Männer von Ehre?

Die Wehrmachtgeneralität
im Nürnberger Prozess 1945/46.
Zur Entstehung einer Legende
1. Aufl. 2018, 631 Seiten, Festeinband
ISBN: 978-3-506-79259-4
EUR 39.90 / CHF 48.70 Portofreie Lieferung innerhalb Deutschlands
erschienen in der Reihe:
Herausgegeben von Horst Carl, Maria Fritsche, Christa Hämmerle, Christian Koller
Band: 112

Informationen zum Buch

Der Mythos einer nicht an NS- und Kriegsverbrechen beteiligten Wehrmacht war einer der einflussreichsten historischen Narrative der Nachkriegszeit. Entscheidenden Anteil daran hatten mit Spitzenoffizieren der Wehrmacht Protagonisten der Erzählung selbst. Durch die politische Situation begünstigt, konnten diese in den 1950er Jahren geschichtspolitische Forderungen durchsetzen, die zu ihrer Rehabilitierung und Integration in die Bundesrepublik maßgeblich beitrugen. Die wichtigste Bewährungsprobe, die sie auf dem Weg dorthin bestehen mussten, waren die alliierten Prozesse gegen Vertreter der Generalität, mit denen ihre Unschuld öffentlich in Frage gestellt wurde.

Jens Brüggemann geht mit dem Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess erstmals an den Ausgangspunkt dieser Entwicklung. Er zeigt auf breiter Quellenbasis, wie es den dort anwesenden Spitzenvertretern der Wehrmacht mit Unterstützung ihrer Anwälte gelang, eine Argumentation in Auseinandersetzung mit der Anklage zu entwickeln, die zur Grundlage ihrer öffentlichen Selbstdarstellung wurde. Ein Verlauf, der keinesfalls vorhersehbar war. Aufgrund alter und neuer Konflikte stand die Zusammenarbeit der Offiziere vor einer immensen Belastung, die fast zum Auseinanderbrechen einer gemeinsamen Front vor Gericht geführt hätte.

Akribisch und detailliert wirft der Autor einen Blick hinter die Kulissen der Nürnberger Verteidigung, fragt nach Motiven, Zielen und Mentalitäten. Aus dieser Innenansicht schöpft er neue Erkenntnisse über den Prozess und einige der hochrangigsten Wehrmachtoffiziere. Die Zeit vor und während des Krieges beachtet er dabei ebenso wie die Frage, welchen Einfluss die Nürnberger Entlastungsargumente auf Geschichtsbilder der Nachkriegszeit hatten, insbesondere auf die frühe und heutige Forschung.

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