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Neue Perspektiven für den christlich-jüdischen Dialog
Im allgemeinen »Erinnerungsboom«, der seit einigen Jahren zu verzeichnen ist, gibt das Buch Auskunft über die Konturen einer »Kultur der Erinnerung«. In einer Zusammenschau aus unterschiedlichen theologischen Disziplinen werden die Fragen nach der Bedeutung der Vergangenheit für die Gegenwart und für das Gespräch mit dem Judentum neu gestellt. Denn »Erinnerungskultur« in der Gesellschaft ist eher ein Ideal als Realität. Sie bedeutet eine offene Auseinandersetzung mit der Vergangenheit – zum einen mit der Erinnerung an Auschwitz, zum anderen mit der schöpferischen jüdischen Religions-, Geistes- und Kulturgeschichte. Sie bedeutet aber auch einen intensiven Austausch mit der lebendigen Gegenwart des Judentums.
Editor: Heinz Hürten
In der Bundesrepublik Deutschland setzte in den 1950er Jahren ein weitreichender gesellschaftlicher Wandel ein: Das Ende der Adenauer-Ära kündigte sich an. In der Wirtschafts-, Arbeits- und Lebenswelt vollzogen sich grundlegende Veränderungen: Gleichstellung der Frau innerhalb der Familie, Einführung der gleitenden Arbeitswoche und die Veränderung der Sozialhilfe waren nur einige äußere Anzeichen.
Kirche und Katholizismus in Deutschland wurden in diesen grundlegenden politischen und gesellschaftlichen Wandel einbezogen. Dieser Dokumentenband legt für Wissenschaft und Forschung mehr als 300 kritisch kommentierte Konferenzprotokolle, Berichte und Briefe aus den Aktenbeständen der Erzbischöfe von Köln sowie von München und Freising vor. Sie ermöglichen einen unmittelbaren Einblick in das Denken und Handeln der katholischen Bischöfe am Vorabend der »langen sechziger Jahre« in Deutschland und des epochalen Zweiten Vatikanischen Konzils.
Von der katholischen Pädagogik zur Pädagogik von Katholiken
Author: Markus Müller
Katholische Lehrerverbände und pädagogisch interessierte Akademiker gründeten 1922 in Münster das »Deutsche Institut für wissenschaftliche Pädagogik«. Ihr Ziel war es, eine »katholische Pädagogik« als »Bollwerk« gegen jeglichen »Relativismus« zu errichten. Im Laufe der 1920er Jahre entstand ein mit erheblichen finanziellen Mitteln ausgestattetes modernes Forschungs- und Fortbildungszentrum, an dem von 1932 bis 1933 auch Edith Stein als Dozentin arbeitete. Die Auseinandersetzungen der nachfolgenden Diktaturjahre endeten 1938 mit der erzwungenen Schließung des Instituts. Als Antwortversuch auf die »Entchristlichung« der Gesellschaft durch den Nationalsozialismus erfolgte nach 1945 der Wiederaufbau im Zeichen betont konfessioneller Bildungspolitik. In den 1960er Jahren rückte das Institut im Kontext des Zweiten Vatikanischen Konzils, der Diskussionen um die Bildungsreform und die »empirische Wende« in der Erziehungswissenschaft dann vom Denkmuster einer katholischen Pädagogik ab. Zeitweise forcierten die Verantwortlichen jetzt eine personalistische Pädagogik mit christlichem Anspruch. Ab 1970 wandte man sich der bildungspolitisch hochaktuellen Curriculumforschung zu. Ein Streit um das »katholische« Profil veranlasste die deutschen Bischöfe aber 1980 das Institut aufzulösen. Auf einer breiten Grundlage unveröffentlichten Archivmaterials und zahlreicher zeitgenössischer Fachzeitschriften rekonstruiert der Autor mit dieser Institutsgeschichte zugleich die typischen Denkmuster einer »katholischen Pädagogik« sowie deren personelle und institutionelle Strukturen. In einem großen zeitlichen Bogen entsteht ein facettenreiches Bild der »katholischen Pädagogik« als kommunikativem Netzwerk im Rahmen der gesellschaftspolitischen, kirchlichen und wissenschaftlichen Umbrüche des 20. Jahrhunderts. Erstmals gelingt so ein fundierter Überblick über ein bisher kaum erforschtes Kapitel deutscher Bildungs- und Katholizismusgeschichte.
Wie reagierte die katholische Kirche in der Sowjetischen Besatzungszone auf den Zustrom von Hunderttausenden vertriebener Katholiken? Welche Möglichkeiten ihrer Integration besaß sie in einem politischen Umfeld, in dem die Religion an den Rand gedrängt wurde?
Das Buch geht diesen Fragen am Beispiel von ca. 200 Priestern nach, die im Bistum Meißen und im Erzbischöflichen Amt Görlitz eine neue, »fremde Heimat« fanden. Ihrer Eingliederung standen kirchenpolitische, aber auch vielfältige seelsorgerliche Hindernisse entgegen. Die Autorin zeigt, welch erhebliche Integrationsschwierigkeiten die Kirche nach innen hatte, während sie den Vertriebenen nach außen einen religiös-kulturellen Schutzraum in einem sozialistischen Staats- und Gesellschaftsgefüge bot.
