Leben zwischen Palermo und Wolfsburg
AutorInnen: Hedwig Richter und Ralf Richter
Die Geschichte der italienischen Arbeitsmigranten in der Bundesrepublik wurde bisher vielfach als die Geschichte von Opfern erzählt. Dabei spielten die Wünsche und Lebenskonzepte der Italienerinnen und Italiener selbst oft keine Rolle.
Dieses Buch erzählt anhand der italienischen Migranten in Wolfsburg - der einstmals größten italienischen Community nördlich der Alpen - die Geschichte der »Gastarbeiter« neu. So wird deutlich, wie sehr das Leben vieler Italiener auf die Rückkehr konzentriert war, wie vielmals die süditalienische Herkunft das Leben und die Arbeit in Deutschland prägte und wie relativ einflusslos die Politik gegenüber den Migrationsprozessen war. Das Buch stellt dabei ein brisantes Thema ins Zentrum: Die Migration nach Deutschland und die Möglichkeiten von Integration.
Die Weimarer Republik in der Perspektive eines Zeitgenossen
AutorIn: Gernot Böhme
Der Generalstabsoffizier Karl Freiherr von Bothmer war in der Weimarer Republik als Partei- und Verbandsfunktionär aktiv.
Durch die Erfahrungen, die er 1918 in Moskau als Vertreter der Obersten Heeresleitung machte (siehe sein Moskauer Tagebuch, Schöningh 2010) war Bothmer zum politisch engagierten konservativen Bürger geworden. Als Landbundvertreter, als Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei, als Führer der Bismarckjugend in Arnswalde/Pommern veröffentlichte er über 60 politische Aufsätze in Tageszeitungen und Zeitschriften. Eine Auswahl davon bildet die Basis für einen tiefen Einblick in die Mentalitätsgeschichte der Zwischenkriegszeit. Die Texte demonstrieren in faszinierender Weise die Wechselwirkung von Zeitgeschichte und biographischer Erfahrung. Der Leser wird von Jahr zu Jahr durch die Zeit der Weimarer Republik geführt - ein Abenteuer des Geistes.
Die bundesdeutsche Geschichtswissenschaft und die deutsche Frage 1961-1989
Für die Geschichtswissenschaft ist die deutsche Frage schon immer ein Instrument zur Verbreitung von Erklärungsmodellen gewesen, die Deutungshoheit beanspruchten. Vor allem in den Jahren der durch den Mauerbau manifestierten staatlichen Teilung präsentierten sich westdeutsche Historiker als Wegweiser für eine vermeintlich orientierungslose Bevölkerung.
Erstmals überhaupt beleuchtet eine Studie den Umgang der bundesdeutschen Geschichtswissenschaft mit der deutschen Frage und erklärt, welchen Stellenwert die Deutschlandproblematik für die Disziplin besaß.
Literarische und filmische Mythentradierung von Bölls 'Katharina Blum' bis zum 'Baader Meinhof Komplex'
AutorIn: Cordia Baumann
Die Frage nach dem Mythos RAF und seinen Bestandteilen geistert durch die Terrorismus-Debatten der letzten Jahre, ohne dass genauere Definitionen oder Erklärungen greifbar wären.
Welche Mythen zirkulieren über die »Rote Armee Fraktion« und wer hat sie geschaffen? Welche Mythenbestandteile sind heute noch von Bedeutung und welche Bilder der RAF werden dabei vermittelt? Und nicht zuletzt: Welche Bedeutung haben die Wandlungen des Mythos RAF für die bundesrepublikanische Erinnerungskultur? Anhand von Motiven aus Spielfilmen und Romanen zeigt Cordia Baumann nicht nur Ansatzpunkte zur Mythenbildung auf, sondern verfolgt auch die Entwicklung und Veränderung einzelner Mythen um die RAF und ihre Protagonistinnen und Protagonisten.
Die Deutschlandpolitik der Regierung Bush/Baker als Faktor amerikanischen Machterhalts
AutorIn: Pia Molitor
Die Deutschlandpolitik der Regierung Bush/Baker fiel zusammen mit dem Ende des Ost-West-Konflikts 1989/90. Was bedeutete nun das nahende Ende des Kalten Krieges für die USA als »europäische Macht«, und welche Auswirkungen hatte es auf die Deutschlandpolitik der USA im allgemeinen und den deutschen Vereinigungsprozeß im besonderen?
Für die USA ging es um ihre Führungsrolle innerhalb der NATO und ihre weitere Präsenz in Deutschland. Mittels ihrer »Partnerschaft in der Führung« mit der deutschen Bundesregierung Kohl/Genscher ist es der US-Regierung gelungen, trotz des grundlegenden strukturellen Wandels in Europa in politischer, militärischer und wirtschaftlicher Hinsicht als »europäische Macht« verankert zu bleiben.
Diese Analyse der amerikanischen Deutschlandpolitik gibt Aufschluß über die amerikanische Außen, Europa und Deutschlandpolitik in einer entscheidenden Umbruchphase, in der die Grundlagen der gegenwärtigen europäischen Ordnung etabliert wurden.
Die Erinnerung an Nationalsozialismus, Faschismus und Krieg in Europa seit 1945
Dieses Buch ist das erste Kompendium zu den Erinnerungswelten Europas nach 1945 - von Spanien bis Russland, von Norwegen bis Italien. Es zeigt, wie in stillem Gedenken, in politischen Kontroversen oder bei der Suche nach Erinnerungsorten die Erfahrungen von Nationalsozialismus und Faschismus, Holocaust und Kollaboration bis heute maßgeblich das Geschichtsbewusstsein des Alten Kontinents prägen.
