Verlagsgeschichte

 

Von der Gründung des Verlags bis 1933

Seinen Namen verdankt der Verlag dem 1815 in Meppen im Emsland geborenen Buchhändler Ferdinand Schöningh. Dieser hatte im Jahr 1846 die Konzession für eine katholische Buch- und Kunsthandlung erworben, die im Mai 1847 in Paderborn eröffnet wurde und als Vorläufer des heutigen Verlags gelten kann. Schwerpunkte des Sortiments waren zunächst wissenschaftliche, insbesondere pädagogische Literatur sowie Textsammlungen. Nach der Aufhebung der Pressezensur im Jahr 1848 gründete Schöningh zudem einen Zeitungs- und Zeitschriftenverlag, der ab August desselben Jahres wöchentlich das Westfälische Kirchenblatt für Katholiken herausgab. Etwa ein halbes Jahr später kam das Westfälische Volksblatt, das zunächst als Beilage des Kirchenblatts und ab 1862 selbstständig erschien, als weiteres Standbein hinzu. Im Jahr 1850 zog der Verlag innerhalb Paderborns in ein größeres Gebäude um, in dem 1858 erstmals auch eine eigene Druckerei eingerichtet wurde. 1866 kaufte Ferdinand Schöningh ein Verlagshaus am Paderborner Rathausplatz, das 1883 noch einmal erweitert wurde und bis zu seiner Zerstörung 1945 Sitz des Verlags bleiben sollte.

Zu den Titeln, die dem Verlag in der Anfangszeit großes Ansehen verschafften, zählen das erstmals 1878 erschienene Buch Dreizehnlinden von Friedrich Wilhelm Weber sowie Wilhelm Keitens erste kritische Gesamtausgabe der Werke Annette von Droste-Hülshoffs aus dem Jahr 1884. Das wissenschaftliche Programm konzentrierte sich zunächst auf theologische Literatur, wurde jedoch bald um philosophische Werke erweitert und um Belletristik ergänzt. Zu den wichtigen Veröffentlichungen im Zeitschriftenprogramm gehörten Chrysologus (1861), die Blätter für kirchliche Wissenschaft und Praxis (1867) und die Zeitschrift Gymnasium (1883). Bis zum Tod des Verlagsgründers erschienen bei Ferdinand Schöningh 673 Werke, darunter auch die Geschichte der poetischen Literatur Deutschlands von Joseph von Eichendorff, Werke von Luise Hensel sowie Texte des mit der Familie befreundeten Adolph Kolping und von Autoren des politischen Katholizismus wie Franz Joseph Ritter von Buß oder August Reichensperger.

Nach dem Tod Ferdinand Schöninghs (I) im Jahr 1883 übernahm dessen Sohn Ferdinand (II) den Verlag. 1891 wurde dessen Bruder Josef als Teilhaber aufgenommen und betreute fortan besonders das Zeitschriftenprogramm und die Buchdruckerei. Gemeinsam erweiterten und modernisierten die Brüder, was der Vater geschaffen hatte. Zu ihren Errungenschaften gehörte etwa die Übernahme der Nasseschen Verlagshandlung im Jahr 1885 sowie der Erwerb von Buchhandlungen in Osnabrück und Mainz. Zu den bisher erschienenen Zeitschriften kamen das Jahrbuch für Philosophie und spekulative Theologie (1887), die Monatsschrift für katholische Lehrerinnen (1888) und die Katholische Lehrerzeitung (1890) hinzu und auch die Sammlung griechischer und römischer Klassiker-Ausgaben sowie von Ausgaben deutscher Klassiker mit Erläuterungen wurde stark erweitert. In dieser Zeit wurden zudem die für den Verlag wichtigen Reihen Sammlung der bedeutendsten pädagogischen Schriften und Wissenschaftliche Handbibliothek begründet. Im Bereich der Geschichte, die als neuer Programmschwerpunkt hinzugekommen war, ist besonders das von der Görres-Gesellschaft herausgegebene Sammelwerk Quellen und Forschungen auf dem Gebiete der Geschichte hervorzuheben.

Der Verlag Ferdinand Schöningh während der NS-Diktatur

Da der ursprünglich als nachfolgender Geschäftsführer vorgesehene Ferdinand (III) während des Ersten Weltkriegs gefallen war, übernahm dessen jüngerer Bruder Eduard im Jahr 1925 die Verlagsleitung. Eduard konnte den von seinem Großvater eingeschlagenen und von seinem Vater und dessen Bruder fortgesetzten Erfolg weiter ausbauen, bis die verlegerische Arbeit nach 1933 durch nationalsozialistische Schikanen zunehmend erschwert wurde. Da Eduard Schöningh ein Gegner der NS-Diktatur war, konzentrierte er sich in dieser Zeit verstärkt auf katholische Literatur, die nicht so ideologisch verhaftet war wie etwa Schulbücher oder wissenschaftliche Texte. Katholischen Beamten, die im Dritten Reich ihre Arbeitsplätze verloren hatten, gab Eduard Schöningh eine Anstellung. Um der Einschränkung durch die Machthaber zu entgehen, versuchte er zudem, im Ausland Verlage zu gründen. Wegen der kritischen Haltung des Verlegers wurde der Verlag in der Zeit des Dritten Reichs Opfer von Enteignungen und Verboten. 1934 erschien das letzte zugelassene Schulbuch, 1936 mußte das Westfälische Volksblatt an den Eher Verlag abgegeben werden. Der politische Druck zwang Eduard Schöningh schließlich, im Jahr 1943 die verlegerische Tätigkeit komplett einzustellen.

