AutorIn: Hans Maier
HerausgeberIn: Hans Maier
Akademischer Widerstand ist weniger leicht zu greifen als politischer oder militärischer Widerstand. Doch es gab ihn. Den Freiburger Professoren kommt dabei besondere Bedeutung zu: Ihr Wirken reicht weit in die Nachkriegszeit hinein. Die »Freiburger Schule« der Nationalökonomie stand nicht nur in Verbindung mit Goerdeler und Bonhoeffer, von ihr führen auch verschlungene Wege zur Sozialen Marktwirtschaft der Bundesrepublik.
Die Freiburger Kreise standen lange im Schatten der zeitgeschichtlichen Forschung. Die Gründe liegen in der Sache selbst. Akademischer Widerstand funktioniert anders als militärisch-politischer Widerstand; daher verbindet sich mit den Freiburger Kreisen auch kein Bild offener Widerstandsaktionen (wie die Flugblattaktionen der »Weißen Rose«) oder eines Attentats (wie beim 20. Juli). Dennoch war die ökonomische Beratung Goerdelers durch die Freiburger und die theologisch-historische Denkschrift für Bonhoeffer (Redaktion: Gerhard Ritter) historisch von großer Bedeutung; sie muss als »Sorge danach« neben die Dokumente des Kreisau-er Kreises gestellt werden.
Aus unerschlossenem Quellenmaterial und Erinnerungen der Nachfahren entsteht im vorliegenden Buch eine Nahaufnahme vom Wirken des Akademischen Widerstandes im »Dritten Reich« – und zugleich ein Bild dessen, was von der Freiburger Schule der Nationalökonomie nach dem Krieg in der Sozialen Marktwirtschaft auf- und fortlebte.
Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit
AutorIn: Jens Westemeier
Joachim Peiper (1915-1976), Liebling Himmlers und 1938 bis 1941 sein Adjutant, war der idealtypische »Vorzeigeoffizier« der Waffen-SS, ein Exponent der Junkerschulgeneration, deren Angehörige in der zweiten Kriegshälfte als junge Kommandeure den rücksichtslosen Geist ihrer Trup-pe präg-ten. Nach 1945 wurde der hochdekorierte Regimentskommandeur der »Leibstandarte«, obwohl als Kriegsverbrecher überführt, zur Ikone aller Apologeten der Waffen-SS.
In seiner umfassenden Biographie, 2012 mit dem Werner-Hahlweg-Preis für Militärgeschichte ausgezeichnet, demontiert Jens Westemeier den Mythos Peiper und den der Waffen-SS. Und er tut noch mehr: Er zeigt, wie einflussreiche Kreise der jungen Bundesrepublik mit der NS-Vergangenheit umgingen. Erstmals wird klar, wie und warum der 1946 wegen des Massakers von Malmedy zum Tode Verurteilte zehn Jahre später zum geachteten Angestellten von Porsche avancieren konnte - mit Hilfe eines Netzwerks »alter Kame-raden« in Politik und Gesellschaft.
Erinnerungen polnischer Neusiedler in Westpolen nach 1945
AutorIn: Beata Halicka
HerausgeberIn: Beata Halicka
Wer waren die Menschen, die in den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach 1945 angesiedelt wurden? Sind sie freiwillig gekommen? Wie lange dauerte es, bis der neue Wohnort zu einem Zuhause wurde?
Die in diesem Band gesammelten Berichte von Zeitzeugen schildern den Alltag der Nachkriegszeit im Oderraum. Zehn Jahre nach Kriegsende aufgeschrieben, wurden die Texte im sozialistischen Polen aufgrund ihres kritischen Tons nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Sie geben aus der Perspektive eines Lehrers, eines Bürgermeisters, einer Verwaltungsbeamtin, eines Bauern und anderer Einblick in berührende menschliche Schicksale. Nach der oft traumatischen Erfahrung des Krieges und der erzwungenen Migration wurden die Neubürger mit dem deutschen Erbe an ihrem neuen Wohnort konfrontiert. Die Aneignung des fremden Kulturraums erwies sich als eine komplexe und langwierige Aufgabe. Die packend authentischen Zeitzeugenberichte werden von zahlreichen Fotografien und Erläuterungen begleitet, in denen über den politisch-kulturellen Hintergrund, Probleme der Erinnerungskultur sowie die Umstände der Entstehung dieser einzigartigen Egodokumente berichtet wird.
Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit. 2. Auflage
AutorIn: Jens Westemeier
Ein eindrucksvolles Buch über die zwei Karrieren des SS-Standartenführers Joachim Peiper (1915-1976). Die erste führte den »Vorzeigeoffizier« der Waffen-SS in den engsten Kreis um Himmler, dessen Adjutant er von 1938 bis 1941 war. Bis Kriegsende stieg der Liebling des Reichsführers-SS zum hochdekorierten Regimentskommandeur in der 1. SS-Panzerdivision Leibstandarte Adolf Hitler auf. In seiner zweiten Karriere nach dem Krieg, die bislang fast völlig im Dunkeln lag, gelangte Peiper bei Porsche in nächste Nähe der Chefetage. Eine einflussreiche Lobby hatte den wegen des Massakers von Malmedy zunächst zum Tode Verurteilten zum Helden und zum »Opfer der Siegerjustiz« stilisiert. Über seinen geheimnisumwitterten Tod hinaus blieb er bis heute eine Ikone aller Apologeten von Himmlers Kriegern. Gestützt auf eine Fülle von bisher unbekanntem Material demontiert Jens Westemeier den »Mythos Peiper« und mit ihm den der Waffen-SS. Und er zeigt überdies, wie und warum in der jungen Bundesrepublik schon bald eine Vergangenheitspolitik des Vergessens und Verzeihens betrieben wurde. Seine Arbeit wurde 2012 mit dem Werner-Hahlweg-Preis für Militärgeschichte ausgezeichnet.
Bonns heimliche Atomdiplomatie von Adenauer bis Schmidt
AutorIn: Stephan Geier
Iran, Israel, Indien und andere: Die schleichende Verbreitung atomarer Waffen hält die Welt in Atem. Doch die Spielregeln, die diese gefährliche Entwicklung eigentlich verhindern sollten, wurden nicht von Staaten wie dem Iran und Nordkorea gemacht. Es war die Bundesrepublik, die dabei seit den 1950er Jahren eine wichtige, durchaus zweifelhafte Rolle spielte. Basierend auf der Untersuchung einer Fülle von Quellenmaterial zeigt Stephan Geier: Die Ausarbeitung des internationalen Regelwerks, das die Verbreitung von Nukleartechnologie eindämmen sollte, wurde von neuen atomaren Schwellenmächten maßgeblich beeinflusst, und die Bundesrepublik Deutschland nahm dabei eine Schlüsselposition ein. Von der Vergangenheit vorbelastet, blieb den Deutschen ein eigenes Nukleararsenal zwar versagt. Umso mehr verteidigten aber alle Bundesregierungen von Adenauer bis Schmidt den Status als nukleare Schwellenmacht – sei es durch die Teilhabe der Bundeswehr am nuklearen Waffenarsenal der NATO oder durch Entwicklung und Export vermeintlich rein ziviler Atomanlagen. Die zur Durchsetzung dieser Interessen notwendige Schwächung der internationalen Kontrollmechanismen gegen eine weitere Verbreitung von Atomwaffen wurde von den bundesdeutschen Politikern über die Parteigrenzen hinweg bewusst in Kauf genommen.
Eine SS-Karriere zwischen Nervenklinik, KZ-System und Waffen-SS
AutorIn: Niels Weise
Theodor Eicke, gescheiterter Unterzahlmeister des Ersten Weltkriegs, wurde erst zum Kommandanten des KZ Dachau, dann zu einem der fanatischsten SS-Generale, ehe er 1943 den Tod an der Ostfront fand. Niels Weise schildert die Karriere dieser furchtbaren Berühmtheit auf einer teilweise erstmals ausgewerteten Quellenbasis. So wird nicht nur die Bedeutung Eickes für den Aufbau des KZ-Systems und der Waffen-SS beleuchtet. Auch die von Bürgerkriegsphobien getragenen Übergänge zwischen NS-Bewegung und Rechtsterrorismus am Ende der Weimarer Republik sind erstmals dargestellt. 1933 nutzte Himmler den Umstand aus, dass Eicke aufgrund politischer Intrigen in die Psychiatrie eingewiesen wurde, um den eigensinnigen SS-Führer an sich zu binden. Die Nervenheilanstalt diente Himmler als Werkzeug: Eine auf den Faktoren Erziehung, Verpflichtung und Treue basierende SS-Karriere nahm ihren verhängnisvollen Lauf.
