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Bismarcks Vorstellungen von der Politik der europäischen Mächte und vom europäischen Staatensystem
AutorIn: Dominik Haffer
Bismarcks europäische Politik wird meist auf seinen Ausspruch reduziert: »Wer von Europa spricht, hat unrecht.« Solche situationsbedingten Äußerungen müssen jedoch im Kontext seiner gesamten Politik betrachtet werden.
In seiner Studie geht Dominik Haffer daher der Frage nach, ob es für Bismarck nicht doch auf der Ebene der praktischen Außenpolitik der einzelnen Regierungen ein europäisches Bewusstsein, eine europäische Verantwortung und somit Regeln und Verhaltensweisen gab, um gewisse Sicherheit, Ordnung und Berechenbarkeit im Staatensystem zu gewährleisten.
Völkerrecht in den internationalen Beziehungen
Angeregt durch die Debatten über die Bewahrung völkerrechtlicher Standards in einer durch die USA geprägten Weltordnung, diskutieren Experten aus Geschichts-, Politik- und Rechtswissenschaft das Spannungsverhältnis zwischen Macht und Recht in den internationalen Beziehungen.
Gehört es zur menschlichen Natur, dass »der Starke über den Schwachen herrscht«? Der Krieg der USA gegen den Irak und die Rechtlosigkeit in Guantanamo könnten den Eindruck erwecken, als ob diese vor fast 2500 Jahren formulierte Erkenntnis an Aktualität nichts verloren hat.
In einem historischen Längsschnitt schlägt der anregende Band einen Bogen von der Genese des Völkerrechts in der Antike bis zur »asymmetrischen Kriegführung« gegen den internationalen Terrorismus des 21. Jahrhunderts.
Europa, so behauptete Bismarck gegenüber seiner Tochter, würde von ihm »stets in 10 bis 15 Minuten beim ersten Frühstück abgemacht, gekämmt und gebürstet«. Aber wie sah seine Politik in Europa nach der Reichsgründung aus?
Bismarck hatte Europa nachhaltig verändert. Aus dem Unruhestifter Europas wurde ein Mann auf der Suche nach europäischer Stabilität. Wie gelang es ihm, sie zu erreichen? Diese Frage scheint aktueller denn je in einer Zeit, in der wir selbst nach neuer Stabilität in Europa suchen. Unter Rückgriff auf Bismarcks berühmtes Diktum »Who is Europe?« fragt der Band danach, wie Europa in seiner Ära politisch, ökonomisch bzw. kulturell definiert wurde. Er untersucht militärische und ökonomische Strategien des deutschen Aufstiegs in Europa, beleuchtet Bismarcks Suche nach Stabilität mit Hilfe sicherheitspolitischer Bündnissysteme bzw. trans- oder supranationaler ökonomischer Institutionen. Indem er seine Einstellungen gegenüber den übrigen Teilen der Welt beleuchtet, weitet der Band die eurozentrierte Perspektive ins Globale und gewinnt so neue Einsichten in Bismarcks Europaverständnis.
Ein deutsches, europäisches und globales Ereignis
Über Ursachen und Verlauf des deutsch-dänischen Krieges sind wir gut unterrichtet. Der Frieden von Wien, der das militärische Ringen beendete, indem er die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg der gemeinsamen Verwaltung Preußens und Österreichs unterstellte, ist fast vergessen.
Im Mittelpunkt des Bandes steht die Perzeptionsgeschichte des Friedens. Dabei wird der deutsch-dänische Krieg nicht mehr nur als lokaler Konflikt im Ostseeraum, sondern als ein Ereignis begriffen, dessen Verlauf und Beendigung über Dänemark und die deutschen Staaten hinaus auch in den europäischen, ja außereuropäischen Machtzentren Aufmerksamkeit erzeugte. Wie wurde der Wiener Frieden im Deut-schen Bund aufgenommen, wie von den europäischen Groß- und Mittelmächten, wie in den USA, in Japan oder Lateinamerika? Durch die Untersuchung der deutschen, europäischen und globalen Perzeption werden bisher vernachlässigte Aspekte der weltweiten Verflechtung in der Mitte des 19. Jahrhunderts aufgezeigt.
