Author: Alaric Searle

Bei der Analyse geheimer militärischer Netzwerke können anhand der Aktivitäten radikaler rechter Splittergruppen in Großbritannien in der Zeit von 1937 bis 1941 Fragestellungen untersucht werden, die man auf den ersten Blick mit vorherigen Jahrhunderten verbindet. Das Geheimnis, welches Antikriegs- und Pro-Deutschland- Gruppen umgab, lässt eine Reihe von wiederkehrenden Themen im Verhältnis zu geheimen militärischen Netzwerken aufscheinen, z.B. wie Offiziere miteinander kommunizierten, welche Motivationen sie hatten und wie einzelne Gruppen operierten. Obgleich die Aktivitäten dieser Gruppen schon untersucht wurden, gibt es bisher noch keine Analyse der spezifischen Rolle der dort vertretenen Offiziere. In der Tat waren Offiziere aller Truppengattungen in diesen Organisationen aktiv und spielten dort auf Grund ihrer Kenntnisse über die Methoden des Geheimdienstes – der diese Gruppen beobachtete – eine wichtige Rolle. Die Existenz eines modernen, gut organisierten Geheimdienstes hat Konspiration sehr erschwert, die Aufrechterhaltung von politischen Überzeugungen, die in der britischen Gesellschaft nicht akzeptiert waren, war nur eine von vielen Charakteristika, welche die Splittergruppen aufwiesen. Georg Simmel hat diese und andere Kennzeichen von geheimen Gesellschaften in seiner »Soziologie des Geheimnisses« beschrieben.

In: Geheime Netzwerke im Militär 1700–1945
Eine Stadtgesellschaft im Ersten Weltkrieg
Der Erste Weltkrieg dauerte mehr als vier Jahre. Am Ende waren 2 Millionen deutsche Soldaten tot. Sebastian Bondzio fragt, was dies für eine Gesellschaft bedeutete und wie es ihr möglich war, den Krieg unter dem Eindruck des Sterbens so lange zu führen.
Zur Beantwortung unternimmt seine historische Analyse am Fallbeispiel der Stadt Osnabrück drei Schritte: Erstens vermisst sie das Sterbegeschehen in den Operationsgebieten des Ersten Weltkriegs und zeigt darüber die komplexen Verknüpfungen zwischen den beiden Sphären »Front« und »Heimat« auf. Zweitens verortet sie die Toten in der Stadtgesellschaft und macht die Übersetzung des Sterbens auf eine Stadtgesellschaft sichtbar. Beide Schritte verdeutlichen die quantitativen Dimensionen des Sterbens im Krieg und rufen dazu auf, das historische Narrativ einer »Massentrauer« zu hinterfragen. Der dritte Teil nimmt dies zum Ausgangspunkt und arbeitet heraus, wie eine Gesellschaft, die Trauer zunehmend als Bedrohung wahrnahm, sich selbst disziplinierte und zum Zwecke der Kriegsführung eine neue Kriegskultur gab.
Die Armee ist ein zentraler Machtfaktor im Staat, militärische Informationen sind grundsätzlich gesetzlich geschützt. Das Militär bildet zudem ein soziales System mit eigenen Normen, Ritualen und Symbolen. Die hierarchische Struktur und das starke Berufsethos prägen das Militär bis heute. Innerhalb dieses Rahmens bildeten sich immer wieder geheime Netzwerke von Militärangehörigen mit abweichenden Verhaltenskodizes. Sie erregten häufig den Verdacht, gegen das eigene Militärsystem oder den Staat gerichtet zu sein. Die Autorinnen und Autoren des Bandes erkunden die Wechselwirkungen zwischen Geheimbundorganisationen, Geheimnisträgern, Verschwörern und dem Militär – von Freimaurern und Illuminaten bis zum Stauffenberg-Kreis.
Festschrift für Stig Förster zum 65. Geburtstag
Diese Festschrift ist dem Historiker Stig Förster gewidmet, der sich insbesondere in der modernen Militärgeschichte und der Imperialismusforschung einen Namen gemacht hat.
Mit der Betonung globaler Prozesse und dem Einbezug außereuropäischer Akteure nahm Förster bereits zu Beginn der 1990er Jahre einige der Kernelemente der Globalgeschichte vorweg. In diesem Band werden seine beiden Forschungsgebiete durch namhafte Autorinnen und Autoren zusammengebracht. Im Zentrum stehen Kriege und Machtkonflikte in ihren globalen Dimensionen. Diese werden nicht nur als Auseinandersetzungen zwischen Staatsoberhäuptern und ihren Armeen verstanden, sondern in ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Umfeld situiert.