Literarisierte Anthropologie bei Fr. Schlegel, Novalis, Tieck und E.T.A. Hoffmann
AutorIn: Michael Weitz
Das Buch liefert eine völlig neue Sicht auf kanonische Texte der deutschen Romantik. Indem der Autor eine diskursgeschichtliche Neubestimmung der Romantik jen-seits der üblich gewordenen Epochenphrasierung eines grundlegenden Bruchs um 1775 vornimmt, leistet er einen erheblichen Beitrag zur Romantikforschung. Es geht um eine grundlegende Affinität romantischer Prosa zur barocken Klugheits- und Lebenskunst. Denn über die heute geläufige kulturhistorische Situierung der Romantik als 'Vorbote der Moderne' bis hin zur Post-Moderne macht der Autor den empirischen Befund einer Semantik aus, die in die entgegen gesetzte Richtung steuert und die romantische Literatur erstmals in einer Traditionslinie von Moralistik und Anthropologie her lesbar macht. Es wird in der romantischen Diskurslogik die überraschende Kontinuität eines Lebenskunstdiskurses freigelegt, der nicht, wie verbreitet, als Restbestand antiker Traditionen in der Neuzeit betrachtet aufgefasst wird, sondern als grundierendes Denkmuster romantischer Literatur.
Gebilde Literatur - literarische Bildung
Das Werk von Max Frisch ist literaturwissenschaftlich, philosophisch, psychologisch und vor allen Dingen pädagogisch durchleuchtet worden. Generationen von Schülern kennen den 'Homo faber', Generationen von Studenten kennen den 'Stiller' als Anti-Bildungsroman. Wer kennt nicht Frischs säkularisiertes Bibelzitat 'Du sollst dir kein Bildnis machen'? Aus dem Werk von Max Frisch lernen – das war auch das Anliegen der Autorin. Dabei fahndet sie nicht nach didaktischen Allgemeinplätzen, die dieses Werk bereithält. Katharina Müller-Roselius fragt nach 'Bildung' in den Schriften Max Frischs, sie untersucht die Bildungsprozesse des Ich, das als schreibendes, als erzählendes sich selbst entwirft und mit diesen fiktiven Entwürfen selbstkritisch die Möglichkeiten einer gelungenen Biographie durchspielt.
Korrekturen des 2004 eingesetzten Rates für deutsche Rechtschreibung
AutorIn: Werner Besch
Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste ist eine Vereinigung der führenden Forscherinnen und Forscher des Landes. Sie wurde 1970 als Nachfolgeeinrichtung der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen gegründet. Die Akademie ist in drei wissenschaftliche Klassen für Geisteswissenschaften, für Naturwissenschaften und Medizin sowie für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften und in eine Klasse der Künste gegliedert.

Mit Publikationen zu den wissenschaftlichen Vorträgen in den Klassensitzungen, zu öffentlichen Veranstaltungen und Symposien will die Akademie die Fach- und allgemeine Öffentlichkeit über die Arbeiten der Akademie und ihrer Forschungsstellen informieren.
Novalis' Werdegang als Übergang von der Philosophie zur Poesie
AutorIn: Yihong Hu
Die vorliegende Studie versucht den geistigen Werdegang des Novalis als ein „Unterwegs zum Roman“ zu verstehen und zugleich seinen Roman „Heinrich von Ofterdingen“ als Poetisierung seines philosophischen Ansatzes zu interpretieren. Die Arbeit schlägt einen Abgleich von Poesie und Philosophie vor und untersucht Novalis’ Roman „Heinrich von Ofterdingen“, der nicht zu unrecht als exemplarischer „romantischer Roman“ bezeichnet wird, unter dem Aspekt, dass der Werdegang Novalis’ als ein Übergang von der Philosophie zur Poesie zu erfassen sei. Die These soll sein, dass die Genese seiner Philosophie, insbesondere seine philosophischen Überlegungen in den Fichte-Studien (1794/5), als die Herausbildung der Romantheorie und als der eigentliche Inhalt des Romans gelesen werden muss. Ziel der Arbeit ist es, den in der Romantik zunehmend zur Philosophie in Konkurrenz tretenden Poesiebegriff, wie er sich dichterisch und philosophisch in Novalis „Heinrich von Ofterdingen“ als „wahrhafter Idealismus“ manifestiert, von seinen philosophischen Voraussetzungen her zu erklären.
HerausgeberIn: Ernst Behler
Die 'Vorlesungen von 1798–1827' stellen einen zentralen Bestandteil des kritischen Werkes August Wilhelm Schlegels dar. Am berühmtesten und bedeutendsten sind neben den Wiener Vorlesungen die Berliner Vorlesungen von 1802–04 'Über schöne Literatur und Kunst' mit eigenen Sektionen über die klassische und die romantische Literatur, die zusammen mit 'Über Theorie und Geschichte der bildenden Kunst' in den ersten beiden Bänden der Edition publiziert werden sollten. August Wilhelm Schlegel hat diese Vorlesungen meist genau in eigenhändigen Manuskripten ausgearbeitet, die sich in seinem Nachlass erhalten haben. Hiermit werden die Berliner Vorlesungen erstmals als kritische Ausgabe vorgelegt; in die Gesamtausgabe Eduard Böckings von 1846 wurde keine von ihnen aufgenommen. Bereits 1989 legte Ernst Behler (†) den ersten Band vor. Durch den Tod des Herausgebers ist der zweite Band nur bis zur Erstellung des Textteiles gediehen. Nunmehr hat sich der Verlag entschieden, dem Publikum den noch von Behler edierten, korrigierten und zum Druck vorbereiteten Text als ersten Teilband herauszugeben, um zunächst die für die ersten beiden Bände vorgesehenen Vorlesungen als Text zugänglich zu machen. Einleitung und Kommentar folgen als zweiter Teilband in Bälde, herausgegeben von dem neuen Gesamtherausgeber Georg Braungart.
