Band 3: Die Fiktionen der Science auf dem Wege in das 21. Jahrhundert
HerausgeberIn: Linus Hauser
Auch in den Chefetagen der Wissenschaft finden neomythische Allmachtsfantasien statt. Nobelpreisträger träumen von einer – vom kosmischen Geist durchdrungenen – Quantensphäre und Begründer der Raumfahrt stellen Überlegungen an, die die Gedanken Erich von Dänikens vorwegnehmen.
Prominente Vertreter der Wissenschaftselite haben eine Vielzahl von vermeintlich wissenschaftlich begründeten Weltanschauungen aufgestellt.
Ausgehend von Neomythen innerhalb der Wissenschaftselite wird dargestellt, wie eine in populären Sachbüchern beginnende Rezeption von wissenschaftsförmigen Neomythen in der Öffentlichkeit stattfindet. Seit dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts beginnt sich eine neue, zukunftsträchtige Form der szientistischen Esoterik herauszubilden, die eugenische und totalitäre Fantasien beinhaltet.
Dieser Band beschließt die Kritik der neomythischen Vernunft mit dem Aufweis, auf welchem dünnen Eis eine Vernunft der modernen Wissenschaft steht, die sich von erkenntnistheoretischen Reflexionen löst und dabei religionsförmigen Projektionen erliegt. Damit erweisen sich die populären Neomythen des Alltags, die in den ersten beiden Bänden dargestellt wurden, keinesfalls als Randphänomene, denen man mit Schmunzeln begegnen darf.
Geburt eines Imperiums
Die Ideologie, die Scientology zugrunde liegt - hier wird sie entlarvt!
Jeder meint zu wissen, worum es bei Scientology geht. Doch es gibt kaum etwas Geheimnisvolleres als dieses weltumspannende Imperium. Handelt es sich um eine Kirche, eine Sekte oder doch um ein bedrohliches Netzwerk, dessen Intentionen nichts weniger als verbrecherisch sind?
Das Spektrum im Urteil über Scientology ist groß: In manchen Ländern wie der Schweiz genießt sie den Status einer Kirche mit allen sich daraus ergebenden Vorteilen, während sie in anderen - etwa in Deutschland - sogar unter Beobachtung durch den Verfassungsschutz steht. Mittlerweile verfügt die Scientology-Organisation über ein weltumspannendes Netzwerk. Zahlreiche Stars und Sternchen, vor allem aus der Glitzerwelt Hollywoods, sind bekennende Anhänger und stehen in der Hierarchie der Organisation an exponierter, geradezu werbender Stelle. Filme über Scientology finden ein Millionenpublikum.
Wer sich selbst ein Urteil bilden möchte, was die ideologische Basis von Scientology ausmacht, muss zur Geburt des Imperiums zurück und sich mit der Entwicklung des Gedankengebäudes ihres Gründers Ronald Hubbard beschäftigen, der die Organisation über Jahrzehnte diktatorisch regiert und geformt hat.
Linus Hauser ist diesen Spuren detektivisch nachgegangen und legt die weltanschauliche Basis offen, auf der das Imperium fußt.

in Das Andere des Begriffs
Band 2: Neomythen der beruhigten Endlichkeit. Die Zeit ab 1945
Radikale Veränderungen seines Weltbildes (Kopernikus, Darwin, Freud und die Informationstechnologie) zwingen den modernen Menschen zur Neuorientierung. Ursprünglich Sicherheit suggerierende Strukturen sind durch den wissenschaftlichen Geist der Neuzeit in Frage gestellt. Damit sieht sich der Mensch gezwungen, sich über seinen Platz in der Welt selbst Gewissheit zu verschaffen. Mangels äußerer, vorgegebener Strukturen ist er nunmehr auf sich selbst zurückgeworfen. Nur in sich selbst kann er seine neue Verortung finden. Mit der Krise der geistigen Gewalten des Abendlandes (kirchliches Christentum, griechisch-römische Mythologie, der klassische Vernunftbegriff), einem Prozess, der eher euphemistisch als Traditionskrise angesprochen wird, sind die überlieferten Maßstäbe des Urteils über den eigenen Stand in der Welt ebenfalls in eine Krise geraten. Es ergibt sich weiterhin im Verlauf der Moderne, dass auch die empirischen Wissenschaften selbst in die Legitimationskrise einbezogen werden. Karl Popper spricht exemplarisch vom 'Sumpfland', in dem die empirische Wissenschaft stochere. Die Konsum- und Leistungskultur fördert darüber hinaus ein Selbstbild, das an Allmachtsfantasien und Ohnmachtserfahrungen nicht arm ist und vernünftige Selbstorientierung an das Medium der Empfindung bindet. Aus allen diesen Bestimmungsfaktoren ergibt sich ein metaphysisch ungesicherter Zustand, der als andere Seite des empfindungsorien-tierten und empirisch abgesicherten Seins den Bezug auf die wissenschaftsfundierte Technik hinsichtlich ihrer fantastischen Potenziale in der Sciencefiction, deren Rezeption von der spielerisch-fiktiven bis zur genossenschaftlich-verbindlichen Form (Jungddeutscher Orden, Scientology, Church of All Worlds und Cthulhukulte) herstellt. Nun könnte man dieses Ausleben der anderen Seite der rationalen Moderne teils als unverbindliche Spielerei, teils als pathologischen Extremfall beurteilen. Ein Perhorreszieren aller Formen sogenannter Trivialkultur, mag sie noch so weit verbreitet und noch so wirksam sein, verhindert den kritischen und das heißt auch präventiven Blick auf Phänomene, deren politische Brisanz (Adolf Hitler) vor allem der erste Band dieser Kritik der neomythischen Vernunft deutlich macht. Wenn wir in einer Welt leben, in der populäre Film-und Erzählstoffe nicht nur den so genannten Mann auf der Straße ansprechen, sondern auch zu längeren Gedankenspielen von hochkarätigen Wissenschaftlern werden und darüber hinaus möglicherweise auch noch zu deren Forschungsprogrammen, dann ist es an der Zeit, derartige Entwicklungen ernst zu nehmen, und das heißt zunächst einmal, sie zur Kenntnis zu nehmen. Der dritte Band wird sich dann mit den neomythischen Fiktionen der Science, d.h. der Rezeption phantastiegeschaffener Weltbilder in der High Tech-Forschung und in den heutigen Leitwissenschaf-ten beschäftigen.
in Kritik der neomythischen Vernunft
in Kritik der neomythischen Vernunft
in Kritik der neomythischen Vernunft
in Kritik der neomythischen Vernunft
in Kritik der neomythischen Vernunft
in Kritik der neomythischen Vernunft