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In: Lorenz Jaeger als Ökumeniker
In: Religiöses Wissen im vormodernen Europa
In: Theologie wohin?
In: Herrlichkeit
Eine kritische Bestandsaufnahme im interdisziplinären Vergleich
Neue Forschungen in der Theologie weisen interessante Parallelen zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in anderen Kulturwissenschaften auf, insbesondere zur Diskussion um 'Gemeinschaftsdenken', 'Modernisierung' und 'Erinnerungskultur'. Der vorliegende Band dokumentiert eine internationale, interdisziplinäre Tagung zum Thema 'Theologie und Vergangenheitsbewältigung'. Der Begriff der Gemeinschaft und das antidemokratische 'Gemeinschaftsdenken' der Weimarer Republik schuf für Theologen ebenso wie für Historiker und andere Geisteswissenschaftler eine Disposition für die Annäherung an den Nationalsozialismus. Die Anpassung der jeweiligen Wissenschaft an die Vorgaben des nationalsozialistischen Staates wurde als Modernisierung verstanden, bzw. eine Modernisierung des Faches sollte mit Hilfe nationalsozialistischer Ideologie und Politik erreicht werden. Bemühungen um eine 'Erinnerungskultur' oder 'Gedächtnisgeschichte' treffen sich mit wesentlichen Impulsen einer 'Theologie nach Auschwitz'. Der Band enthält u.a. Beiträge zur Haltung der Bischöfe, zu 'braunen' Priestern und Universitätstheologen, zur Theologie Hitlers, zu Theologien nach Auschwitz als Form der Vergangenheitsbewältigung, zur christlichen Rede von Schuld und Vergebung im Kontext der Verfolgung von NS-Verbrechen, sowie Beiträge zur Aufarbeitung der Vergangenheit in anderen Wissenschaftsdisziplinen.
Die Aufarbeitung der Vergangenheit in der Theologie muss in einer internationalen und ökume-nischen Perspektive erfolgen. Nachdem im ersten Band zu 'Theologie und Vergangenheitsbewältigung' die deutsche katholische Theologie im Vordergrund stand, befasst sich der vorliegende Band mit dem französischen Katholizismus und dem deutschen Protestantismus. Katholische Reformtheologen in Deutschland und Frankreich in den Jahren 1930-1950 unterschieden sich in ihren theologischen Konzepten kaum. Sympathisierten jedoch in Deutschland prominente Reformtheologen mit dem Nationalsozialismus, waren in Frankreich viele der résistance spirituelle verbunden. War also die gleiche Theologie, die in Deutschland eine Disposition für den Nationalsozialismus schuf, in Frankreich eine Quelle des Widerstands? Der deutsche Protestantismus als kulturelles Milieu wurde zu einer der Haupteinbruchsstellen der 'Ideen von 1933' in die deutsche Gesellschaft. Die neuere historische Forschung kommt nicht umhin, die protestantische Anpassungs- und Tätergeschichte gegenüber dem 'christlichen Widerstand' stärker in den Vordergrund zu rücken.
Plädoyer für eine freie Religionswissenschaft
Religion wird heute in den profanen Wissenschaften als Teil der Kulturwissenschaften gesehen. Folglich gelten für die Erforschung der Religion die gleichen Regeln wie in den übrigen Wissenschaften. Die herkömmliche Theologie an den Theologischen Fakultäten verstößt vor allem in ihrer katholischen Variante in vielen Punkten gegen die Regeln der freien Lehre und Forschung.
In der katholischen Theologie benötigen alle Lehrenden und Forschenden die Zustimmung der Vatikanischen Studienkongregation und der Ortsbischöfe (missio canonica), die zu jeder Zeit entzogen werden kann. Mit dieser Praxis kommt es aber in der Erforschung der Religion und des Christentums zu deutlichen Verzerrungen der Sichtweisen und der Forschungsergebnisse.
Aus diesem Grund plädiert dieses Buch für eine konsequent freie Religionswissenschaft, ohne Monopolansprüche auf christliche Wahrheiten, auch ohne den Anspruch auf Überlegenheit über andere Religionen und Kulturen, ohne die Abwertung von alternativen christlichen Glaubensformen als »Ketzer« und »Häretiker«.