Julius Curtius und die deutsche Aussenpolitik 1929-1931
AutorIn: Andreas Rödder
in Interessen, Werte, Verantwortung
Kirchenpolitik im Kaiserreich und in der Weimarer Republik
AutorIn: Sascha Hinkel
Adolf Kardinal Bertram zählt zu den umstrittensten deutschen Bischöfen des 20. Jahrhunderts. Sascha Hinkels Buch ergänzt das historische Bild des Vorsitzenden der Fuldaer Bischofskonferenzen in wesentlichen Punkten. Mit Bertram ist vor allem die zurückhaltende 'Eingabenpolitik' der Kirche gegenüber dem NS-Regime verbunden. Die vorliegende Studie geht erstmals dem Wirken des Breslauer Erzbischofs vor 1933 nach und weitet die lange verengte Perspektive. Bertram vertrat stets einen Kurs, nach dem die Kirche einvernehmlich mit der gottgewollten staatlichen Ordnungsmacht existieren sollte. Ihn verfolgte er schon in der Monarchie, unter wechselnden Vorzeichen setzte er ihn als 'Vernunftrepublikaner' in der Weimarer Demokratie fort.
Eine politische Biographie des Frankfurter Biophysikers und "homo catholicus im besten und weitesten Sinne"
HerausgeberIn: Frank Kleinehagenbrock
In der Weimarer Republik war der Frankfurter Biophysiker Friedrich Dessauer »eine der faszinierendsten Gestalten des damaligen deutschen Katholizismus«; R. Morsey rechnet ihn zu den »führenden Politikern und Abgeordneten des Zentrums«. Trotzdem fehlte bislang eine politische Biographie.
Die vorliegende Studie untersucht Dessauers politischen Werdegang und zeichnet dabei die Einflüsse seiner religiösen Prägung und seinen Weg als Firmenchef auf seine politischen Haltungen, Motivationen und Ziele nach. Sie fragt nach seiner Rolle in der Zentrumspartei in Frankfurt und als Reichstagsabgeordneter und geht den Konsequenzen nach, die dem überzeugten Demokraten im Dritten Reich aus seinem politischen Engagement erwuchsen. Sie eröffnet Einblicke in die Geschichte Frankfurts, des deutschen Katholizismus und der Zentrumspartei und zeigt die ambivalente Rolle der Verwaltung im Dritten Reich.
Carl Trimborn war eine der führenden Persönlichkeiten des politischen Katholizismus im Kaiserreich und in der frühen Weimarer Republik. Der 1854 geborene Jurist wirkte 1894-1920 als Vorsitzender der Zentrumspartei in der Rheinprovinz auf den Aufbau einer modernen Parteiorganisation hin. Seine Heimatstadt Köln vertrat Trimborn seit 1896 im Reichstag und im Preußischen Abgeordnetenhaus. Er setzte sich dort für die Interessen der Industriearbeiterschaft wie des gewerblichen Mittelstandes ein. Als Parlamentarier und von 1912-1918 als Staatssekretär des Reichsamts des Innern erwarb er sich in den Fragen der Sozialpolitik hohes Ansehen und breite politische Anerkennung. Im Gewerkschaftsstreit befürwortete er nachdrücklich das Fortbestehen der interkonfessionellen Christlichen Gewerkschaften. Nach der Revolution von 1918 war Trimborn eine wesentliche Stütze der pragmatischen Regierungskoalition seiner Partei mit der SPD. Als Mitglied der Weimarer Nationalversammlung und Vorsitzender der Reichstagsfraktion trug der Zentrumsführer maßgeblich zur politischen Stabilität Deutschlands bei. Seine organisatorische Umsicht und die ihm eigene Kompromissfähigkeit ermöglichten es, die innerparteilich auseinanderstrebenden Kräfte zu bündeln und durch die schwierigen ersten Jahre der Republik zu lotsen. Auf der breiten Grundlage von Archivquellen wird in diesem Band die Biographie des profilierten rheinischen und deutschen Zentrumspolitikers erstmals umfassend dargestellt. Sie vervollständigt das Bild jener Kräfte im politischen Katholizismus, denen es gelang, die Katholiken sowohl mit dem Wilhelminischen Nationalstaat als auch mit dem demokratischen Volksstaat der Weimarer Republik zu versöhnen.
Forschungsperspektiven und Ansätze zu einem internationalen Vergleich
HerausgeberInnen: Frank Kleinehagenbrock und Hubert Wolf
Zwölf Jahre war Eugenio Pacelli Nuntius in Deutschland und anschließend zehn Jahre Kardinalstaatssekretär im Vatikan, bevor er am Vorabend des Zweiten Weltkrieges zum Papst Pius XII. gewählt wurde.
Seit 2006 sind die vatikanischen Akten für die Jahre von 1917 bis 1939 für die historische Forschung freigegeben. Sie erlauben einen umfassenden Blick auf diese Zeit und neue Zugänge zur Politik und Person Pacellis. Die zentrale Überlieferung der Katholischen Kirche in der weltgeschichtlichen Umbruchsphase zwischen den beiden Weltkriegen bietet nicht nur eine neue Sicht auf Deutschland. Die neuen Archivquellen ermöglichen es auch erstmals, in einem internationalen Vergleich viele entscheidende Fragen zum Verhalten von Kirche und Kurie in dieser Zeit zu beantworten.
