Im Frühjahr 1894 unternahm der schwedische Dramatiker, Essayist und selbsterklärte Naturalist August Strindberg ein ungewöhnliches Experiment: Er setzte Negative, wie sie üblicherweise zur Fotografie mit einer Kamera genutzt wurden, dem nächtlichen Licht der Gestirne aus und interpretierte die Bildstrukturen, die dabei entstanden, als Himmelsbilder, Celestographien. Ausgehend von der Tatsache, dass Strindberg die Astronomen seiner Zeit mit dieser Interpretation nicht überzeugen konnte, diskutiert der Aufsatz, wie der Künstler das in der biblischen Schöpfungsgeschichte angelegte Modell, in dem Licht eine prominente Rolle spielt (Genesis 1,3–19), in seinem fotografischen – d.h. lichtbasierten – Experiment dazu nutzte, das Verhältnis von künstlerischer und göttlicher Schöpfung zur Diskussion zu stellen. Dabei zeigt sich, dass das religiöse Wissen über einen Schöpfergott in der an naturwissenschaftlichen Paradigmen orientierten Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts in numinosen Aspekten künstlerischer Kreativität eine Fortsetzung fand. Strindberg ließ allerdings offen, ob damit der Künstler zu einer quasi göttlichen Instanz wird. Vielmehr thematisierte er mit seinem Experiment, dass auch die Astronomie, die zu seiner Zeit aufgrund ihrer Bilder vom All besonders populär war, Traditionen biblischen Schöpfertums transportierte, so dass die Frage nach einer göttlichen Existenz damals alles andere als geklärt erscheint.

in Religiöses Wissen im vormodernen Europa