Demoskopin zwischen NS-Ideologie und Konservatismus
AutorIn: Jörg Becker
Rechtes Denken in der 68er-Bewegung?
Vom SDS über die RAF in die NPD - Horst Mahlers Lebenslauf ist das Spiegelbild der politischen Extreme des 20. Jahrhunderts. Mahler war nicht der einzige Aktivist der 68er-Bewegung, der später den Eindruck erweckte, vom linken ins rechte Milieu gewechselt zu sein.
Wie kam es zu diesem erstaunlich anmutenden Wandel? War es überhaupt ein Wandel? Oder lassen sich in der Ideologie Horst Mahlers und anderer 68er, die ins rechte Lager wechselten, Konstanten finden? Muss man gar von einem rechten Denken in der sich als links verstehenden 68er-Bewegung ausgehen? Manuel Seitenbecher geht diesen Fragen nach und verfolgt dazu detailliert die Biographien von Mahler, Bernd Rabehl, Reinhold Oberlercher, Günter Maschke und Tilman Fichter. Sein Buch gibt einen faszinierenden Einblick in einen bislang weitgehend unbekannten Bereich der Ideengeschichte der Bundesrepublik und der (Post-)68er-Bewegung.
Das gefährlichste Jahr des Kalten Krieges
AutorIn: Georg Schild
Seinerzeit fast unbemerkt von der Weltöffentlichkeit drohte im Herbst 1983 der Ausbruch eines Nuklearkrieges. Die Sowjetunion erwartete einen Atomangriff und bereitete Abwehrmaßnahmen vor, die ihrerseits von den USA als Bedrohung gedeutet wurden. Ein Fehlalarm in der sowjetischen Luftraumüberwachung drohte die Lage außer Kontrolle geraten zu lassen. Georg Schild rekonstruiert den Verlauf des Kalten Krieges bis hin zur politischen Eskalation zwischen den von Ronald Reagan geführten USA und der Sowjetunion Anfang der 1980er Jahre. Die Vereinigten Staaten führten damals einen ideologischen Kreuzzug gegen die UdSSR und rüsteten auf, während die überalterte Sowjetführung politisch weitgehend handlungsunfähig war. Dieses Buch stellt das Krisenjahr 1983 in den Kontext des Kalten Krieges und kommt zu einer neuen Bewertung traditioneller Krisenvorstellungen. Unter anderem durch erstmalige Auswertung von Dokumenten aus den Carter- und Reagan Archives kann der Autor zeigen, weshalb es zu den riskanten gegenseitigen Fehleinschätzungen kam. Eine packende und warnende Lektüre darüber, wie internationale Konflikte außer Kontrolle geraten können.
AutorIn: Holger Löttel
HerausgeberInnen: Rudolf Morsey und Hans-Peter Schwarz
In Adenauers Kabinett war die FDP eine ebenso wichtige wie unberechenbare Größe. Sie hatte zwar Anteil an den politischen Erfolgen der Regierungsarbeit, trug jedoch auch zahlreiche Konflikte mit dem Bundeskanzler aus. Die Edition präsentiert Adenauers Briefwechsel mit den Spitzenpolitikern der FDP, Hintergrundberichte und Vermerke über ihre Gespräche im Kanzleramt, vor allem aber Wortprotokolle von drei Krisensitzungen, die auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung zwischen Adenauer und Thomas Dehler im Dezember 1955 auf Tonband aufgezeichnet wurden. So gewähren die größtenteils unveröffentlichten Dokumente Einblick in Bildung, Alltag und Krisen der Koalitionsregierungen unter Konrad Adenauer, der hier in der bisher wenig beleuchteten Facette als »Koalitionskanzler« erscheint.