sein können. Zusammen erschließen die Texte die Kategorie des pädagogischen Takts sowohl empirisch fundiert als auch theoretisch differenziert und höchst anschlussfähig an gegenwärtige Debatten.
Begründungen und Grundlagen religiöser Bildung in der Schule
Der konfessionelle Religionsunterricht gerät in Schule und Öffentlichkeit immer stärker unter Legitimationsdruck. Inwiefern ist er in Zeiten religiöser Pluralität für die Heranwachsenden noch relevant? Wie müssen religiöse Bildungsprozesse gestaltet sein, damit sie auf die Fragen und Bedürfnisse der Heranwachsenden eingehen, ohne Religion auf »Lebenshilfe« hin zu funktionalisieren? Wenn der bekenntnisorientierte Unterricht weiterhin ordentliches Schulfach sein soll, dann ist die Frage nach dessen unersetzlichem Eigen-Wert zu stellen. Studierenden als auch Lehrkräften wird gezeigt, dass und wie er notwendiger Bestandteil öffentlicher Bildung in einer postsäkularen Gesellschaft sein muss. Auf dieser Grundlage werden didaktische Handlungsprinzipien (neu) ausgerichtet und es wird zugleich innovativ in die Religionspädagogik eingeführt.