Die politische Biographie eines Alldeutschen
AutorIn: Johannes Leicht
Als »Diktator im Geheimen« wurde er von Zeitgenossen charakterisiert: Heinrich Claß. Über 30 Jahre war er Vorsitzender des Alldeutschen Verbandes. Er galt bereits zu seinen Lebzeiten als einer der wichtigsten Exponenten im Netzwerk rechtsnationaler Verbände und völkischer Vereine. Ihm sagte man im ausgehenden Kaiserreich, während des 1. Weltkrieges und in der Weimarer Republik einen großen Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger nach. Als Verfechter der kolonial- und weltpolitischen Machtutopien des radikalen Nationalismus verurteilte Claß die Politik der Reichskanzler nach Bismarck als Aufgabe einst postulierter Machtansprüche. Wie andere Angehörige der »wilhelminischen Generation« war er geprägt von dem um die Jahrhundertwende aufkommenden rassistischen Ordnungsdenken. Auf dieser Grundlage forderte er die grundlegende Neugestaltung der deutschen Gesellschaft nach dem Ideal eines rassisch homogenen Kollektivkörpers: der »Volksgemeinschaft«. Er trat ein für einen Krieg mit territorialer Expansion in Europa und Übersee sowie ethnisch-kultureller Homogenisierung im Inneren. Nach 1918 beanspruchte er für den Alldeutschen Verband die Führung der antidemokratischen Rechtsopposition und forderte unablässig die Überwindung der Weimarer Republik durch eine völkische Diktatur. Auf breiter Quellenbasis differenziert Johannes Leicht in dieser biographischen Studie erstmals zwischen alldeutsch-patriotischer Rhetorik und selbstformulierten Führungsansprüchen einerseits sowie tatsächlichen weltanschaulichen, organisatorisch-finanziellen und politisch-gesellschaftlichen Wirkungsmöglichkeiten von Claß andererseits.
Energieversorgung, Haushaltstechnik und Massenkultur am Beispiel nordenglischer und westfälischer Städte 1880-1939
AutorIn: Karl Ditt
In den beiden letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts setzte mit der Entstehung der Elektro-, Chemie- und Automobilindustrie eine neue, zweite Phase der Industrialisierung ein. Die vergleichend angelegte Studie fragt danach, inwieweit Deutschland den Vorsprung Großbritanniens in der industriellen Produktion und im Konsumniveau bis zum Zweiten Weltkrieg aufholen konnte. Als Beispiele dienen die Energieversorgung, die Nutzung der Haushaltstechnik und das Konsum-verhalten in den Bereichen Sport, Film und Rundfunk.
In beiden Ländern bestanden deutliche Unterschiede zwischen den sozialen Schichten im Erwerb von materiellen Konsumgütern, während sich in der Teilhabe an der Massenkultur deutliche Nivellierungen zeigten. Generell bereitete die Zunahme des Konsums in den 1930er Jahren die Voraussetzung dafür, dass sich nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen Großbritannien und Deutschland eine Annäherung des Lebensstandards vollzog und sich in beiden Ländern die soziale Integration verstärkte.
Ohne Kenntnis der polnischen Geschichte lässt sich die deutsche und ohne Kenntnis der deutschen die polnische Geschichte nur unvollkommen verstehen. Als Nachbarn in Europa teilen Deutsche und Polen zudem viele Erinnerungen, die jedoch in beiden Ländern oft unterschiedliche Interpretationen und Beurteilungen erfahren – es gibt gemeinsame und getrennte Erinnerungen. Die „Deutsch-polnischen Erinnerungsorte“, das größte geisteswissenschaftliche Gemeinschaftsprojekt beider Länder, bringt die nachbarschaftlichen Beziehungsgeschichten erstmals zusammen.

130 Autoren geben in 5 Bänden Einblicke in die Erinnerungskulturen beider Länder, in ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Napoleon und Rosa Luxemburg, Flucht und Vertreibung, das Jahr 1989, Solidarnosc und der Kreisauer Kreis, Preußen und die Oder-Neiße-Linie, Tannenberg und Maximilian Kolbe, Jazz und Polski Fiat sind nur einige der historischen Bezugspunkte aus denen sich neue, erhellende Perspektiven auf die Geschichte beider Länder ergeben.

