Netzwerke und Patronage in der preußischen Armee 1713-1786
AutorIn: Carmen Winkel
Die preußischen Offiziere des 18. Jahrhundert gelten als ihrem König treu ergeben, der diese im Gegenzug stark privilegiert und sich um alle ihre Angelegenheiten selbst gekümmert habe. Auf Grundlage von bislang ungedrucktem, weitgehend unbekanntem Quellenmaterial stellt Carmen Winkel dieses idealisierende Bild in Frage. Sie untersucht die persönlichen Netzwerke der Offiziere und deren Einfluss auf Rekrutierung, Beförderungen und Karrierechancen. So wird nicht nur die Bedeutung dieser Netzwerke für die Heeresergänzung und die Rekrutierung des Offiziersnachwuchses beleuchtet, sondern auch die enge Bindung an den Monarchen als ein zentrales Herrschaftsinstrument des Königs dargestellt. Darüber hinaus kann die Autorin erstmals nachweisen, dass sowohl der Soldatenkönig als auch Friedrich der Große die Vergabe von Offizierspatenten gezielt nutzten, um politisch wichtige Fürsten an sich zu binden.
Die Biografie
AutorIn: Monika Fink-Lang
Es gilt, einen der einflussreichsten Publizisten und Denker des 19. Jahrhunderts wiederzuentdecken. Diese Biografie widmet sich Leben und Werk des großen Publizisten und Gelehrten Joseph Görres (1776-1848), eines ebenso außergewöhnlichen wie umstrittenen Mannes, der allen Widerständen zum Trotz für seine Ideale von Freiheit und Gerechtigkeit kämpfte. In seinem facettenreichen Leben spiegelt sich die Geschichte Deutschlands zwischen den Revolutionen von 1789 und 1848 wider. Joseph Görres gilt als Vordenker des politischen Katholizismus und als Repräsentant der Heidelberger Romantik. Doch er begann als radikaler Propagandist der Französischen Revolution. Als Stimme Deutschlands gegen Napoleon im von ihm begründeten »Rheinischen Merkur« wurde er berühmt, seine Kritik am preußischen Beamtenstaat brachte ihn ins Exil. Als Universitätsprofessor in München wurde er zum Vorkämpfer für die Unabhängigkeit der katholischen Kirche in Deutschland gegenüber staatlichen Übergriffen. Seine Kampfschrift „Athanasius“ wurde ein Markstein in der Geschichte des deutschen Katholizismus. In vielen Disziplinen war er zu Hause, in den Naturwissenschaften, in der Philosophie, in der Geschichte. Er beschäftigte sich mit mittelalterlichen Handschriften, persischen Epen, mystischen und parapsychologischen Phänomenen, getrieben von rastloser Neugier und Begeisterung. In seinen wissenschaftlichen wie in seinen publizistischen Arbeiten faszinierte er durch eine lebendige bilderreiche und poetische Sprache. Sein Leben lang war er erfüllt von prophetischem Sendungsbewusstsein und kompromisslosem Kampfgeist. Dabei blieb er trotz aller Wandlungen sich selbst stets treu und ging unbeirrt seinen eigenen Weg. Nach ihm wurde die Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft benannt.
Briefwechsel 1840–1858
HerausgeberIn: Winfried Baumgart
Der hier erstmals edierte private Briefwechsel zwischen dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. und seinem Bruder, dem zukünftigen deutschen Kaiser Wilhelm I., behandelt die 1840er und 1850er Jahre. Die Korrespondenz dokumentiert die oftmals mit Leidenschaft geführten Auseinandersetzungen des Königs mit seinem Bruder über die Zeitereignisse: die Verfassungsfrage in der Zeit des Vormärz; die Revolution von 1848; die Flucht des späteren Kaisers nach England; seine Rückkehr ins revolutionierte Berlin; die Niederschlagung der Revolution in Baden 1849; den Krimkrieg 1853/56 und den Konflikt mit der Schweiz um das Fürstentum Neuenburg. Die Briefe beleuchten auch den Wandel des Kronprinzen Wilhelm vom reaktionären zum liberal gesinnten Thronfolger, der die Zeichen der Zeit zu erkennen meint und seine Regierung 1861 unter liberalen Vorzeichen beginnt. Umgekehrt zeigte Friedrich Wilhelm IV. vor 1848 liberale Auffassungen, wollte danach aber die Verfassungsentwicklung wieder zurückdrehen.
