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Amerikanische Kommandeure im Zweiten Weltkrieg
Die Studie untersucht Mentalität und Führungskultur des amerikanischen Offizierskorps. Jonathan Zimmerli zeigt, wie der Transfer ziviler Managementmethoden in die US-Army maßgeblich die Mentalität des Offizierskorps im Zweiten Weltkrieg prägte.
Anhand der Kämpfe um Monte Cassino 1943/44 und im Hürtgenwald 1944/45 kann der Autor unter anderem die enge Überwachung untergebener Kommandeure nachweisen. Die daraus resultierende Drucksituation und die latente Angst vor einer Kommandoenthebung beeinflussten massiv das taktische Vorgehen auf der Divisions- und Regimentsebene – selbst noch in Korea und Vietnam.
Europa, so behauptete Bismarck gegenüber seiner Tochter, würde von ihm »stets in 10 bis 15 Minuten beim ersten Frühstück abgemacht, gekämmt und gebürstet«. Aber wie sah seine Politik in Europa nach der Reichsgründung aus?
Bismarck hatte Europa nachhaltig verändert. Aus dem Unruhestifter Europas wurde ein Mann auf der Suche nach europäischer Stabilität. Wie gelang es ihm, sie zu erreichen? Diese Frage scheint aktueller denn je in einer Zeit, in der wir selbst nach neuer Stabilität in Europa suchen. Unter Rückgriff auf Bismarcks berühmtes Diktum »Who is Europe?« fragt der Band danach, wie Europa in seiner Ära politisch, ökonomisch bzw. kulturell definiert wurde. Er untersucht militärische und ökonomische Strategien des deutschen Aufstiegs in Europa, beleuchtet Bismarcks Suche nach Stabilität mit Hilfe sicherheitspolitischer Bündnissysteme bzw. trans- oder supranationaler ökonomischer Institutionen. Indem er seine Einstellungen gegenüber den übrigen Teilen der Welt beleuchtet, weitet der Band die eurozentrierte Perspektive ins Globale und gewinnt so neue Einsichten in Bismarcks Europaverständnis.
Ihr Einsatz im mobilen Sanitätsdienst der Wehrmacht 1939-1945
Die Tätigkeit der Rotkreuzschwestern in den Sanitätseinheiten der Wehrmacht, bei den Flugbereitschaften, in Lazarettzügen und auf den Sanitätsschiffen wird in diesem Band erstmals umfassend untersucht.
Der Band analysiert ihre Erfahrungen, ihre Gefährdung, ihre Gefangenschaft auf allen Schlachtfeldern anhand der Vorgangsakten und ihrer schriftlichen Äußerungen. Es waren Männer, die Ärzte der Wehrmacht, die diese Frauen einsetzten. Hinsichtlich der Geschlechterrollen bedeutete die Arbeit der Schwestern mit Ärzten und Sanitätern eine Herausforderung für alle Beteiligten. Viele Schwestern emanzipierten sich angesichts großen Personalmangels und der Übernahme verantwortungsvoller Arbeitsaufgaben. Die Ideale des Internationalen Roten Kreuzes in Genf und die Ideale der Frauen unter dem Deutschen Roten Kreuz und unter dem Hakenkreuz fielen bei weitem nicht immer zusammen. Der humanitäre Einsatz der Schwestern im Vernichtungskrieg galt nur den deutschen Soldaten und muss auch als effiziente Hilfestellung zur Verlängerung der Kampfhandlungen bis 1945 betrachtet werden.
Überlebende des Genozids an den Armeniern erinnern sich. 2. Auflage
AutorInnen: Mihran Dabag und Kristin Platt
HerausgeberInnen: Kristin Platt und Mihran Dabag
100 Jahre nach dem Genozid an den Armeniern (1915/16) kommen in diesem Buch Überlebende zu Wort. Sie berichten von den Deportationen, von Todesmärschen, Hunger, unvorstellbarer Gewalt und bitteren Verlusten. In ihren biografischen Rückblicken suchen sie eine Einordnung für eine Erfahrung, die keine Worte kennt.
Die Lebensberichte wurden im Rahmen eines Oral History-Projekts aufgezeichnet und werden jetzt, nach dem Tod der Gesprächspartner, zum ersten Mal publiziert. Sie bezeugen den Verlust von Kindheit und Familie, von Hoffnungen und Zukunft. Doch gewähren sie auch einen Einblick in die Schwierigkeiten, einen Alltag zurückzugewinnen und ein Leben als Flüchtling zu bewältigen. Bestimmt werden die Erzählungen dieser letzten Zeitzeugen vom »Gehen und Gehen« während der Deportation, das über von Leichen gesäumte Wege führte, das Hunger war und brutalste Gewalt.
