Nach Titel durchsuchen

Das romantische Kritikkonzept – Entstehung, Geschichte und Rezeption – und seine hauptsächlichen Vertreter stehen im Zentrum dieser facettenreichen Darstellung. Die romantische Weiterentwicklung aufklärerischer Kritikvorstellungen, auf welche die Gegner der Romantik wiederum reagierten, ist geprägt durch ironische Selbstreflexion, Bemühen um poetische Reorganisation von Wissen und Gesellschaft und ästhetische Kritik des kongenialen, die Geistesgeschichte überblickenden Subjekts. Insbesondere dadurch, dass Friedrich Schlegel die philologische Textkritik in der Untrennbarkeit von Reflexion und Kunstwerk begründete und eine progressive kritische Universalpoesie forderte, wurde zusammen mit der auf Selbstbegründung gerichteten und darum immer vorläufigen und unabschließbaren Reflexionskette die Kritik zum Kennzeichen der Romantik und die Auseinandersetzung mit ihr unabdingbar für Vertreter und Gegner.
HerausgeberIn: Samuel Müller
Die vorliegende Edition erschließt zum ersten Mal Friedrich Schlegels Überlegungen zu den theoretischen Grundlagen der Philologie in ihrer Überlieferung als Textträger. Vollständig faksimiliert, wird der Textbestand der Manuskripte »Zur Philologie« über diplomatische Umschriften und ein umfangreiches Register erschlossen und in einem ausführlichen Nachwort erläutert.
In dieser Form nimmt die Edition auf die Bedingungen der Philologie Rücksicht und ermöglicht es damit, ein faszinierendes Ergebnis sichtbar werden zu lassen: Auch wenn Schlegels Hefte keinen Text beinhalten, sind die Materialien in einer Weise interpretierbar, die der Interpretation eines Textes entspricht. Es ist dieser Umstand, der dieses Dokument des Scheiterns eines textgenetischen Prozesses zum Nukleus aller weiteren theoretischen Überlegungen zur theoretischen Begründung der Philologie gemacht hat.
Ein romantischer Streitfall

Warum kam es auf dem wichtigsten Treffen der frühromantischen Akteure zu einer Auseinandersetzung, die innerhalb der Gruppe nicht überwunden werden konnte?

Das Treffen der frühromantischen Gruppe, das im November 1799 in Jena stattfand, wird in allen Literaturgeschichten genannt und gilt als wichtiges Ereignis in der Entwicklung der Romantik. Aber die Dynamik dieses Treffens, die aus dem Streit um Friedrich von Hardenbergs (Novalis) Rede „Die Christenheit oder Europa“ und um Friedrich Wilhelm Joseph Schellings Gegenschrift „Epikurisch Glaubensbekenntniß Heinz Widerporstens“ hervorging, ist bisher noch nicht analysiert worden. Der vorliegende Band untersucht das Treffen aus der Perspektive der beteiligten Autoren und Autorinnen.
A timeless essay on the underlying structures of classical art and architecture.
This fundamental essay in the tradition of Vienna-School Structuralism traces the religious and sexual drives that gave rise to the distinct forms of Greek and Roman art and architecture. Kaschnitz demonstrates how the worship of male ancestors with upright stone monuments led to the Greek temple and classical sculpture--impenetrable forms dominating space and the viewer. Worship of the life-giving fertility of the mother-goddesses required underground, cave-like spaces that underlie the volumetric interiors of Roman and Etruscan temples that surround and enclose the viewer. The extensive bibliography, invoking a wide range of sources, provides invaluable insight into the wide range of disciplines that Kaschnitz explored, from comparative ethnography to folk psychology.


Kaschnitz-Weinbergs Essay von 1944, einer der Grundlagentexte der Strukturforschung, befasst sich mit der Religion und Architektur der Megalithkultur, um zu erklären, warum Griechen und Römer ganz unterschiedliche Konzeptionen von Form und Raum in Architektur und Bildhauerei realisierten.
Kaschnitz setzt die griechische Konzeption mit prähistorischen Kulturen in Beziehung, die Ahnen und Gottheiten in phallischen, aufrechten Monumenten verehrten. Er entdeckt die Vorgeschichte der römischen Konzeption in der Höhle, umhüllenden Räumen, die den Uterus der Mutter Erde evozierten. Dem Originaltext der englischen Erstübersetzung sind eine Einführung des Herausgebers, rekonstruierte Anmerkungen und eine umfassende Bibliographie beigegeben.
AutorIn: Theo Kölzer
HerausgeberIn: Theo Kölzer
Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste ist eine Vereinigung der führenden Forscherinnen und Forscher des Landes. Sie wurde 1970 als Nachfolgeeinrichtung der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen gegründet. Die Akademie ist in drei wissenschaftliche Klassen für Geisteswissenschaften, für Naturwissenschaften und Medizin sowie für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften und in eine Klasse der Künste gegliedert.

