Zwischen christlichem Ideal und politischer Realität
Blick ins Buch

Metropolit Andrey Sheptytskyj war der einflussreichste Repräsentant der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche im 20. Jahrhundert. Sein letzter Lebensabschnitt unter dem NS-Regime wird bis heute sehr gegensätzlich bewertet und kontrovers diskutiert.
Während die sowjetische Geschichtsschreibung Sheptytskyj als Kollaborateur des NS-Regimes, Feind des Kommunismus und Agenten des Vatikans verurteilte, verehrt die griechisch-katholische Kirche ihn als nationale Symbolfigur, als »neuen Moses«, dessen Heiligsprechung sie betreibt. Mykhaleyko legt einen Beitrag zur Neubewertung Sheptytskyjs vor: Durch die Kontextualisierung seiner Biographie im Zeitalter der Totalitarismen während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts korrigiert die Studie die historischen Narrative, dekonstruiert die ideologischen Porträts Sheptytskyjs und entmythologisiert das ambivalente Verhältnis Sheptytskyjs zum NS-Regime.
Los-von-Rom-Bewegungen des Fin de Siècle im Spannungsfeld zwischen Nationalismus, Fortschrittsglauben und Identitätssuche
Am Beginn des neuen Jahrhunderts 1900 ertönte der Ruf »Los von Rom!« von allen Enden Österreich-Ungarns: Slowenen, Kroaten, Deutsch-Österreicher, Tschechen, Ruthenen – sie alle schienen dezidiert anti-katholische Ressentiments zu entwickeln und anfällig zu sein für nationalistische Agitation zum Übertritt in ein vermeintlich »besseres« Bekenntnis. Diese Studie untersucht die Hintergründe einzelner Los-von-Rom-Konfikte am Beispiel der drei südslawischen Los-von-Rom Bewegungen Ricmanje, Podraga und Santovo und ordnet sie in breitere Spannungsfelder ein.
Johannes Lepsius und seine Mission
Der Orientalist und evangelische Theologe Johannes Lepsius (1858–1926) trat seit den systematischen Massakern (1894–96) an Armeniern im Osmanischen Reich als bedeutender Unterstützer der Verfolgten hervor. Ein von ihm bzw. seiner Deutschen Orient-Mission mitbegründetes Hilfswerk und seine publizistische Tätigkeit zielten auf eine breitangelegte Hilfe für die bedrohten Armenier. J. Lepsius setzte sich im Ersten Weltkrieg auch für eine deutsche Intervention zur Verhinderung des Genozids an den Armeniern im Osmanischen Reich ein. Nach dem Scheitern dieser Bemühungen alarmierte er die internationale Öffentlichkeit durch zahlreiche Interviews und Publikationen. Daneben unterstützte er weiterhin Überlebende über sein Hilfswerk, das nach seinem Tod von seiner Missionsgesellschaft noch beinahe weitere zwei Jahrzehnte ununterbrochen fortgeführt wurde.
Die umfassende Darstellung basiert auf zahlreichen neuerschlossenen Quellen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der publizistischen Tätigkeit von Lepsius und seinen Mitarbeiter/innen, die einerseits darauf abzielte, den Völkermord abzuwenden, andererseits auch die Öffentlichkeit in Deutschland und Europa über die Lage der Armenier zu informieren und zu Hilfsaktionen zur Rettung von Überlebenden der Todesmärsche und Massaker zu mobilisieren.
This new series focuses on the interplay between theological thinking and cultural self-understanding of the Oriental-Orthodox, the Byzantine and the Uniate branches of the Eastern Churches worldwide. The series studies the Eastern Churches' various roles within their mainfold contexts, i.e. either as actors within the transformation-processes in Eastern Europe or as minorities both in the Middle East and in the north American diaspora. By fully acknowledging the role of ritual and hagiography for the ecclesial community-building and the theology of the Eastern Churches the series opens up new approaches to an often-neglected dimension of global Christianity. The series accepts contributions in English, German and French. Each incoming manuscript is evaluated in a peer-reviewing-process conducted by renowned specialists from the editorial and the advisory boards.