In: Zwangsarbeit als Kriegsressource in Europa und Asien
In: Zwangsarbeit als Kriegsressource in Europa und Asien
In: Zwangsarbeit als Kriegsressource in Europa und Asien
Die Transformation des Nils und das moderne Ägypten 1882–1971
Die Bedeutung des Nils und seiner technischen Umgestaltung in einen Bewässerungskanal für die Entstehung des modernen Staates Ägypten wird bis heute unterschätzt. Das Streben nach Kontrolle über die Ressource Wasser machte Ägypter und Briten zu Rivalen um die Zukunft des Landes.
Die Geschichte Ägyptens im 20. Jahrhundert und seine koloniale Befreiung wurden meist als Kampf politischer und sozialer Kräfte erzählt. Dem Nil und seiner wasserbaulichen Nutzung – der Konstruktion von Bewässerungsanlagen und Staudämmen in dem Wüstenstaat – wurde aus historischer Perspektive jedoch kaum Beachtung geschenkt. Der Band schließt diese Lücke. Er erzählt, wie Wasserbauingenieure einen »neuen« Nil konstruierten, um Ägypten zu einem fortschrittlichen Land zu machen. Das Ziel, einen modernen Wasserbau-Staat ohne Ressourcenknappheit zu errichten, führte zur Rivalität zwischen den Ägyptern und der Kolonialmacht Großbritannien hinsichtlich ihrer Pläne für die Zukunft des Landes. Der Nil wurde zur Arena dieser Auseinandersetzung – mit Folgen bis in die Gegenwart.
Energiewende im Badezimmer 1880-1939
Die Arbeit untersucht den Wandel der Energienutzung im Privathaushalt am Beispiel der Körperpflege in Deutschland. Im Mittelpunkt stehen dabei Geräte zur Warmwasserbereitung, die als Bestandteil komplexer Ordnungen wie Wohnen und Energieversorgung untersucht werden. Die Autorin nimmt dabei einen Zeitraum in den Blick, als in Deutschland weder Badezimmer noch moderne Geräte zur Warmwasserbereitung bereits massenhaft im Haushalt Verbreitung gefunden hatten. Doch wurden Anwendungsmöglichkeiten für den privaten Haushalt diskutiert und ausprobiert. Auch flossen die ersten Erfahrungen von Nutzern in die Entwicklung von Geräten oder Konzepten für den Massenwohnungsbau ein. Durch die Einbeziehung von Egodokumenten und weiteren Hinweisen auf die Aneignung der Geräte im Privathaushalt kann die Weiterentwicklung insbesondere der elektrischen Warmwassergeräte als Aushandlungsprozess zwischen Herstellern, Energieversorgungsunternehmen und Nutzern beschrieben werden.
Die Elektrokrampftherapie und ihr Apparat, 1938–1950
Die Elektroschocktherapie gilt als eine Ikone der technisierten Medizin des 20. Jahrhunderts und ihres Zugriffs auf den Menschen. Doch fehlte bislang historische Forschung zu ihrer Technik. Diese Studie untersucht umfassend und international vergleichend die Gestaltung der EKT in den 1940er Jahren.
Max Gawlich betrachtet mittels Fallstudien aus Deutschland, Großbritannien und der Schweiz die technische Entwicklung und klinische Einführung der Elektrokrampftherapie. Er stützt sich dabei auf umfangreiches technisches und klinisches Archivmaterial und durchleuchtet kritisch die therapeutische Erprobung und Entwicklung im Wechselspiel von Ingenieuren, Ärzten, Patienten und Pflegern.
Zudem untersucht er die medialen, praktischen und epistemischen Strategien im Umgang mit den unbekannten Apparaten im Klinikalltag. Darüber hinaus identifiziert er die Aufschreibetechniken und Apparate der Therapie sowie die therapeutische Praxis und analysiert sie hinsichtlich der Konzepte Wirksamkeit, Nichtwissen und Lokalität der Anwendung.
Von der Antike bis zur Gegenwart
Sic semper tyrannis! - So ergeht es den Tyrannen immer! Politischer Mord gehört zur Geschichte, ob in der Antike oder in der Gegenwart. Oft gewinnen die Taten als Mythos ein dauerhaftes Eigenleben. Aber Mord ist nicht gleich Mord.
