Das lukanische Doppelwerk im Kontext paganer Bildungsdiskurse
AutorIn: Matthias Becker
Der Verfasser des lukanischen Doppelwerks zählt unangefochten zu den gebildetsten neutestamentlichen Autoren. Doch inwiefern lassen sich seine Texte auch in die paganen Gebildetendiskurse seiner Zeit einordnen?
Matthias Becker geht dieser Frage auf breiter Quellenbasis nach, indem er erstmals das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte zu den Schriften des Redners und philosophischen Wanderpredigers Dion von Prusa in Beziehung setzt. Mittels vergleichender Begriffs - und Motivanalysen, verschränkter Lektüren und eines heuristischen Leserkonstrukts arbeitet die Studie diskursive Überschneidungen hinsichtlich rhetorischer, ethischer und theologischer Themen heraus. So wird nicht nur ein neuer Blick auf die Inkulturation des lukanischen Christentums möglich. Die Partizipation an zeitgenössischen Bildungsdiskursen lässt vielmehr auch die Konturen einer Bildungsreligion erkennen, die sich im Doppelwerk ein frühes Denkmal setzt.
Bildkonzepte der Herrlichkeit Gottes nach Kunstwerken von Richard Serra
Für das Erscheinen der Herrlichkeit Gottes hat die jüdisch-christliche Geschichte verschiedene Bildkonzepte entfaltet. Ihre gemeinsame Basis ist der alttestamentliche Herrlichkeitsbegriff, der ursprünglich auch die Grundbedeutung der physischen Schwere beinhaltet. Doch wie können wir uns Gottes Herrlichkeit als körperhafte Schwere konkret vorstellen?
Bildhaftes Experimentieren mit Gewicht und Schwere ist ein zentrales Anliegen des Bildhauers Richard Serra (*1939). Seine Kunstwerke erproben Formen der Realisation von Schwere in räumlichen Strukturen und ihrer Wahrnehmung. Dieses Buch ist konsequent an den Arbeiten Serras orientiert und erschließt so neue Ansätze für das theologische Nachdenken über die Herrlichkeit Gottes als Schwere. Dabei geht es auch um die Frage nach der Entwicklung angemessener Interpretationsverfahren bildlich strukturierter Bedeutungen in theologischen Diskursen.
Das orthodoxe Christentum von heute verstehen. Aus dem Englischen übersetzt von Renate Sbeghen
Das Buch des Ökumenischen Patriarchen bietet eine fundierte Einführung in das reiche theologische Denken, die wechselvolle Geschichte und die mystische Spiritualität des östlich-orthodoxen Christentums.
In seinem für eine nicht-orthodoxe Leserschaft verfassten Werk beschreibt das Oberhaupt der Weltorthodoxie den erfahrungsbezogenen Ansatz der ostkirchlichen Glaubenslehre, das ästhetische Erlebnis des byzantinischen Gottesdienstes und die lebendige Frömmigkeitspraxis der Ostkirche. Darüber hinaus diskutiert er als einer der profiliertesten orthodoxen Theologen der Gegenwart den Beitrag des orthodoxen Christentums zur Lösung der globalen Herausforderungen des Klimawandels, der sozialen Gerechtigkeit und des Fundamentalismus. Wie Metropolit Augoustinos von Deutschland, EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm und der Metropolit Kallistos Ware einleitend herausarbeiten, leistet Patriarch Bartholomaios mit seinem dialogorientierten Ansatz einen besonderen Beitrag zur ökumenischen, interkulturellen und interreligiösen Verständigung.
Untersuchungen zum Gottesdienstmenäum nach ostslavischen Handschriften des 11. bis 13. Jh.
Die Herausgeber Dagmar Christians, Hans Rothe und Vittorio S. Tomelleri bieten in diesem Band als Ergänzung zur Edition der Gottesdienstmenäen für Dezember, Februar und April eine Sammlung von Studien zum ostslavischen Gottesdienstmenäum. Während Hans Rothe elf theologische Kommentare zu den ältesten liturgischen Hymnen in der Rus´ liefert, die auch die Monate September bis Oktober berücksichtigen, befasst sich Dagmar Christians vor allem mit der Überlieferung und den Übersetzerprofilen des ostslavischen Aprilmenäums. Darüberhinaus stellt der Band ein Verzeichnis aller Personen- und Ortsnamen sowie der nach Handschriften edierten griechischen Hymnen für Dezember, Februar und April bereit. Vittorio S. Tomelleri analysiert die im Kanon für Kyrill und Method enthaltenen Gottesmutterhymnen.
Zum amerikanischen Hintergrund der Enzyklika Rerum novarum (1891)
AutorIn: Sabine Schratz
HerausgeberIn: Hubert Wolf
Die erste historische Analyse des amerikanischen Einflusses auf die Auseinandersetzung des Papsttums mit der sozialen Frage im 19. Jahrhundert anhand der neu zugänglichen Inquisitionsquellen.
