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Zentrale Steuerung - Regionale Initiative
HerausgeberInnen: Jan Erik Schulte und Jan Erik Schulte
Die besondere Dynamik des KZ-Systems im "Dritten Reich" lässt sich anhand der bekannten KZ-Hauptlager nur ansatzweise erläutern. Sowohl in der Frühzeit der Lagerentwicklung (1933/34) als auch in der zweiten Kriegshälfte (seit 1942) spielten bei der Errichtung der zahlreichen kleinen Lager regionale Strukturen, Interessen und Initiativen eine entscheidende Rolle. Erst ein regionalgeschichtlicher Zugriff bietet die Möglichkeit, die regionalen Lager als ein mit den Zentralbehörden und Hauptlagern vielfach verwobenes aber gleichwohl eigenen Entwicklungslinien folgendes System zu zeigen. Durch die immense Ausweitung des Außenlagersystems seit 1943/44 wurden die räumlich von Hauptlagern entfernten Außenlager zum eigentlichen Ort der Ausbeutung von Gefangenen. Die Lager in den für die deutsche Rüstungswirtschaft wichtigen Industrie- und Ballungsräumen wie auch in den ländlichen Gegenden des Rheinlands und Westfalens stehen damit beispielhaft für den gesamten KZ-Kosmos der zweiten Kriegshälfte. Die Beiträge des Sammelbandes thematisieren einzelne Lager (z.B. Niederhagen-Wewelsburg, Bochum, Gelsenkirchen, Witten, Wuppertal) und Orte, an denen verschiedene KZ-Außenlager bestanden (z.B. Köln, Essen, Lippstadt, Porta Westfalica), beschäftigen sich mit dem Einzelschicksal ehemaliger Häftlinge und widmen sich übergreifenden, für die gesamte Region wichtigen Themen (z.B. Einsatz der SS-Baubrigaden, Todesmärsche bei Kriegsende).
Bestandsaufnahme und Perspektiven
Die Bundeswehr stellt in den meisten bundesdeutschen Gedenkstätten, die an NS-Unrecht erinnern, die zweitgrößte institutionelle Besuchergruppe. Dennoch ist das Verhältnis zwischen ihr und den Gedenkstätten keineswegs frei von Spannungen, obschon diese akzeptierte Lernorte der Gesellschaft geworden sind. Das Buch fragt, warum dies so ist, und zieht eine Bilanz dieses historisch-politisch bedeutsamen, aber noch weitgehend unerforschten Themas von den 1950er Jahren bis zur Gegenwart. Es stellt zugleich Grundzüge einer Zusammenarbeit zwischen Gedenkstätten und Bundeswehr sowie offene Fragen und Herausforderungen für die historisch-politische Bildungsarbeit beider Institutionen vor. Der Band zeichnet sich dadurch besonders aus, dass er von Angehörigen der Bundeswehr und von Vertretern der Gedenkstätten gemeinsam verfasst wurde. Das ermöglicht, das Wechselverhältnis von Geschichtspolitik, Erinnerungskultur und historisch-politischer Bildungsarbeit aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten.