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Eine kritische Diskussion wissenschaftstheoretischer Ansätze der Religionspädagogik
Pluralität ist nicht nur eine Signatur der Lebenswelt, von der die Religionspädagogik herausgefordert ist. Die äußere Pluralität führt vielmehr auch zu einer vielgestaltigen Ausrichtung der Religionspädagogik selbst als Wissenschaft.
So buchstabiert(e) sich die Disziplin unter anderem als Anwendungswissenschaft, Ideologiekritik, Handlungswissenschaft, empirische Wissenschaft, Wahrnehmungswissenschaft und Semiotik aus. Dies lässt fragen, ob die wissenschaftstheoretische Ausrichtung der Religionspädagogik eine Perspektivenfrage darstellt, die nach einer Richtungsentscheidung verlangt. Die unterschiedlichen Erarbeitungsschritte der vorliegenden Studie steuern diesbezüglich einer eindeutigen Antwort zu: Nicht in einer künstlich erzeugten Monoperspektivität, sondern in einer kritisch-reflektierten Multiperspektivität ist die entscheidende Option einer zukunftsfähigen Religionspädagogik zu sehen.
Eine empirische Studie über die Gottesbeziehungen muslimischer Kinder als reflexiver Beitrag zur Didaktik des Islamischen Religionsunterrichts
Fahimah Ulfat rekonstruiert mit Hilfe der dokumentarischen Methode die Gottesbeziehung von muslimischen Kindern. Ihre Ergebnisse zeigen, dass muslimische Kinder in Deutschland im Alter von zehn Jahren bereits ein breites Spektrum an Gottesbildern und -bezügen aufweisen.
Ulfats Untersuchung ist die erste empirische Studie zur Got-tesbeziehung von muslimischen Kindern in Europa. Sie ist für das Verständnis der Entwicklung muslimischer Identität wissenschaftlich von hoher Bedeutung. Gleichzeitig sind die Erkenntnisse aus dieser Arbeit auch für die Weiterentwicklung eines modernen Islamischen Religionsunterrichts in einer demokratischen und ausdifferenzierten Gesellschaft von großer Bedeutung: Es geht darum, junge Gläubige auf ein Leben in einer religiös-pluralen Gesellschaft vorzubereiten, in dem die individuelle Gottesbeziehung und die Reflexivität der eigenen Religion eine entscheidende Voraussetzung zur Verhinderung von Radikalisierung und moralischer Rigidität darstellt.
Nur einem bildsamen Wesen kann ein Gott sich offenbaren
In seiner Bildsamkeit ist der Mensch ein Abbild der schöpferischen Kraft Gottes. In welchem Zusammenhang stehen dann Bildung und Religion? Inwiefern sollte Religion Bestandteil öffentlicher Erziehung und Bildung sein? Welche Relevanz hat der schulische Religionsunterricht heute?
Zu diesen Fragen thematisiert der vorliegende Band das Verhältnis von Pädagogik, Theologie und Religionspädagogik, indem er Grundbegriffe und Basistheorien erläutert sowie Zusammenhänge zwischen der pädagogischen Grundtatsache menschlicher Bildsamkeit und dem theologischen Begriff einer göttlichen Ebenbildlichkeit des Menschen aufzeigt. Ebenso werden bildungs- und religionspolitische Fragen im Kontext einer angemessenen Institutionalisierung von Religionsunterricht an öffentlichen Schulen diskutiert. Gemeinsames Ziel aller Beiträge ist es, die Entwicklung einer durch schulischen Religionsunterricht geförderten religiösen Kompetenz als Teil öffentlicher Erziehung und Bildung auszuweisen.
Begründungen und Grundlagen religiöser Bildung in der Schule
Der konfessionelle Religionsunterricht gerät in Schule und Öffentlichkeit immer stärker unter Legitimationsdruck. Inwiefern ist er in Zeiten religiöser Pluralität für die Heranwachsenden noch relevant? Wie müssen religiöse Bildungsprozesse gestaltet sein, damit sie auf die Fragen und Bedürfnisse der Heranwachsenden eingehen, ohne Religion auf »Lebenshilfe« hin zu funktionalisieren? Wenn der bekenntnisorientierte Unterricht weiterhin ordentliches Schulfach sein soll, dann ist die Frage nach dessen unersetzlichem Eigen-Wert zu stellen. Studierenden als auch Lehrkräften wird gezeigt, dass und wie er notwendiger Bestandteil öffentlicher Bildung in einer postsäkularen Gesellschaft sein muss. Auf dieser Grundlage werden didaktische Handlungsprinzipien (neu) ausgerichtet und es wird zugleich innovativ in die Religionspädagogik eingeführt.
Der religiös-weltanschauliche Pluralismus gilt als Signatur der heutigen Lebenswelt. Auch im schulischen Kontext kommt er verstärkt zum Tragen, stellt aber für Unterrichtende in Schule und Universität eine Herausforderung dar: Einerseits ist der Staat grundsätzlich zu »religiös-weltanschaulicher Neutralität« verpflichtet, andererseits ist die Wahrnehmung von Erziehungs- und Bildungsaufgaben aber stets von Überzeugungen geprägt, die nicht einfach religiös oder weltanschaulich neutral sind.
Sara Haen kommt aus historisch-systematischer Perspektive zu facettenreichen Antworten, wie zentrale Vertreter aus Religionspädagogik und Erziehungswissenschaft mit dem in Bezug auf den (Religions-)Unterricht spannungsvollen Verhältnis umgegangen sind. Ihre (historischen) Analysen stellen eine weiter zu entwickelnde Kooperation der Religionspädagogik mit der Erziehungswissenschaft in Aussicht, die im Zuge religiös-weltanschaulicher Konflikte in gesellschaftlicher und politischer Hinsicht immer dringlicher wird, und erweisen sich auch als Impulse für die Zukunft.
Grundlagen, Herausforderungen und Perspektiven
Wertefragen haben Konjunktur. Religiöse Lern- und Bildungsprozesse können Schülerinnen und Schüler befähigen, sich ein tragfähiges Wertesystem aufzubauen.
Welche Herausforderungen bringt die »Aufgabe Werte« für Heranwachsende mit sich? Was kann schulischer Religionsunterricht im Zeitalter der Pluralität zur Wertebildung der Schülerinnen und Schüler beitragen? Ausgehend von gegenwartsgesellschaftlichen und psychologischen Diagnosen wird eine Theorie religiös grundierter Wertebildung entfaltet, die auf philosophische, soziologische sowie theologische Erkenntnisse Bezug nimmt.
Bildungstheoretischer Referenzpunkt sind dabei die Schülerinnen und Schüler, indem der Möglichkeitsraum christlich-religiöser Wertefundierung subjektorientiert erschlossen und religionsdidaktisch konturiert wird.
Überführung der Gewaltverflochtenheit in Sprache
Schülerinnen und Schüler mit Unterstützungsbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung überführen ihre Gewaltverflochtenheit mit Hilfe der individuellen Klagepsalmen in Sprache. Die Autorin entwickelt in ihrer Arbeit ein Lehr-Lernarrangement für Kinder und Jugendliche mit Unterstützungsbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung. Damit nimmt sie eine Schülergruppe in den Blick, die in vielfältige Gewaltzusammenhänge verflochten ist und meist als bildungs- oder religionsfern bezeichnet wird. In dem dargestellten Lehr- und Lernarrangement konnten diese Schülerinnen und Schüler über die individuellen Klagepsalmen einen Zugang zu religiösen Inhalten finden. Sie wurden religiös sprachfähig und setzten sich in ihren Psalmtexten mit belastenden Emotionen auseinander.