Mit der berühmten Enzyklika Rerum novarum Leos XIII. legte das Papsttum im Jahr 1891 eine originäre Antwort auf die sozialpolitischen Fragen im Zuge der Industrialisierung vor und prägte damit die katholische Soziallehre bis heute.
Die Autorin analysiert mit den Fällen Knights of Labor, Henry George, Edward McGlynn und Richard Burtsell erstmals die Prozesse, die die kuriale Diskussion um Sozialismus und Arbeitervereinigungen in den 1880er Jahren maßgeblich bestimmten.

'Gott selbst könnte dieses Schiff nicht versenken', heißt es in 'Titanic', dem erfolgreichsten Film aller Zeiten – eine Anspielung auf die Geschichte vom Turmbau zu Babel im Alten Testament. In 'Matrix' soll der Held Neo, ein Anagramm für One (der Auserwählte), die Welt von der Unterdrückung durch die feindliche Welt der Computer befreien: ein Messias mit Maschinengewehr. In 'Die Truman Show' hadert ein wahrer Mensch (true man) mit dem Schöpfer der TV-Sendung und wählt statt des Paradieses die Freiheit. In vielen populären Hollywoodfilmen kommen in offener oder auch in versteckter Form immer wieder religiöse Motive vor. Indem Spielfilme existenzielle Probleme aufwerfen, Schuld und Sühne, die Schrecken des irdischen Lebens und die Sehnsucht nach Erlösung thematisieren, rücken unweigerlich anthropologische und religiöse Fragen in den Mittelpunkt populärer Medienkultur, die jeden angehen. Die Autoren des vorliegenden Bandes – Theologinnen und Theologen – analysieren die seit Ende der Siebziger Jahre zum Kulturgut gewordenen Kassenschlager darum auf ihre religiösen Gehalte hin und erklären, warum diese Filme mit ihren religiösen Symbolen und Inhalten beim Publikum so beliebt sind. In zwanzig Beiträgen sowie einem grundlegenden Einleitungsaufsatz zur Dramaturgie des populären Films decken die Autoren Verbindungen auf, gehen den Spuren des Religiösen im Mainstream-Kino nach und präsentieren originelle und erhellende Zugänge anhand folgender Gliederungspunkte: Genre (Fantasy, Horror, Krieg, Liebe, Science Fiction), religiöse Figuren im Film (Erlöser, Engel, Teufel, Märtyrer, Priester), Regisseure (Spielberg, Woo, den Wachowskis, Weir, Fincher) und Themen (Körper, Selbstentfremdung, virtuelle Realität, künstliche Intelligenz, Tod). Der umfangreiche Serviceteil enthält u.a. Literaturhinweise, eine Filmografie und weiterführende Internetadressen. Im geplanten zweiten Band (ca. Herbst 2008) wird an dieser Gliederung festgehalten, wobei weitere Genres (z.B. Western), Figuren (z.B. Nonnen), Regisseure (z.B. Kubrick) und Themen (z.B. Familie) besprochen werden. Wer die Allgegenwart von Religiosität in der populären Kinokultur bereits erahnte, wird hier Bestätigung finden. Wer bislang daran zweifelte, wird nach der Lektüre des Bandes umkehren müssen.
Organ und Metapher
HerausgeberInnen: Andreas Mügge und Wilhelm Geerlings
Herz – nur wenige Worte in der deutschen Sprache sind derart symbolhaft gefüllt, derart emotional aufgeladen. Das Herz – es scheint das menschlichste aller menschlichen Organe zu sein – gilt als die Mitte allen Denkens, allen Fühlens, allen Sehnens. Real klopft es in der Brust, und in seiner allumgreifenden Metaphorik klopft es in allen Bereichen menschlicher Kultur und Kommunikation. Zwei Herausgeber, ein Kardiologe und ein Theologe, haben diesen Band – entstanden aus einer Ringvorlesung an der Universität Bochum – zusammengestellt. Theologie und Kardiologie – ein weites Spektrum, und doch hält das Elementare, das Existentielle des Themas die Perspektive fokussiert. Die Beiträger: Andreas Mügge: Vom Knoblauch über Rotwein bis hin zum Fischöl: Nahrungsmittelzusätze in der Vorbeugung zur Herzkrankheit Klaus Peter Mellwig: Das Sportherz: sportinduzierte Anpassung oder krankhafte Veränderung durch Sport Wilhelm Geerlings: Das Herz im Aberglauben Adrian Niegot: Dein ist mein ganzes Herz. Was das Herz im Liede sucht Hans-Reinhard Zerkowski: Künstlicher Ersatz des Herzens – Jahrzehnte des Fortschritts oder inhumaner Irrweg Irmgard Müller / Christian Schulze: Das Herz als anatomisches und theologisches Thema im Mittelalter Stephan Brakensiek: Das gedruckte Herz – Kunstgeschichtliche Notizen zum Herzen in der Druckgraphik