Expertise und "Neuordnung" Europas
HerausgeberInnen: Ingo Haar und Michael Fahlbusch
Völkische Konzepte spielten im 20. Jahrhundert eine zentrale Rolle. Aktuelle Studien über die Verflechtung ihrer Akteure in die Gewaltpraktiken im »Dritten Reich« rücken auch ihre Transformation danach stärker in den Vordergrund.
Wissenschaft und Politik bildeten im 20. Jahrhundert Ressourcen füreinander aus. Die Politik profitierte von der Legitimation durch Expertisen. Umgekehrt sicherte sie völkische Forschungsprogramme ab. Beide bildeten keine statischen Systeme, sondern flexible Netzwerke aus. Es geht um die Wirkmächtigkeit von Anthropologen, Demographen, Historikern, Geographen, Raumplanern und Soziologen in der radikalen Homogenisierung Europas.
Die 'Krieg-in-Sicht'-Krise mündete in die größte diplomatische Niederlage, die Bismarck je erlitt. Die Ursachen der Krise blieben allerdings trotz intensiver Forschung im Dunkeln. Als im Frühjahr 1875 Gerüchte über einen bevorstehenden Krieg zwischen Deutschland und Frankreich aufkamen, versetzte dies die europäischen Politiker und Militärs in größte Unruhe. Schnell galt Bismarck als Urheber der Krise. War er das tatsächlich? Welches waren seine Ziele? Welche Interessen verfolgten die übrigen Mächte – England, Russland, Frankreich? Die vorliegende Analyse der bestimmenden Faktoren für das Handeln aller Beteiligten in der Krise zeigt, dass die Rolle Bismarcks im Netz europäischer Politik jener Zeit neu zu bewerten ist.
Krieg und Gesellschaft in der Neuzeit. Neue Horizonte der Forschung
Der Band fasst die innovativen Ergebnisse des Sonderforschungsbereichs 'Kriegserfahrungen – Krieg und Gesellschaft in der Neuzeit' (SFB 437) an der Universität Tübingen in einem großen Überblick zusammen. Themen des SFB und des Buches sind die Erfahrung, Wahrnehmung und Deutung von Kriegen der Neuzeit in Europa und Nordamerika, ist der 'Krieg in den Köpfen' vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Krieg in Vietnam. Drei Felder stehen im Zentrum: der Zusammenhang von Nation, Nationsbildung und Krieg, die Interaktion zwischen Religion bzw. Konfession und Krieg sowie die Rolle der Medien und der Nachrichtenproduktion, die den 'Krieg in der Ferne' zum 'Krieg in der Nähe' schrumpfen ließ.
Krieg und Militär zwischen staatlichem Monopol und Privatisierung
Spätestens mit dem Krieg der USA im Irak ist die bedeutende Rolle privater Sicherheitsfirmen im modernen Krieg deutlich geworden. Ist die Zeit der großen Armeen zu Ende, kehrt die der privaten 'Unternehmer des Krieges' zurück? Der Band untersucht das historische Spannungsverhältnis zwischen privaten Truppen, Söldnern, Condottieri und Kriegsherren einerseits und der Monopolisierung der bewaffneten Macht, des Krieges und der Kriegführung durch den Staat andererseits, von der Antike bis zur Gegenwart.
Religiöse Gewalttheorien in der Kriegserfahrung des Westens
Ein umfassendes Grundlagenwerk: Die erste Gesamtgeschichte christlicher Kriegserfahrung und christlicher Kriegstheorie von der Antike bis heute. Die Rolle der christlichen Religion im Kontext von Krieg und Kriegführung ist bis heute zutiefst umstritten. War nicht auch das Christentum – wie heute ein militanter Islamismus – in der Geschichte Europas eine Quelle der Gewalt und Radikalisierung? Einleitend entwirft der Herausgeber dieses in seiner thematischen Breite und analytischen Durchdringung einzigartigen Bandes eine umfassende Theorie des Verhältnisses von Krieg und Christentum. Erstrangige Autoren beleuchten sodann den Zusammenhang von Krieg, Kriegserfahrung und religiös begründeter Kriegstheorie, das Verhältnis von Kriegswirklichkeit und theologisch verantworteter Kriegsethik – von den biblischen Grundlagen und den philosophischen Reflexionen der Antike bis zu den religiösen Implikationen des US-Anti-Terror-Krieges im frühen 21. Jahrhundert. Der eindrucksvolle Band ist erwachsen aus dem Tübinger Sonderforschungsbereich 'Kriegserfahrung – Krieg und Gesellschaft in der Neuzeit'. Er arbeitet mit dem dort entwickelten methodischen Instrumentarium einer Geschichte von 'Religion und Kriegserfahrung', welche konzentriert die Wirklichkeit des Krieges mit ihren religiösen und politischen Deutungen verbindet.
Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste ist eine Vereinigung der führenden Forscherinnen und Forscher des Landes. Sie wurde 1970 als Nachfolgeeinrichtung der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen gegründet. Die Akademie ist in drei wissenschaftliche Klassen für Geisteswissenschaften, für Naturwissenschaften und Medizin sowie für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften und in eine Klasse der Künste gegliedert.

Mit Publikationen zu den wissenschaftlichen Vorträgen in den Klassensitzungen, zu öffentlichen Veranstaltungen und Symposien will die Akademie die Fach- und allgemeine Öffentlichkeit über die Arbeiten der Akademie und ihrer Forschungsstellen informieren.
HerausgeberIn: Gernot Böhme
Moskau 1918: Das erste Jahr nach der Oktober-Revolution – der Bericht eines Augenzeugen. Karl von Bothmer kam als Vertreter der Obersten Heeresleitung 1918 mit der ersten deutschen Botschaft nach Moskau. Sein spannendes Tagebuch führt in die frühe, unruhige Phase der Herrschaft der Bolschewiki, in der deutsche Botschafter Graf Mirbach ermordet wurde. Es gilt als eines der wichtigsten Zeugnisse für die deutsche Ostpolitik 1918. Die Lebendigkeit der Schilderung lässt den Leser gebannt den Ereignissen folgen.
Vom Mauerbau bis zum Ende der Ulbricht-Ära
Die erste Gesamtdarstellung widerständigen Verhaltens in der DDR der 60er Jahre. Der Mauerbau 1961 wurde zur prägenden Zäsur im Verhältnis zwischen Beherrschten und Herrschenden in der DDR. Die geschlossene Grenze veränderte die Bedingungen für widerständiges Verhalten, und gleichzeitig zwang sie das SED-Regime, seine Herrschaftspraktiken zu spezifizieren. Gelten die späten 40er und die 50er Jahre als Zeit fundamentalen Widerstands, so wurden die 60er zu einer Phase der Neuorientierung. Die Autorin nähert sich dem Thema aus drei Perspektiven: Anlässe, die widerständiges Verhalten mobilisierten, zentrale Konfliktfelder mit dem Regime und Kriminaldelikte mit politischem Hintergrund.
Herausgegeben im Auftrag des Kreises Paderborn von Kirsten John-Stucke