in Provokationen der Technikgeschichte
Zum Reflexionszwang historischer Forschung
HerausgeberInnen: Martina Heßler und Heike Weber
Technisierungsprozesse verändern derzeit die Lebenswelt in einer Weise, wie es zuvor nur der Industrialisierung attestiert wurde. Diese Herausforderungen der Gegenwart provozieren die historische Technikforschung, neue und große Fragen zu stellen.

Im Sinne einer gegenwartsorientierten Geschichtsschreibung kann Technikgeschichte nur dann zu aktuellen Debatten beitragen, wenn sie sich dem Zwang zur kritischen Reflexion stellt und neue Konzepte, Herangehensweisen und Untersuchungsfelder entwickelt. Der Band macht daher Vorschläge zur Erforschung von Digitalisierungs- und Globalisierungsprozessen sowie zur Reflexion des Menschseins in einer technisierten Welt. Weiter nimmt der Band zur Ausrufung des Anthropozäns und zur Problematik der unterschiedlichen Temporalitäten von Technik Stellung.
in Provokationen der Technikgeschichte
Eine Stoffgeschichte der Kulturpflanze Raps (1897–2017)
Wer sich im Frühjahr jenseits der Stadtgrenzen bewegt, dem sind sie bekannt: die gelben, wogenden Rapsfelder. Aber kaum einer kennt die wechselvolle Geschichte hinter dieser landschaftsprägenden Pflanze.
Was 1897 auf einer kleinen Ostseeinsel als Liebhaberei eines Züchters seinen Anfang nahm, avancierte in der Zeit der Weltkriege zur Ultima Ratio in der Nahrungsmittelversorgung. Raps war Teil der typisch deutschen Ersatzstoffkultur. Die Entwicklung nach 1945 liefert ein interessantes Kapitel deutsch-deutscher Geschichte. Der in den 1980er Jahren einsetzende Boom prägt heute sowohl das Bild von ländlicher Natur als auch von gesunder Nahrung. Die Raps-Geschichte ist deshalb auch eine deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts, die mit den Weltkriegen, der NS-Autarkiepolitik, der deutschen Teilung, der Ära der Ökologie und des Strebens nach erneuerbaren Energieträgern verknüpft ist.