Porträt einer Vielvölkerstadt am Rande des Zarenreiches 1857-1914
HerausgeberInnen: Erwin Oberländer und Kristine Wohlfart
Riga – ungekrönte Hauptstadt des Baltikums: Ihre „Goldene Zeit“, ihr Aufstieg zu einer der glanzvollsten Metropolen des Zarenreichs begann in der Mitte des 19. Jahrhunderts. 1914, am Vorabend des Ersten Weltkriegs, war Riga die prächtigste Stadt des europäischen Jugendstils. Viele Völker haben an dieser Stadt gebaut, haben sie geprägt und sind von ihr geprägt worden. Von den Völkern Rigas erzählt dieses Buch. Für das Porträt dieser faszinierenden Stadt haben die Autoren – fünf lettische und zwei deutsche Historiker – vielfältige Quellen ausgewertet – aus der zeitgenössischen Presse wie aus dem lettischen Staatsarchiv. Das Buch wendet sich an einen breiten Leserkreis. Letten, Deutsche, Russen, Juden, Polen, Litauer und Esten schufen die Grundlage des modernen Riga, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von einer eher regionalen Handels- und Verwaltungsstadt zum Industriezentrum und zum ersten Seehandelsplatz des Zarenreichs aufstieg. Die Bevölkerung wuchs in dieser Zeit von Hunderttausend auf knapp Fünfhunderttausend. Trotz dieser wirtschaftlichen Gemeinschaftsleistung kam es zu keiner engeren Verflechtung der einzelnen in Riga lebenden nationalen Gruppen, vielmehr lebte jede gleichsam in ihrem eigenen Riga. Der Blick auf diese Lebenswelten lässt den Aufstieg Rigas in einem anderen Licht erscheinen als die nüchternen Zahlen außergewöhnlicher Zuwachsraten in Handel und Industrie und eröffnet einen bisher kaum beachteten Zugang zur neueren Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner. Im Ergebnis fügen sich die Bilder vom Leben der einzelnen Nationalitäten zu einem Gesamtporträt, das von einer nationalen, religiösen und kulturellen Vielfalt geprägt war, wie sie Riga weder vor der Mitte des 19. Jahrhunderts je gekannt noch nach 1918 je wieder erlebt hat.
Vom polnisch-litauischen Lehnsherzogtum zur russischen Provinz. Dokumente zur Verfassungsgeschichte 1561-1795
HerausgeberInnen: Erwin Oberländer und Volker Keller
Das Herzogtum Kurland, 1561 aus Resten des livländischen Ordensstaates entstanden und 1795 untergegangen, nimmt in seiner Entwicklung – deutscher Herzog und deutscher Adel, lettische Bauernschaft, polnisch-litauischer Lehnsherr und russische Zaren als Garanten der Adelsprivilegien – unter den Territorialherrschaften der Frühen Neuzeit eine Sonderstellung ein. Der Kampf um die Vorherrschaft zwischen Herzog und Ritterschaft, der von den rivalisierenden Nachbarmächten Schweden, Polen-Litauen und Russland stark beeinflusst wurde, prägte die gesamte Geschichte des Herzogtums. Er sucht in der deutschen Verfassungsgeschichte seinesgleichen, doch hat er in der jüngeren Diskussion zum Absolutismus kaum Beachtung gefunden. Die vorliegende Edition schwer zugänglicher Quellen eröffnet einen neuen Zugang zur Geschichte dieses ebenso eigenartigen wie interessanten Herzogtums.
2. Auflage
Autoritäre Regierungsformen erleben in Osteuropa eine Renaissance, und vielfach knüpfen die heutigen Machthaber an Traditionen und Vorbilder der Zeit zwischen den Weltkriegen an. Denn vom Balkan bis zum Baltikum bestanden nach 1918 zwölf selbständige Staaten mit demokratischen Verfassungen, von denen sich zehn in den 1920er und 1930er Jahren in autoritäre Präsidial- oder Königsdikaturen verwandelten. Die im vorliegenden Band versammelten Innenansichten dieser Regime vermitteln nicht nur Einblicke in die teils bis heute relevanten Verhältnisse im Ostmittel- und Südosteuropa der Zwischenkriegszeit, sondern weisen auch interessante Parallelen zur aktuellen Entwicklung autoritärer Regime auf, wie der Herausgeber in seinem Nachwort erläutert. Behandelt werden: Estland – Lettland – Litauen – Polen – Ungarn – Slowakei – Österreich – Rumänien – Bulgarien – Griechenland – Albanien – Jugoslawien – Serbien.
Ein Jahrhundert Staatlichkeit
Ein informatives und fundiertes Panorama der lettischen Geschichte und Kultur, Wirtschaft und Politik seit der Unabhängigkeitserklärung 1918.
Die Republik Lettland, heute EU- und NATO-Mitglied, wurde 1918 mit großen Hoffnungen und demokratischen Zielsetzungen ins Leben gerufen, geriet aber unter sowjetische, nationalsozialistische und sowjetische Herrschaft, ehe sie 1990 wieder unabhängig wurde. Ausgewiesene Expertinnen und Experten aus Lettland, Deutschland und Dänemark bieten in diesem Band einen Überblick über die wichtigsten Zäsuren und Themen des ersten Jahrhunderts lettischer Staatlichkeit.