Die Deutschen in Zentralasien und am Hindukusch 1914-1924
AutorIn: Rudolf A. Mark
Die muslimischen Völker der Region sollten während des Ersten Weltkriegs auf oft abenteuerlich erscheinende Weise zum Dschihad gegen Russland und Großbritannien aufgestachelt werden. Rudolf A. Mark schildert in seinem neuen Buch kaum bekannte deutsche Aktivitäten in Zentralasien während der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.
Eine deutsche Geheimmission ins unter britischem Einfluss stehende Afghanistan war Teil dieser Bestrebungen. Auch Zehntausenden in Russisch-Turkestan inhaftierter österreichisch-ungarischer und deutscher Kriegsgefangener war eine Rolle in den Aufstandsplanungen zugedacht.
Nach der Oktoberrevolution versuchten deutsche Politiker und Militärs, die nach Autonomie und Unabhängigkeit strebenden Muslime zwischen Wolga und Hindukusch zur machtpolitischen Eindämmung Russlands und zum weltwirtschaftlichen Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Kriegsende zu instrumentalisieren.
Aus wenig bekannten Quellen und erstmals erschlossenem Archivmaterial vielfältiger Provenienz rekonstruiert der Autor die damaligen Pläne und Ereignisse. Ein vergessenes Kapitel deutscher Macht- und Großmachtpolitik!
Studien über die Rolle Bismarcks in der Außen- oder Innenpolitik gibt es zuhauf, Arbeiten, die sich mit dessen wirtschaftspolitischen Auffassungen beschäftigen, sind hingegen eher selten. Gleichwohl war das Interesse Bismarcks an wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen groß.
Die Arbeiten an der Neuen Friedrichsruher Ausgabe seiner Werke zeigten: Auf Grundlage vorgelegter Referentenentwürfe hat sich Bismarck selber in die komplizierte Materie eingearbeitet, Entscheidungen vorbereitet und getroffen. Angesichts dieses Befundes lag es für die Otto-von-Bismarck-Stiftung nahe, sich mit dem Verhältnis zwischen Bismarck und der Wirtschaft zu beschäftigen. Die Ergebnisse dieser Tagung von 2010 werden hiermit vorgelegt.
Eine Biographie
Generalfeldmarschall Colmar Freiherr v. d. Goltz (1843–1916) zählt zu den schillerndsten Gestalten der deutschen Militärgeschichte. Als Vordenker moderner Kriegführung und Reorganisator des osmanischen Heeres trug sein nachhaltig wirksamer Einfluss auf das türkische Offizierkorps zur Jungtürkischen Revolution (1908) und zur deutsch-osmanischen Allianz im Ersten Weltkrieg wesentlich bei. In Deutschland setzte sich der General für eine Militarisierung breitester Bevölkerungsschichten ein. Warum aber trieb ein Offizier, der das Grauen eines zukünftigen Krieges bereits zu Beginn der 1880er Jahre erkannt hatte, unentwegt zum bewaffneten Konflikt? Wie suchte er diesen Krieg mit den Mitteln eines bürgerlichen Militarismus vorzubereiten? Diese Fragen beantwortet das minutiös recherchierte Buch.
Angeregt von der gesellschaftlichen Diskussion über die Wurzeln des Antisemitismus in Lettland, verfolgt die Autorin die Geschichte der jüdischen Minderheit im Gouvernement Kurland und in Riga in der Zeit zwischen der Dritten Teilung Polens 1795 und der Zwangsaussiedlung der Juden aus Kurland 1915.
