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In: Religiöses Wissen im vormodernen Europa

Die mittelhochdeutsche Lyrik greift mariologisches und marianisches Wissen vielfach auf – in der Darstellung von Marienleben, in der Überblendung der höchsten vrouwe und der Minnedame im Hohen Minnesang, im expliziten Marienpreis. Besonders komplexe Formen der Adaptationen finden sich im Werk Frauenlobs am Ende des 13. Jahrhunderts. Dabei spielen die spärlichen Geburtsberichte (Lk, Mt), die apokryphe Überlieferung, vor allem aber auch Rückgriffe auf die Apokalypse (insbes. Offb 1,12 und Offb 21), das Hohelied sowie die Weisheitsbücher (insbes. Sir 24) eine zentrale Rolle. Entscheidend ist, dass Frauenlob ganz unterschiedliche Mariendeutungen, wie sie sich seit den Anfängen der Marienverehrung in die Tradition in immer neuen Amalgationen eingeschrieben haben, aufgreift und in einer Fülle an disparaten Anspielungen elaboriert-eigenwillig kombiniert. Theologisches, naturwissenschaftliches und literarisches Wissen wird dabei aufgegriffen und rezipiert sowie in den Verfahren der ästhetischen Korrelation und Überblendung neu kommentiert und transformiert. Damit vermittelt Frauenlob nicht nur Expertenwissen in den Raum der höfischen Laienkultur hinein in Hinblick auf spezifische Deutungstraditionen und Funktionalisierungen der Marienfigur, sondern dynamisiert dieses Wissen zugleich mit Auswirkungen auf neue Geschlechter-, Minne-, ja selbst Autorkonzeptionen. Das Konzept des religiösen Wissens erlaubt es, gerade diesen doppelseitigen Wirkungsbezug herauszuarbeiten.

In: Religiöses Wissen im vormodernen Europa
In: Sonett-Gemeinschaften
In: Religiöses Wissen im vormodernen Europa
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Schöpfung – Mutterschaft – Passion
Religion und Wissen waren im vormodernen Europa keine Gegensätze. Sie befruchteten sich vielmehr gegenseitig; und ihr komplexes Zusammenwirken hat kraftvoll dazu beigetragen, dass sich in Europa jene spezifische Wissensgesellschaft ausbildete, die im Selbstverständnis der westlichen Moderne bis heute einen prominenten Platz einnimmt. Der Band untersucht, wie im Laufe der Jahrhunderte die Auseinandersetzung mit drei zentralen Themen der Bibel neue Wissensbestände und Formen des Wissens hervorgebracht hat. Die Autorinnen und Autoren gehen aus von den biblischen Aussagen zur Schöpfung, zur Jungfräulichkeit und Mutterschaft Mariens und zur Passion Christi. Sie beobachten, wie aus der immer wieder neuen Aktualisierung und Aneignung dieser Aussagen in Texten, in Bildern und in Ritualen neues Wissen über die Welt entstand – ein Wissen, das Lebensbereiche auch fern der Religion strukturieren konnte und schließlich auch den Geltungsanspruch des Bibeltextes selbst in Frage stellte.
Die soziale Referentialität des Sonetts
Das Sonett konstituiert in seiner langen Geschichte immer wieder soziale Räume für spezifische Gemeinschaften – zwischen Lebenden, aber auch über die Jahrhunderte hinweg mit historischen Personen. Während das Sonett häufig als poetologische Gattung im Vordergrund steht, profiliert dieser Band die vielfältige „soziale Referentialität“ des Sonetts – seine kommunikative Bindungskraft – und setzt diese ins Verhältnis zu intertextuellen, intermedialen und autoreferentiellen Bezügen. Gattungstheoretische Überlegungen gehen dabei Hand in Hand mit exemplarischen Interpretationen. Mit Beiträgen von Annette Gerok-Reiter, Andreas Kablitz, Joachim Knape, Hans-Georg Kemper, Bernhard Greiner, Michael Maurer, Gertrud Maria Rösch, Helmuth Mojem, Ralph Häfner, Cornelia Ortlieb, Friedrich Vollhardt, Jörg Robert, Katharina Grätz, Helmuth Kiesel, Monika Schmitz-Emans und Jürgen Wertheimer.