Internationale Beziehungen 1450-1559
Expansion und Hegemonie charakterisieren die europäische Entwicklung von 1450 bis 1559. In diesen Jahrzehnten leitete die Expansion Portugals und Spaniens nach Afrika, Asien und Amerika einen irreversiblen Prozess ein, in dem man eine frühe Phase von Globalisierung sehen kann. Der ursächliche Zusammenhang mit der zunehmenden Bedrohung Europas durch die Expansion des Osmanischen Reiches ist dabei unverkennbar. Innerhalb Europas waren Tendenzen zu hegemonialen Herrschaftsformen zu beobachten; sie hatten allerdings nur eine kurze Konjunktur und konnten die pluralistische Entwicklung der europäischen Staatenwelt und den Aufstieg der Monarchien zwar verzögern, auf Dauer jedoch nicht verhindern. Der neue Band des HGIB geht diesen Entwicklungen im Detail nach: den Beziehungs- und Handlungsräumen des Heiligen Römischen Reiches, denen der europäischen Königreiche, Fürstentümer und Republiken, ihren wirt-schaft-lichen Ressourcen und militärischen Möglichkeiten für die Austragung von Konflikten innerhalb der 'Christianitas' ebenso wie für die Abwehr der osmanischen Expansion, die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichte, und den Auseinandersetzungen um die Hegemonie in Europa. Aber auch der Umgang der Staaten untereinander und neue Formen der politischen Kommunikation nach innen und nach außen werden thema-tisiert, wie etwa die Entstehung der modernen Diplomatie und der Buchdruck als neues hocheffektives Mittel, Fremd- und Feindbilder zu mobilisieren und propagandistisch zu instrumentalisieren.
Internationale Beziehungen 1648/1659-1713/1714
AutorIn: Klaus Malettke
HerausgeberInnen: Heinz Duchhardt und Franz Knipping
Band 3 des HGIB behandelt eine Zeit, die weithin noch im Zeichen des bourbonischhabsburgischen Gegensatzes stand. Der Westfälische Frieden und der Pyrenäenfrieden ersetzten das von Habsburg-Spanien dominierte Staatensystem durch ein von Frankreich geführtes multipolares System. Nach den Friedensschlüssen von Nijmegen schien Ludwig XIV. der Verwirklichung der französischen Hegemonie sehr nahe gekommen zu sein. Ihr dauerhafter Ausbau scheiterte jedoch an der wachsenden Solidarität der durch Frankreich bedrohten Staaten, an dem sich unter Führung der Seemächte formierenden Widerstand im Zeichen des Gleichgewichtsprinzips (Tripel-Allianz, Ausbildung des französisch-englischen Gegensatzes) und an der Überforderung der wirtschaftlichfinanziellen Möglichkeiten Frankreichs. Hinzu kamen die politischen Veränderungen durch die »Glorious Revolution«, die sich im Dritten Nordischen Krieg vollzogen.
Geprägt wurde diese Epoche auch durch den Abstieg bisheriger Großmächte (Spanien, Schweden, Osmanisches Reich) und den Aufstieg neuer Mächte wie das Russland Peters des Großen. Die österreichischen Habsburger konnten ihre Positionen nach dem Tiefpunkt von 1648 durch eine geschickte Reichspolitik und durch Erfolge gegen die Osmanen wieder stärken.