Alle Angehörigen des höheren Auswärtigen Dienstes zwischen 1871 und 1945 erfasst dieses auf fünf Bände angelegte Nachschlagewerk.
Auf der Grundlage der erstmals vollständig ausgewerteten Personalunterlagen der Behörde und zahlreicher weiterer Quellen bietet es in standardisierter Form Informationen jeweils zu den Lebensdaten, zu Herkunft und Familie, Konfession, Ausbildungsgang, Parteizugehörigkeit, zu den einzelnen Stationen der Laufbahn im Auswärtigen Dienst und zu Tätigkeiten außerhalb des Dienstes. Darüber hinaus enthalten die Artikel neben Fotos bibliographische Hinweise und Angaben zum Verbleib des Nachlasses.
Das Auswärtige Amt ergänzt damit seine grundlegenden Akteneditionen »Die Große Politik der Europäischen Kabinette 1871–1914« und »Akten zur deutschen auswärtigen Politik 1918–1945«, mit denen es eine Fülle von Quellen aus seinem Politischen Archiv zur Geschichte des Deutschen Reiches und zu dessen internationalen Beziehungen zugänglich gemacht hat.
2. Auflage
Autoritäre Regierungsformen erleben in Osteuropa eine Renaissance, und vielfach knüpfen die heutigen Machthaber an Traditionen und Vorbilder der Zeit zwischen den Weltkriegen an. Denn vom Balkan bis zum Baltikum bestanden nach 1918 zwölf selbständige Staaten mit demokratischen Verfassungen, von denen sich zehn in den 1920er und 1930er Jahren in autoritäre Präsidial- oder Königsdikaturen verwandelten. Die im vorliegenden Band versammelten Innenansichten dieser Regime vermitteln nicht nur Einblicke in die teils bis heute relevanten Verhältnisse im Ostmittel- und Südosteuropa der Zwischenkriegszeit, sondern weisen auch interessante Parallelen zur aktuellen Entwicklung autoritärer Regime auf, wie der Herausgeber in seinem Nachwort erläutert. Behandelt werden: Estland – Lettland – Litauen – Polen – Ungarn – Slowakei – Österreich – Rumänien – Bulgarien – Griechenland – Albanien – Jugoslawien – Serbien.
Eine politische Biographie
AutorIn: Bernard Wiaderny
Hans Adolf von Moltke (1884-1943) war als Vertreter der Weimarer Republik und des »Dritten Reiches« in Polen tätig. Während des Zweiten Weltkrieges beteiligte er sich am NS-Aktenraub im besetzten Europa und wurde 1943 Botschafter in Madrid.
Hans Adolf von Moltke gehörte zu einer Familie, die einen namhaften Platz in der deutschen Geschichte innehatte: Zu seinen Vettern gehörten der Generalfeldmarschall Helmuth Carl Bernhard von Moltke und der Widerständler Helmuth James von Moltke. Bernard Wiaderny rekonstruiert die Persönlichkeit des Diplomaten Hans Adolf von Moltke, seine weltanschaulichen Ansichten und seine politische Verortung vor dem Hintergrund der prägenden Tendenzen seiner Zeit in Deutschland. Der Autor schildert, welche Ziele Moltke während seiner Tätigkeit als Vertreter Deutschlands in Polen verfolgte, welche Rolle er beim NS-Aktenraub spielte, was er während seiner Zeit als Botschafter in Madrid 1943 unternahm und was er über den Widerstand gegen das NS-Regime wusste. Für die Studie wurde ein umfassender Fundus an Quellen in Archiven in Deutschland, Polen, Großbritannien und den USA ausgewertet.
»Vergeltungsaktionen« im deutsch besetzten Europa 1939–1945
Namen wie Oradour und Lidice stehen stellvertretend für jene NS-Verbrechen, die im deutsch besetzten Europa als angebliche »Vergeltung« für Widerstandstätigkeiten gerechtfertigt wurden. Der Band bündelt den Forschungsstand zu dieser Repressalienpolitik, die in einigen Ländern genozidale Formen annahm.