Krieg, christliche Kultur und Antisemitismus in Ungarn
»Prohászka, Ottokár. Leading figure of conservative antisemitic ideology.« – Diesen Satz liest der Besucher in ungarischer und englischer Sprache unter einem Portrait des Bischofs Ottokár in der Dauerausstellung des im April 2004 neu eröffneten Holocaust-Museums in Budapest. Prohászka war von 1905 bis 1927 Bischof von Stuhlweißenburg (Székesfehérvár) und gilt als Initiator für die Formung des Katholizismus in Ungarn seit Mitte der 1890er Jahre. Die aktuelle Forschung sieht einen engen Zusammenhang zwischen dem politischen Katholizismus Ungarns und dem Antisemitismus der Zwischenkriegszeit. So lautet die Kernfrage des Buches: Welche Rolle spielte die »Erfahrung des Krieges« im Wandlungsprozess antisemitischer und nationalistischer Denkweise bei Prohászka? Welche Wirkung hatte der Krieg auf das Denken und Handeln katholischer Würdenträger in Ungarn? Besteht ein Zusammenhang zwischen Theologie, Nationalismus und Antisemitismus?
Elsässische und französisch-lothringische Geistliche im Ersten Weltkrieg
Author: Annette Jantzen
Die Studie liefert einen wichtigen Beitrag zur deutschen und französischen Erfahrungsgeschichte des Ersten Weltkriegs. Am Beispiel der Grenzregion Elsass-Lothringen und dem von der Front zerschnittenen französischen Lothringen wird untersucht, wie tief sich auf beiden Seiten bei Klerikern, die als Soldaten, Sanitäter und Feld- oder zivilseelsorger fungierten, die religiöse Deutung des Krieges mit nationalen Selbst- und Fremdbildern verband. Auf einem breiten Fundament bislang unveröffentlichter Quellen, die dem Buch in einer CD-ROM beigegeben sind, kommt die Autorin zu einem ernüchternden Ergebnis: Die religiöse Deutung des Krieges nutzte sich ab, aber sie wurde nicht grundsätzlich in Frage gestellt.
Politik, Geschlecht und Religiosität im Katholischen Deutschen Frauenbund
»Kinder, Küche, Kirche« gilt allgemein als Stereotype für das Rollenbild der Frau in der Adenauer-Ära. Das Beispiel des Katholischen Deutschen Frauenbundes zeigt eine andere, weitaus dynamischere Wirklichkeit.
Die dort engagierten Katholikinnen kämpften um politischen Einfluss und setzten sich für bessere Berufschancen von Frauen sowie für die Anerkennung der Haus- und Familienarbeit ein. Innerhalb der Kirche forderten sie Frauenquoten in Laiengremien.
Diese überzeugende Studie gibt einen neuen Einblick in religiöses Selbstverständnis, katholische Netzwerke, gesellschaftspolitische Diskussionen und Gestaltungsräume der katholischen Frauenbewegung nach 1945.
Im ersten Jahrzehnt des »Kalten Krieges« war die katholische Kirche in der DDR massiven religionspolitischen Anfeindungen durch das SED-Regime ausgesetzt. Die ostdeutschen Bischöfe begegneten dem systematischen »Aufbau des Sozialismus« mit dem Bemühen um kirchenpolitische Geschlossenheit sowie um Befestigung der Fundamente von Pfarrseelsorge und Caritas. Es gelang, in Erfurt eine kirchliche Hochschule als Mittelpunkt eines eigenständigen Bildungsnetzwerkes einzurichten. Die meisten katholischen Jugendlichen blieben der Jugendweihe fern.
Die internen Berichte und persönlichen Briefwechsel der Bischöfe und Kirchenführer in der DDR dokumentieren vor allem den schwierigen Weg stiller Verhandlungen und Protest-Eingaben, den die katholische Diasporakirche während der frühen, von Diktaturkrise und globalem Ost-West-Konflikt bestimmten 1950er Jahren einschlug.
Gespräche zwischen christlicher Theologie und jüdischem Denken
Seit einem Menschenalter im Gespräch. Die konstitutive Bedeutung jüdischen Denkens für die christliche Theologie in Deutschland zur Sprache zu bringen: Kaum ein anderer Theologe widmet sich dieser zentralen Aufgabe so intensiv und engagiert wie Josef Wohlmuth. Getrieben von der Suche nach Wahrheit und in steter Ehrfurcht vor dem Heiligen bearbeitet er die eigene Tradition, um deutend Gott, den Menschen und der Welt auf die Spur zu kommen. Sein wissenschaftliches Interesse an der Dogmen- und Konziliengeschichte verbindet sich dabei mit der Sensibilität für theologische Ästhetik und der unablässigen Auseinandersetzung mit Gegenwartsphilosophen - meist jüdischer Provenienz: Franz Rosenzweig, Walter Benjamin, Jürgen Habermas, Jean-Luc Marion, Jacques Derrida, Hans Blumenberg sowie Emmanuel Levinas.
Eine politische Biographie des Frankfurter Biophysikers und "homo catholicus im besten und weitesten Sinne"
In der Weimarer Republik war der Frankfurter Biophysiker Friedrich Dessauer »eine der faszinierendsten Gestalten des damaligen deutschen Katholizismus«; R. Morsey rechnet ihn zu den »führenden Politikern und Abgeordneten des Zentrums«. Trotzdem fehlte bislang eine politische Biographie.
Die vorliegende Studie untersucht Dessauers politischen Werdegang und zeichnet dabei die Einflüsse seiner religiösen Prägung und seinen Weg als Firmenchef auf seine politischen Haltungen, Motivationen und Ziele nach. Sie fragt nach seiner Rolle in der Zentrumspartei in Frankfurt und als Reichstagsabgeordneter und geht den Konsequenzen nach, die dem überzeugten Demokraten im Dritten Reich aus seinem politischen Engagement erwuchsen. Sie eröffnet Einblicke in die Geschichte Frankfurts, des deutschen Katholizismus und der Zentrumspartei und zeigt die ambivalente Rolle der Verwaltung im Dritten Reich.