Nach Titel durchsuchen

HerausgeberInnen: Kirsten John-Stucke und Daniela Siepe
Seit Kriegsende ranken sich Verschwörungstheorien und verklärende Legenden um die Wewelsburg in der Nähe von Paderborn. Dieses Buch klärt auf über Hintergründe, Inhalte und Verbreitungswege des Wewelsburg-Mythos.
Im »Dritten Reich« sollte das westfälische Schloss eine zentrale Versammlungsstätte für höhere SS-Führer werden. Gerüchte über okkulte Riten der SS an diesem Ort haben Deutschlands einzigartige Dreiecksburg in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Wallfahrtsort der rechten Szene gemacht. Esoteriker sehen in der Anlage einen besonderen »Kraftort«. Die »Schwarze Sonne«, abgeleitet von einem Sonnenrad-Ornament im Nordturm, ist zum weltweit populären Heils- und Erkennungszeichen der Rechtsextremen geworden. Im Mythos um die Wundertechnologie der »Reichsflugscheiben«, im Neuheidentum, in der Black Metal-Szene und sogar in Superhelden-Comics sind die Wewelsburg und die »Schwarze Sonne« Bestandteile einer bedenklichen Sparte der Popkultur geworden.
In dem reichhaltig illustrierten Band werden erstmals umfassend Entstehungsgeschichte, Spielarten und Wirkungen des Mythengeflechtes um die Wewelsburg rekonstruiert, das sich parallel zum Aufbau der heute dort beheimateten Erinnerungs- und Gedenkstätte für die Opfer der SS-Verbrechen entwickelt hat.
Theorie und Praxis der Auftragstaktik im deutschen Heer 1869 bis 1945
AutorIn: Marco Sigg
Die Auftragstaktik wird in der Literatur als wesentlicher Grund für die deutschen taktisch-operativen Erfolge in den Kriegen von 1866 bis 1945 bezeichnet. Die vorliegende Studie untersucht dieses Führungsprinzip für das deutsche Heer von 1935 bis 1945 erstmals aus ganzheitlicher Sicht, indem sie Theorie und Praxis, d.h. normative Handlungsvorgaben und die konkrete Umsetzung im Feld vergleicht. Im ersten Kapitel wird anhand von Dienstvorschriften und Ausbildungsunterlagen Auftragstaktik als normative Größe analysiert und idealtypisch dargestellt. Im zweiten Kapitel wird an ausgewählten Beispielen der preußisch-deutschen Operationsgeschichte aufgezeigt, wie sehr die praktische Umsetzung der Auftragstaktik auf taktisch-operativer Führungsebene häufig Probleme verursachte. Das letzte Kapitel rekonstruiert die Angriffs- und Verteidigungsoperationen dreier Divisionen des Jahres 1942 und verdeutlicht, wie Auftragstaktik auf taktischer Stufe angewendet wurde. Insgesamt relativieren die Ergebnisse das bisher gezeichnete Bild der Auftragstaktik. Nicht nur kommt der straffen Führung eine weit wichtigere Rolle als bisher angenommen zu, auch hing der Grad der Selbstständigkeit und Initiative unterer Führer stark vom Führungsverständnis des vorgesetzten Truppenführers ab. Letztlich war die Auffassung darüber, was mit Auftragstaktik gemeint war und wie sie praktiziert werden sollte, in der preußisch-deutschen militärischen Denkschule bei Weitem nicht so monolithisch, wie die Forschung bis heute gerne suggeriert.
»Stahlverein« und »Baron-Konzern« im Zweiten Weltkrieg
AutorIn: Thomas Urban
Thomas Urban untersucht den Zwangsarbeitereinsatz bei Thyssen erstmals in großer Breite - von den Hüttenwerken und einer Zeche im rheinischen Ruhrgebiet bis zu zwei Werften in Norddeutschland. Der Name Thyssen steht für eine der bekanntesten deutschen Unternehmerfamilien. Doch welche Rolle spielten die Unternehmen beim „Arbeitseinsatz“ im Zweiten Weltkrieg? Neben dem Ausmaß und der Eingliederung von Zwangsarbeit in die Kriegsproduktion widmet sich der Autor vor allem dem Handeln der Akteure – vom Eigentümer Baron Thyssen-Bornemisza über Vorstände und Meister bis hin zum Lagerpersonal. Dabei wird deutlich, dass die Verantwortlichkeiten im „Stahlverein“ und „Baron-Konzern“ höchst individuell waren und dass Täter durch die Entnazifizierung nach 1945 zu bloßen „Mitläufern“ wurden.
Sexuelle Zwangsarbeit in nationalsozialistischen Konzentrationslagern. 2. Auflage
AutorIn: Robert Sommer
Dies ist die erste Gesamtdarstellung eines Themas, das bislang weitgehend im Verborgenen geblieben ist: die Zwangsprostitution im Lagersystem der SS. Die Forschung hat das wie mit einem Tabu belegte Thema der sexuellen Gewalt im KZ bis heute meist ausgeklammert. Robert Sommer hat für seine Arbeit in allen relevanten Archiven recherchiert, er hat sogar Interviews mit Überlebenden führen können. Sein grundlegendes Buch zeichnet das Bild einer bisher unbekannten Realität des Schreckens. Auf Befehl Himmlers wurden ab 1942 in den größten Konzentrationslagern, u. a. in Dachau und Auschwitz, in Mauthausen und Buchenwald, in Mittelbau- Dora und Sachsenhausen, Bordelle für Häftlinge eingerichtet. Der Bordellbesuch war als Anreiz zur Steigerung der Arbeitsleistung der in das System der Kriegswirtschaft eingebetteten Arbeitssklaven in den Lagern gedacht. Die 'Prämie' blieb allerdings ausschließlich 'arischen' Häftlingen vorbehalten. Für die Bordelle rekrutierte die SS weibliche Häftlinge aus Ravensbrück und Auschwitz-Birkenau, meist mit falschen Versprechungen oder unter Zwang. Die umfassende Darstellung beschreibt detailliert die Gründe für die Einrichtung der Lagerbordelle, ihre Funktion im System der Konzentrationslager, die Organisation des Bordellbetriebs, die Reaktionen der Häftlingsgesellschaft auf die 'Sonderbauten' – so die offizielle Bezeichnung der Bordelle -, die Lebensbedingungen und die Überlebensstrategien der Frauen, die Motive der Bordellbesucher sowie den Ablauf ihrer Besuche. Darüber hinaus stellt der Autor die Lagerbordelle in den Kontext der Erscheinungsformen und der Bedeutung von Sexualität im KZ.
Oswald Pohl und das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt 1933-1945