Abteilung IV - Gedanken und Erinnerungen
Der hier vorgelegte Band »Gedanken und Erinnerungen« bildet die Abteilung IV der »Neuen Friedrichsruher Ausgabe«. Diese Edition der Schriften, Reden, Gespräche und Memoiren Otto von Bismarcks löst die zwischen 1924 und 1935 veröffentlichten »Gesammelten Werke« – bald »Friedrichsruher Ausgabe« genannt – ab. Die »Neue Friedrichsruher Ausgabe « enthält eine Fülle neuer, bisher ungedruckter Dokumente aus der Zeit vor und nach 1871. Zugleich berücksichtigt die Auswahl der Dokumente Themenfelder und Fragestellungen, die vor Jahrzehnten noch gar nicht ins Blickfeld des historischen Interesses getreten waren. Über die Einrichtung der Edition unterrichtet ein Vorwort, das jedem Band der Reihe vorangestellt wird. Diese neue Ausgabe der »Gedanken und Erinnerungen« enthält den anhand der Originalvorlagen sorgfältig überprüften Text der Memoiren Otto von Bismarcks. Lese- und Schreibfehler aller bisheriger Editionen wurden beseitigt. Darüber hinaus finden sich im Anhang fünf erstmals publizierte umfangreiche Denkschriften Herbert von Bismarcks. Diese ermöglichen einen tiefen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Memoiren. Zahlreiche Sachanmerkungen erleichtern dem Leser zugleich die Lektüre
»Preußen als Kulturstaat im 19. Jahrhundert« – mit dieser Akzentuierung werden Konstanten und Wandlungen des Preußenbilds im 19. Jahrhundert betrachtet. Untersucht wird einerseits die Konstruktion und Propagierung Preußens als kulturelle Vormacht Deutschlands aus der Sicht der Apologeten und der Kritiker. Zum anderen wird das Verhältnis von staatlicher Kulturpolitik und Zivilgesellschaft näher beleuchtet. Welche Identifikationsebenen, aber auch welches Konfliktpotential wurden durch staatliche Gesetzgebung und bürgerliche Kulturpolitik mobilisiert? Schlossen konkurrierende Konzepte von Kultur, Gesellschaft und Staat ein gemeinsames Bekenntnis zum »Kulturstaat Preußen« aus?
Wirkung und Wahrnehmung eines Historikers im 19. und 20. Jahrhundert
Wie groß kann der Einfluss eines Historikers des 19. auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts sein?
Bis heute gilt Heinrich von Treitschke (1834-1896) als einer der umstrittensten deutschen Historiker und Publizisten, als eine Symbolfigur für rechte politische Ideologien. Das Urteil der Forschung: Treitschke hatte eine immense Wirkung auf das politische Denken der nachfolgenden Generationen. Erstmals zeichnet Thomas Gerhards die Rezeptionsmöglichkeiten und -wege nach. Die Analyse zeigt dabei Erstaunliches: Konservative Nationalisten konnten Treitschke verachten, jüdische Exilanten wohlwollend erinnern; Nationalsozialisten missbilligten seinen »liberalistischen« Antisemitismus, Sozialisten bewunderten seine politische Kämpfernatur. Sein tatsächlicher politischer Einfluss auf die nachfolgenden Generationen muss daher neu bewertet werden.
Abteilung III: 1871 - 1898. Schriften, Band 8: 1888 - 1890
Vom Dreikaiserjahr zur Entlassung: Der Ausklang der Ära Bismarck

Über 500 Dokumente erhellen den letzten Abschnitt der Kanzlerschaft Bismarcks. Die Umstellung durch die Thronbesteigung Wilhelms II., seine Politik gegen vermeintliche »Reichsfeinde« im Innern, die Kriegsgefahr und die Erweiterung des außenpolitischen Radius sind zentrale Themen. Einerseits werden Bismarcks Versuche erkennbar, im Innern und Äußern die zahlreichen politischen Fäden in der Hand zu behalten – andererseits, wie dies infolge der politischen und sozioökonomischen Wandlungsprozesse immer weniger gelingt. Die Schriften jener Jahre erscheinen so als eine Bilanz seines politischen Lebenswerks, die er schließlich gebündelt in seinem Entlassungsgesuch formuliert.
Balance of Power im internationalen System der Neuzeit
Die Bewahrung bzw. Austarierung des Gleichgewichts der Mächte erscheint uns bis heute als ein zentrales Problem der Staatskunst. Können Gleichgewichtskonstruktionen das internationale System tatsächlich stabilisieren und den Frieden befördern?
Worum geht es bei der Rede von Balance of Power? Die Beiträge dieses Bandes untersuchen Begriff, Theorie und politische Praxis des Mächtegleichgewichts aus unterschiedlichen Perspektiven im historischen Längsschnitt. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob und in welchem Maße Gleichgewichtskonstruktionen das internationale System stabilisiert und den Frieden befördert haben – oder ob sie doch eher Kartenhäusern glichen, die zusammenbrechen, wenn sich nur ein Sperling auf ihnen niederlässt, wie es Kant formulierte.