Die Publikationen dieser Reihe sollen sich einmischen in kirchliche, kulturelle und gesamtgesellschaftliche Debatten zu den Problemen, Krisen, Fragen und Chancen der Gegenwart. Sie vertrauen auf die unbestechliche und streitbare Fähigkeit biblischer Texte, kreuz und quer zu denken, sich nicht abzufinden mit anmaßenden Macht- und Unrechtsverhältnissen, sondern vielmehr im Vertrauen auf den Geber und die Gabe des Lebens über jeden Tod hinaus miteinander dankbar und denkbar gemeinschaftliches Leben und gemeinsame Zukunft zu gestalten.
Zweisprachige Ausgabe. Eingeleitet, übersetzt und herausgegeben von Hermann-Josef Sieben
Editor / Translator: Hermann Josef Sieben
Dieses Werk Augustins erscheint hier erstmals in deutscher Übersetzung. Sein Hauptziel ist der Nachweis, dass der Gott des Alten Testamentes derselbe ist wie der Gott des Neuen Testamentes. Diese kleinere Arbeit Augustins ist in letzter Zeit zu Unrecht in den Hintergrund getreten. Sie wird hier neu präsentiert und erschlossen. Auf klare und prägnante Weise behandelt sie zentrale Themen christlicher Theologie: die Erschaffung der Welt und des Menschen, den Sündenfall und die Frage nach dem Ursprung des Bösen (Theodizee). Neben diesen klassischen Themen bietet sie aber auch besondere Erörterungen etwa über den Zusammenhang zwischen dem jüdischen und dem christlichen Opferkult. Insgesamt eröffnet dieses im Jahr 420 verfasste Werk einen Einblick in die ausgereifte Theologie des späteren Augustinus.
Die Programmschrift Sola Scriptura ökumenisch ist weltweit der erste Versuch, Ökumene konsequent aus dem gemeinsamen Bezug auf die Bibel als wegweisender Richtschnur für individuellen Glauben und institutionelle Gestaltung von Kirchen im Kontext offener gesellschaftlicher Konflikte der Gegenwart zu denken. Erstmals werden 10 Thesen zum Verständnis und zur Funktion einer Schriftauffassung im Zeichen von Sola Scriptura publiziert, die gemeinsam von einem evangelischen, einem römisch-katholischen und einem orthodoxen Bibelwissenschaftler formuliert wurden. Sie sind sich darin einig, dass allein die Schrift richtig verstanden eine frohe Botschaft für alle bezeugt und nur die gemeinsame, erwartungsvolle wie kritische Hinwendung zur Schrift tragfähige Ökumene ermöglicht. Diese ist die Basis dafür, biblische Einsichten in die Ermöglichungsbedingungen gemeinschaftlichen Lebens in die globalen und lokalen kirchlichen und gesellschaftlichen Konflikte der Gegenwart einzubringen.
Akteure der deutschen Kolonialtechnik in Afrika und Europa 1890–1943
Author: Sebastian Beese
Der Glaube an die Segnungen, aber auch die Zwangsläufigkeit des technischen Fortschritts entwickelte sich in der Phase des Hochimperialismus zu einer wirkmächtigen Ideologie, von der auch deutsche Ingenieure profitierten.
Das Buch legt den Schwerpunkt der Analyse auf die ehemaligen Kolonien Deutsch Ost- und Deutsch-Südwestafrika. Der Fokus liegt dabei auf der Gruppe der technischen Experten, die mit dem Bau von Eisenbahnen, Straßen und Häfen einen entscheidenden Anteil an der Machtsicherung, Erschließung und Ausbeutung der Kolonien hatten. Neben der Exotik, monetären Anreizen sowie dem Prestige, das eine Tätigkeit in Afrika versprach, zog es Ingenieure vor allem aufgrund einer speziellen „Ideologie der Erschließung“ in die sogenannten Schutzgebiete. Die spezielle Gruppenidentität als Kolonialingenieure, die sich in der Folge herausbildete, lässt sich in Artikeln und Vorträgen bis in die 1940er Jahre nachweisen und wirkte sich selbst noch auf die Ansätze der frühen Entwicklungshilfe aus.
Spanienbilder deutschsprachiger Teilnehmer am spanischen Unabhängigkeitskrieg 1808-1814
Krieg und Kulturkontakt - lässt sich das zusammen denken? Damals wie heute treffen Menschen in Kriegen auf-
einander, oft in für sie fremden Regionen. Wer zurückkehrt, bringt nicht nur Bilder des Krieges, sondern vielfältige Eindrücke über dort Erlebtes mit.
Von dieser Annahme ausgehend untersucht die Autorin Krieg als eine spezifische Form von Kulturkontakt. Als Beispiel dient der spanische Unabhängigkeitskrieg (1808–1814), der Vorbildfunktion für die antinapoleonischen Erhebungen im deutschsprachigen Raum hatte. Grundlage sind Zeugnisse deutschsprachiger Kriegsteilnehmer, die sowohl mit den napoleonischen Armeen als auch mit deren Gegnern den Weg auf die Iberische Halbinsel fanden. Fortschreibungen ihrer Sicht auf Spanien finden sich teilweise bis in die Gegenwart. Welche Themen, Blickwinkel und Codes sich in zwölf von ihnen verbergen, wird hier nachgespürt.