Mit Publikationen zu den wissenschaftlichen Vorträgen in den Klassensitzungen, zu öffentlichen Veranstaltungen und Symposien will die Akademie die Fach- und allgemeine Öffentlichkeit über die Arbeiten der Akademie und ihrer Forschungsstellen informieren.
HerausgeberInnen: Ulrich Breuer und Nikolaus Wegmann
Aus dem Inhalt: ULRICH BREUER/NIKOLAUS WEGMANN: Editorial Abhandlungen FRANK PETER BESTEBREURTJE: Der autonome Autor. Friedrich Schleiermachers Vorreden zu Über die Religion ZSUZSA BOGNÁR: Die frühen Essays von Georg Lukács als Auseinandersetzung mit dem frühromantischen Begriff der Kritik ARNE KLAWITTER: Inszenierte Schatten. Das Schattenspiel als theatralisches Genre in der deutschen Literatur zwischen Empfindsamkeit und Romantik ROBERT LEVENTHAL: Gattungen und System der Kritik beim jungen Friedrich Schlegel GERNOT WEISS: Letzte Worte. Die ›ars moriendi‹ bei Novalis À Propos THOMAS MEISSNER: Eulenböcks Wiederkehr. Über Fälschung, Kunstfrömmigkeit und Ironie bei Daniel Kehlmann und Ludwig Tieck Funde HERMANN PATSCH: Der Spötter Witz aus Berlin. Ein Parodien-Gefecht über Friedrich Schlegel Labor MAXIMILIAN BERGENGRUEN: Psychische Kur mit den Mitteln frühneuzeitlicher Mystik. Novalis‘ Monolog als Dialog mit Jakob Böhme Rezensionen TIMOTHY ATTANUCCI: Wie fragt man eine Datenbank des 18. Jahrhunderts ab? (zu Elisabeth Décultot (Hg.): Lesen, Kopieren, Schreiben. Lese- und Exzerpierkunst in der europäischen Literatur des 18. Jahrhunderts) TILL DEMBECK: Philister kommentieren (zu Clemens Brentano: Sämtliche Werke und Briefe. Bd. 21.1.: Satiren und Kleine Prosa. Hg. von Maximilian Bergengruen, Wolfgang Bunzel, Renate Moering, Stefan Niehaus, Christina Sauer und Hartwig Schultz) NORMAN KASPER: Alexander Košenina (Hg): Literatur – Bilder. Johann Heinrich Ramberg als Buchillustrator der Goethezeit PETER NIEDERMÜLLER: Florian Kraemer: Entzauberung der Musik. Beethoven, Schumann und die romantische Ironie DIRK VON PETERSDORFF: Markus Häfner: Melancholie und Lied. Eine typologische Untersuchung am Beispiel der Lyrik der Romantik LUDWIG STOCKINGER: Wilhelm Voßkamp/Günter Blamberger/Martin Roussel (Hg): Möglichkeitsdenken. Utopie und Dystopie in der Gegenwart
Friedrich Schlegels Übertritt zum Katholizismus im Kontext
HerausgeberInnen: Nikolaus Wegmann und Winfried Eckel
1808 konvertiert Friedrich Schlegel zum Katholizismus. Bei den Zeitgenossen, die im Verfasser der Lucinde vor allem den Freigeist und Ironiker gesehen hatten, löst dieses Ereignis eine Art Schock aus. Es markiert eine Wende, die sich spätestens seit der Jahrhundertwende auf verschiedensten Feldern des Schlegelschen Denkens - Literaturkritik, Hermeneutik, Theologie, politische Theorie - bereits abgezeichnet hatte.
Welcher Logik gehorcht diese Konversion? Folgt sie bestimmten inneren Denknotwendigkeiten? Welche Rolle spielen sozialgeschichtliche, ökonomische, juristische oder politische Faktoren? Welche Brüche und Kontinuitäten sind zwischen Früh- und Spätwerk feststellbar?
Figuren der Konversion integriert Perspektiven der Literatur und Kulturwissenschaft mit solchen der Sozialgeschichte, der Soziologie und der Theologie.
Untersuchungen zum russischen Gerechtigkeitsdiskurs
AutorIn: Claudia Woldt
Normativität wird meist als rechtliches oder philosophisches Problem erforscht. Anhand russischer Gerechtigkeitsdebatten wird dagegen in diesem Buch gezeigt, welche sprachlichen Phänomene zur Entstehung normativer Äußerungen beitragen. Gerechtigkeit scheint ein »ewiges Thema« zu sein. Bereits in der Antike schieden sich an ihr die Geister, und bis heute streitet man darüber, was getan werden muss, kann oder soll, damit Gerechtigkeit herrscht. Solche normativen Äußerungen stehen im Zentrum des Buches, das nicht nur ein theoretisches Modell für die Entstehung von Normativität durch Sprache entwirft, sondern auch anhand der russischen Gerechtigkeitsdebatten der letzten 200 Jahre zahlreiche Beispiele für das Zusammenwirken argumentativer, modaler und evaluativer sprachlicher Verfahren anführt und damit ein Stück russischer Kulturgeschichte beleuchtet.
Vom Machtzentrum des Deutschen Ordens zum mitteleuropäischen Erinnerungsort
Als größte in Backstein erbaute Burg der Welt steht die an den Ufern des Flusses Nogat errichtete Marienburg seit Jahrhunderten im Zentrum der polnisch-deutschen Beziehungsgeschichte. Sie erlebte seit dem Mittelalter einen vielfachen Funktionswandel im Kontext von Rivalitäten, Konfrontationen und Kooperationen.
Die ehemalige Hauptburg des Deutschen Ordens war zunächst Schauplatz militärischer Konflikte, ging dann in den Besitz der polnischen Krone über und rückte insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert ins symbolische Zentrum politischer Vereinnahmungen durch Polen und Deutschland. Die Autoren dieses Bandes verfolgen aus unterschiedlichen Perspektiven die Geschichte der Marienburg als politisches Symbol vom Mittelalter bis in die Gegenwart. So wird die Geschichte eines mitteleuropäischen Erinnerungsortes ebenso fundiert wie facettenreich geschildert.