Europäische Anwerbestopps 1970-1974
Jenseits der Ölkrise - »Grenzen der Aufnahmefähigkeit« - Europäisierung der Migrationspolitik. Beendete tatsächlich die Ölkrise die »Gastarbeiter-Ära«? Warum stoppten alle westeuropäischen Industriestaaten Anfang der 1970er Jahre ihre Anwerbung und schlossen die Grenzen für unerwünschte Arbeitsmigranten? Das Buch begibt sich auf die Suche nach der Entstehungsgeschichte der Anwerbestopps und zeichnet die Diskussionen der Beamten nach, die sich auf unterschiedlichen Ebenen von der Stadtverwaltung bis zur Europäischen Gemeinschaft mit dem »Problem der ausländischen Arbeitnehmer« beschäftigten. Dabei erklärt es am Beispiel Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz, wie die nationalen Entscheidungen durch transnationale Diskurse geprägt wurden, sich gegenseitig beeinflussten und schließlich zu einer Europäisierung der Migrationspolitik führten.
Ein politisches Leben im Schatten Willy Brandts
AutorIn: Gertrud Lenz
Gertrud Meyer (1914-2002), Lebens- und Kampfgefährtin Willy Brandts im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, stand als Funktionsträgerin der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands im Brennpunkt der politischen Geschehnisse des linken Exils der 1930er Jahre und 1940er Jahre. Während dieser Zeit war sie zudem Mitarbeiterin des Arztes und Psychoanalytikers Wilhelm Reich. Gertrud Meyer leistete – auch unter Einsatz ihres Lebens – in enger Kooperation mit Brandt einen eigenständigen wichtigen Beitrag zum Widerstand gegen das NS-Regime. Ihr Leben und politisches Wirken zwischen Lübeck, Oslo und New York findet in dieser auf langjährigen Archivrecherchen beruhenden Darstellung erstmals angemessene Würdigung. Indem die Autorin Gertrud Meyers Biographie aus dem Schatten Willy Brandts holt, fällt auch ein neues, anderes Licht auf dessen politisches und privates Leben.
Hollywood, das Pentagon und die amerikanische Deutung des Zweiten Weltkriegs 1945 - 1962
AutorIn: Sebastian Haak
»The Good War«: ein Produkt der Geschichte - und des militärisch-filmischen Komplexes.
Warum erinnern sich die Amerikaner so gerne an den Zweiten Weltkrieg? Warum ist allein ihm das Synonym »The Good War« vorbehalten? Warum steht die Wendung nicht auch für den Ersten Weltkrieg? Die Studie zeigt anhand von Filmgeschichte(n), dass es das Zusammentreffen dreier Faktoren in den USA in der Mitte des 20. Jahrhunderts war, durch das sich die amerikanische Interpretation des Zweiten Weltkriegs entwickelte: erstens die Vielfalt der Kriegserfahrungen der GIs; zweitens eine klassisch amerikanische Deutung von Krieg und Gewalt; drittens der Kalte Krieg. Erst das Aufeinandertreffen dieser historischen Rahmenbedingungen und die enge Zusammenarbeit zwischen dem Pentagon und Hollywood machten die Entstehung des Bildes vom »Good War« möglich.
Die Geschichte des Schengen-Raums aus deutschen, französischen und polnischen Perspektiven
AutorIn: Angela Siebold
1985 beschlossen fünf EG-Staaten, ihre Grenzkontrollen abzubauen; umgesetzt wurde das Schengener Abkommen zunächst aber nicht. Durch das Ende des Kalten Krieges brach eine neue Zeit an: Nun standen die Grenzen nach Osten plötzlich offen und das veränderte die Rahmenbedingungen des Kontrollabbaus grundlegend. »Schengen« ist die Geschichte eines grenzenlosen Kerneuropas und seiner Erweiterung, auch über die Grenzen des ehemaligen »Eisernen Vorhangs« hinaus. Mittlerweile wurde aus der westeuropäischen Idee ein Symbol der Annäherung, aber auch neuer Abgrenzungen. Anhand von deutschen, französischen und polnischen Printmedien untersucht Angela Siebold die facettenreiche Diskussion um die Idee »offener Grenzen«. Bis heute zeigt die gegenseitige Wahrnehmung, wie beständig die Unsicherheiten zwischen West und Ost sind.
Die Biographie
Seit der Gründung des Auswärtigen Amtes 1871 gab es keinen, der ihm länger gedient hat als HansDietrich Genscher. Er prägte eine 18jährige Ära (19741992), die von dem Konflikt und der Entspannung zwischen West und Ost über das Ende des Kalten Krieges und die Vereinigung Deutschlands bis zu den Kriegen am Golf und auf dem Balkan reichte.