Zwölf spannende Fälle politischen Mordens werden in ihren historischen und gesellschaftlichen Rahmen eingeordnet, auch mit Blick auf die unterschiedliche Wahrnehmung durch Zeitgenossen und Nachwelt. Motive und Muster ändern sich, doch ist das persönliche Charisma der Opfer vielfach eine treibende Kraft. Die politische Gewalt in Gestalt des Mordes manifestiert sich dabei in zwei Richtungen, denn nicht nur Herrscher und Politiker als Repräsentanten der Macht werden zum Ziel, sondern auch die Staatsmacht bedient sich des Mordes an Einzelnen oder an Personengruppen.
Gerade die jüngsten blutigen Ereignisse um Osama Bin Laden und Muammar al-Ghaddafi zeigen die Aktualität des Themas politischer Mord. Heldentaten oder Verbrechen? Die Antwort scheint je nach Standpunkt klar. Doch lässt sich immer so einfach Gut und Böse unterscheiden?
Über Zukunft und Fortschritt in der Bundesrepublik 1952-1982
Futurologie war das Symptom einer Epochenwende. Heute steht sie für fortschrittsbegeisterte, bunte Zukunftsbilder von Atom-Autos oder Städten im Weltraum. Tatsächlich jedoch beruhte sie zuallererst auf Fortschrittskritik.
Intellektuelle wie Ossip Flechtheim, Robert Jungk oder Karl Steinbuch plädierten nicht aus Euphorie für eine Wissenschaft der Zukunft, sondern um den problematischen Folgen des technischen Fortschritts beizukommen. Achim Eberspächer erzählt die Geschichte der Futurologie in der Bundesrepublik entlang ihrer Protagonisten, die um 1970 eine beachtliche Wirkung in Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit erzielten. Er deckt die Medienpräsenz der Futurologie und ihr Wechselspiel mit den populären Technikvisionen der 1960er-Jahre auf. Auf diese Weise gelingt es ihm, ihren rasanten Aufstieg, aber auch ihren ebenso schnellen Niedergang zu erklären.
Eine Stoffgeschichte der Kulturpflanze Raps (1897–2017)
Was 1897 auf einer kleinen Ostseeinsel seinen Anfang nahm, ist heute allgegenwärtig: als wogende gelbe Felder, als Biosprit und als gesundes Speiseöl. Raps –kaum eine andere Pflanze ist so sehr mit der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert verwoben.
Der Weg der Kulturpflanze führt von der Liebhaberei eines Pflanzenzüchters über die Ersatzstoffkultur in der Zeit der Weltkriege und die Agrarrevolution der Nachkriegszeit bis zum Rapsboom im Zeichen der Energiewende. Zugleich war Raps Teil der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte. Den modernen Raps gab es als Diskursprodukt, bevor er als pflanzliche Realität existierte. Züchterische Leistungen verbanden sich mit einem Wechselspiel in einem breiten Kreis von Akteuren, der Landwirte und Konsumenten ebenso umfasste wie Wissenschaftler und Agrarpolitiker. Damit zeigt das Buch zugleich Perspektiven einer Stoffgeschichte, die nicht nur an der Oberfläche des Materiellen verharrt.
Eine Technik- und Umweltgeschichte der Kleinwasserkraft (1880–1930)
Die Wassermühle mit Wasserrad ist heute noch vom Mythos einer vorindustriellen Form der Energiegewinnung umsponnen. Tatsächlich jedoch blieben diese »alten« Antriebstechniken an vielen Bächen mindestens bis in die Zwischenkriegszeit der wichtigste Kraftspender.
Diese »old technologies« (David Edgerton) der Wasserkrafttechnik wurden mit der Verwissenschaftlichung im Turbinenbau und der Elektrifizierung nicht obsolet. An vielen Wasserläufen in den südwestfälischen Mittelgebirgen lagen Einsatzbedingungen vor, die den Betreibern kleiner Hammerwerke oder Drahtrollen noch lange aus praktischen Gründen die Beibehaltung ihrer »alten« Wasserräder nahelegten.
Diese Technik-, Umwelt- und Wissensgeschichte der Kleinwasserkraft fragt nicht wie oft üblich nach dem Neuigkeitsgrad des technischen Wandels, sondern nach der Beständigkeit des Alten und Traditionellen.