Aus dem Inhalt: Abhandlungen Christian Kohlroß: Schillers Räuber oder die Neuerfindung der Subjektivität Iring Fetcher: Fortschritt und Katastrophen von Goethe bis Walter Benjaming Reinhard Mehring: Überwindung des Ästhetizismus. Carl Schmitts Romantikkritik als Abschluss seiner Jugendjahre Michael C. Frank: Fotografische Fantastik: Der romantische Daguerreotypie-Diskurs in Nataniel Hawthornes The House of the Seven Gables Jan Assmann: Schiller, Mozart und die Suche nach neuen Mysterien Kurt Mueller-Vollmer/Jürgen Trabant: Humboldt-Edition Lehmann: Bettelweib Miszellen Guido Naschert: Dieter Henrichs 'Grundlegung aus dem Ich' Rehme-Iffert: Schleiermacher
HerausgeberInnen: Hans Dierkes, Hans Eichner und Ernst Behler
Die bislang unveröffentlichte Kölner Vorlesung aus dem Jahre 1807 hat sich in einer Nachschrift seines Schülers Sulpiz Boisserée in dessen Nachlaß erhalten und bildet den Abschluß von Schlegels weitgespannter Kölner Vorlesungstätigkeit, die damit vollständig dokumentiert ist. Vollständig vor liegt damit jetzt auch die gesamte II. Abteilung der Kritischen Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Die Vorlesung faßt am Leitfaden der deutschen Sprache Schlegels sprachgeschichtliches, rhetorisches, poetologisches, literaturgeschichtliches und ästhetisches Wissen zwischen Jena und Wien zusammen und gibt damit einen eindrucksvollen Einblick in die allmähliche Transformation der Frühromantik in eine spätromantische Denkform. Die Einleitung dokumentiert die wichtigsten Entwicklungslinien von Schlegels Kölner Jahren zwischen 1804 und 1807 und konzentriert sich dabei vor allem auf Schlegels (Kölner) Anstellungspläne, die mit zum Teil erstmals publizierten Dokumenten aus dem Kölner Stadtarchiv neu erhellt werden können. Als Beilagen werden Skizzenhefte zu Schlegels Pariser Vorlesungen sowie Vorarbeiten zur Wiener Geschichte der alten und neuen Literatur publiziert; ferner Fragmente aus wahrscheinlich nicht mehr erhaltenen Arbeitsheften Schlegels
Die Botschaft der deutschen Romantik an Europa hat man die berühmten Vorlesungen August Wilhelm Schlegels genannt, des Mannes, der – wie sein Bruder Friedrich, doch auf andere Weise – zu einem der großen kritischen Köpfe der deutschen Geistesgeschichte wurde. Leider ist in die Böckingsche Gesamtausgabe von 1846 nur ein Bruchteil eingegangen. Hier wird zum erstenmal eine Kritische Gesamtausgabe der Vorlesungen mit Kommentaren und Registern vorgelegt. Das Unternehmen, 1989 von Ernst Behler begonnen und durch seinen Tod unterbrochen, wird jetzt weitergeführt. Die 'Vorlesungen über Enzyklopädie der Wissenschaften' (1803), die hier aus A.W. Schlegels Dresdner Nachlass erstmals im Druck vorgelegt werden, bilden das bedeutsamste Parallelstück zu den fast zeitgleich gehaltenen berühmten Berliner 'Vorlesungen über schöne Literatur und Kunst'.
Die Poetik Friedrich von Hardenbergs
AutorIn: Mario Zanucchi
Die vorliegende Untersuchung zu Novalis fragt nach dem bislang ungeklärten Verhältnis seiner Poetik zu seiner Geschichtsphilosophie und stellt sein Werk erstmalig systematisch in den Rahmen der deutschen Querelle des Anciens et des Modernes. Die Arbeit rekonstruiert zunächst Novalis‘ Geschichtsphilosophie vor dem Hintergrund seiner Fichte- und Herder-Rezeption. Der Hauptteil der Untersuchung stellt einen Beitrag zur genaueren Erfassung der bislang ungeklärten Beziehung zwischen Novalis und Friedrich Schlegel dar und zeigt, dass Novalis‘ Unterscheidung von antiker und moderner Poesie nicht auf der Schlegelschen Antithese von Kunst und Natur beruht. Trotzdem bricht Novalis ebenso deutlich wie Schlegel mit der klassizistischen Tradition und leistet mit seinen kühnen poetologischen Reflexionen einen wesentlichen Beitrag zur Konstituierung der Poetik der Moderne. Überlegungen zu Novalis‘ Synthese von Poesie und Religion vor dem Hintergrund der Säkularisierungs-problematik runden die Arbeit ab.
Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste ist eine Vereinigung der führenden Forscherinnen und Forscher des Landes. Sie wurde 1970 als Nachfolgeeinrichtung der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen gegründet. Die Akademie ist in drei wissenschaftliche Klassen für Geisteswissenschaften, für Naturwissenschaften und Medizin sowie für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften und in eine Klasse der Künste gegliedert.

