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Investition und symbolisches Kapital (1900-1970)
Die Thyssens zählen zu den bedeutendsten Kunstsammlern des 20. Jahrhunderts. Über drei Generationen trugen sie umfangreiche, teils weltweit ausstrahlende Kunstkollektionen zusammen. Das Buch rekonstruiert die Entwicklung des internationalen Kunstmarktes im 20. Jahrhundert und analysiert vor diesem Hintergrund die Sammeltätigkeit der Thyssens. Es fragt danach, wie sich die Thyssens in die Kunstwelt integrierten, wie sie ihre Kunstkäufe organisierten und was sie zum Sammeln motivierte. Die Studie zeigt, dass Kunstwerke weit mehr als nur ästhetische Bedürfnisse befriedigten. Sie waren auch ein Mittel zur Geldanlage, Repräsentation und sozialen Distinktion. Die Thyssens nutzten ihre Kunstsammlungen zudem, um Steuerforderungen zu mindern, eine gewünschte Staatsbürgerschaft zu erlangen und exklusive Kontakte zu knüpfen. Nicht zuletzt dienten ihre Kollektionen der familialen Dynastiebildung.
Nationalrevolutionär, Widerständler, Heidenpriester
Friedrich Hielscher (1902–1990) ist eine der widersprüchlichsten Gestalten der deutschen Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts: Freikorpskämpfer und Agitator, Schriftsteller und Mystiker, Gegner der Nationalsozialisten, Gründer einer heidnischen Kirche, Freund und Gesprächspartner von Theodor Heuß, Ernst Jünger, Alfred Kantorowicz und Martin Buber. Hielscher zählte in der Weimarer Republik zu den führenden nationalrevolutionären Publizisten und entwickelte ein mystisches, nicht völkisch-rassistisches Verständnis von Deutschtum. Als Kritiker des Nationalsozialismus versuchte er eine Widerstandsgruppe aufzubauen. In den 1960er Jahren zunächst als magischer Guru des Dritten Reichs verklärt, verschwand Hielscher aus dem öffentlichen Bewusstsein und widmete sich seiner weitgehend geheimen »Unabhängigen Freikirche«, deren Glaubensinhalte auf die germanische Mythologie Bezug nahmen. Mit seiner Kapitalismus-Kritik und Fortschrittsskepsis steht Hielscher auch im Zusammenhang mit Ursprüngen der Alternativbewegung. Der Band enthält einen Bildteil mit teils noch nie publizierten Fotografien Hielschers.
Rechtspraxis und Selbstverständnis von Bremer Juristen im "Dritten Reich"
Bis April 1945 versah Dr. Emil Warneken pflichtbewusst seinen Dienst beim Bremer Sondergericht. Als alteingesessener Richter war er das Gegenteil eines im »Dritten Reich« sozialisierten Juristen. Trotzdem fällte er 49 Todes- und viele weitere Unrechtsurteile – im Namen der NS-»Volksgemeinschaft« und ohne zu hinterfragen.
Juristen prägten höchst wahrnehmbar das Bild von »Volksgemeinschaft« in der Bremer Öffentlichkeit. Sie zogen mittels der Rechtsprechung die Grenzen zwischen »Volksgenossen« und »Gemeinschaftsfremden«. Die Autorin untersucht anhand von beispielhaften Gerichtsverfahren und Lebensläufen maßgeblicher Akteure den Beitrag von Bremer Juristen zur Durchsetzung von NS-Herrschaft vor Ort. Sie beleuchtet darüber hinaus das Fortwirken der Volksgemeinschaftsidee nach 1945.
