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Elsässische und französisch-lothringische Geistliche im Ersten Weltkrieg
Author:
Die Studie liefert einen wichtigen Beitrag zur deutschen und französischen Erfahrungsgeschichte des Ersten Weltkriegs. Am Beispiel der Grenzregion Elsass-Lothringen und dem von der Front zerschnittenen französischen Lothringen wird untersucht, wie tief sich auf beiden Seiten bei Klerikern, die als Soldaten, Sanitäter und Feld- oder zivilseelsorger fungierten, die religiöse Deutung des Krieges mit nationalen Selbst- und Fremdbildern verband. Auf einem breiten Fundament bislang unveröffentlichter Quellen, die dem Buch in einer CD-ROM beigegeben sind, kommt die Autorin zu einem ernüchternden Ergebnis: Die religiöse Deutung des Krieges nutzte sich ab, aber sie wurde nicht grundsätzlich in Frage gestellt.
Von der katholischen Pädagogik zur Pädagogik von Katholiken
Author:
Katholische Lehrerverbände und pädagogisch interessierte Akademiker gründeten 1922 in Münster das »Deutsche Institut für wissenschaftliche Pädagogik«. Ihr Ziel war es, eine »katholische Pädagogik« als »Bollwerk« gegen jeglichen »Relativismus« zu errichten. Im Laufe der 1920er Jahre entstand ein mit erheblichen finanziellen Mitteln ausgestattetes modernes Forschungs- und Fortbildungszentrum, an dem von 1932 bis 1933 auch Edith Stein als Dozentin arbeitete. Die Auseinandersetzungen der nachfolgenden Diktaturjahre endeten 1938 mit der erzwungenen Schließung des Instituts. Als Antwortversuch auf die »Entchristlichung« der Gesellschaft durch den Nationalsozialismus erfolgte nach 1945 der Wiederaufbau im Zeichen betont konfessioneller Bildungspolitik. In den 1960er Jahren rückte das Institut im Kontext des Zweiten Vatikanischen Konzils, der Diskussionen um die Bildungsreform und die »empirische Wende« in der Erziehungswissenschaft dann vom Denkmuster einer katholischen Pädagogik ab. Zeitweise forcierten die Verantwortlichen jetzt eine personalistische Pädagogik mit christlichem Anspruch. Ab 1970 wandte man sich der bildungspolitisch hochaktuellen Curriculumforschung zu. Ein Streit um das »katholische« Profil veranlasste die deutschen Bischöfe aber 1980 das Institut aufzulösen. Auf einer breiten Grundlage unveröffentlichten Archivmaterials und zahlreicher zeitgenössischer Fachzeitschriften rekonstruiert der Autor mit dieser Institutsgeschichte zugleich die typischen Denkmuster einer »katholischen Pädagogik« sowie deren personelle und institutionelle Strukturen. In einem großen zeitlichen Bogen entsteht ein facettenreiches Bild der »katholischen Pädagogik« als kommunikativem Netzwerk im Rahmen der gesellschaftspolitischen, kirchlichen und wissenschaftlichen Umbrüche des 20. Jahrhunderts. Erstmals gelingt so ein fundierter Überblick über ein bisher kaum erforschtes Kapitel deutscher Bildungs- und Katholizismusgeschichte.
Editor:
In der Bundesrepublik Deutschland setzte in den 1950er Jahren ein weitreichender gesellschaftlicher Wandel ein: Das Ende der Adenauer-Ära kündigte sich an. In der Wirtschafts-, Arbeits- und Lebenswelt vollzogen sich grundlegende Veränderungen: Gleichstellung der Frau innerhalb der Familie, Einführung der gleitenden Arbeitswoche und die Veränderung der Sozialhilfe waren nur einige äußere Anzeichen.
Kirche und Katholizismus in Deutschland wurden in diesen grundlegenden politischen und gesellschaftlichen Wandel einbezogen. Dieser Dokumentenband legt für Wissenschaft und Forschung mehr als 300 kritisch kommentierte Konferenzprotokolle, Berichte und Briefe aus den Aktenbeständen der Erzbischöfe von Köln sowie von München und Freising vor. Sie ermöglichen einen unmittelbaren Einblick in das Denken und Handeln der katholischen Bischöfe am Vorabend der »langen sechziger Jahre« in Deutschland und des epochalen Zweiten Vatikanischen Konzils.
