Islam, Wissenschaft und Moderne bei I. Goldziher, C. Snouck Hurgronje und C. H. Becker
AutorIn: Lisa Anna Medrow
Ist der Islam wissenschaftsfeindlich? Hat sich im Islam eine eigene Moderne und Wissenschaft entwickeln? Kann die islamische Wissenschaft Fehlentwicklungen der Gegenwart vermeiden oder ihr sogar als Vorbild dienen?
Das Verhältnis des Islams zu Moderne und Wissenschaft wurde um 1900 von führenden europäischen Islamwissenschaftlern beobachtet und kontrovers diskutiert. Ihre Arbeiten enthalten polemische Abwertungen, aber auch Annäherungen an den Islam und selbstkritische Überlegungen zur Wissenschaft in Europa. Die Autorin zeigt die Vielfalt der Auseinandersetzung beispielhaft an den Arbeiten von drei Gründungsvätern der Islamwissenschaft: Ignaz Goldziher, Christiaan Snouck Hurgronje und Carl Heinrich Becker. Damit liefert sie einen Einblick auf die Entstehung der Islamwissenschaft, ihr Verhältnis zum zeitgenössischen Islam und die Internationalisierung der Wissenschaften.
Mit der Einrichtung staatlicher Geheimdienste um 1900 wird die Beschaffung, Auswertung und Anwendung sensiblen Wissens auf eine neue organisatorische Grundlage gestellt. »Spionage« als eine spezifische Form der Wissensakquise avanciert dabei zu einer ebenso subtilen wie gefürchteten Technik. Mit dieser Professionalisierung geheimdienstlicher Tätigkeit kontrastiert gleichzeitig eine andere Entwicklung: der Aufstieg der Massenmedien zur »Vierten Gewalt«. Im Akt der Enthüllung und im Wettkampf um »Scoops« werden die Medien zu unberechenbaren Gegenspielern der Geheimdienste. Der Band beleuchtet dieses Wechselverhältnis jenseits einer Institutionengeschichte von Geheimdiensten. Es geht um Informationsbeschaffung an den Grenzen der Imperien, um Geheimnisverrat und Spionageabwehr, aber auch um den Spionage-Mythos in der Populärkultur. Im Zeichen von »Weltpolitik « und Weltkrieg wird geheimdienstliches Wissen zur umkämpften Ressource.