Italiens Geschichtspolitik und die Frage der Mitschuld am Zweiten Weltkrieg
Der böse Deutsche: barbarisch, blutrünstig, durchdrungen von rassistischer Ideologie und stets bereit, Befehle so brutal wie möglich auszuführen. Im Gegensatz dazu der gute Italiener: empathisch, kriegsunwillig und nachsichtig selbst in seiner Rolle als Besatzer. Diese beiden Stereotype sind es, die die kollektive Erinnerung in Italien prägen. Sie haben eine Grauzone entstehen lassen, in der kein Raum für die aggressiven und kriminellen Aspekte jenes Kriegs war, den das faschistische Königreich Italien an der Seite des »Dritten Reiches « führte. Die unterschiedliche Sicht Italiens und Deutschlands wurzelte bereits in der Propaganda der Alliierten, der zufolge die Verantwortung für den Krieg nicht dem italienischen Volk anzulasten war, sondern Mussolini und seiner Clique, die das Schicksal des Landes in die Hände des blutrünstigen deutschen Kameraden gelegt hätten. Die Italiener treffe keine Schuld, und der wahre Feind der Nation sei der Deutsche. Der stolze Blick auf die Resistenza, im Einzelnen durchaus berechtigt, führte am Ende dazu, dass die Verantwortung Italiens im Unklaren blieb. Filippo Focardi begibt sich auf die Spur einer verdrängten Debatte um Schuld und Mitschuld im Europa des 20. Jahrhunderts und fragt nach ihren Folgen bis heute.
Gewalt gegen abgeschossene alliierte Flugzeugbesatzungen 1943–1945
Das Buch widmet sich einem bislang übersehenen und verdrängten Phänomen im Bombenkrieg gegen das Deutsche Reich: Übergriffen und Morden an abgeschossenen alliierten Flugzeugbesatzungen. Der Bombenkrieg als Trauma einer ganzen Generation ließ bislang eine Beleuchtung dieser Gewaltverbrechen kaum zu. So erhielt sich die von der NS-Propaganda aufgebaute Vorstellung einer aufgebrachten Bevölkerung, die Rache an ihren Peinigern nahm. Der Autor durchbricht dieses Bild, beleuchtet die Wirkungskomplexe des Bombenkrieges und zeichnet anhand von Fällen aus Österreich und Ungarn nach, welche Funktion dieser Form der Gewalt im Rahmen einer NS-Herrschaft »unter Bomben« zukam. Anhand von umfangreichem Quellenmaterial zu über 1.000 Flugzeugabstürzen sowie 26 detaillierten Fallstudien wird dieses Phänomen erstmals umfassend erschlossen.
Wladyslaw Bartoszewski, ehemaliger polnischer Außenminister, Untergrundkämpfer der Polnischen Heimatarmee und Häftling in Auschwitz, berichtet so offen und detailliert wie nie zuvor über seine Zeit in der Hölle des Konzentrationslagers.
Am 22. September 1940 kam mit über 5.000 anderen Häftlingen auch der achtzehnjährige Wladyslaw Bartoszewski nach Auschwitz und musste vom Lagerkommandanten hören, dass »der Kamin der einzige Weg ins Freie« sei. Der mit der Nummer 4427 gekennzeichnete Sohn eines Bankbeamten geriet an einen Ort, an dem man, wie er selbst sagt, aufhörte, »zu erörtern, ob es schrecklich und inhuman ist, geschlagen zu werden. In unserem Verständnis waren konkrete Dinge wichtiger: Auf die Fresse oder in die Nieren?«
Im Gespräch mit Piotr M. A. Cywinski, Direktor des Museums Auschwitz-Birkenau, und dem Journalisten Marek Zajac erinnert sich der Jahrhundertzeuge Bartoszewski an die Anfangszeit des Lagers, an den unerträglichen Alltag, an Leidensgenossen und Täter.
Darüber hinaus enthält das Buch Erstübersetzungen von teils noch im Untergrund publizierten polnischen Broschüren über Auschwitz aus den 1940er Jahren und eindringliche literarische Schilderungen, die Wladyslaw Bartoszewski persönlich ausgewählt hat. Sie stützen sich auf den Bericht, den Bartoszewski selbst unmittelbar nach seiner Entlassung aus Auschwitz gab.
Die Kapitulation des liberalen Staates vor dem Faschismus
Dauerregen, kaum Proviant, zu wenig Zelte und zu wenig Waffen. Die nördlich der Hauptstadt zum »Marsch auf Rom« zusammengezogenen faschistischen Einheiten sind müde, durchnässt und ausgehungert, als am Nachmittag des 29. Oktober 1922 die Nachricht durchsickert, dass Benito Mussolini zum Regierungschef ernannt wurde. Der Einzug Mussolinis in Rom fällt jedoch nicht mit der Eroberung der Stadt durch die »Schwarzhemden« zusammen. Im Gegenteil: Mehr als jede andere Stadt Italiens fährt Rom in jenen Tagen fort, die Faschisten zurückzudrängen, was zu schweren Zusammenstößen führt. Giulia Albaneses Darstellung des Staatsstreiches analysiert erstmals die Rolle der Gewalt dabei. Die Autorin erklärt auch, weshalb die politische Führungsschicht nicht sofort die Tragweite der Ereignisse verstand und wie es zur Kapitulation des liberalen Staates kommen konnte. Ein Buch, das neue Perspektiven auf jenes Ereignis vor über 90 Jahren eröffnet, das für Hitler zum Vorbild seines Münchener Putschversuches von 1923 werden sollte.
