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In: Eugenio Pacelli als Nuntius in Deutschland
In: Religion - Recht - Republik
In: Katholizismus in Deutschland
Erinnerungspolitik und historische Kontroversen in der Bundesrepublik 1945-1980. Übersetzt von Charlotte P. Kieslich
Wurden Papst Pius XII. und die katholische Kirche nach 1945 wegen ihres Verhaltens während der Herrschaft der Nationalsozialisten unverhältnismäßig in den Fokus gerückt?
Mark Edward Ruff untersucht die heftigen Kontroversen über das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und dem NS-Regime, die in der Bundesrepublik zwischen 1945 und 1980 ausbrachen – etwa über Rolf Hochhuths Schauspiel „Der Stellvertreter“ von 1963. Er beleuchtet dabei, warum diese kulturellen Gefechte so viel Kraft kosteten, die Schlagzeilen beherrschten, Klagen vor Gericht auslösten und zum Einschreiten von Außenministerien führten. Nach Ruff waren diese Kontroversen über die Beziehung zwischen Kirche und Nationalsozialismus oftmals Stellvertreterkriege um die Positionierung der Kirche in der „modernen“ Welt – in der Politik, internationalen Beziehungen und den Medien. Im Mittelpunkt dieser Auseinandersetzungen standen in den meisten Fällen Konflikte, die durch die gestiegene politische Bedeutung des Katholizismus und die Integration katholischer Bürgerinnen und Bürger in die Mitte der Gesellschaft ausgelöst wurden.
Der deutsche Katholizismus zählt zu den bedeutenden politisch-sozialen Kräften der jüngsten deutschen Geschichte. An der Nahtstelle seines Gestaltwandels – des konziliaren Aufbruchs und des Abschieds vom Milieu – wurde 1962 in München die Kommission für Zeitgeschichte gegründet, um dieses Erbe zu erforschen und seine Bedeutung für die Kultur der Bundesrepublik Deutschland in das allgemeine Bewusst sein zu rücken. Die quellennahe historische Aufarbeitung dieser jüngsten Vergangenheit bietet bis heute in aufgeregten Kontroversen vor allem über die Zeit des Nationalsozialismus ein verlässliches Fundament. Mittlerweile sind die 1960er/70er Jahre selbst zum Gegenstand zeitgeschichtlicher Katholizismusforschung geworden. Die seitdem stark gewandelten gesellschaftlichen, religiösen und kirchlichen Verhältnisse haben die Rahmenbedingungen und den deutschen Katholizismus selbst grundlegend verändert. Der Band vereinigt Beiträge, in denen namhafte Historiker, Theologen, Soziologen und Politikwissenschaftler anlässlich des 50jährigen Bestehens der Kommission für Zeitgeschichte die Zusammenhänge von Zeitgeschichte und Gegenwart des Katholizismus aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Er bietet einen markanten Ausgangspunkt für die künftige Erforschung des Katholizismus in Deutschland.
Krieg, christliche Kultur und Antisemitismus in Ungarn
»Prohászka, Ottokár. Leading figure of conservative antisemitic ideology.« – Diesen Satz liest der Besucher in ungarischer und englischer Sprache unter einem Portrait des Bischofs Ottokár in der Dauerausstellung des im April 2004 neu eröffneten Holocaust-Museums in Budapest. Prohászka war von 1905 bis 1927 Bischof von Stuhlweißenburg (Székesfehérvár) und gilt als Initiator für die Formung des Katholizismus in Ungarn seit Mitte der 1890er Jahre. Die aktuelle Forschung sieht einen engen Zusammenhang zwischen dem politischen Katholizismus Ungarns und dem Antisemitismus der Zwischenkriegszeit. So lautet die Kernfrage des Buches: Welche Rolle spielte die »Erfahrung des Krieges« im Wandlungsprozess antisemitischer und nationalistischer Denkweise bei Prohászka? Welche Wirkung hatte der Krieg auf das Denken und Handeln katholischer Würdenträger in Ungarn? Besteht ein Zusammenhang zwischen Theologie, Nationalismus und Antisemitismus?
Politik, Geschlecht und Religiosität im Katholischen Deutschen Frauenbund
»Kinder, Küche, Kirche« gilt allgemein als Stereotype für das Rollenbild der Frau in der Adenauer-Ära. Das Beispiel des Katholischen Deutschen Frauenbundes zeigt eine andere, weitaus dynamischere Wirklichkeit.
Die dort engagierten Katholikinnen kämpften um politischen Einfluss und setzten sich für bessere Berufschancen von Frauen sowie für die Anerkennung der Haus- und Familienarbeit ein. Innerhalb der Kirche forderten sie Frauenquoten in Laiengremien.