Die Darstellung berücksichtigt dabei insbesondere die Bedeutung der durch das Russische Reich gesetzten Rahmenbedingungen, die politische und kulturelle Dominanz der Deutschen im Baltikum sowie die Rolle der seit Mitte des 19. Jahrhunderts stark anwachsenden lettischen Nationalbewegung.
Deutsche "Weltpolitik" und russischer Imperialismus in Zentralasien 1871-1914
AutorIn: Rudolf A. Mark
Die Beobachtung des Great Game, der Machtkonkurrenz zwischen dem British Empire und dem Russländischen Kaiserreich in Zentralasien bildete seit Bismarck ein zentrales Element der Berliner Orientpolitik und der späteren Weltpolitik. Zentralasien stellte nächst dem Balkan einen Schauplatz des internationalen Mächteringens dar. Die Auseinandersetzungen um das Erbe des »kranken Mannes am Bosporus« wurden auch in Zentralasien ausgetragen. Folglich bildete diese Region einen wichtigen Teil jener eurasischen Peripherie, an der Deutschland »mit einer Strategie gezielten Fixierens von Konflikten« die Energien und Ressourcen der beiden Weltmächte Großbritannien und Russland binden wollte, um den Druck auf das deutsche Kaiserreich zu mindern und den eigenen außenpolitischen Spielraum zu erweitern. Auch der Blick der deutschen Öffentlichkeit war auf Zentralasien gerichtet, wo der imperialistische Machtkampf eine entscheidende Wende zu nehmen schien und nicht nur die deutschen Geschäftsleute in Russisch-Turkestan auf neue Märkte hoffen konnten. Anhand russischer, deutscher und anderer Quellen entfaltet der Verfasser die Geschichte der Region als Schauplatz internationaler Interessen in den Jahrzehnten um 1900.
HerausgeberIn: Winfried Baumgart
Friedrich Wilhelm, der älteste Sohn Kaiser Wilhelms I., hatte als Kaiser Friedrich III. nur 99 Tage regiert, als er 1888 an Kehlkopfkrebs starb. In seiner langen Kronprinzenzeit führte er 40 Jahre lang Tagebuch. Für die Jahre 1848 bis 1866 sind die Aufzeichnungen bereits 1929 veröffentlicht worden. Nunmehr liegt die Fortsetzung für die Jahre bis zu seinem Tod in Auswahl vor. Erkennbar wird ein charakterschwacher Thronfolger. Die Vorstellung, dass unter seiner Herrschaft ein liberales Deutschland mit parlamentarischer Verfassung zustande gekommen und der Erste Weltkrieg verhindert worden wäre, erweist sich als reine Mär. Er war ein Spielball in der Hand seiner willensstarken Frau Viktoria. Bismarck hat ihn als tumben Tor betrachtet. Über die gespannten Beziehungen zwischen Thronfolger und Reichskanzler gibt das Tagebuch reichhaltige Auskunft.
Herrschaftsinszenierung, Populärkultur und Filmpropaganda im Wilhelminischen Zeitalter
AutorIn: Dominik Petzold
1895 war die Geburtstunde des Kinos. Schon drei Jahre später liefen die ersten Propagandafilme. Hinter den Anfängen des politischen Films stand - Kaiser Wilhelm II.

Der Monarch war das beliebteste Motiv der Filmpioniere, denn er bot, was Populärkultur schon damals ausmachte: schillernde Outfits und spektakuläre Auftritte. Wilhelm II. selbst nutzte das moderne Medium systematisch, um seine Herrschaft zu inszenieren. Die suggestiven Aufnahmen erreichten in den Kinos ein Millionenpublikum. Und nationale Verbände und Schulen setzten die Filme gezielt ein, um die Zuschauer zu monarchietreuen Untertanen zu erziehen.