Vorgestellt werden Ereignisse, Opfer, Täter und Formen der Erinnerung an die deutschen Verbrechen in Belarus, Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, den Niederlanden, Österreich, Polen, Serbien, Tschechien und der Ukraine. Gefragt wird nach dem Zusammenhang der Aktionen mit der jeweiligen Besatzungspraxis, nach den sozialen Dynamiken vor Ort, aber auch danach, welche politischen und administrativen Ebenen beteiligt waren. Es zeigt sich, dass den verübten Verbrechen unterschiedliche Motivationen zugrunde lagen, die teils weltanschaulichen, teils militärischen Zielen folgten. Das Zusammenspiel dieser verschiedenen Interessen, variierende Ausrichtungen und Veränderungen der Besatzungspolitik, die Akteure sowie die Ziele in den einzelnen Regionen und Ländern werden vergleichend miteinander in Beziehung gesetzt.
Ein Land auf der Suche nach sich selbst. 2. Auflage
Russland 1917: Das ist ein Staat im Krieg, eine Gesellschaft in der Krise. Der Zar wird gestürzt, der Sturm einer Revolution fegt über das Reich; doch wie es mit Russland weitergehen soll, bleibt heftig umkämpft. Die Neuauflage macht den Klassiker zur Geschichte des Revolutionsjahres in aktualisierter Ausgabe wieder verfügbar. Der Autor entwirft das Panorama eines entscheidenden Jahres der russischen Geschichte und führt in ein Land auf der Suche nach sich selbst. Einig ist es sich nur, in dem, was es nicht will, in der Ablehnung der zarischen Autokratie. Über die Zukunft des Landes ist sich die polarisierte Gesellschaft hingegen uneins. An den Rändern des Vielvölkerreiches kommt es zu Unabhängigkeitsbestrebungen. Helmut Altrichter hat seine unübertroffene Darstellung der Situation, Kräfte und Kämpfe von 1917 anlässlich des 100. Jahrestages der russischen Revolution um eine Rückschau auf Zeit, Ereignis und Mythos vom heutigen Standpunkt aus ergänzt.
Rußlandkenner oder Rußlandversteher? Aufzeichnungen, Briefwechsel, Reden 1917–1953
HerausgeberIn: Winfried Baumgart
Rudolf Nadolny ist einer der deutschen Spitzendiplomaten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 1933/34 war er deutscher Botschafter in Moskau und quittierte den Dienst, weil er Hitlers passive Russlandpolitik nicht unterstützen wollte. Die Edition bietet einen repräsentativen Querschnitt der Schriften Nadolnys als Erstpublikationen.
In der Weimarer Republik wurde Nadolny mehrmals als Außenminister gehandelt. Ihm stand aber stets seine politische Gradlinigkeit im Wege. In der NS-Zeit war er nach seinem Abgang 1934 als Privatier in der Landwirtschaft tätig. 1945 nahm er sofort Kontakt zum sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst auf, ohne indes die Besatzungsmacht mit seinem diplomatischen Geschick beeindrucken zu können. Er kämpfte bis zu seinem Tod unentwegt für die Wiedervereinigung Deutschlands, nahm erst spät Abstand von Sowjetrussland und versuchte sich Zugang zur amerikanischen Regierung zu verschaffen.
