Durch den starken Fokus auf den Nationalstaat ist die transnationale Dimension der jüdischen Diaspora aus dem Blick geraten.
Der Band ist der erste Versuch, die Geschichte von Juden in und aus Deutschland seit 1800 aus einer transnationalen Perspektive zu schreiben. Es wird erörtert, wie Juden in Deutschland ihre Position in der weltweiten jüdischen Diaspora nach 1800 bestimmten, und im Umkehrschluss, wie sich die Beziehungen von Juden in der Diaspora zu Juden in Deutschland und zu Deutschland auf einer allgemeinen Ebene entwickelten. Behandelt werden die Geschichte jüdischer Ein- und Durchwanderer in Deutschland sowie von deutsch-jüdischen Auswanderern in verschiedenen Teilen der Welt; die Entwicklung jüdischer Wohltätigkeitsorganisationen, die weltweit tätig waren; und der Aufstieg und Fall Deutschlands als ein prägendes Zentrum der jüdischen Diaspora.
Die Sinndeutung des Krieges in der deutschen Militärelite 1871-1945
Warum gibt es überhaupt Krieg? - Im militärischen Denken standen strategische oder operativ-taktische Überlegungen zwar im Vordergrund, doch haben sich die Militärs auch Gedanken über Bedeutung und Sinn des Krieges gemacht. Die militärische Elite bejahte den Krieg und sah in ihm eine Notwendigkeit. Der Krieg stellte für sie eine unabänderliche Konstante und ein unentbehrliches Element menschlichen Daseins dar. Auf welchen Prämissen aber basierten Apologie und Legitimation des Krieges? Mit welchen Begründungen und Deutungen wurde dem Krieg ein höherer Sinn und Zweck zugeschrieben? Die Studie befasst sich mit dem Kriegsdenken deutscher Militärs zwischen 1871 und 1945. Sie analysiert die verschiedenen Kriegsdeutungen und zeigt auf, wie sich eine fatale Überzeugung von der Unabwendbarkeit und Unentbehrlichkeit des Krieges festsetzen konnte.
Im deutsch besetzten Italien fielen zwischen 1943 und 1945 mehr als 70.000 Menschen dem Partisanenkrieg zum Opfer, darunter etwa 10.000 Zivilisten, die bei Massakern und Geiselerschießungen durch die Besatzer getötet wurden. Diese Ereignisse haben sich tief in das kollektive Gedächtnis Nachkriegsitaliens eingeprägt.
Der Autor, der ein Jahrzehnt lang als Sachverständiger bei Kriegsverbrecherprozessen vor Gerichten tätig war, stellt in diesem Buch erstmals systematisch und auf breite Quellenbasis gestützt das Vorgehen der deutschen Besatzungstruppen dar. Sachlich und differenziert werden u. a. mehrere durch die Prozesse der letzten Jahren bekannt gewordene Kriegsverbrechen wie Sant’Anna di Stazzema, Civitella in Val di Chiana und Marzabotto sowie deren Täter untersucht.
Eine Sozialgeschichte des bayerischen Offizierskorps zur Zeit des Deutschen Bundes.
Die Auseinandersetzung mit dem deutschen Offizierskorps konzentrierte sich bislang auf Preußen und auf die Zeit nach 1871. Demgegenüber bildeten Untersuchungen zu den militärischen Eliten der deutschen Klein- und Mittelstaaten während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eher die Ausnahme. Die Autorin legt nun eine umfassende Grundlagenstudie zum bayerischen Offizierskorps in der Zeit des Deutschen Bundes vor. Es ergibt sich das Bild einer sozial heterogenen und wenig exklusiven Funktionselite. Die Offiziere blieben im zeitgenössischen Bewusstsein stark auf ihr jeweiliges soziales Herkunftsmilieu bezogen. Erst die Heeresreform nach der Niederlage gegen Preußen 1866 führte in Bayern zu einer zunehmenden Angleichung an die preußischen Verhältnisse.
AutorIn: Klaus-G. Hinzen
HerausgeberIn: Birgitt Haneklaus
Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste ist eine Vereinigung der führenden Forscherinnen und Forscher des Landes. Sie wurde 1970 als Nachfolgeeinrichtung der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen gegründet. Die Akademie ist in drei wissenschaftliche Klassen für Geisteswissenschaften, für Naturwissenschaften und Medizin sowie für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften und in eine Klasse der Künste gegliedert.

Mit Publikationen zu den wissenschaftlichen Vorträgen in den Klassensitzungen, zu öffentlichen Veranstaltungen und Symposien will die Akademie die Fach- und allgemeine Öffentlichkeit über die Arbeiten der Akademie und ihrer Forschungsstellen informieren.
Eine Vortragsreihe
Informationstechnologie und elektronische Medien sind zum Bestandteil unserer Alltagskultur geworden. Sie bestimmen unser Handeln, Verhalten und Kommunikation.
