Gegenspielerin Maria Montessoris und Begründerin einer femininen Pädagogik
Diese erste systematische Arbeit über die Kindergartenpädagogik der Italienerin Giuseppina Pizzigoni (18701947) betritt 80 Jahre nach der Erstveröffentlichung ihres grundlegenden Werkes »Mein Kindergarten« pädagogisches Neuland. Pizzigoni benutzt nicht ein starres didaktisches Material wie ihre Kollegin und große Konkurrentin Maria Montessori, sondern legt Gewicht auf die permanente Erneuerung in einer im wahrsten Sinne »progressiven Schule«, in der man experimentiert und arbeitet, wie sie sowohl John Dewey als auch Jerome Bruner gefallen hätte. Diese neue Schule hat die bestmöglichen Lernbedingungen zu schaffen, um das Comenianische Prinzip, »allen alles auf alle Weise zu lehren« Wirklichkeit werden zu lassen. Das Kind wird als Person gesehen, die sich am Aufbau einer besseren Welt beteiligen will und deshalb verdient, dass man ihr mit Respekt begegnet und sie jene kreativen Möglichkeiten verwirklichen lässt, von der alle Erneuerung lebt. Diese Methode wurde geradezu als Alternative zur sog. Montessori-Methode angesehen.
Wege zum Wissen
AutorIn: Lutz Koch
Das Buch handelt vom Lehren. Es geht aus von der Überzeugung, dass der beste Lehrer nichts bewirkt, wenn seine Schüler nicht lernen. Daher bedeutet Lehren: Veranlassung des Lernens. Dieser Begriff des Lehrens wird entwickelt zu einer elementaren Theorie des Lehrens, die auf Unterricht und Lehre an Schulen und Universitäten gleichermaßen zutrifft. Lehren und Lernen werden in dieser Theorie, die selbst eine »Lehre« ist, als Wege zum Wissen aufgefasst. Es handelt sich um die Wege, die der Lehrer einschlägt, wenn er die Lernenden zum Wissen führt. Vom Wissen ist in umfassendem Sinne die Rede, nicht nur in Einschränkung auf das instrumentelle Problemlösungswissen. Enthalten ist auch das Wissen um unsere wichtigsten Absichten und Zwecke. Die Wege (»Methoden«) zum Wissen sind in der didaktisch-philosophischen Überlieferung zwar vielfach angesprochen, aber auch versteckt worden. Sie werden hier in der Absicht freigelegt, die in ihnen liegenden Chancen und Möglichkeiten aufzuspüren, nicht nur zu »belehren«, sondern auch zu »interessieren«, d.h. das Lernen zu veranlassen.
HerausgeberInnen: Alfred Schäfer und Christiane Thompson
Mit dem Leistungsprinzip ist die Hoffnung auf eine gerechte Verteilung materieller und sozialer Güter verbunden. Was aber, wenn die Voraussetzungen und Realisierungen dieses Prinzips mit unauflösbaren Problemen verbunden sind? Die Vorstellung, dass individuelle Leistung und Leistungsfähigkeit über Amt, Ansehen und Auskommen entscheiden sollen, bildet das Credo moderner Gesellschaften. Die Hoffnung auf eine gerechte Verteilung gesellschaftlicher Ressourcen wird jedoch erschüttert, wenn die Schule als Ort, an dem Leistungsfähigkeit allererst erworben werden soll, bereits ein Ort der Selektion ist. Wie lassen sich die ungleichen Bedingungen, die jede Leistungsmessung und jedes Ranking kennzeichnen, berücksichtigen? Diese Fragen verschärfen sich mit der Entgrenzung des Leistungsprinzips und der Allgegenwart einer Optimierung des Selbst.