Heinrich Zeiss – Arzt und Kundschafter in der Sowjetunion 1921–1931
Eine kleine Sensation anlässlich des 100. Jahrestages der Oktoberrevolution von 1917: die Erstveröffentlichung der farbigen Berichte des Mediziners Heinrich Zeiss aus der jungen Sowjetunion. Wolfgang U. Eckart stellt das abenteuerliche Leben dieses Mannes vor und präsentiert eine kommentierte Auswahl seiner vertraulichen Aufzeichnungen.
Zwischen 1921 und 1931 bereiste der deutsche Arzt und Hygieniker Heinrich Zeiss als Expeditionsarzt, Kulturbeobachter und Kundschafter den europäischen und asiatischen Teil der RSFSR und der späteren UdSSR. Seine Aufzeichnungen und Fotografien geben Einblick in die sozialen Zustände, aber auch in die kulturelle und politisch-militärische Lage nach dem Bürgerkrieg. Zeiss interessierte sich bei seinen Reisen unter anderem für die Situation in der Wolgadeutschen Republik und in Kasachstan, forschte über Kamelkrankheiten, engagierte sich für ein Museum lebender Mikroben in Moskau, stand in engem Kontakt mit bolschewistischen Kommissaren und attraktiven Agentinnen. Sein Augenmerk galt aber vor allem den kulturellen Auswirkungen der Sowjetisierung und den Problemen, die sich aus dem Umstand ergaben, dass die Sowjetunion ein Vielvölkerstaat war. Zeiss hat sich dabei immer als Freund Sowjetrusslands verstanden, obgleich er dem Kommunismus sehr distanziert gegenüberstand. Als seine Bewegungsfreiheit im Stalinismus zunehmend schwand, verließ er enttäuscht das Land.
Italiens Geschichtspolitik und die Frage der Mitschuld am Zweiten Weltkrieg
AutorIn: Filippo Focardi
Der böse Deutsche: barbarisch, blutrünstig, durchdrungen von rassistischer Ideologie und stets bereit, Befehle so brutal wie möglich auszuführen. Im Gegensatz dazu der gute Italiener: empathisch, kriegsunwillig und nachsichtig selbst in seiner Rolle als Besatzer. Diese beiden Stereotype sind es, die die kollektive Erinnerung in Italien prägen. Sie haben eine Grauzone entstehen lassen, in der kein Raum für die aggressiven und kriminellen Aspekte jenes Kriegs war, den das faschistische Königreich Italien an der Seite des »Dritten Reiches « führte. Die unterschiedliche Sicht Italiens und Deutschlands wurzelte bereits in der Propaganda der Alliierten, der zufolge die Verantwortung für den Krieg nicht dem italienischen Volk anzulasten war, sondern Mussolini und seiner Clique, die das Schicksal des Landes in die Hände des blutrünstigen deutschen Kameraden gelegt hätten. Die Italiener treffe keine Schuld, und der wahre Feind der Nation sei der Deutsche. Der stolze Blick auf die Resistenza, im Einzelnen durchaus berechtigt, führte am Ende dazu, dass die Verantwortung Italiens im Unklaren blieb. Filippo Focardi begibt sich auf die Spur einer verdrängten Debatte um Schuld und Mitschuld im Europa des 20. Jahrhunderts und fragt nach ihren Folgen bis heute.
Die Kapitulation des liberalen Staates vor dem Faschismus
AutorIn: Giulia Albanese
Dauerregen, kaum Proviant, zu wenig Zelte und zu wenig Waffen. Die nördlich der Hauptstadt zum »Marsch auf Rom« zusammengezogenen faschistischen Einheiten sind müde, durchnässt und ausgehungert, als am Nachmittag des 29. Oktober 1922 die Nachricht durchsickert, dass Benito Mussolini zum Regierungschef ernannt wurde. Der Einzug Mussolinis in Rom fällt jedoch nicht mit der Eroberung der Stadt durch die »Schwarzhemden« zusammen. Im Gegenteil: Mehr als jede andere Stadt Italiens fährt Rom in jenen Tagen fort, die Faschisten zurückzudrängen, was zu schweren Zusammenstößen führt. Giulia Albaneses Darstellung des Staatsstreiches analysiert erstmals die Rolle der Gewalt dabei. Die Autorin erklärt auch, weshalb die politische Führungsschicht nicht sofort die Tragweite der Ereignisse verstand und wie es zur Kapitulation des liberalen Staates kommen konnte. Ein Buch, das neue Perspektiven auf jenes Ereignis vor über 90 Jahren eröffnet, das für Hitler zum Vorbild seines Münchener Putschversuches von 1923 werden sollte.
