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Dem Schamgefühl kann man nicht entfliehen. In ihm wird man unerbittlich – aus der (manchmal nur vorgestellten) Sicht der Anderen, die irgendwie auch die eigene zu sein scheint – mit dem Scheitern des eigenen Selbstbildes konfrontiert. Dabei findet der Überfall der Scham häufig unvermutet statt: Man schämt sich und weiß nicht einmal, warum man diesem Gefühl ausgeliefert ist. Man wusste gar nicht um den Inhalt und die Macht des Selbstbildes, an dem man gescheitert zu sein scheint. Die Scham erweist sich als mächtiges Regulativ: In diesem scheinen sich soziale Normen mit der moralischen Kraft eines Selbstentwurfs zu verbinden. Die Macht dieses Regulativs zeigt sich dabei gerade in einer Situation der Ohnmacht, in der man jede Kontrolle über sich verloren zu haben scheint. Eben diese Konstellation von mächtiger Kontrolle, normativem Selbstbild und erfahrener Ohnmacht macht die Scham zu einem offensichtlich wichtigen, aber auch prekären Phänomen – nicht zuletzt auch für pädagogische Perspektiven.
Erkenntnispolitische Relationierungen von Bildung und Kritik
Author: Richard Kubac
Wie noch sinnvoll über Bildung und Kritik sprechen, wenn beide doch längst zu Allerweltsbegriffen geworden sind, die unterschiedlichste Bedeutungen, Ansprüche und Erwartungen scheinbar fraglos vereinen können? Angesichts der andauernden Legitimationskrise bildungstheoretischer Grundlagenreflexion, die sich in aktuellen Diskurslagen symptomatisch durch eine Inflation und Trivialisierung des Begriffsgebrauchs von Bildung wie auch von Kritik äußert, nimmt der vorliegende Band eine erkenntnispolitische Perspektivierung zeitgenössischer Verhältnisbestimmungen von Bildung und Kritik vor. Es wird aufgezeigt, dass Thematisierungsweisen von Bildung und Kritik in einem – bisher häufig vernachlässigten – Verweisungszusammenhang stehen, dessen Berücksichtigung neue Impulse für ein Bildungsdenken abseits tradierter Positionen in Aussicht stellt. Dieser tritt dann deutlich hervor, wenn grundlagenreflexive Theoriearbeit selbst auch als politischer Einsatz innerhalb bildungswissenschaftlicher Erkenntnisbemühungen verstanden wird. Die Bedeutung eines solchen Einsatzes erwächst schließlich daraus, der fortgeschrittenen Bedeutungserosion von Bildung wie auch von Kritik das entgegenzusetzen, was sich in ihrem Namen jeweils der Artikulation entzieht, dem Denken aber dennoch aufgegeben bleibt – stets an den Grenzen des vermeintlich Selbstverständlichen.
Die Neu-Erfindung der Pädagogik als ,praktische Wissenschaft'
Author: Alfred Schäfer
Als 'praktische Disziplin’ favorisiert die Pädagogik bis heute fundamentale Begründungsmuster, um im Namen einer wahren Autorität sprechen zu können.
Es waren nicht zuletzt reformpädagogische und geisteswissenschaftliche Ansätze, die die Pädagogik als 'eine Wissenschaft von der Praxis für die Praxis’ konzipierten. Die andauernde Wirkmächtigkeit dieser Figur für die Etablierung pädagogischer Einrichtungen, aber auch für das Selbstverständnis der Pädagogik ist nicht zu unterschätzen. In der vorliegenden Untersuchung werden die verschiedenen Herkünfte dieses Dispositivs nachgezeichnet. Diese formuliert verschiedene fundamentale Begründungsmuster (die Gemeinschaft, das Kind, pädagogische Grundgedankengänge), die den Anspruch erheben, immer schon zu gelten. Im Namen einer solchen fundamentalen Wahrheit zu sprechen, gibt dem Pädagogen eine Autorität, die von keiner Wissenschaft zu erreichen ist. Er kann versprechen, mit seinem Einsatz die eigentliche Wahrheit gegen unzureichende gesellschaftliche Wirklichkeiten mit Hilfe der Erziehung durchzusetzen.
In: Angst
In: Gemeinschaft
In: Gemeinschaft
In: Angst
In: Angst
In: Gemeinschaft
Zur Ambivalenz kultureller Begegnungen in Ladakh
Author: Alfred Schäfer
Die durch den tibetischen Buddhismus geprägte Lebenswelt Ladakhs gilt Individualreisenden zwar als anders, aber nicht als unzugänglich. Das Verhältnis zu den Anderen definieren die Touristen durch den Rückgriff auf daheim verfügbare Informationen und auf die mit dem Klischee »Tibet« verbundene Bilderwelt.
In den touristischen Erfahrungdiskursen zeigt sich ein ambivalentes Verhältnis zur Andersheit der Anderen. Einerseits wird diese als bedeutsam für die eigenen Erfahrungsmöglichkeiten betont und andererseits ist sie doch nur als ein Bild zu verstehen, das der Besucher selbst hervorbringt. Die Bewohner Ladakhs werden aufgrund der Veränderungen durch den Tourismus in ein problematisches Verhältnis zur eigenen Identität versetzt. Sie werden dazu gedrängt, sich nicht zur eigenen Identität im Spannungsfeld von Tradition und Veränderung zu verhalten; in ihren Erfahrungsdiskursen zeigt sich zugleich die Unmöglichkeit, das noch von einer gemeinsamen Position aus tun zu können.