Die Reden Kaiser Wilhelms II. stellen eine erstrangige Quelle zur Geschichte des zweiten deutschen Kaiserreichs dar. Die Edition enthält die wichtigsten Ansprachen und greift erstmals auf Archivmaterial sowie die zeitgenössische Presse zurück.

Seine zahlreichen Reden bieten Einblicke in Herrschaftstechnik und Gedankenwelt Wilhelms II.: Er propagierte den Kampf gegen die Sozialdemokratie, einen Hohenzollern und Preußenkult sowie Flotten und Weltpolitik. Der Kaiser wurde einerseits als Repräsentant der deutschen Gesellschaft verstanden; andererseits wurde er während seiner ganzen Regierungszeit stark kritisiert. Die Reden Wilhelms II. und ihre gegensätzliche Wahrnehmung erlauben die beispielhafte Analyse der Widersprüche und Bruchstellen der politischen Kultur und der Mentalität des »Wilhelminismus«.
Globale Geographien und räumliche Ordnungen Afrikas und Europas 1790-1870
Author: Iris Schröder
Die Globalisierung hat eine Geschichte, aber sie hat auch eine Geographie.

Die Autorin beschreibt die Neuerfindung des Raumes im frühen 19. Jahrhundert. Es ist eine Geschichte der späten europäischen Gelehrtenrepublik in Paris, Berlin und London. Mit Vorliebe widmeten sich diese Gelehrten der Erforschung Afrikas, die von ihnen entsandten Reisenden begaben sich ins abenteuerliche Ungewisse. Die Geographie Europas führte dagegen ein Schattendasein: sie blieb mit einer älteren politischen Geographie verknüpft.
Die Studie behandelt das Spannungsfeld von Raum und Geschichte und zeigt, wie sich seit 1800 im westlichen Europa eine wenig bekannte Verräumlichung des Wahrnehmungshorizonts vollzogen hat. Die Autorin fragt damit nach der Genese, der Vielfalt und Situiertheit vermeintlich überzeitlicher universeller Raumvorstellungen.
Wilhelm II., der letzte deutsche Kaiser ist das Symbol eines Landes im Umbruch. Er prägte Politik und Gesellschaft - wurde aber noch viel mehr selber von diesen beeinflusst.

Das Wilhelminische Reich verkörperte Rückwärtsgewandtheit und Moderne, Aufbruch und Stillstand gleichermaßen. Es hat daher immer wieder zu kontroversen Debatten herausgefordert.
International renommierte Historiker entwerfen auf dem neuesten Forschungsstand ein differenziertes Bild der Außen und Innenpolitik, der Wirtschaft und Kultur des Kaiserreiches. Sie widmen sich ausführlich dem Blick von außen und analysieren wie das Land von den anderen Großmächten - von Großbritannien bis Japan - wahrgenommen wurde.
Diplomatische Handlungsformen in den deutsch-französischen Beziehungen 1870-1919
Authors: Verena Steller and Steller
Die Macht der Diplomatie liegt in den Methoden der Verhandlungsführung. Mit kulturgeschichtlichem Zugriff fragt diese Studie nach Handlungsmechanismen der Diplomatie und deren Wandel.

Deutsche und französische Botschafter in Paris und Berlin fungierten als Mittler zwischen ihren beiden Souveränen, Regierungen, auswärtigen Diensten und Öffentlichkeiten. Fragen von Konfrontation und Kooperation hatten sie verhandelbar zu machen. Diese innovative Studie zeigt auf, wie symbolische Handlungsformen ihre Leistungsfähigkeit nach dem deutsch-französischen Krieg, in den französisch-russischen Bündnisverhandlungen (189095), in der Suche nach Regeln gegen den Krieg und 1919 in Versailles entfalteten. Selbst in der Vertrauenskrise der Diplomatie galt: Symbolisches Handeln ist nicht Zierrat der Politik - symbolisches Handeln ist Politik.
Politik und Ordnungsvorstellungen Ferdinands II. im Dreißigjährigen Krieg
In der Regierungszeit Kaiser Ferdinands II. (1619–1637) bündelten sich die bestimmenden Auseinandersetzungen der Epoche um die wahre Religion, die politische Vorherrschaft in Europa und um die Verfassung des Heiligen Römischen Reiches zu einem großen Krieg, der 30 Jahre dauern sollte. Welchen politischen Prioritäten und Ordnungsvorstellungen Ferdinand II. als prominenter Akteur folgte, ist seit jeher umstritten. Die vorliegende Studie bietet eine neue Interpretation der Politik Ferdinands im Spannungsfeld von Dynastie, Kaiseramt und Konfession. Zu den nach wie vor kontroversen Themen zählen insbesondere das Persönlichkeitsprofil und der Politikstil des Kaisers, die Reichweite seiner verfassungs- und religionspolitischen Ambitionen im Reich, das Verhältnis zur spanischen Schwesterdynastie und ihrer Hegemonialpolitik sowie die Frage nach dem historischen Ort Ferdinands in der Geschichte des frühneuzeitlichen Kaisertums. Die Studie relativiert die gängigen Vorstellungen von Ferdinand II. als Repräsentanten einer auch im katholischen Lager exzentrischen Religionspolitik und als Kaiser außerhalb der Kontinuität des frühneuzeitlichen Kaisertums.
Eine Anthologie
Was denn - ein König, der dichtet? In vielen seiner Briefe und Gedichte stellt sich Friedrich der Große selbst diese von Verblüffung zeugende Frage.
Auch wir wissen bis heute kaum etwas über sein poetisches Talent. Bei einer Lektüre seiner Gedichte, in denen der König sich mitunter flehentlich an die Nachwelt wendet, weil er von den Nachgeborenen auch über seinen Tod hinaus gerecht und als vielschichtige Persönlichkeit beurteilt zu werden wünscht, erfährt der Leser manches Unbekannte über Friedrichs intimste Sehnsüchte, aber auch über die philosophischen und sittlichen Maßstäbe seiner aufgeklärten Lebensführung.
Der liebevoll gestaltete Band bietet eine Auswahl der schönsten Gedichte Friedrichs des Großen aus allen seinen Lebensphasen, sowohl in der französischen Originalfassung als auch in meisterhaften, zwischen dem 18. und 21. Jahrhundert angefertigten Übertragungen in die deutsche Sprache.
Abteilung III. 1871-1898 - Schriften Band 6: 1884-1885
Band 6 der Schriften Bismarcks zwischen 1871 und 1898 dokumentiert die Jahre 1884 und 1885, in denen es für den Reichskanzler einmal mehr darum ging, die Gefährdungen des Reichs zu bekämpfen.

Während er innenpolitisch manchen Erfolg verbuchen sollte, fiel Bismarcks Bilanz außenpolitisch eher düster aus. Die 563 Dokumente, von denen 60 Prozent erstmals publiziert werden, erlauben tiefe Einblicke in die Politik des Reichskanzlers und lassen sein Handeln in einem differenzierteren, insbesondere in Bezug auf die Kolonialpolitik sogar neuen Licht erscheinen.
Reichskanzler und Kirchenfürst im Schatten Napoleons
Author: Herbert Hömig
Carl Theodor von Dalberg (1744 - 1817) gilt seit dem 19. Jahrhundert als eine Persönlichkeit, die sich bei den Zeitgenossen zuweilen hoher Wertschätzung erfreute, aber auch heftiger Kritik ausgesetzt war, weil er in seinen politischen Vorstellungen einer früheren Zeit verhaftet blieb.
Der Reichspatriotismus des späten 18. Jahrhunderts hatte sich nach 1789 und unter der Herrschaft Napoleons über Europa erledigt, so dass er im Zeitalter der Nationalstaaten nicht wieder belebt werden konnte. Gerade dies war aber das Anliegen gewesen, dem sich der einstige Koadjutor des Kurfürsten von Mainz und letzte Erzkanzler des Reiches verpflichtet fühlte, als er die Reform der deutschen Kirche zu einem Mittel der späten Reichspolitik machte. Dalbergs Bemühungen gipfelten in unzähligen Versuchen, die deutschen Kirchen- und Staatsverhältnisse neu zu ordnen. In den Auseinandersetzungen um die Säkularisation des geistlichen
Besitzes und einer Reichs- und Kirchenreform sah er den archimedischen Punkt, insbesondere die weltlichen und kirchlichen Konflikte mit den deutschen Fürsten zu lösen. Das Ziel einer Verfassungsreform des alten Reiches im Einvernehmen mit dem Heiligen Stuhl und später auch mit dem Weltherrscher Napoleon bestimmte sein Denken und Handeln.
Deutsche Außenpolitik 1902-1914
Author: Konrad Canis
Nach vorherrschender Auffassung wird Deutschland die Hauptverantwortung für den Ersten Weltkrieg zugeschrieben. Auf breiter Quellengrundlage, vor allem mit ungedruckten Akten- und Nachlassbeständen, begründet jedoch der Autor, dass die Zwänge, denen Deutschland ausgesetzt blieb, größer waren als die Möglichkeiten. Bis zur Julikrise 1914 hat die deutsche Führung mit auf den Frieden gerichteten politischen Mitteln, entweder mit einer Politik der Stärke oder mit einer der Entspannung, auf ei-ne weltmachtpolitische Gleichberechtigung und auf die Sicherung der bisherigen Stellung auf dem europäischen Kontinent gesetzt und versucht, dem Druck der Ausgrenzung durch die Rivalen zu entgehen und die Tripleentente Großbritanniens, Russlands und Frankreichs zu konterkarieren. Unter der sicher- -politischen Zwangsvorstellung, dieser in wenigen Jahren militärisch nicht mehr gewachsen zu sein, hat sie gemeinsam mit Wien im Juli 1914 den Krieg ausgelöst.
Mobilität und Kultur einer Gruppe religiöser Emigranten im 18. Jahrhundert
Um des Glaubens willen von Salzburg nach Amerika.

Vom katholischen Fürstbischof von Salzburg 1731 wegen ihres lutherischen Glaubens des Landes verwiesen, von pietistischen Kreisen in Augsburg, Halle und London unterstützt, als Kolonisten nahe Savannah im neu gegründeten subtropischen Georgia aufgenommen, gelang es trotz aller Widrigkeiten manchen der ehemaligen Mägde und Knechte, zu Wohlstand zu kommen und zu 'Amerikanern' zu werden. Auf den Tausenden Seiten, die ihr Prediger Johann Martin Boltzius nach Deutschland sandte, lassen sich Wege der Akkulturation in Wirtschaft, Religion und Schule verfolgen und z.B. ersehen, wie die Salzburger ihre Traditionen mit der neuen Umwelt verbanden, wie sie Engländern und Indianern begegneten und welche Einstellung sie zur Einführung der Sklaverei hatten. Diskutiert wird zudem, warum es auch nach fast 300 Jahren noch heute die 'Salzburger' als Erinnerungsgemeinschaft gibt.