Das Werk ist abgeschlossen.

"Die Herausgeber, Robert Traba, langjähriger Leiter der Vertretung der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Berlin, und der Oldenburger Historiker Hans Henning Hahn, sowie ihre Mitarbeiter haben somit einen fundamentalen Beitrag zur deutsch-polnischen Verständigung geleistet, eine grandiose Pionierleistung." - Thomas Urban, Süddeutsche Zeitung (Februar 2016)
Die Erfindung der Realpolitik
AutorIn: Harro Zimmermann
Harro Zimmermann begibt sich auf die Spur einer schillernden Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts. Er stellt Gentz in allen seinen Facetten vor: den staatsphilosophischen Theoretiker des moderaten Konservatismus, den antifranzösischen Publizisten, den Glücksspieler und Verführer von Theaterschönheiten, den altersmild gewordenen Sekretär Metternichs. Die lange überfällige neue Biographie einer zentralen Gestalt im Zeitalter des Wiener Kongresses!
Mit großer Sachkunde lässt der Autor die Epoche der Französischen Revolution und des Wiener Kongresses lebendig werden, wenn er seinen Helden an dessen Wirkungsstätten begleitet, die heißen Debatten für und wider Revolution und Napoleon erneut aufleben lässt oder nachspürt, mit wessen Hilfe Gentz seine immensen Spielschulden in letzter Minute begleichen konnte.
Die auf sieben Bände angelegte Reihe »Perspektiven deutsch-jüdischer Geschichte« bietet in kompakten Themenbänden das Wissen zur deutsch-jüdischen Geschichte der letzten zwei Jahrhunderte. Die Bücher spiegeln den aktuellen Forschungsstand wider und sind auch für eine breitere Leserschaft in Schule, Studium und Bildungseinrichtungen geeignet.
Ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellen die einschlägig ausgewiesenen Autorinnen und Autoren gesellschaftsgeschichtliche Perspektiven unter Einbeziehung sozial- und kulturgeschichtlicher Fragestellungen. Geschlechtergeschichte ist integraler Bestandteil aller Bände.
Band 3: Parallelen
130 Autoren, acht Bände in zwei Sprachen: Der Band »Parallelen« ist die erste Veröffentlichung des größten deutsch-polnischen Projekts im Bereich der Geisteswissenschaften. Die Herausgeber und Autoren der »Deutsch-Polnischen Erinnerungsorte« werfen einen neuen Blick auf die nachbarschaftliche Beziehungsgeschichte beider Länder.
Erinnerungsorte sind keine topographischen Orte, sondern historische Bezugspunkte der kulturellen Identität einer Gesellschaft - Personen, Ereignisse, historische Phänomene. Der hier erstmals angewandte bilaterale Ansatz der Erinnerungsforschung hinterfragt nationale Vorstellungen und entwickelt neue vergleichende Perspektiven. Die Besonderheit der Erforschung paralleler Erinnerungsorte liegt im Vergleich der Funktion nationaler Erinnerungsorte in den deutschen und polnischen Erinnerungskulturen. Denn Nachbarschaft macht gleichzeitig Nähe und Distanz bewusst. Das betrifft vor allem die so ähnliche und doch so unterschiedliche Erinnerung. Ohne die Kenntnis der polnischen Geschichte lässt sich die deutsche nur unvollkommen verstehen.
In diesem Sinne stellt der Band u.a. Rhein und Weichsel, Goethe und Mickiewicz oder auch Willy Brandts Kniefall und den Brief der polnischen Bischöfe gegenüber. Die Lektüre eröffnet damit eine neue Perspektive auf den Nachbarn. Und auf die eigene Geschichte.
Gleichzeitig zur Veröffentlichung in Deutschland erscheint der Band auf Polnisch. 2012 werden in beiden Ländern die drei weiteren Bände folgen.