Die moderne Universität muss zur Weiterentwicklung von Wissenschaft, zur Generierung neuen Wissens und dessen Vermittlung die Informationstechnologien als Mittel und Zweck ausbauen. Aber sie ist auch maßgebliche Instanz, diesen Prozess kritisch zu begleiten. Zu beiden Aufgabenfeldern leisten Beiträge: der Philosoph Peter Janich, der Wirtschaftswissenschaftler Ludwig Nastansky, die Pädagogin Dorothee Meister, der Nachrichtentechniker Reinhold Häb-Umbach, die Informatikerin Christiane Floyd und der Germanist und Vorsitzende des Wissenschaftsrates Peter Strohschneider.
Angriff der Eliten - Von Spengler bis Sarrazin
AutorIn: Volker Weiß
Die Forderung nach »Elite« hat Konjunktur. Dabei wohnt der Debatte die Tendenz inne, vom Bestehen gesellschaftlicher Funktionseliten auf die Existenz einer generell höher begabten Menschengruppe zu schließen. Die Befähigung zur »Elite« wird schließlich auf die biologische Disposition einer privilegierten Gruppe zurückgeführt: ihre »Rasse«, vererbte Intelligenz oder genetische Veranlagung.
Volker Weiß analysiert, wie sich das Bedürfnis nach Abgrenzung einer Elite in Deutschlands jüngerer Vergangenheit äußerte: von Ortega y Gasset und Friedrich Sieburg über Botho Strauß bis hin zu Peter Sloterdijk und Thilo Sarrazin. Er weist nach, dass dieses Bedürfnis nach »Elite« in direkter Tradition der republikfeindlichen Theoretiker der Weimarer Zeit steht und heute von einer »neuen« Rechten befeuert wird, der an einer konservativen Revolution gelegen ist. Ihr Ziel ist die Revision gesellschaftlicher Liberalisierungen seit dem Ende der sechziger Jahre. Neu ist, dass sich diese Strömung nicht nur mit dem Gestus der Opfer und Tabubrecher präsentiert, sondern dass sie mit dieser Strategie Erfolg hat.
Strukturen - Akteure - Lernprozesse
Seit über 500 Jahren führen Staaten der westlichen Welt Kriege, die der Eroberung von peripheren Gebieten dienen. Der dafür geläufige Begriff »Kolonialkriege« verengt mit seiner Fixierung auf die Epoche formeller Kolonialherrschaft den Blick und ignoriert die Kontinuitäten sowie die verblüffende strukturelle Konsistenz solcher Konflikte über die Jahrhunderte hinweg. Der vorliegende Band operiert stattdessen mit dem neuen Begriff »Imperialkriege«. Er erweitert damit deutlich den Blick, räumlich, zeitlich und inhaltlich: Er umfasst die Gesamtgeschichte der europäischen Expansion seit 1500, erlaubt aber auch die Einbeziehung außereuropäischer Mächte in die vergleichende Untersuchung einer Konfliktform, die nicht nur die in der Moderne häufigste gewesen ist, sondern auch die heutige Welt entscheidend geprägt hat. Dass sie es immer noch tut, zeigt die Gegenwart.
Beutepraktiken von der Antike bis zur Neuzeit
Praktiken des Beutemachens wecken Faszination wie Abscheu, sei es in europäischen und arabischen Bürgerkriegen oder den »kleinen Kriegen« in Afrika.

Goten, Schweizer Söldner, Landsknechte, Kosaken, Hajduken und die RugaRugaGemeinschaften Mirambos in Ostafrika verbinden vergleichbare Beutepraktiken und Beuteökonomien. Spezialisten für die jeweiligen Gemeinschaften untersuchen in historischer Perspektive die Bedeutung von Beute für den Zusammenhalt dieser Gewaltgemeinschaften. Welche Rolle spielte Gewaltanwendung, wie wurde Beute verteilt und genutzt, welche symbolische Qualität wurde ihr zugesprochen?
Gewalt und Geschlecht im Krieg vom Mittelalter bis heute
Ein wichtiges, innovatives Buch über das historisch noch kaum erforschte Phänomen der »women warriors« vom Mittelalter bis heute und im internationalen Vergleich: die direkte Beteiligung von Frauen an der Tötungsgewalt in regulären und irregulären Kampfverbänden. Die Mobilisierung und Selbstmobilisierung von Frauen, ihre Erwartungen an den Einsatz und ihre Erfahrungen im Krieg, die kurz- und langfristigen Folgen für die zivilen und militärischen Geschlechterverhältnisse sowie für die Art und Weise der Kriegführung – dies alles sind Themen der ausgewiesenen Autorinnen und Autoren. Das Buch zeigt: Es war ein langer Weg, der von Jeanne d'Arc zu Lynndie England im Zweiten Irakkrieg führte.