Politik, Geschlecht und Religiosität im Katholischen Deutschen Frauenbund
»Kinder, Küche, Kirche« gilt allgemein als Stereotype für das Rollenbild der Frau in der Adenauer-Ära. Das Beispiel des Katholischen Deutschen Frauenbundes zeigt eine andere, weitaus dynamischere Wirklichkeit.
Die dort engagierten Katholikinnen kämpften um politischen Einfluss und setzten sich für bessere Berufschancen von Frauen sowie für die Anerkennung der Haus- und Familienarbeit ein. Innerhalb der Kirche forderten sie Frauenquoten in Laiengremien.
Diese überzeugende Studie gibt einen neuen Einblick in religiöses Selbstverständnis, katholische Netzwerke, gesellschaftspolitische Diskussionen und Gestaltungsräume der katholischen Frauenbewegung nach 1945.
Wie reagierte die katholische Kirche in der Sowjetischen Besatzungszone auf den Zustrom von Hunderttausenden vertriebener Katholiken? Welche Möglichkeiten ihrer Integration besaß sie in einem politischen Umfeld, in dem die Religion an den Rand gedrängt wurde?
Das Buch geht diesen Fragen am Beispiel von ca. 200 Priestern nach, die im Bistum Meißen und im Erzbischöflichen Amt Görlitz eine neue, »fremde Heimat« fanden. Ihrer Eingliederung standen kirchenpolitische, aber auch vielfältige seelsorgerliche Hindernisse entgegen. Die Autorin zeigt, welch erhebliche Integrationsschwierigkeiten die Kirche nach innen hatte, während sie den Vertriebenen nach außen einen religiös-kulturellen Schutzraum in einem sozialistischen Staats- und Gesellschaftsgefüge bot.
Krieg, christliche Kultur und Antisemitismus in Ungarn
»Prohászka, Ottokár. Leading figure of conservative antisemitic ideology.« – Diesen Satz liest der Besucher in ungarischer und englischer Sprache unter einem Portrait des Bischofs Ottokár in der Dauerausstellung des im April 2004 neu eröffneten Holocaust-Museums in Budapest. Prohászka war von 1905 bis 1927 Bischof von Stuhlweißenburg (Székesfehérvár) und gilt als Initiator für die Formung des Katholizismus in Ungarn seit Mitte der 1890er Jahre. Die aktuelle Forschung sieht einen engen Zusammenhang zwischen dem politischen Katholizismus Ungarns und dem Antisemitismus der Zwischenkriegszeit. So lautet die Kernfrage des Buches: Welche Rolle spielte die »Erfahrung des Krieges« im Wandlungsprozess antisemitischer und nationalistischer Denkweise bei Prohászka? Welche Wirkung hatte der Krieg auf das Denken und Handeln katholischer Würdenträger in Ungarn? Besteht ein Zusammenhang zwischen Theologie, Nationalismus und Antisemitismus?
Eine politische Biographie des letzten bayerischen Gesandten am Heiligen Stuhl Otto von Ritter (1909-1934)
Author:
Inwiefern beeinträchtigte eine Enzyklika von 1910 den gesellschaftlichen Frieden im Reich? Warum erklärte der Papst das Bayerische Konkordat von 1924/25 zum Mustervertrag für alle weiteren Staatskirchenverträge? Und wieso gelang es 1919, die bayerische Gesandtschaft am Heiligen Stuhl gegen den erklärten Willen des Reichs zu erhalten, 1933/34 aber nicht?
Vor dem Horizont bayerischer wie deutscher Politik wird das Wirken des letzten bayerischen Gesandten in Rom (1909-1934) einer intensiven Analyse unterzogen. War 1871 noch über »finis bavariae« lamentiert worden, stellte die Kirchenpolitik auch unter den Bedingungen von Kaiserreich und Weimarer Republik dasjenige Feld dar, auf dem Bayern weiterhin Deutschland-, ja sogar Außenpolitik betreiben konnte.
Author:
Carl Trimborn gehört zu den zu Unrecht in Vergessenheit geratenen führenden Persönlichkeiten des politischen Katholizismus im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Durch seine Umsicht und Kompromissfähigkeit trug er dazu bei, die Zentrumspartei durch die Revolution von 1918 und die schwierigen ersten Jahre der Republik zu lotsen.
