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In den sächsisch-preußischen Beziehungen war es vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges den beiden Nachbarn noch gelungen, aufkommende Spannungen durch Konfliktmanagement abzubauen. Ein Zollstreit konnte 1728 mit einem Handels-und Freundschaftsvertrag beigelegt werden, den die Potentaten während des Karnevals feierten. Anlässlich dieses Festes wurde, möglicherweise nach russischem Vorbild, die »Societé des antisobres«, ein Trunkbündnis, geschlossen. Diesem gehörte fast die gesamte militärische Elite beider Staaten an, mithin auch das halbe »Tabakskollegium « des preußischen Hofes. Die Statuten des als Geheimgesellschaft konzipierten Bundes sahen regelmäßigen Weinkonsum zur Beziehungsstabilisierung vor. Die vom Militärischen inspirierten Decknamen der Mitglieder sowie gegenseitige Erzählungen über Trunkenheit sind in der diplomatischen Post über mehrere Jahre hinweg anzutreffen. Nach eigenem Bekunden gelang es, durch diese Form der »lukullischen Diplomatie« die Union zu zementieren. Mit dem Generationswechsel sollte die freundschaftliche Verbundenheit jedoch abrupt enden.

In: Geheime Netzwerke im Militär 1700–1945
In: Friedrich Christian Laukhard (1757–1822)
Schriftsteller, Radikalaufklärer und gelehrter Soldat
Friedrich Christian Laukhards (1757–1822) Schriften werden im vorliegenden Band erstmals von einer Gruppe von Forschern aus verschiedenen Disziplinen in den Blick genommen. Jenseits mancher Klischees vom fahrenden Magister und berüchtigten Burschen soll neues Interesse an diesem schillernden Aufklärer geweckt werden.
Laukhards Texte sind Quellen ersten Ranges, wenn es um die Erforschung der besonderen Situation der Spätaufklärung, ihrer Kultur und Klandestinität geht. Milieus und Praktiken der Radikalaufklärung, die in den letzten Jahrzehnten intensiv erforscht worden ist, werden in seinen Texten ungewöhnlich freimütig benannt. Die Beiträge dieses Bandes bahnen Wege in den literarischen Untergrund der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts. Das Buch richtet sich an Germanisten, Philosophen und Historiker, vor allem jedoch an Laukhards Leser.
Die Armee ist ein zentraler Machtfaktor im Staat, militärische Informationen sind grundsätzlich gesetzlich geschützt. Das Militär bildet zudem ein soziales System mit eigenen Normen, Ritualen und Symbolen. Die hierarchische Struktur und das starke Berufsethos prägen das Militär bis heute. Innerhalb dieses Rahmens bildeten sich immer wieder geheime Netzwerke von Militärangehörigen mit abweichenden Verhaltenskodizes. Sie erregten häufig den Verdacht, gegen das eigene Militärsystem oder den Staat gerichtet zu sein. Die Autorinnen und Autoren des Bandes erkunden die Wechselwirkungen zwischen Geheimbundorganisationen, Geheimnisträgern, Verschwörern und dem Militär – von Freimaurern und Illuminaten bis zum Stauffenberg-Kreis.