Investition und symbolisches Kapital (1900-1970)
Die Thyssens zählen zu den bedeutendsten Kunstsammlern des 20. Jahrhunderts. Über drei Generationen trugen sie umfangreiche, teils weltweit ausstrahlende Kunstkollektionen zusammen. Das Buch rekonstruiert die Entwicklung des internationalen Kunstmarktes im 20. Jahrhundert und analysiert vor diesem Hintergrund die Sammeltätigkeit der Thyssens. Es fragt danach, wie sich die Thyssens in die Kunstwelt integrierten, wie sie ihre Kunstkäufe organisierten und was sie zum Sammeln motivierte. Die Studie zeigt, dass Kunstwerke weit mehr als nur ästhetische Bedürfnisse befriedigten. Sie waren auch ein Mittel zur Geldanlage, Repräsentation und sozialen Distinktion. Die Thyssens nutzten ihre Kunstsammlungen zudem, um Steuerforderungen zu mindern, eine gewünschte Staatsbürgerschaft zu erlangen und exklusive Kontakte zu knüpfen. Nicht zuletzt dienten ihre Kollektionen der familialen Dynastiebildung.
Nationalrevolutionär, Widerständler, Heidenpriester
AutorIn: Kurt M. Lehner
Friedrich Hielscher (1902–1990) ist eine der widersprüchlichsten Gestalten der deutschen Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts: Freikorpskämpfer und Agitator, Schriftsteller und Mystiker, Gegner der Nationalsozialisten, Gründer einer heidnischen Kirche, Freund und Gesprächspartner von Theodor Heuß, Ernst Jünger, Alfred Kantorowicz und Martin Buber. Hielscher zählte in der Weimarer Republik zu den führenden nationalrevolutionären Publizisten und entwickelte ein mystisches, nicht völkisch-rassistisches Verständnis von Deutschtum. Als Kritiker des Nationalsozialismus versuchte er eine Widerstandsgruppe aufzubauen. In den 1960er Jahren zunächst als magischer Guru des Dritten Reichs verklärt, verschwand Hielscher aus dem öffentlichen Bewusstsein und widmete sich seiner weitgehend geheimen »Unabhängigen Freikirche«, deren Glaubensinhalte auf die germanische Mythologie Bezug nahmen. Mit seiner Kapitalismus-Kritik und Fortschrittsskepsis steht Hielscher auch im Zusammenhang mit Ursprüngen der Alternativbewegung. Der Band enthält einen Bildteil mit teils noch nie publizierten Fotografien Hielschers.
Wladyslaw Bartoszewski, ehemaliger polnischer Außenminister, Untergrundkämpfer der Polnischen Heimatarmee und Häftling in Auschwitz, berichtet so offen und detailliert wie nie zuvor über seine Zeit in der Hölle des Konzentrationslagers.
Am 22. September 1940 kam mit über 5.000 anderen Häftlingen auch der achtzehnjährige Wladyslaw Bartoszewski nach Auschwitz und musste vom Lagerkommandanten hören, dass »der Kamin der einzige Weg ins Freie« sei. Der mit der Nummer 4427 gekennzeichnete Sohn eines Bankbeamten geriet an einen Ort, an dem man, wie er selbst sagt, aufhörte, »zu erörtern, ob es schrecklich und inhuman ist, geschlagen zu werden. In unserem Verständnis waren konkrete Dinge wichtiger: Auf die Fresse oder in die Nieren?«
Im Gespräch mit Piotr M. A. Cywinski, Direktor des Museums Auschwitz-Birkenau, und dem Journalisten Marek Zajac erinnert sich der Jahrhundertzeuge Bartoszewski an die Anfangszeit des Lagers, an den unerträglichen Alltag, an Leidensgenossen und Täter.
Darüber hinaus enthält das Buch Erstübersetzungen von teils noch im Untergrund publizierten polnischen Broschüren über Auschwitz aus den 1940er Jahren und eindringliche literarische Schilderungen, die Wladyslaw Bartoszewski persönlich ausgewählt hat. Sie stützen sich auf den Bericht, den Bartoszewski selbst unmittelbar nach seiner Entlassung aus Auschwitz gab.