Abstract

This article examines the meaning and the development of the terms used to introduce baraitot transmitted by amoraim in the Bavli: “Tannei Rav X.” Why are these baraitot not introduced with the more usual terms used for citing a baraita, “tanya” and “tannu rabbanan?” I will argue that the term “tannei Rav X” was created in the generations that followed the named amora, as an alternative to the usual citation formula employed by the sage himself when he first quoted the baraita. A sage later to Rav X (or the “stam”) who wished to refer to a baraita quoted earlier by Rav X, used the term “tannei Rav X” to do so. These baraitot (around 80%) have parallels in tannaitic compositions or in the Yerushalmi. This finding bears additional weight on the question of the origins of the terminology used to quote baraitot in the Bavli.

In: Journal of Ancient Judaism

Abstract

The historiography of sixteenth-century Church parties may have arisen from historians’ misinterpreting the use of the terms “band of Josephian monks” (cheti Osiflianskikh mnikhov) and the “non-possessor way of life” (nestiazhatel’noe zhitel’stvo) by the author of The History of the Grand Prince of Moscow. But he does not juxtapose these terms against each other. Those monks who live the non-possessor way of life are, instead, directly contrasted with those who love possession (liubostiazhatel’nye), but neither they nor the Josephians are described as a Church party, let alone one that had an “ideology”. The monks in The History who loved possessions are not identified with the Josephians, nor are the monks who follow the non-possessor way of life identified with the Trans-Volga elders. Another attempt to find the antecedent of the Church parties model were historians who cite the use by Zinovii Otenskii of the term nestiazhatel’ in relation to Vassian Patrikeev, but he too was not using the term in the sense of a Church party. These attempts are examples of “thick interpretation”; that is, imposing on the source testimony an outside construct that is not contained within it.

In: Russian History

Abstract

Among many arguments for constitutional changes presented in the wake of the 2020 campaign for the popular vote in Russia, there was the idea that “cementing” Russia’s political landscape for the sake of the regime’s durability would serve as a tool for improvement of quality of governance. This argument, in a way, followed the essential point of Mancur Olson describing many autocrats across the globe as “roving bandits” with their short-term time horizons and incentives for predatory behavior. To what extent may the constitutional extension of the time horizon of Russia’s authoritarian regime contribute to conversion of Russia’s state officials and top managers from the “roving” to the “stationary” model, in Olson’s terms? On the basis of previous research, I argue that the nature of Russia’s political regime—electoral authoritarianism under personalist rule—prevents such a trajectory of further evolution. Indeed, the set of constitutional changes adopted in Russia in July 2020 is likely to preserve bad governance as a mechanism of maintenance of politico-economic order, as intentionally built and developed during the post-Soviet period. While certain technocratic solutions for Russia’s governance, aimed at “fool-proofing”, may avert the risks of major disasters, under conditions of durable authoritarianism the use of these devices will not result in major advancements in the quality of governance. Rather, they may contribute to further decay and aggravation of the numerous vices of bad governance.

In: Russian Politics

Abstract

Viewed through the lens of social policy, Russia’s 2020 constitutional reform codifies existing priorities without addressing the issues that have fragmented the meaning of social citizenship. Placing these changes in theoretical and historical context, we identify the core causes of inequity in the social welfare system, the sustained gap between state promises, and Russians’ lived experience. Our case studies highlight the sources of shared social grievances and the obstacles to national collective action that maintain stability in the facing of increased localized protest actions. We conclude by emphasizing the importance of observing the opposing forces of continuity and change in Russian politics as they define and redefine the meaning of social citizenship.

In: Russian Politics