Auf der Grundlage vieler Gespräche mit HansDietrich Genscher, Interviews mit prominenten Zeitzeugen und der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Dokumenten des Politischen Archivs im AA hat HansDieter Heumann die erste Biographie des angesehensten deutschen Außenministers vorgelegt.
Ebenso kenntnisreich wie einfühlsam zeichnet er ein Bild des Menschen HansDietrich Genscher, indem er seine Herkunft und Prägungen schildert und seinen tieferen Triebkräften und Eigenschaften nachspürt. Ausgewogen und nicht ohne kritische Distanz würdigt er die Herausforderungen
und Leistungen Genschers auf der weltpolitischen Bühne.
Studien zu Konstruktion, gesellschaftlicher Wirkungsmacht und Erinnerung
›Volksgemeinschaft‹ zählte zu den politischen Schlüsselbegriffen der Weimarer Republik. Die nationalsozialistische Propaganda konnte Vorstellungen, die sich mit diesem Begriff verbanden, bereits vor der Machtübernahme instrumentalisieren. Nach 1933 entwickelte sich die Parole von der ›Volksgemeinschaft‹ zu einem zentralen Moment der NS-Ideologie. Sie hatte wesentlichen Anteil am Erfolg der Nationalsozialisten, eine breite Zustimmung für ihr Vorgehen und ihre Ziele in der deutschen Bevölkerung zu mobilisieren. Die Schriftenreihe bietet Studien, die Vergemeinschaftungsprozesse im Nationalsozialismus in unterschiedlichen gesellschaftlichen Funktionsbereichen untersuchen, nach den Bedingungen, Formen und Folgen der Durchsetzung von Vorstellungen von ›Volksgemeinschaft‹ fragen oder sich mit dem Fortwirken bzw. der bewussten Tradierung nach 1945 auseinandersetzen.
Im ersten Jahrzehnt des »Kalten Krieges« war die katholische Kirche in der DDR massiven religionspolitischen Anfeindungen durch das SED-Regime ausgesetzt. Die ostdeutschen Bischöfe begegneten dem systematischen »Aufbau des Sozialismus« mit dem Bemühen um kirchenpolitische Geschlossenheit sowie um Befestigung der Fundamente von Pfarrseelsorge und Caritas. Es gelang, in Erfurt eine kirchliche Hochschule als Mittelpunkt eines eigenständigen Bildungsnetzwerkes einzurichten. Die meisten katholischen Jugendlichen blieben der Jugendweihe fern.
Die internen Berichte und persönlichen Briefwechsel der Bischöfe und Kirchenführer in der DDR dokumentieren vor allem den schwierigen Weg stiller Verhandlungen und Protest-Eingaben, den die katholische Diasporakirche während der frühen, von Diktaturkrise und globalem Ost-West-Konflikt bestimmten 1950er Jahren einschlug.
Denkmuster und Debatten in Politik und Medien 1945-2010
Die andere Seite der Medaille Migration: wie Auswanderer gesehen werden.
Wie wurde das Thema Auswanderung in der Bundesrepublik in Politik und Medien behandelt? Welche Ideologien und Traditionslinien lagen dem Umgang mit Auswanderung zugrunde? Wie veränderten sich diese Einstellungen zwischen der Nachkriegszeit und dem 21. Jahrhundert?
Gezeigt wird der von Verlustangst und Steuerungs-Illusionen gekennzeichnete Umgang mit Auswanderung in der Bundesrepublik. Erstmals werden die politischen und medialen Debatten um Auswanderung in den 1950er und 2000er Jahren analysiert und in Beziehung gesetzt. Hier zeigt sich eine Parallele zu den ebenso durch Furcht geprägten Debatten um Zuwanderung, der anderen Seite der Medaille Migration.
Nuklearkrise, NATO-Doppelbeschluss und Friedensbewegung
Als die Straße bebte: Der Kampf um den Frieden in den 1980er Jahren.
Unter dem Motto »Nein zur Nachrüstung« kamen im Herbst 1983 mehr als eine Million Menschen zusammen, um gegen den NATO-Doppelbeschluss und die Stationierung von Cruise Missiles und Pershing II-Raketen in der Bundesrepublik zu demonstrieren. Das Thema beherrschte wie kein anderes die politische und gesellschaftliche Debatte dieser Zeit. Welche Dynamiken entwickelte der Konflikt? Wie waren die Positionen beider Lager? Wer waren die Protagonisten des politischen Establishments einerseits und der Friedensbewegung andererseits? Abschließend steht die Frage, welche Folgen die Kon-troverse um die Nachrüstung für die bundesdeutsche Gesellschaft und für das Ende des Kalten Kriegs hatte. Ein Buch für
zeithistorisch Interessierte und alle, die damals dabei waren!