Theorie – Empirie – Kultur
Der pädagogische Takt gilt oftmals als ein pädagogisches Allheilmittel, das die Kluft zwischen erziehungswissenschaftlicher Theorie und pädagogischer Praxis zu schließen imstande ist, das den Forderungen nach Nähe und Distanz des Erziehers gleichermaßen Genüge tut und das schließlich auch die Grundparadoxie moderner Pädagogik, die »Kultivierung bei dem Zwange« lösen kann. Er ist dabei fast ausnahmslos aus der Sicht des Pädagogen diskutiert worden. Für die Aktualisierung von Fragestellungen ist das mit diesem Begriff artikulierte Erfordernis eines selbstreflexiven Regulativs pädagogischen Handelns relevant. Die Kategorie des pädagogischen Takts verknüpft Fragen nach der Steuerbarkeit und den Grenzen pädagogischen Handelns. Sie ist damit sowohl in professionstheoretischer als auch in pädagogisch-ethischer Hinsicht von unverzichtbarer Aktualität für pädagogische Reflexionen. Aus unterschiedlichen Perspektiven werden deswegen in den Beiträgen dieses Bandes die theoretische Spannweite, die Möglichkeiten einer empirischen Erforschung, die Geschichte und die Frage nach der Verletzlichkeit des pädagogischen Takts erörtert. In Bezug auf unterschiedliche Handlungsfelder (Kindheit, Familie, Sozialpädagogik, Schule, Erwachsenenbildung) werden Formen und Probleme eines taktvollen pädagogischen Handelns herausgearbeitet. Im Vergleich mit pädagogischen Arrangements in Japan zeigt sich, dass taktvolle pädagogische Verhältnisse ganz unterschiedlich strukturiert sein können. Zusammen erschließen die Texte die Kategorie des pädagogischen Takts sowohl empirisch fundiert als auch theoretisch differenziert und höchst anschlussfähig an gegenwärtige Debatten.
Begründungen und Grundlagen religiöser Bildung in der Schule
AutorIn: Claudia Gärtner
Der konfessionelle Religionsunterricht gerät in Schule und Öffentlichkeit immer stärker unter Legitimationsdruck. Inwiefern ist er in Zeiten religiöser Pluralität für die Heranwachsenden noch relevant? Wie müssen religiöse Bildungsprozesse gestaltet sein, damit sie auf die Fragen und Bedürfnisse der Heranwachsenden eingehen, ohne Religion auf »Lebenshilfe« hin zu funktionalisieren? Wenn der bekenntnisorientierte Unterricht weiterhin ordentliches Schulfach sein soll, dann ist die Frage nach dessen unersetzlichem Eigen-Wert zu stellen. Studierenden als auch Lehrkräften wird gezeigt, dass und wie er notwendiger Bestandteil öffentlicher Bildung in einer postsäkularen Gesellschaft sein muss. Auf dieser Grundlage werden didaktische Handlungsprinzipien (neu) ausgerichtet und es wird zugleich innovativ in die Religionspädagogik eingeführt.
Zwischen Gerechtigkeitsversprechen und pharmazeutischem Hirndoping
AutorIn: Alfred Schäfer
Sollten Gedächtnis und Aufmerksamkeit steigernde Psychopharmaka auch für gesunde Lernende zugelassen werden? Die bioethische Diskussion um die Nutzung von leistungssteigernden Psychopharmaka für Gesunde wirft viele Fragen auf. Diese Fragen kreisen nicht nur um die gesundheitlichen Risiken, sondern – ähnlich wie im Hochleistungssport – auch um (pädagogische) Grenzen individueller Förderung oder sozialer Gerechtigkeitsvorstellungen. Eine Zulassung derartiger Medikamente und ihrer Einnahme durch Schüler unter den Bedingungen der Leistungskonkurrenz fordert sowohl das pädagogische Selbstverständnis wie auch die Funktionslogik der Schule zumindest heraus. Inwieweit sind gedopte Schüler noch für ihre Leistungen verantwortlich? Ist es gerecht, die Leistungen solcher Schüler mit den Leistungen anderer Schüler zu vergleichen, die solche Mittel nicht eingenommen haben?
Neurobiologie und Neue Medien
HerausgeberIn: Gerhard Roth
Theorie und Praxistipps rund um das mediengestützte Lernen
Ausgewiesene Experten und Expertinnen berichten über aktuelle Entwicklungen und neue Konzepte des Lernens und des schulischen Unterrichts. Neben der Vermittlung von Erkenntnissen aus der Neurobiologie zum erfolgreichen Lehren und Lernen liegt der Schwerpunkt auf dem Bereich des mediengestützten Lernens. Wie sieht das Lernen der Zukunft aus? Wie können neue Medien das Lernen unterstützen? Ändert sich die Art und Weise, wie wir lernen? Diese und viele weitere Fragen von Lehrern und Lehrerinnen, Pädagogen und Pädagoginnen, aber auch Eltern und allen anderen Interessierten werden in diesem Buch beantwortet. Der Leser erhält neben theoretischem Grundlagenwissen aber auch praktische Ratschläge für das Lernen in Schule und Alltag.