Aus dem Inhalt: Abhandlungen Christian Kohlroß: Schillers Räuber oder die Neuerfindung der Subjektivität Iring Fetcher: Fortschritt und Katastrophen von Goethe bis Walter Benjaming Reinhard Mehring: Überwindung des Ästhetizismus. Carl Schmitts Romantikkritik als Abschluss seiner Jugendjahre Michael C. Frank: Fotografische Fantastik: Der romantische Daguerreotypie-Diskurs in Nataniel Hawthornes The House of the Seven Gables Jan Assmann: Schiller, Mozart und die Suche nach neuen Mysterien Kurt Mueller-Vollmer/Jürgen Trabant: Humboldt-Edition Lehmann: Bettelweib Miszellen Guido Naschert: Dieter Henrichs 'Grundlegung aus dem Ich' Rehme-Iffert: Schleiermacher
HerausgeberInnen: Hans Dierkes, Hans Eichner, und Ernst Behler
Die bislang unveröffentlichte Kölner Vorlesung aus dem Jahre 1807 hat sich in einer Nachschrift seines Schülers Sulpiz Boisserée in dessen Nachlaß erhalten und bildet den Abschluß von Schlegels weitgespannter Kölner Vorlesungstätigkeit, die damit vollständig dokumentiert ist. Vollständig vor liegt damit jetzt auch die gesamte II. Abteilung der Kritischen Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Die Vorlesung faßt am Leitfaden der deutschen Sprache Schlegels sprachgeschichtliches, rhetorisches, poetologisches, literaturgeschichtliches und ästhetisches Wissen zwischen Jena und Wien zusammen und gibt damit einen eindrucksvollen Einblick in die allmähliche Transformation der Frühromantik in eine spätromantische Denkform. Die Einleitung dokumentiert die wichtigsten Entwicklungslinien von Schlegels Kölner Jahren zwischen 1804 und 1807 und konzentriert sich dabei vor allem auf Schlegels (Kölner) Anstellungspläne, die mit zum Teil erstmals publizierten Dokumenten aus dem Kölner Stadtarchiv neu erhellt werden können. Als Beilagen werden Skizzenhefte zu Schlegels Pariser Vorlesungen sowie Vorarbeiten zur Wiener Geschichte der alten und neuen Literatur publiziert; ferner Fragmente aus wahrscheinlich nicht mehr erhaltenen Arbeitsheften Schlegels
Die Botschaft der deutschen Romantik an Europa hat man die berühmten Vorlesungen August Wilhelm Schlegels genannt, des Mannes, der – wie sein Bruder Friedrich, doch auf andere Weise – zu einem der großen kritischen Köpfe der deutschen Geistesgeschichte wurde. Leider ist in die Böckingsche Gesamtausgabe von 1846 nur ein Bruchteil eingegangen. Hier wird zum erstenmal eine Kritische Gesamtausgabe der Vorlesungen mit Kommentaren und Registern vorgelegt. Das Unternehmen, 1989 von Ernst Behler begonnen und durch seinen Tod unterbrochen, wird jetzt weitergeführt. Die 'Vorlesungen über Enzyklopädie der Wissenschaften' (1803), die hier aus A.W. Schlegels Dresdner Nachlass erstmals im Druck vorgelegt werden, bilden das bedeutsamste Parallelstück zu den fast zeitgleich gehaltenen berühmten Berliner 'Vorlesungen über schöne Literatur und Kunst'.
Die Poetik Friedrich von Hardenbergs
AutorIn: Mario Zanucchi
Die vorliegende Untersuchung zu Novalis fragt nach dem bislang ungeklärten Verhältnis seiner Poetik zu seiner Geschichtsphilosophie und stellt sein Werk erstmalig systematisch in den Rahmen der deutschen Querelle des Anciens et des Modernes. Die Arbeit rekonstruiert zunächst Novalis‘ Geschichtsphilosophie vor dem Hintergrund seiner Fichte- und Herder-Rezeption. Der Hauptteil der Untersuchung stellt einen Beitrag zur genaueren Erfassung der bislang ungeklärten Beziehung zwischen Novalis und Friedrich Schlegel dar und zeigt, dass Novalis‘ Unterscheidung von antiker und moderner Poesie nicht auf der Schlegelschen Antithese von Kunst und Natur beruht. Trotzdem bricht Novalis ebenso deutlich wie Schlegel mit der klassizistischen Tradition und leistet mit seinen kühnen poetologischen Reflexionen einen wesentlichen Beitrag zur Konstituierung der Poetik der Moderne. Überlegungen zu Novalis‘ Synthese von Poesie und Religion vor dem Hintergrund der Säkularisierungs-problematik runden die Arbeit ab.
Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste ist eine Vereinigung der führenden Forscherinnen und Forscher des Landes. Sie wurde 1970 als Nachfolgeeinrichtung der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen gegründet. Die Akademie ist in drei wissenschaftliche Klassen für Geisteswissenschaften, für Naturwissenschaften und Medizin sowie für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften und in eine Klasse der Künste gegliedert.

Mit Publikationen zu den wissenschaftlichen Vorträgen in den Klassensitzungen, zu öffentlichen Veranstaltungen und Symposien will die Akademie die Fach- und allgemeine Öffentlichkeit über die Arbeiten der Akademie und ihrer Forschungsstellen informieren.