Unter Verweis auf die Benennung der Tiere durch Adam in Gen 2,19–20 wird in der Verbindung von jüdisch-christlichen mit neuplatonischen Rezeptionssträngen ein besonderer Konnex zwischen Benennen und Erkennen, zwischen Wort, Ding und Sinnerfassung hergestellt, der sich, so die These dieses Beitrags, in der Frühen Neuzeit bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts zu einer wissensgeschichtlich zentralen Epistemologie entfaltet. Im Akt der Benennung evoziert Adam zugleich mit den Namen das vollkommene, göttliche Wissen um die Dinge, weshalb dem Menschen mit dem Fall (Gen 3) und dem Verlust der einen, absoluten Sprache (Gen 11) auch die (vollkommene) Kenntnis der Dinge abhandenkommt. Aus diesem Wissensverlust wird ein soteriologisch legitimierter Erkenntnis- bzw. Forschungsauftrag abgeleitet, der über die stete Verhandlung spezifischer Wort-Ding-Relationen den Zugang zu Gottes Wort und Plan in der postlapsarischen Schöpfung zu erkennen sucht. In dieser Spannung von zugleich rückwärts als auch vorwärts gerichteter Erkenntnissuche entwickelt die Dechiffrierung des ‚Buchs der Natur‘ bis hin zu Carl von Linné eine Dynamik und Produktivität, die angesichts der Persistenz der klassischen Modernisierungstopoi auch die Frage der ‚Verzeitlichung‘ respektive des Stigmas des ‚Statischen‘ frühneuzeitlicher Wissensgenerierung noch einmal neu zu stellen vermag.

Nomina enim si pereunt, perit rerum cognitio

Carl von Linné, Systema Naturae, 1758, S. 7

in Religiöses Wissen im vormodernen Europa