Der 1854 in Köln geborene Jurist wirkte 1894-1920 als Vor-sitzen-der der Zentrumspartei in der Rheinprovinz auf den Aufbau einer modernen Parteiorganisation hin. 1896-1921 vertrat er das Zentrum im Reichstag, wo er sich bis 1914 für sozialpolitische Verbesserungen einsetzte. Während des Ersten Weltkriegs war er für die Organisation des Schulwesens im besetzten Belgien verantwortlich. Nach dem Umsturz von 1918 war Trimborn als Reichsvorsitzender des Zentrums und Vors. der Reichstagsfraktion eine wesentliche Stütze der pragmatischen Koalition seiner Partei mit der SPD und leistete damit einen wesentlichen Beitrag zur politischen Stabilität in Deutschland. Grundlage des Werkes ist der Nachlass Trimborns, der für diese Biographie ausgewertet wurde.
Forschungsperspektiven und Ansätze zu einem internationalen Vergleich
Zwölf Jahre war Eugenio Pacelli Nuntius in Deutschland und anschließend zehn Jahre Kardinalstaatssekretär im Vatikan, bevor er am Vorabend des Zweiten Weltkrieges zum Papst Pius XII. gewählt wurde.
Seit 2006 sind die vatikanischen Akten für die Jahre von 1917 bis 1939 für die historische Forschung freigegeben. Sie erlauben einen umfassenden Blick auf diese Zeit und neue Zugänge zur Politik und Person Pacellis. Die zentrale Überlieferung der Katholischen Kirche in der weltgeschichtlichen Umbruchsphase zwischen den beiden Weltkriegen bietet nicht nur eine neue Sicht auf Deutschland. Die neuen Archivquellen ermöglichen es auch erstmals, in einem internationalen Vergleich viele entscheidende Fragen zum Verhalten von Kirche und Kurie in dieser Zeit zu beantworten.
Katholische Presse in der Bundesrepublik Deutschland um 1968
Der Fall »Publik« steht für die bewegte Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils in Deutschland am Ausgang der 1960er Jahre. Die Studie geht der Geschichte und der Erinnerung dieses besonderen publizistischen Experiments der katholischen Kirche nach. Zugleich erhellt sie exemplarisch die Wirkungsgeschichte des Konzils in der Bundesrepublik Deutschland. 1968 mit kirchlicher Unterstützung aus der Taufe gehoben, entwickelte sich »Publik« sehr bald schon zum Streitfall: Die Bischöfe monierten die »roten Verkaufszahlen« und mit ihnen die reformfreudige Ausrichtung der neuen katholischen Wochenzeitung. Deren Befürworter verteidigten demgegenüber den »Geist des Konzils« gegen die Eingriffe der Kirchenhierarchie. In den Auseinandersetzungen spiegelten sich die zum Teil scharfen Polarisierungen im deutschen Katholizismus wider: Eine jüngere, intellektuelle Redaktion versuchte ihre Interpretation des konziliaren aggiornamento gegen die Widerstände eines Großteils der Bischöfe und trotz eines nachlassenden Leserinteresses durchzusetzen. Dieser Versuch fand seinen Niederschlag in einer verstärkt als »progressiv« und »links«lastig wahrgenommenen Zeitung. Die »Publik«-Redakteure loteten die Grenzen im bundesdeutschen Katholizismus neu aus. Ihre Vorstellungen von »Kirche« überforderten allerdings die Mehrheit der deutschen Katholiken. Im November 1971 beendeten die deutschen Bischöfe das inzwischen heftig umstrittene Medien-Experiment und stellten »Publik« ein. Motiviert durch größere Protestaktionen wagten einzelne Gruppen der Leserinitiative »Publik« schließlich mit der Gründung von »Publik-Forum« den konsequenten Aufbau einer kirchenkritischen Nachfolgezeitschrift. Die Studie legt über die engere Organisationsgeschichte von »Publik« hinaus erstmals die diskursive Kommunikation im nachkonziliaren deutschen Katholizismus frei. Sie ermöglicht damit zugleich neue Einsichten in die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils in Deutschland.