Der Verlag nach 1945

Nach Ende des Krieges 1945 waren sämtliche Verlagsgebäude sowie technischen Betriebe des Verlags durch Bomben zerstört und die Lagerbestände vernichtet. Da sich der Verlag nicht an der rechten Ideologie des Dritten Reichs beteiligt hatte, konnte die verlegerische Tätigkeit jedoch schon bald nach Kriegsende wieder aufgenommen werden. Ferdinand Schöningh zählt damit zu den ersten durch die alliierten Militärbehörden wieder zugelassenen Verlagen. Dank der Unterstützung von Familie und Mitarbeitern konnten auch die baulichen und technischen Voraussetzungen für den Neustart geschaffen werden. Schwerpunkt des Programms war nun vor allem die Schulbuchliteratur. In den 1940er Jahren wurden jedoch auch die für das Wissenschaftsprogramm bedeutenden Augustinus und Aristoteles Ausgaben begründet.

Nach dem Tod Eduard Schöninghs übernahm mit dessen Sohn im Jahr 1966 wieder ein Ferdinand den Schöningh Verlag. Ferdinand (IV) setzte den Kurs der Expandierung seines Vaters fort: In seine Zeit fallen die Mitbegründung der Lehrbuchreihe Uni-Taschenbücher (utb) im Jahr 1970 und die wegweisende Übernahme des Münchener Wilhelm Fink Verlags einschließlich der etablierten Reihe Poetik und Hermeneutik im Jahr 1974.

Als Ferdinand (IV) im Jahr 1989 die Geschäftsführung seinem Sohn Ferdinand (V) übergab, behielt er zunächst die Leitung des Verlags WilhelmFink. Die 1990er Jahre sind für den Verlag Ferdinand Schöningh vor allem durch einen deutlichen Ausbau des geisteswissenschaftlichen, insbesondere des historischen Programms geprägt. Im Zuge umfassendere Umstrukturierungen wurde 2002 die Schulbuchsparte verkauft, so dass sich der Verlag von nun an vollständig auf das wissenschaftliche Programm konzentrierte.

Der Verlag Ferdinand Schöningh heute

Seit 2017 sind die Verlage Ferdinand Schöningh und Wilhelm Fink Imprints der Brill Deutschland GmbH. Im Januar 2018 schloss sich auch der Verlag mentis dem starken Verbund geisteswissenschaftlicher Fachverlage an. Die neue Zugehörigkeit zum Traditionsverlag Brill mit Hauptsitz im niederländischen Leiden und weiteren Niederlassungen in Boston, Singapur und Peking, ist gerade im Hinblick auf die internationale Sichtbarkeit und digitale Verfügbarkeit des Programms ein großer Zugewinn für Ferdinand Schöningh. Brill N.V. wurde 1683 gegründet und ist einer der führenden internationalen Verlage in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Mit seiner mehr als dreihundertjährigen Geschichte ist der Verlag der ideale Partner, mit dem Ferdinand Schöningh für die Zukunft bestens aufgestellt ist.

Die Schwerpunkte des Programms von Ferdinand Schöningh liegen in den Bereichen Geschichte, Theologie, Pädagogik sowie den Sprach- und Literaturwissenschaften. Dabei bietet Ferdinand Schöningh innovativen wissenschaftlichen Publikationen und fundierten Büchern zu gesellschaftlichen Debatten ein Forum – und das mit der Verlässlichkeit eines 1847 gegründeten Unternehmens. Der Verlag hat den Übergang zu einem modernen Wissenschaftsverlag im digitalen Zeitalter geschafft, ohne den Sinn für Tradition und Geschichte zu verlieren. Um den Veränderungen der Lesegewohnheiten und in der wissenschaftlichen Forschungsarbeit gerecht zu werden, erscheinen die Titel des Verlags auch als E-Book. Die Lehr- und Studienbücher des Verlags erscheinen weiterhin in der „Roten Reihe“ der Uni-Taschenbücher der Verlagskooperation utb in Stuttgart, die besonders für Studenten seit langem ein Begriff ist.

 

Der Verlag Ferdinand Schöningh ist Partner von Refo500, einer internationalen Plattform, die Wissen, Ideen, Tätigkeiten und Produkte zum Themengebiet der Reformation anbietet und verbreitet. Weitere Informationen finden Sie unter https://refo500.com/de/ueber-refo500/.