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Das Verfahren vor dem Münchner Landgericht wegen der Deportation der niederländischen Juden (1959 - 1967)
AutorIn: Christian Ritz
Im Zentrum der Untersuchung steht das Gerichtsverfahren gegen Wilhelm Harster vor dem Münchener Landgericht wegen Beihilfe zum Mord in 82.854 Fällen.
Als Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Den Haag war er maßgeblich mitverantwortlich für die Deportation eines Großteils der niederländischen Juden. Mitangeklagt waren Wilhelm Zoepf, der Leiter des Haager »Judenreferates«, sowie
die dort angestellte Gertrud Slottke. Die Darstellung setzt die Biographien der Beschuldigten in den Zusammenhang von Gene-ration und Weltanschauung und fragt nach ihrer Verantwortung für die Deportationen. Dabei wird die zeitgenössische Forschungsperspektive der 1960er Jahre auch mit dem aktuellen geschichtswissenschaftlichen Erkenntnishorizont abgeglichen. Resümierend stellt der Autor dieses erste Verfahren gegen einen sogenannten Schreibtischtäter in den Kontext der »Bewältigungsgeschichte« der jungen Bundesrepublik Deutschland.
AutorIn: Robert Grunert
Die von den Nationalsozialisten im 2. Weltkrieg angestrebte Neuordnung Europas zielte auf einen deutsch dominierten europäischen Großraum ab. In den faschistischen Bewegungen der besetzten Länder kursierten jedoch auch alternative Pläne.
Im Zwiespalt zwischen ideologischer Solidarität mit dem Nationalsozialismus und Ablehnung seiner Annexionsansprüche entstanden politische Gegenentwürfe, die auf die Schaffung einer europäischen Föderation souveräner faschistischer Staaten hinausliefen. Diese Studie beleuchtet erstmals diese Europapläne und ihr Verhältnis zur NS-Außenpolitik anhand eines Vergleichs der faschistischen Bewegungen in den Niederlanden, Belgien und Frankreich.
Deutungen und Interpretationen deutscher Wehrmachtgeneräle in britischer Kriegsgefangenschaft
AutorIn: Tobias Seidl
Welches Bild machten sich deutsche Wehrmachtgeneräle von den am Krieg beteiligten Staaten? Welche Feindbilder prägten ihr Denken? Wie bewerteten sie die Wehrmacht? Welche Einschätzung trafen sie über den Verlauf des Kriegs und welche Zukunftserwartung hatten sie? Welche Bedeutung nahm das Selbstverständnis als deutscher Offizier in ihrem Denken ein? Und auf welche Weise positionierten sie sich gegenüber dem Nationalsozialismus und seinen Exponenten?
Das Buch gibt Antworten auf diese Fragen und zeigt, dass die Deutungen und Interpretation der Offiziere deutlich heterogener waren als bislang angenommen. Die Erkenntnisse der Untersuchung legen eine partielle Neubewertung der Wehr-macht und ihres Personals nahe: Es erscheint notwendig, soldatisches Handeln deutlich von der politischen Einstellung der einzelnen Offiziere zu trennen.
Im Zentrum der politischen Konstruktion von nationalsozialistischer 'Volksgemeinschaft' stand die Frage, wer zugehörig sei und wer nicht. Migration und deren Begleit- und Folgeerscheinungen mussten mithin als eine Herausforderung gelten. Ungeregelte bzw. unkontrollierte Migration verstand der NS-Staat als Gefahr. Er strebte sowohl bei grenzüberschreitenden Bewegungen als auch bei interner Migration nach repressiver Steuerung und Kontrolle.
Dem Sammelwerk geht es um die Wechselwirkung zwischen migratorischer Entwicklung und staatlichen Aktionen zur Konstruktion von 'Volksgemeinschaft' in der durch massive Aufrüstung und Kriegsvorbereitung geprägten Phase bis 1939/40. Darüber hinaus ordnet es das NS-Migrationsregime in die Entwicklung in Deutschland und Europa im 20. Jahrhundert ein.
HerausgeberIn: Matthias Frölich
In den letzten Jahren ist das Schicksal der sogenannten Heimkinder in der frühen Bundesrepublik verstärkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Ehemalige Heimkinder berichteten in den Medien über erlittene Misshandlungen und sexuelle Gewalt, über harte Arbeit, nichtige Einweisungsgründe und mangelnde Vorbereitung auf das Berufsleben.