Die liberale Gelehrtenfamilie Schücking im 19. und 20. Jahrhundert
AutorIn: Ulf Morgenstern
Die Geschichte der Schückings - das ist die mehrere Jahrhunderte umspannende Saga einer bedeutenden Familie aus Westfalen. Bereits im 18. Jahrhundert traten Angehörige als hohe Amtsträger im Fürstbistum Münster hervor, doch der heute bekannteste Schücking ist der Schriftsteller Levin Schücking, ein Freund der Droste. Über ihn und seine ebenfalls schreibende Ehefrau Louise von Gall kamen literarische Bestrebungen in die Familie; fast alle Nachfahren griffen zur Feder. Fast vergessen sind heute hingegen die linksliberalen Brüder Lothar Engelbert, Walther und Levin Ludwig. Ihre im Mittelpunkt des Buches stehenden pazifistischen Lebenswege sind eingebettet in die Gesamterzählung einer im 15. Jahrhundert beginnenden Familiengeschichte.
Internationale Beziehungen 1648/1659-1713/1714
AutorIn: Klaus Malettke
Band 3 des HGIB behandelt eine Zeit, die weithin noch im Zeichen des bourbonischhabsburgischen Gegensatzes stand. Der Westfälische Frieden und der Pyrenäenfrieden ersetzten das von Habsburg-Spanien dominierte Staatensystem durch ein von Frankreich geführtes multipolares System. Nach den Friedensschlüssen von Nijmegen schien Ludwig XIV. der Verwirklichung der französischen Hegemonie sehr nahe gekommen zu sein. Ihr dauerhafter Ausbau scheiterte jedoch an der wachsenden Solidarität der durch Frankreich bedrohten Staaten, an dem sich unter Führung der Seemächte formierenden Widerstand im Zeichen des Gleichgewichtsprinzips (Tripel-Allianz, Ausbildung des französisch-englischen Gegensatzes) und an der Überforderung der wirtschaftlichfinanziellen Möglichkeiten Frankreichs. Hinzu kamen die politischen Veränderungen durch die »Glorious Revolution«, die sich im Dritten Nordischen Krieg vollzogen.
Geprägt wurde diese Epoche auch durch den Abstieg bisheriger Großmächte (Spanien, Schweden, Osmanisches Reich) und den Aufstieg neuer Mächte wie das Russland Peters des Großen. Die österreichischen Habsburger konnten ihre Positionen nach dem Tiefpunkt von 1648 durch eine geschickte Reichspolitik und durch Erfolge gegen die Osmanen wieder stärken.
Ausgewählte Aufsätze 1979-2011
AutorIn: Heinz Duchhardt
HerausgeberIn: Martin Espenhorst
Der vormoderne Frieden in Europa ist eine zentrale Koordinate im wissenschaftlichen Werk des Frühneuzeithistorikers Heinz Duchhardt.
In diesem Band sind Duchhardts grundlegende Aufsätze zur historischen Friedensforschung gesammelt. Die Beiträge behandeln völkerrechtliche Schlüsselbegriffe, Instrumente und Figuren der Friedenstheorie und -praxis, die »Traktatistik« des 17. Jhds. wie auch die Gestaltung von Vertragstexten und die Technik des Vertragsschließens. So werden tiefe Einblicke in den frühneuzeitlichen Umgang mit dem Wert Frieden vermittelt.
in Deutschland und Frankreich
Erstmals in der deutschen Historiographie liegt ein Sachbuch vor, das die Themen jüdische Soldaten und jüdischer Widerstand in Deutschland und Frankreich umfassend darstellt und dabei Schlussfolgerungen für beide Länder und den weiteren Weg der europäischen Einigung zieht. Wenn europäische »aufgeklärte« Nationalstaaten Juden aus ihrem Nationalstaatsverständnis herausdefinierten, wofür kämpften dann jüdische Soldaten Seite an Seite mit ihren nichtjüdischen Kameraden? Wofür kämpfte der jüdische Widerstand? Wie wird heute diese Vergangenheit im Sinne eines Erinnerns zur Gegenwart? Diesen Fragen gehen die Herausgeber mit vielen renommierten Mitautoren in einer umfangreichen Fallbeispielsammlung nach.