Diese überzeugende Studie gibt einen neuen Einblick in religiöses Selbstverständnis, katholische Netzwerke, gesellschaftspolitische Diskussionen und Gestaltungsräume der katholischen Frauenbewegung nach 1945.
Von der katholischen Pädagogik zur Pädagogik von Katholiken
Katholische Lehrerverbände und pädagogisch interessierte Akademiker gründeten 1922 in Münster das »Deutsche Institut für wissenschaftliche Pädagogik«. Ihr Ziel war es, eine »katholische Pädagogik« als »Bollwerk« gegen jeglichen »Relativismus« zu errichten. Im Laufe der 1920er Jahre entstand ein mit erheblichen finanziellen Mitteln ausgestattetes modernes Forschungs- und Fortbildungszentrum, an dem von 1932 bis 1933 auch Edith Stein als Dozentin arbeitete. Die Auseinandersetzungen der nachfolgenden Diktaturjahre endeten 1938 mit der erzwungenen Schließung des Instituts. Als Antwortversuch auf die »Entchristlichung« der Gesellschaft durch den Nationalsozialismus erfolgte nach 1945 der Wiederaufbau im Zeichen betont konfessioneller Bildungspolitik. In den 1960er Jahren rückte das Institut im Kontext des Zweiten Vatikanischen Konzils, der Diskussionen um die Bildungsreform und die »empirische Wende« in der Erziehungswissenschaft dann vom Denkmuster einer katholischen Pädagogik ab. Zeitweise forcierten die Verantwortlichen jetzt eine personalistische Pädagogik mit christlichem Anspruch. Ab 1970 wandte man sich der bildungspolitisch hochaktuellen Curriculumforschung zu. Ein Streit um das »katholische« Profil veranlasste die deutschen Bischöfe aber 1980 das Institut aufzulösen. Auf einer breiten Grundlage unveröffentlichten Archivmaterials und zahlreicher zeitgenössischer Fachzeitschriften rekonstruiert der Autor mit dieser Institutsgeschichte zugleich die typischen Denkmuster einer »katholischen Pädagogik« sowie deren personelle und institutionelle Strukturen. In einem großen zeitlichen Bogen entsteht ein facettenreiches Bild der »katholischen Pädagogik« als kommunikativem Netzwerk im Rahmen der gesellschaftspolitischen, kirchlichen und wissenschaftlichen Umbrüche des 20. Jahrhunderts. Erstmals gelingt so ein fundierter Überblick über ein bisher kaum erforschtes Kapitel deutscher Bildungs- und Katholizismusgeschichte.
Studien zu Ernst-Wolfgang Böckenförde
Ernst-Wolfgang Böckenförde hat in Wissenschaft und Politik, in Kirche und Gesellschaft Debatten angestoßen, die bis heute nichts an Relevanz und Aktualität verloren haben.
Er gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der Bundesrepublik. Mit seinem berühmten »Böckenförde-Theorem«, seiner frühen Kritik am Politikverständnis des Vor- und Nachkriegskatholizismus, seinen Stellungnahmen zur Religionsfreiheit, aber auch mit seinen Interventionen zur Unantastbarkeit der Menschenwürde hat Ernst-Wolfgang Böckenförde wichtige Impulse gesetzt. Dies gilt auch für seine weniger bekannten Positionen zum Sozialstaatsgebot und seine jüngeren Überlegungen zur »ansteckenden Freiheit«, mit denen der Staat des Grundgesetzes auf die wachsende religiöse Pluralität der Gegenwartsgesellschaft reagieren könnte.
Author: René Schlott
Als Johannes Paul II. am 2. April 2005 starb, schaute die Welt nach Rom. Tageszeitungen erschienen in Extraausgaben, Radio- und Fernsehsender unterbrachen ihr laufendes Programm.
Das Medienereignis »Papsttod« trat beim Tod Johannes Pauls II. nicht zum ersten Mal in Erscheinung. Die überragende Stellung, die der Papst als Oberhaupt der katholischen Kirche innehat, sorgte dafür, dass sein Ableben auch in der Vergangenheit immer als eine bedeutende Zäsur wahrgenommen wurde und eine entsprechende grenzüberschreitende Medienpräsenz erfuhr. Mit der Entstehung der Massenmedien im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts steigerte sich die Medienaufmerksamkeit für den Tod des Papstes bis hin zu ihrem Höhepunkt im April 2005.
Kontinuitäten und Veränderungen im Ritual: Der Tod der Päpste als Medienereignis in historischer Perspektive.