HerausgeberInnen: Kirsten John-Stucke und Daniela Siepe
Seit Kriegsende ranken sich Verschwörungstheorien und verklärende Legenden um die Wewelsburg in der Nähe von Paderborn. Dieses Buch klärt auf über Hintergründe, Inhalte und Verbreitungswege des Wewelsburg-Mythos.
Im »Dritten Reich« sollte das westfälische Schloss eine zentrale Versammlungsstätte für höhere SS-Führer werden. Gerüchte über okkulte Riten der SS an diesem Ort haben Deutschlands einzigartige Dreiecksburg in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Wallfahrtsort der rechten Szene gemacht. Esoteriker sehen in der Anlage einen besonderen »Kraftort«. Die »Schwarze Sonne«, abgeleitet von einem Sonnenrad-Ornament im Nordturm, ist zum weltweit populären Heils- und Erkennungszeichen der Rechtsextremen geworden. Im Mythos um die Wundertechnologie der »Reichsflugscheiben«, im Neuheidentum, in der Black Metal-Szene und sogar in Superhelden-Comics sind die Wewelsburg und die »Schwarze Sonne« Bestandteile einer bedenklichen Sparte der Popkultur geworden.
In dem reichhaltig illustrierten Band werden erstmals umfassend Entstehungsgeschichte, Spielarten und Wirkungen des Mythengeflechtes um die Wewelsburg rekonstruiert, das sich parallel zum Aufbau der heute dort beheimateten Erinnerungs- und Gedenkstätte für die Opfer der SS-Verbrechen entwickelt hat.
Personelle, kognitive und konzeptionelle Kontinuitäten und Entwicklungen
Kaum eine Erfindung veränderte die Kriegführung mehr als das Flugzeug. Vom ersten Motorflug bis zu den ersten Flächenbombardements vergingen nur wenige Jahre. In dieser Zeit richtete sich die englische Luftwaffe konzeptionell anhand ihrer Erfahrungen im Irak aus. Inwieweit prägten die Erfahrungen während der Aufstandsbekämpfung an der Peripherie des Empire den strategischen Bombenkrieg gegen Deutschland? Es werden die Kampagnen im Irak der 1920er Jahre und der Luftkrieg gegen das »Dritte Reich« betrachtet, die sich in Umfang, Intensität und technischen Rahmenbedingungen zwar erheblich unterschieden. Allerdings bildeten die in beiden Kampagnen eingesetzten Soldaten der RAF das Bindeglied. Mit Hilfe kognitionspsychologischer Methoden und der Analyse von Akteursnetzwerken wird gezeigt, wie die Operationen im Irak die RAF-Offiziere prägten und die Bomberoffensive gegen das Deutsche Reich beeinflussten.
Mit der Einrichtung staatlicher Geheimdienste um 1900 wird die Beschaffung, Auswertung und Anwendung sensiblen Wissens auf eine neue organisatorische Grundlage gestellt. »Spionage« als eine spezifische Form der Wissensakquise avanciert dabei zu einer ebenso subtilen wie gefürchteten Technik. Mit dieser Professionalisierung geheimdienstlicher Tätigkeit kontrastiert gleichzeitig eine andere Entwicklung: der Aufstieg der Massenmedien zur »Vierten Gewalt«. Im Akt der Enthüllung und im Wettkampf um »Scoops« werden die Medien zu unberechenbaren Gegenspielern der Geheimdienste. Der Band beleuchtet dieses Wechselverhältnis jenseits einer Institutionengeschichte von Geheimdiensten. Es geht um Informationsbeschaffung an den Grenzen der Imperien, um Geheimnisverrat und Spionageabwehr, aber auch um den Spionage-Mythos in der Populärkultur. Im Zeichen von »Weltpolitik « und Weltkrieg wird geheimdienstliches Wissen zur umkämpften Ressource.