Mit Publikationen zu den wissenschaftlichen Vorträgen in den Klassensitzungen, zu öffentlichen Veranstaltungen und Symposien will die Akademie die Fach- und allgemeine Öffentlichkeit über die Arbeiten der Akademie und ihrer Forschungsstellen informieren.
Eine kritische Bestandsaufnahme im interdisziplinären Vergleich
HerausgeberIn: Lucia Scherzberg
Neue Forschungen in der Theologie weisen interessante Parallelen zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in anderen Kulturwissenschaften auf, insbesondere zur Diskussion um 'Gemeinschaftsdenken', 'Modernisierung' und 'Erinnerungskultur'. Der vorliegende Band dokumentiert eine internationale, interdisziplinäre Tagung zum Thema 'Theologie und Vergangenheitsbewältigung'. Der Begriff der Gemeinschaft und das antidemokratische 'Gemeinschaftsdenken' der Weimarer Republik schuf für Theologen ebenso wie für Historiker und andere Geisteswissenschaftler eine Disposition für die Annäherung an den Nationalsozialismus. Die Anpassung der jeweiligen Wissenschaft an die Vorgaben des nationalsozialistischen Staates wurde als Modernisierung verstanden, bzw. eine Modernisierung des Faches sollte mit Hilfe nationalsozialistischer Ideologie und Politik erreicht werden. Bemühungen um eine 'Erinnerungskultur' oder 'Gedächtnisgeschichte' treffen sich mit wesentlichen Impulsen einer 'Theologie nach Auschwitz'. Der Band enthält u.a. Beiträge zur Haltung der Bischöfe, zu 'braunen' Priestern und Universitätstheologen, zur Theologie Hitlers, zu Theologien nach Auschwitz als Form der Vergangenheitsbewältigung, zur christlichen Rede von Schuld und Vergebung im Kontext der Verfolgung von NS-Verbrechen, sowie Beiträge zur Aufarbeitung der Vergangenheit in anderen Wissenschaftsdisziplinen.
Deutschsprachige jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller der "zweiten Generation"
Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste ist eine Vereinigung der führenden Forscherinnen und Forscher des Landes. Sie wurde 1970 als Nachfolgeeinrichtung der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen gegründet. Die Akademie ist in drei wissenschaftliche Klassen für Geisteswissenschaften, für Naturwissenschaften und Medizin sowie für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften und in eine Klasse der Künste gegliedert.

Mit Publikationen zu den wissenschaftlichen Vorträgen in den Klassensitzungen, zu öffentlichen Veranstaltungen und Symposien will die Akademie die Fach- und allgemeine Öffentlichkeit über die Arbeiten der Akademie und ihrer Forschungsstellen informieren.
Athenäum – das ist die berühmte Zeitschrift der Brüder Schlegel. Der Name war zugleich Titel für ein Forschung- und Bildungsprogramm mit höchsten Ansprüchen. Insbesondere mit den philologischen, kritischen und philosophischen Arbeiten Friedrich Schlegels hat das Athenäum die Romantik begründet.

Das neue Athenäum macht Schlegels bahnbrechende Neuerungen für die aktuelle Forschung in Philologie und Medienkulturwissenschaft produktiv. Zugleich rückt von Friedrich Schlegel aus die ganze Romantik in den Blick: Literatur, Sprache, Kunst, Musik, Recht und Staat, Philosophie, Religion und Natur. Das Jahrbuch ist also interdisziplinär und übernational, offen für Sachwissen, Selbstreflexion und Irritation. Es enthält neben dem Editorial, das sich aktuellen Themen widmet und sie auf Überlegungen Friedrich Schlegels bezieht, neue Beiträge zur Schlegel- und zur Romantikforschung, die zuvor ein Peer-Review-Verfahren passiert haben müssen. Zudem bietet es neue Funde, Diskussionen, Interviews, Features, Berichte und Experimente sowie einen Rezensionsteil.
Theoriebildung der deutschen Frühromantik
AutorIn: Changnam Lee
Der frühromantische Poesiebegriff ist als 'Problemlösungsaktivität' zu sehen. Unter dieser These wird er hier – auch in seiner Aktualität – rekonstruiert. Das Problem ist die 'dürftige Zeit' der Moderne, in der kein Absolutes, kein Ganzes mehr vorstellbar scheint. Die progressive Universalpoesie, die durch die sprachliche Reflexion konstituiert wird und sich durch das dynamische Spiel der selbstreflektierenden Sprache ständig selber vorantreibt, substituiert – gemeinsam mit der Religion und der Philosophie – die Stelle jener abwesenden Ganzheit. So entsteht geradezu eine Metaphysik der nachmetaphysischen Zeit, die den metaphysischen Durst der Moderne stillt.
Ein kulturhistorisches Phänomen und seine Bedeutung für die Literatur um 1900
AutorIn: Priska Pytlik
Tischrücken und Geisterbeschwörungen, spiritistische Séancen und Versuchsreihen mit Personen, die sich als Medium verstanden, hatten um 1900 in den Salons der Spiritisten wie in den Laboratorien der parapsychologischen Forschung Hochkonjunktur. Gegen gängige Ansichten, die dieses Phänomen allein als Widerpart und gegenläufiges Kontrastprogramm zur Moderne beschreiben, zeigt diese Studie, daß der Okkultismus in seinen Ausprägungen als Spiritismus, Mediumismus und Parapsychologie zugleich in Affinität zur Moderne stand. Er ist also auf der einen Seite als regressiv, auf der anderen aber – so die These – als durchaus modernewirksam zu beurteilen. Die Arbeit unterzieht diese andere, von der traditionellen Geschichtsschreibung vernachlässigte Seite der Moderne einer geistes- und kulturhistorischen sowie einer wissenschafts- und literaturgeschichtlichen Rekonstruktion. Dargestellt werden die kulturelle Praxis von Okkultismus und Spiritismus sowie die damit verbundenen theoretischen Konzepte und Kontroversen, um in einem zweiten Schritt die – äußerst zahlreichen und oft überraschenden – Querverbindungen zwischen Okkultismus und Literatur offenzulegen. Analysen zentraler Texte von Johannes Schlaf, Thomas Mann, Alfred Döblin und Rainer Maria Rilke, die den Kern der Studie bilden, gehen schließlich der Frage nach, inwieweit Okkultismus und Spiritismus Impulse für die Herausbildung einer modernen Ästhetik und Poetik geben konnten.