Das Leben des Obersturmbannführers Alfred Filbert 1905–1990
AutorIn: Alex J. Kay
In dieser wegweisenden Biografie eines Direkttäters des Holocaust deckt Alex J. Kay das Leben des SS-Obersturmbannführers Alfred Filbert auf, der als erster Chef des SS-Einsatzkommandos 9 für die Ermordung von mehr als 18.000 sowjetischen Juden – Männer, Frauen und Kinder – hinter der Ostfront verantwortlich war. Er zeigt, wie Filbert sich nach der politisch motivierten Inhaftierung seines älteren Bruders daranmachte, seine Treue zum NS-Regime zu beweisen, indem er bei der Umsetzung der Befehle Hitlers, Himmlers und Heydrichs besondere Radikalität an den Tag legte. Kay schildert auch Filberts Leben nach dem Krieg: sein Untertauchen, die Verhaftung, den Prozess und die Verurteilung zu lebenslangem Zuchthaus. Vorzeitig entlassen, spielte Filbert 1984 im kontroversen Spielfilm „Wundkanal“ des Regisseurs Thomas Harlan einen SS-Massenmörder – also gleichsam sich selbst. „Der eine Bruder ein Nazi-Mörder und der andere als Kommunist im Konzentrationslager: Das ist die Geschichte der Familie Filbert. Alex Kay gelingt in seinem gekonnt gearbeiteten Buch ein bedeutsamer Schritt, um Massenmorde zu verstehen, indem er die Aufmerksamkeit ebenso auf ideologische Motive wie auf die Rolle von Zufälligkeiten richtet.“ – Timothy Snyder „Alex Kay bereichert mit seinem Buch nicht nur die Holocaust-Forschung, sondern zeigt auch auf, was ein biografischer Ansatz zum Verständnis genozidaler ‚Direkttäter‘ leisten kann.“ – Jürgen Matthäus, United States Holocaust Memorial Museum
AutorIn: Helmut Mejcher
Helmut Mejcher fasst die Geschichte des Zweiten Weltkriegs im Nahen Osten fundiert zusammen. Die anglo-amerikanische Zwangsbewirtschaftung der arabischen Länder und deren weitreichende Folgen stehen im Zentrum. Zudem analysiert der Autor die militärischen Ereignisse in Nordafrika, im Irak und in Syrien sowie die Gründung der Arabischen Liga und die alliierten Planungen für die Region in der Nachkriegszeit. Nach der Schließung des Mittelmeers für die zivile Schifffahrt wurde der Nahe Osten unvorbereitet vom Welthandel ausgeschlossen. Unter anglo-amerikanischer Regie, oft mit drakonischen Methoden und gepaart mit eigennützigen entwicklungspolitischen Strategien, wurde die Region Rationierungsmaßnahmen unterworfen und auf wirtschaftliche Selbstversorgung ausgerichtet. Die Wirksamkeit der Eingriffe war den kolonialistischen Techniken und den imperialen Privilegien der Briten zu verdanken. Die materielle Absicherung wurde von den USA geleistet. Auf der Grundlage umfassenden Quellenmaterials zeigt Helmut Mejcher, wie dieses Vorgehen in Nahost ganz unterschiedlich aufgenommen wurde. Die gesamte Region ist jedoch bis heute geprägt von den damaligen angloamerikanischen Eingriffen.
Die Brüder Fritz Thyssen und Heinrich Thyssen-Bornemisza
Fritz und Heinrich Thyssen traten Anfang des 20. Jahrhunderts als reiche Söhne des Konzerngründers August ins Licht medialer Öffentlichkeiten. Während der eine als Geldgeber Hitlers in die Geschichte einging, begründete der andere eine private Kunstsammlung von Weltrang.
Öffentlichkeit stellt eine zentrale Kategorie im Leben und Handeln von Bürgern aus der Wirtschaftselite dar. Felix de Taillez untersucht das Medieninteresse an den prominenten Brüdern – von Heinrichs frühen Skandalen bis zu Fritz‘ Aufstieg und Fall im NS-Regime. Die Studie arbeitet ihre unterschiedlichen Verhaltensweisen in der Öffentlichkeit und ihre spezifischen Formen der Mediennutzung heraus – der eine zunehmend distanziert, der andere auch international umso exponierter. Ihre Images waren gegensätzlich: Fritz Thyssen als politisch engagierter »Wirtschaftsführer« und Heinrich Baron Thyssen-Bornemisza als ebenso weltläufiger wie zurückhaltender »Aristokrat«.
AutorIn: Hajo Bernett
HerausgeberInnen: Berno Bahro und Hans Joachim Teichler
Der Band versammelt die zentralen Aufsätze Hajo Bernetts zur Sportgeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus, die von der zeitgeschichtlichen Forschung in der Regel kaum rezipiert wurden.
Hajo Bernett gilt als Begründer der deutschen Zeitgeschichte des Sports. Ausgelöst durch seine Pionierarbeiten gilt das Kapitel des NS-Sports inzwischen als das am gründlichsten erforschte Kapitel der deutschen Sportgeschichte. Seine zahlreichen Aufsätze und Bücher erschienen jedoch zumeist verstreut in Zeitschriften und Verlagen, die von der Forschung nicht oder nur unzureichend wahrgenommen wurden. Mit der gesammelten Herausgabe seiner wichtigsten Aufsätze zur nationalsozialistischen Sportgeschichte sollen seine ertragreichen sporthistorischen Studien einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.