Das Übersichtswerk erschließt, wie Europäer die traumatisierenden Ereignisse der 1930er und 1940er Jahre deuteten und debattierten. Neben Gemeinsamkeiten und Unterschieden nationaler Erinnerungskulturen werden auch Spannungen zwischen der offiziellen Gedächtnispolitik und den Erinnerungen einzelner gesellschaftlicher Gruppen dargestellt. Der juristischen Aufarbeitung von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist ein eigenes Kapitel gewidmet.
Eine ideengeschichtliche Archäologie der alten Bundesrepublik 1945-1972
Wie es den Westdeutschen nach 1945 gelang, Wege in eine demokratische, pluralistische Zukunft zu finden, ist eine der großen Fragen an die Geschichte der alten Bundesrepublik. Die Arbeit gibt neue und in manchem überraschende Antworten: Bedeutende Intellektuelle fanden keineswegs nur gegen, sondern häufig mit und durch die eigene Tradition in die neue Ordnung. Gerade darin liegt ein Grund für den Erfolg der Bonner Demokratie.
Das Buch bietet eine umfassende Analyse intellektueller Strömungen in der Bundesrepublik von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die 1970er Jahre. Manche Bereiche, wie die Geschichte der Zeitschrift 'Merkur', werden dabei zum ersten Mal überhaupt systematisch dargestellt. Über 20 Jahre nach der Wiedervereinigung werden so die ideengeschichtlichen Konturen der ersten drei Jahrzehnte des Bonner Staates in ihrem Facettenreichtum sichtbar.
Jüdischer Nationalismus und die Geschichte des Nahostkonflikts
AutorIn: Tamar Amar-Dahl
Der Zionismus Israels: Gründungsmythen, Staatsdoktrin und Friedenshindernis
Seit der Gründung Israels 1948 ist der Nahe Osten in Konflikte verwickelt; das Palästinaproblem erscheint auf absehbare Zeit unlösbar. Wo liegen die Ursachen dieser Dauerkrise?
Israels Gesellschaftsordnung beruht auf dem Zionismus, der sich im 19. Jahrhundert die Schaffung eines Judenstaats zum Ziel setzte. Die in Israel aufgewachsene Autorin legt die Bedeutung des Zionismus als Gründungsmythos und Staatsdoktrin des Landes offen. Sie zeigt, wie europäisches Überlegenheitsdenken in das Selbstverständnis Israels einging und erzählt die Geschichte des Nahostkonflikts neu. In dem jungen Staat wurde der Umgang mit den arabischen Nachbarn der politischen Debatte entzogen und den weitgehend unkontrollierten Sicherheitskräften übertragen.
Wer an der Diskussion um die Lage im Nahen Osten von einem demokratisch-humanistischen Standpunkt aus teilnehmen will, sollte dieses Buch lesen.
"Durchschnittstäter" in regionalen NS-Verfahren
AutorIn: Cord Arendes
Die bisherigen Forschungen zur juristischen Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Deutschland thematisieren mehrheitlich die politischen und gesellschaftlichen Prozesse auf nationaler Ebene und kommen in der Regel ohne regionale oder lokale Bezüge aus.
Täterbilder und -zuschreibungen in Verfahren wegen nationalsozialistischer Gewaltverbrechen entstehen jeweils für ein konkretes Publikum vor dem Hintergrund zeitgenössischer gesellschaftlicher und politischer Problemlagen. Regionale Mikrostudien sind deshalb besonders geeignet, die bisherigen historischen Deutungen des Umgangs der Westdeutschen mit den Hinterlassenschaften des NSSystems argumentativ zu unterfüttern und um empirische Beispiele zu ergänzen. Die Fokusverschiebung auf den gesellschaftlichen Nahbereich und Täter »fernab der großen Prozesse« bietet zu dieser Fragestellung erste Antworten. Die Untersuchung beschäftigt sich mit vier Prozessen vor südwestdeutschen Landgerichten.
HerausgeberInnen: Loch Thorsten und Martin Hofbauer
Die jüngsten Aufstände und politischen Umbrüche, vor allem aber die gewaltsamen Ereignisse in Tunesien, Ägypten und Libyen haben Nordafrika 2011 in den Brennpunkt des Weltinteresses katapultiert. Die Auswirkungen auf die gesamte Region, aber auch auf das benachbarte Europa und die Welt sind noch nicht abzusehen. Die allgegenwärtigen Bilder von Unruhen, Bürgerkrieg und Flüchtlingsströmen beherrschen die Medien, aber sie verengen unseren Blick auf diesen Raum, der seit den alten Ägyptern, seit Griechen und Römern auch für Europa eine bedeutende Rolle gespielt hat und spielt. Der vorliegende Band verschafft das Hintergrundwissen, ohne das die aktuellen Ereignisse nur schwer einzuordnen sind.

Mit dem »Wegweiser zur Geschichte: Nordafrika« führt das Militärgeschichtliche Forschungsamt, Potsdam, seine erfolgreiche Buchreihe fort, die kurzgefasste, allgemeinverständliche und zuverlässige Informationen über die historischen, politischen und kulturellen Zusammenhänge in Krisenzonen bietet, die in den Schlagzeilen der Weltpresse auftauchen. Namhafte Fachwissenschaftler und andere ausgewiesene Sachkenner stellen die Entwicklungen bis zur Gegenwart übersichtlich dar. Alle Bände sind durchgehend mit farbigen Karten und Abbildungen sowie einem Serviceteil ausgestattet, der eine Zeittafel, Literaturtipps und Internetlinks umfasst.