Eine Einführung
AutorIn: Ralf Koerrenz
»Reformpädagogik« dient in Wissenschaft und Öffentlichkeit sowohl zur Bezeichnung von pädagogischen Traditionen als auch von gegenwärtigen Herausforderungen in Schule und sozialpädagogischen Handlungsfeldern.
Fünf Zugänge ermöglichen das Verständnis von Reformpädagogik. Erstens wird gefragt, ob und wie das »Reform«-Motiv für das Verständnis pädagogischer Kernphänomene wie Erziehung und Bildung interpretiert werden kann. Zweitens geht es um die Folgen, die eine solche systematische Zugangsweise für die Deutung von Traditionen und Kulturen der Pädagogik hat. »Reformpädagogik« wird - drittens - historisch als Antwort auf den Modernisierungsschub im Gefolge der Aufklärung gedeutet. Hier geht es um die Einlösung der Ansprüche auf Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ebenso wie die Klärung der unterschiedlichen Realisierungs-formen menschlicher Vernunft. Der vierte Zugang widmet sich der »klassischen« Reformpädagogik im ersten Drittel des 20. Jh.. Die Einführung mündet in Überlegungen zur Gegenwart der Reformpädagogik, die zwischen einer publizistischen Dramatisierung und einer realen Alltäglichkeit schwankt.
HerausgeberIn: Alfred Schäfer
Wenn es keine letzten Sinnbestimmungen mehr gibt, dann stellt sich die Frage, warum bestimmte Bedeutungen, Ordnungsvorstellungen und ihnen entsprechende Praktiken dennoch scheinbar als selbstverständlich gelten. Eine Begründung, die auf rationaler Basis das Vernünftige vom Unvernünftigen, das Sinnvolle vom Sinnlosen, das Wahre vom Unwahren trennt, ist kaum noch vorstellbar, wenn die Kriterien für eine Abgrenzung selbst umstritten bleiben. Selbst dominante oder hegemoniale Sinnordnungen bleiben umkämpft: Sie müssen ihre Akzeptanz und Bindungskraft gegen konkurrierende Perspektiven immer wieder neu hervorbringen und verteidigen. Dies mag einerseits durch die Abgrenzung gegenüber dem als »unvernünftig« oder »sinnlos« Etikettierten geschehen; andererseits wird es aber auch darauf ankommen, für die eigene »Vernünftigkeit« zu werben. Es wird autorisierende Verführungsstrategien geben, die auf unterschiedliche Weise die Bindung an das scheinbar Selbstverständliche sichern sollen.
Zur Ambivalenz kultureller Begegnungen in Ladakh
AutorIn: Alfred Schäfer
Die durch den tibetischen Buddhismus geprägte Lebenswelt Ladakhs gilt Individualreisenden zwar als anders, aber nicht als unzugänglich. Das Verhältnis zu den Anderen definieren die Touristen durch den Rückgriff auf daheim verfügbare Informationen und auf die mit dem Klischee »Tibet« verbundene Bilderwelt.
In den touristischen Erfahrungdiskursen zeigt sich ein ambivalentes Verhältnis zur Andersheit der Anderen. Einerseits wird diese als bedeutsam für die eigenen Erfahrungsmöglichkeiten betont und andererseits ist sie doch nur als ein Bild zu verstehen, das der Besucher selbst hervorbringt. Die Bewohner Ladakhs werden aufgrund der Veränderungen durch den Tourismus in ein problematisches Verhältnis zur eigenen Identität versetzt. Sie werden dazu gedrängt, sich nicht zur eigenen Identität im Spannungsfeld von Tradition und Veränderung zu verhalten; in ihren Erfahrungsdiskursen zeigt sich zugleich die Unmöglichkeit, das noch von einer gemeinsamen Position aus tun zu können.