Katholische Presse in der Bundesrepublik Deutschland um 1968
Der Fall »Publik« steht für die bewegte Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils in Deutschland am Ausgang der 1960er Jahre. Die Studie geht der Geschichte und der Erinnerung dieses besonderen publizistischen Experiments der katholischen Kirche nach. Zugleich erhellt sie exemplarisch die Wirkungsgeschichte des Konzils in der Bundesrepublik Deutschland. 1968 mit kirchlicher Unterstützung aus der Taufe gehoben, entwickelte sich »Publik« sehr bald schon zum Streitfall: Die Bischöfe monierten die »roten Verkaufszahlen« und mit ihnen die reformfreudige Ausrichtung der neuen katholischen Wochenzeitung. Deren Befürworter verteidigten demgegenüber den »Geist des Konzils« gegen die Eingriffe der Kirchenhierarchie. In den Auseinandersetzungen spiegelten sich die zum Teil scharfen Polarisierungen im deutschen Katholizismus wider: Eine jüngere, intellektuelle Redaktion versuchte ihre Interpretation des konziliaren aggiornamento gegen die Widerstände eines Großteils der Bischöfe und trotz eines nachlassenden Leserinteresses durchzusetzen. Dieser Versuch fand seinen Niederschlag in einer verstärkt als »progressiv« und »links«lastig wahrgenommenen Zeitung. Die »Publik«-Redakteure loteten die Grenzen im bundesdeutschen Katholizismus neu aus. Ihre Vorstellungen von »Kirche« überforderten allerdings die Mehrheit der deutschen Katholiken. Im November 1971 beendeten die deutschen Bischöfe das inzwischen heftig umstrittene Medien-Experiment und stellten »Publik« ein. Motiviert durch größere Protestaktionen wagten einzelne Gruppen der Leserinitiative »Publik« schließlich mit der Gründung von »Publik-Forum« den konsequenten Aufbau einer kirchenkritischen Nachfolgezeitschrift. Die Studie legt über die engere Organisationsgeschichte von »Publik« hinaus erstmals die diskursive Kommunikation im nachkonziliaren deutschen Katholizismus frei. Sie ermöglicht damit zugleich neue Einsichten in die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils in Deutschland.
Ein Ringen um kirchliche Erneuerung im Geiste von »Demokratie« und »Dialog«.
Ein bislang unerforschtes Kapitel deutscher Kirchengeschichte wird erstmals aufgearbeitet und zugleich als zukunftsweisendes Experiment einer lebendigen Kirche zugänglich gemacht. Die Aneignung des Zweiten Vatikanischen Konzils erfolgte in Deutschland durch die Würzburger Synode von 1965 bis 1971. Für die Beratungen und Beschlüsse dieser Kirchenversammlung aller Bistümer waren die Vorgeschichte und die Vorbereitung von entscheidender Bedeutung.
Die Studie untersucht die Neuaufbrüche und Auseinandersetzungen im deutschen Katholizismus der Nachkonzilszeit.
Der deutsche Katholizismus zählt zu den bedeutenden politisch-sozialen Kräften der jüngsten deutschen Geschichte. An der Nahtstelle seines Gestaltwandels – des konziliaren Aufbruchs und des Abschieds vom Milieu – wurde 1962 in München die Kommission für Zeitgeschichte gegründet, um dieses Erbe zu erforschen und seine Bedeutung für die Kultur der Bundesrepublik Deutschland in das allgemeine Bewusst sein zu rücken. Die quellennahe historische Aufarbeitung dieser jüngsten Vergangenheit bietet bis heute in aufgeregten Kontroversen vor allem über die Zeit des Nationalsozialismus ein verlässliches Fundament. Mittlerweile sind die 1960er/70er Jahre selbst zum Gegenstand zeitgeschichtlicher Katholizismusforschung geworden. Die seitdem stark gewandelten gesellschaftlichen, religiösen und kirchlichen Verhältnisse haben die Rahmenbedingungen und den deutschen Katholizismus selbst grundlegend verändert. Der Band vereinigt Beiträge, in denen namhafte Historiker, Theologen, Soziologen und Politikwissenschaftler anlässlich des 50jährigen Bestehens der Kommission für Zeitgeschichte die Zusammenhänge von Zeitgeschichte und Gegenwart des Katholizismus aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Er bietet einen markanten Ausgangspunkt für die künftige Erforschung des Katholizismus in Deutschland.
HerausgeberIn: Karl-Joseph Hummel
Im ersten Jahrzehnt des »Kalten Krieges« war die katholische Kirche in der DDR massiven religionspolitischen Anfeindungen durch das SED-Regime ausgesetzt. Die ostdeutschen Bischöfe begegneten dem systematischen »Aufbau des Sozialismus« mit dem Bemühen um kirchenpolitische Geschlossenheit sowie um Befestigung der Fundamente von Pfarrseelsorge und Caritas. Es gelang, in Erfurt eine kirchliche Hochschule als Mittelpunkt eines eigenständigen Bildungsnetzwerkes einzurichten. Die meisten katholischen Jugendlichen blieben der Jugendweihe fern.
Die internen Berichte und persönlichen Briefwechsel der Bischöfe und Kirchenführer in der DDR dokumentieren vor allem den schwierigen Weg stiller Verhandlungen und Protest-Eingaben, den die katholische Diasporakirche während der frühen, von Diktaturkrise und globalem Ost-West-Konflikt bestimmten 1950er Jahren einschlug.