In Westfalen war das Landesjugendamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) für die Fürsorgeerziehung und Erziehungshilfen verantwortlich. Überwiegend fand die Heimerziehung jedoch nicht in den wenigen verbandseigenen Einrichtungen statt, sondern in den Häusern konfessioneller Träger. Die Quellensammlung macht die verschiedenen Ebenen dieser Heimerziehung transparent und bildet die Etappen ihrer Nachkriegsentwicklung ab. Die Auswahl der Dokumente berücksichtigt die gesetzlichen Grundlagen, die pädagogische Praxis und die Lebenswirklichkeit in den Erziehungsheimen sowie die Modernisierungs- und Professionalisierungstendenzen in der Jugendfürsorge seit den 1960er Jahren.
Wehrwissenschaften in Deutschland und die Bellifizierung der Gesellschaft vom Ersten Weltkrieg bis in den Kalten Krieg
Wehrwissenschaften - Eine Ideengeschichte des Krieges im 20. Jahrhundert.
Mit der Erfahrung des Ersten Weltkrieges wurde das Verhältnis von Krieg, Militär und ziviler Gesellschaft neu verhandelt. Das Deutungsmuster des »totalen Krieges« und die spezifischen Zeitumstände lieferten den Nährboden für Ideen, die unter dem Stichwort Wehrwissenschaften firmierten und sich nur unzureichend mit den Kategorien eines nach Disziplinen geordneten Wissenschaftssystem begreifen ließen. Die Geschichte der Wehrwissenschaften zeigt, wie die Idee des Krieges sich einmal in den Disziplinen manifestierte, aber auch in inter- und transdisziplinäre Räume und Kontaktflächen zu gesellschaftlichen Teilsystemen diffundierte. Diese umfassende Ausrichtung auf den Krieg ist eine Fallstudie zur »Bellifizierung« der Gesellschaft, denn hier zeigt sich die umfassende Selbstmobilisierung ziviler Akteure in Fragen des Krieges im 20. Jahrhundert.
Der Sport und seine Helden sind und waren eine Konstruktion der Tagespresse. Diese provokante These wird für die Weimarer Republik untersucht und anhand von sechs sportbiographischen Fallbeispielen - aus der Tageszeitungsberichterstattung herausgelesen - facettenreich überprüft.
Mit Hilfe des Zugangs von Mentalitäts- und Kulturgeschichte wird deutlich, dass die Tageszeitung seismographisch die »öffentliche« Sportentwicklung in einen zeitkritischen Kontext einbettet. Sport wird zu einer Art von Katalysator für gesellschaftliche Prozesse, der nur funktionieren konnte, da die Tages-presse als Medium den Transport der (individuellen) Leistung in die kollektive Wahrnehmung ermöglicht hat.
Städtische Selbstbilder in Freiburg, Dresden und Dortmund 1900-1960
AutorIn: Jochen Guckes
Städtische Selbstbilder tauchen bei vielen Gelegenheiten auf. Sie geben Vorstellungen wieder, die die Bürger von ihrer Stadt haben, und sie positionieren die Kommunen zugleich gegen-über anderen Städten. Im Mittelpunkt dieses Buches steht die Frage, wie städtische Selbstbilder in der ersten Hälf-te des 20. Jahrhunderts entstanden, wer sie prägte und welche Wert- und Ordnungsvorstellungen sie transportierten.
Die untersuchten Städte weisen in der Wahrnehmung ihrer Bürger trotz mancher Gemeinsamkeiten signifikante Unter-schiede auf: Entscheidend für die zeitliche und räumliche Selbstverortung waren die lokal spezifischen Deutungskulturen, deren Einfluss und Ausrichtung auf die historische Funktion sowie die Wirtschafts- und Sozialstruktur der Städte zurückzuführen ist. Zahlreiche Beispiele lassen dabei eine erstaunliche Konstanz der Selbstbilder über alle politischen Brüche hinweg deutlich werden, zugleich aber auch eine flexible Anpassung der Inhalte an eine sich wandelnde Umwelt.
Zwischenbilanz einer kontroversen Debatte
Der Band bietet eine Bestandsaufnahme der vorliegenden Forschungsergebnisse zur kontrovers diskutierten Frage nach den Binde- und Integrationskräften des S-Regimes und nach der Bereitschaft der deutschen Bevölkerung zum loyalen ›Mitmachen‹ im ›Dritten Reich‹. Zentraler Bezugspunkt hierfür ist die Frage nach Bedeutung und Wirkung der von den Nationalsozialisten so vehement propagierten ›Volksgemeinschaft‹. Dabei wird auch die Frage thematisiert, welche Bedeutung die Erinnerungen an die ›Volksgemeinschaft‹ nach 1945 gewonnen haben. Theoretische Zugänge werden im Einführungsteil aus historischer, politikwissenschaftlicher und sozialpsychologischer Sicht vorgestellt.